eGFR-Rechner (CKD-EPI 2021, MDRD, Cockcroft-Gault)

Jahre
kg
μmol/L
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Cockcroft–Gault

MDRD-Formel

CKD-EPI-Formel

Was geschätzt wird

Kreatinin-Clearance (CrCl), ml/min

eGFR (geschätzte GFR), ml/min/1,73 m²

eGFR, ml/min/1,73 m²

Eingangsvariablen

Alter, Körpergewicht (kg), Geschlecht, Serum-Kreatinin (mg/dL)

Serum-Kreatinin (mg/dL oder µmol/L), Alter, Geschlecht, ggf. Ethnizität

Serum-Kreatinin (mg/dL oder µmol/L), Alter, Geschlecht (und bei älteren Versionen Ethnizität)

Stärken

Einfach zu berechnen; viele Arzneimitteldosierungen basieren darauf

Gute Validierung bei moderater bis schwerer Niereninsuffizienz (< 60)

Höhere Genauigkeit insbesondere bei eGFR > 60 ml/min/1,73 m²; internationaler Standard

Schwächen

Nicht auf Körperoberfläche normiert; starke Abhängigkeit von Gewicht/Muskelmasse; bei Extremkörpergrößen ungenau

Unterschätzt GFR bei > 60 ml/min/1,73 m²; beeinflusst von Muskelmasse, Alter, Ethnizität

Ebenfalls Kreatininabhängig; bei sehr extremen Körperverhältnissen, akuter Nierenfunktion oder sehr alten Patienten eingeschränkte Genauigkeit

Optimaler Einsatz

Arzneimitteldosierung, pharmakokinetische Abschätzung

Diagnostik und Stadieneinteilung einer chronischen Nierenerkrankung bei eingeschränkter Funktion

Routinemessung in der Nephrologie zur CKD-Diagnostik, Risikostratifizierung und Verlaufskontrolle

Klassifikation der chronischen Nierenerkrankung (CKD) nach KDIGO

G-KategorieeGFR (ml/min/1,73 m²)BezeichnungKlinische Relevanz
G1≥ 90Normal oder ↑ GFR (mit Nierenschädigung)Nierenstruktur- oder Funktionsstörung vorhanden, aber normale Filtrationsrate. Früher Hinweis auf CKD möglich. 
G260-89Leicht erniedrigte GFRLeichte Funktionsminderung; meist nur relevant bei zusätzlicher Nierenschädigung (z. B. Albuminurie) zur CKD-Definition. 
G3a45-59Mäßig erniedrigte GFRKlinisch bedeutsamer Funktionsverlust; erhöhte Komplikations- und Progressionsrisiken. 
G3b30-44Deutlich erniedrigte GFRHöheres Risiko für CKD-Komplikationen und Fortschreiten; engere Überwachung angezeigt. 
G415-29Stark erniedrigte GFRSchwere Niereninsuffizienz; Vorbereitung auf nephrologische Interventionen und ggf. Ersatztherapie. 
G5< 15Nierenversagen (oder Ersatztherapie erforderlich)Hochgradiger Funktionsverlust; Planung von Dialyse oder Transplantation; sehr hohes Risiko für Morbidität und Mortalität. 

Hinweis zur Anwendung:

  • Die Einordnung erfolgt nach einer bestätigten Funktionsminderung bzw. Nierenschädigung über ≥ 3 Monate. 
  • Zusätzlich zur G-Kategorie ist die Albuminurie-Kategorie (A1–A3 bzw. ACR-Einordnung) essentiell für Risikostratifikation, Prognose und Therapie. 
  • Die Klassifikation dient als Basis zur Betreuung, Überwachung und Entscheidung über nephrologische Mitsprache und Therapieplanung.

Berechnung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) in der klinischen Praxis in Deutschland

Im Folgenden wird dargestellt, wie die Schätzung der glomerulären Filtrationsrate mittels der CKD‑EPI‑Formel im deutschen klinischen Umfeld anzuwenden ist. Weitere übliche Formeln wie die MDRD‑Formel und die Cockcroft–Gault‑Formel werden im Anschluss kurz verglichen.

CKD-EPI-Formel

Grundlagen

Die CKD-EPI-Formel (engl. Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration) gilt heute als Standard zur Abschätzung der eGFR bei Erwachsenen und wurde zuletzt 2021 aktualisiert. Die neuere Variante verzichtet auf einen ethnischen (Rasse-)Faktor. 

Typische Angaben erfolgen normiert auf eine Körperoberfläche (KOF) von 1,73 m².

Formel (Stand 2009; kreatinin-basiert)

Für Kreatinin (SCr) in mg/dL (bei Umrechnung von µmol/L muss durch 88,4 geteilt werden):

Mit κ = 0,7 für Frauen bzw. 0,9 für Männer; a = -0,329 für Frauen bzw. a = -0,411 für Männer. 

In Europa, im deutschen Umfeld, wird die Rassen-Komponente meist nicht mehr verwendet, insbesondere mit der 2021-Variante der Formel. 

Anpassung an deutsche Labordaten

  • In Deutschland werden Kreatininwerte typischerweise in µmol/L angegeben.
    • Umrechnung: mg/dL = µmol/L ÷ 88,4.
  • Die berechnete eGFR wird in ml/min/1,73 m² angegeben.
  • Die Normierung auf 1,73 m² dient dem Vergleich zwischen Personen mit unterschiedlicher Körperoberfläche.
  • In der deutschen Praxis wird häufig die 2021-Variante ohne Rassenfaktor genutzt: z. B.

Mit a’ = -0,241 für Frauen, -0,302 für Männer

Klinische Anwendung

  • Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung (CKD): eGFR < 60 ml/min/1,73 m² über ≥ 3 Monate oder Nachweis anderer Nierenschädigung (z. B. persistierende Albuminurie) gilt als Kriterium.
  • Zur Risikostratifizierung (z. B. kardiovaskulärer Risikoabschätzung) und bei Arzneimittel-Dosierung.
  • In Deutschland: eGFR-Berechnung in der Routine-Laborberichterstattung; der verwendete Formeltyp sollte im Laborbericht ausgewiesen sein.

Vorteile

  • Bessere Genauigkeit insbesondere bei eGFR > 60 ml/min/1,73 m² im Vergleich zu MDRD. 
  • Internationale Empfehlungen (z. B. KDIGO) präferieren CKD-EPI. 

Limitationen

  • Kreatininabhängig: beeinflusst durch Muskelmasse, Ernährung, Alter, Geschlecht.
  • Nicht geeignet bei akuter Veränderung der Nierenfunktion (z. B. akutes Nierenversagen) – hier keine GFR-Schätzung mittels Formel.
  • Bei extremen Körperverhältnissen (z. B. sehr geringe oder sehr hohe Muskelmasse) kann die Schätzung ungenau sein.

MDRD-Formel

Kurzüberblick

Die MDRD-Formel (Modification of Diet in Renal Disease) wurde früher häufig genutzt, ist aber bei eGFR > 60 ml/min/1,73 m² weniger präzise. 

In deutschen Laboren wird sie zunehmend durch CKD-EPI ersetzt.

Klinische Bedeutung

  • Gut validiert bei moderater bis schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 60).
  • Bei höhere GFR jedoch häufig Unterschätzung – d. h. gesunde Nieren können fälschlich als eingeschränkt eingestuft werden.

Cockcroft–Gault-Formel

Anwendung

Die Formel schätzt die Kreatinin-Clearance (CrCl) und wird in Deutschland vor allem im Rahmen der Arzneimitteldosierung berücksichtigt, insbesondere wenn Produktinformation (SmPC) auf CrCl basiert.

Hinweise

  • Nicht normiert auf 1,73 m².
  • Gewichtskorrektur bei Adipositas erforderlich.
  • Gilt primär nicht zur CKD-Stadierun g, sondern zur Dosierung.

Zusammenfassung

  • In der Routine-Nierenfunktionsdiagnostik sollte die eGFR anhand der CKD-EPI-Formel (idealerweise Variante 2021 ohne Rassenfaktor) verwendet werden.
  • Eine eGFR < 60 ml/min/1,73 m² über ≥ 3 Monate oder andere Marker für Nierenschädigung lassen eine chronische Nierenerkrankung (CKD) vermuten.
  • Bei Medikamentendosierung bzw. wenn CrCl benötigt wird, ist die Cockcroft–Gault-Formel weiterhin relevant.
  • In Grenzfällen oder bei unklaren Ergebnissen (z. B. bei älteren Patienten, extremer Körperzusammensetzung) sollte eine weiterführende Diagnostik bzw. nephrologische Konsultation erfolgen.
  • Die verwendete Formel sollte im Laborbericht genannt sein, sodass ärztlich nachvollziehbar bleibt, welche Methode zur Berechnung eingesetzt wurde.

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