Korrektur des Natrium-Spiegels bei Hyperglykämie
1. Physiologischer Hintergrund
Bei ausgeprägter Hyperglykämie steigt die Osmolalität des extrazellulären Raumes infolge der hohen Glukosekonzentration. Wasser verlagert sich daraufhin osmosebedingt aus den Zellen in den extrazellulären Raum. Dadurch wird das gemessene Serum-Natrium – obwohl die Gesamtnatrium-Menge unverändert bleibt – „verdünnt“, sodass ein scheinbares Hyponatriämie-Bild entstehen kann (osmotische Hyponatriämie). Dieses Phänomen wird mitunter als „translational hyponatremia“ bezeichnet.
Zur korrekten Beurteilung des Natriumspiegels bei Hyperglykämie ist daher eine Anpassung („Korrektur“) erforderlich.
2. Formeln zur Korrektur des Natriumwerts
Mehrere Formeln existieren, die den Effekt der Hyperglykämie auf das gemessene Natrium mathematisch berücksichtigen. Zwei gängige Formeln sind:
Katz-Formel (1973):

Hillier-Formel (1999)

Beispiel: Gemessenes Natrium 130 mEq/L, Glukose 400 mg/dL → bei Katz:
130 + 0,016×(400-100)=130 + 4,8≈134,8 mEq/L. Bei Hillier: 130 + 0,024×300≈137,2 mEq/L.
3. Klinische Bedeutung
Die korrigierte Natriumkonzentration erlaubt eine bessere Einschätzung, ob tatsächlich eine echte Hyponatriämie vorliegt oder ob die Absenkung primär durch die Hyperglykämie bedingt ist. Bei hoher Glukose ist der gemessene Natriumwert oft zu niedrig und würde ohne Korrektur zu einer unnötigen oder falschen Therapie führen.
4. Hinweise zur Anwendung
- Die Formel gilt bei akuter Hyperglykämie, z. B. im Rahmen einer diabetischen Ketoazidose oder hyperosmolaren Hyperglykämie.
- Sie setzt voraus, dass keine andere Ursache für Hyponatriämie vorhanden ist (z. B. primäre Wasserretention, SIADH).
- Die korrigierte Formel liefert eine Näherung und ersetzt nicht die vollständige klinische und laborchemische Bewertung (z. B. Osmolalität, Volumenstatus, Elektrolyt-Monitoring).
- Nach Korrektur der Glukose normalisiert sich der Natriumwert in der Regel spontan ohne zusätzliche aggressiven Eingriffe.