Child-Pugh-Score (Leberzirrhose)

Ergebnis:
Bitte füllen Sie alle Pflichtfelder aus.

Child‑Pugh‑Score (Leberzirrhose)

Der Child-Pugh-Score stellt ein etabliertes und weit verbreitetes Prognoseinstrument zur Beurteilung des Schweregrads einer Leberzirrhose dar. Ursprünglich in den 1960er/1970er Jahren entwickelt, diente der Score zunächst zur Abschätzung der Operations- und Mortalitätsrisiken bei Patienten mit portaler Hypertonie und Varizenblutung, wurde jedoch im Verlauf zur generellen Einschätzung der Leberreserve und zur Therapieplanung herangezogen. 

Parameter und Berechnung

Der Score basiert auf fünf klinischen bzw. laborchemischen Parametern, die jeweils mit 1 bis 3 Punkten entsprechend ihrem Schweregrad bewertet werden. Die Summe ergibt einen Gesamtwert zwischen 5 und 15 Punkten. 

Die verwendeten Parameter sind:

  • Gesamt-Bilirubin (mg/dl bzw. µmol/l)
  • Serum-Albumin (g/dl bzw. g/l)
  • Gerinnungsstatus (z. B. prothrombin time oder INR)
  • Vorliegen und Ausmaß einer Aszitesbildung
  • Vorliegen und Ausmaß einer hepatischen Enzephalopathie

Für jeden Parameter gelten definierte Schwellen- bzw. Punktwerte, z. B. bei Bilirubin: < 2 mg/dl (≈ 34 µmol/l) = 1 Punkt; 2-3 mg/dl = 2 Punkte; > 3 mg/dl = 3 Punkte. 

Klassifikation und Prognose

Aus der Gesamtsumme ergeben sich drei Klassen:

  • Klasse A: 5–6 Punkte → gut kompensierte Leberfunktion
  • Klasse B: 7–9 Punkte → moderat eingeschränkte Leber­funktion
  • Klasse C: 10–15 Punkte → dekompensierte Leberzirrhose mit hohem Risiko 

Die Überlebensraten variieren deutlich je nach Klasse: Klasse A zeigt eine relativ gute Prognose, Klasse C hingegen ist mit einer deutlich erhöhten Mortalität verknüpft. 

Anwendungsgebiete

In der klinischen Praxis dient der Child-Pugh-Score zur:

  • Abschätzung der Leberfunktionsreserve bei Patienten mit Zirrhose
  • Entscheidung über operative Eingriffe oder Interventionen bei Lebererkrankung
  • Orientierung über die Notwendigkeit einer Transplantations­evaluation
  • Einschätzung des Risikos bei Medikamenten­dosierung oder pharmakologischen Therapien, bei denen eine eingeschränkte Leberfunktion relevant ist 

Stärken

  • Einfach durch Routineparameter zu berechnen
  • Lange etabliert und in zahlreichen Studien genutzt
  • Gut verständlich und in der Praxis breit bekannt

Schwächen

  • Subjektive Komponenten (z. B. Ausmaß der Aszites, Grad der Enzephalopathie) können die Bewertung verzerren
  • Ungenauigkeiten bei extremen Laborwerten oder bei speziellen Lebererkrankungen (z. B. cholestatische Zirrhose)
  • Weniger geeignet zur Prognose bei akut veränderter Leberfunktion oder als alleinige Entscheidungs­grundlage für Transplantationsreihe
  • Moderater prognostischer Wert im Vergleich zu neueren Systemen wie dem MELD-Score 

Praktische Hinweise

Der Score sollte bei Patienten mit bekannter Leberzirrhose regelmäßig erhoben werden, insbesondere vor chirurgischen Eingriffen oder vor Therapien mit lebermetabolisierten Arzneimitteln. Es empfiehlt sich, die Ergebnisse im klinischen Kontext – insbesondere mit Blick auf Alter, Komorbiditäten, Verlauf und weitere Laborparameter – zu interpretieren. Trotz seiner Limitationen bleibt der Child-Pugh-Score ein hilfreiches Instrument zur strukturierten Risikobeurteilung und wird in der hepatologischen Versorgung weiterhin angewandt.

Beginnen Sie mit dem Lernen von EKG, Echo, Kardiologie und mehr