GRACE‑Score (Global Registry of Acute Coronary Events) beim akuten Koronarsyndrom (ACS)

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Anwendung des GRACE‑Score (Global Registry of Acute Coronary Events) beim akuten Koronarsyndrom (ACS)

1. Zielsetzung und klinische Relevanz

Der GRACE-Score ist ein evidenzbasiertes Prognoseinstrument zur Risikostratifizierung von Patientinnen und Patienten mit akuten Koronarsyndromen (ACS) – sowohl bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) als auch ohne ST-Hebung (NSTEMI/UA). Er dient zur Abschätzung der Mortalität und Myokardinfarktwahrscheinlichkeit über unterschiedliche Zeiträume (z. B. hospitalär, 6 Monate) und unterstützt Therapieentscheidungen wie z. B. Zeitpunkt der invasiven Strategie. 

2. Variablen und Berechnung

Der Score basiert auf mehreren klinischen Eingangsgrößen bei Aufnahme bzw. zur Entlassung. Zu den wichtigsten Parametern zählen:

  • Alter (Jahre) 
  • Herzfrequenz (bpm) bei Aufnahme 
  • Systolischer Blutdruck (mmHg) bei Aufnahme 
  • Serum-Kreatinin (mg/dl oder µmol/l) als Marker der Nierenfunktion 
  • Killip-Klasse der Herzinsuffizienz (z. B. Zeichen von pulmonalem Ödem, kardiogener Schock) 
  • Vorliegen eines Herz­stillstands bei Aufnahme (Cardiac arrest) 
  • ST-Segment-Deviation im EKG (Hebung/Senkung) 
  • Erhöhte kardiale Biomarker (z. B. Troponin) als Hinweis auf Myokardschädigung 

Diese Variablen werden gewichtet und ergeben eine Punktzahl, die je nach Ausprägung ein Risiko für Mortalität bzw. weitere Ereignisse angibt. 

3. Interpretation und Risikokategorien

Die errechnete Punktzahl kann zur Kategorisierung in niedriges, mittleres oder hohes Risiko verwendet werden. Zum Beispiel zeigt eine typische Einteilung:

  • Bei STEMI: Score < 126 → niedriges Risiko (hospitaläre Mortalität < 2 %), 126-154 → intermediär (2-5 %), > 154 → hoch (> 5 %). 
  • Bei NSTEMI: Score < 109 → niedrig (< 1 %), 109-140 → intermediär (1-3 %), > 140 → hoch (> 3 %) hospitaläre Mortalität.  Darüber hinaus kann der GRACE-Score auch das 6-Monats- oder 1-Jahres-Risiko prognostizieren. 

4. Klinische Anwendung im Versorgungsprozess

  • Bei Präsentation mit ACS sollte möglichst früh der GRACE-Score berechnet werden (z. B. bei Aufnahme und ggf. zur Entlassung).
  • Ein hoher Score spricht für erhöhte Risikosituation und kann eine beschleunigte invasive Strategie, intensivere Überwachung oder frühere Re-Vaskularisation indizieren.
  • Ein niedriger Score kann helfen, Patientinnen/Patienten mit günstiger Prognose zu identifizieren, bei denen ggf. ambulante oder weniger intensive Überwachung denkbar ist – jedoch keine alleinige Entscheidungsgrundlage darstellt.
  • Der Score sollte im Zusammenspiel mit klinischer Beurteilung, Bildgebung, Laborparametern und individuellen Patientenmerkmalen eingesetzt werden.

5. Evidenzlage und Limitationen

  • Der GRACE-Score wurde in einer großen internationalen Kohorte abgeleitet und mehrfach extern validiert. 
  • Studien zeigen, dass der GRACE-Score hinsichtlich Diskriminierung eine bessere Leistung als vereinfachte Scores wie der TIMI‑Score aufweist. 
  • Limitationen: Der Score berücksichtigt nicht alle möglichen Komorbiditäten oder moderne Biomarker und invasive Verfahren vollständig. Zudem kann die Anwendung in speziellen Subgruppen (z. B. sehr alte Patientinnen/Patienten, multiple Komorbiditäten) eingeschränkt sein.
  • Der Score ist prognostisch – er ersetzt nicht die Diagnose oder Therapieentscheidung allein.

6. Schlussbemerkung

Der GRACE-Score stellt ein etabliertes, evidenzbasiertes Instrument zur Risikoabschätzung bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom dar. Seine Anwendung unterstützt die strukturierte Stratifikation und therapie­relevante Entscheidung – insbesondere im Hinblick auf Überwachung, Timing der Intervention und Nachsorge. Eine fundierte klinische Interpretation bleibt dabei unerlässlich.

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