Das PR-Intervall und die PR-Strecke

Videovorlesung: Das PR-Intervall und die PR-Strecke

Diese Videovorlesung wird begleitet von dem ausführlichen Artikel Das normale Elektrokardiogramm (EKG). Eine kurze Zusammenfassung der Videovorlesung und des Artikels findet sich im Folgenden.

PR-Intervall und PR-Strecke

Das PR-Intervall reicht vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS-Komplexes. Es entspricht dem Zeitintervall vom Beginn der Vorhoferregung (Depolarisation) bis zum Beginn der Kammererregung (Depolarisation). Das PR-Intervall zeigt an, ob die Impulsüberleitung von den Vorhöfen auf die Kammern normal ist. Das PR-Intervall darf weder kürzer als 120 ms noch länger als 220 ms sein.

Die PR-Strecke ist die flache Linie zwischen dem Ende der P-Welle und dem Beginn des QRS-Komplexes. Die PR-Strecke spiegelt die zeitliche Verzögerung zwischen Vorhof- und Kammererregung wider. Die PR-Strecke dient außerdem als Basislinie (Referenzlinie oder isoelektrische Linie) der EKG-Kurve. Die Amplitude jeder Auslenkung bzw. Welle wird gegen die PR-Strecke als Basislinie gemessen.

Abbildung 4. Das normale und das pathologische PR-Intervall.
Abbildung 4. Impulsüberleitung von den Vorhöfen auf die Kammern. Das PR-Intervall zeigt an, ob die Impulsüberleitung durch den AV-Knoten normal (erstes Feld), abnorm langsam (zweites Feld) oder umgangen ist (drittes Feld).

Mehrere Zustände können die Fähigkeit des atrioventrikulären (AV-)Knotens vermindern, den Vorhofimpuls auf die Kammern überzuleiten. Mit abnehmender Leitfähigkeit wird das PR-Intervall länger. Die obere Normgrenze liegt bei 220 ms (0,22 s). Ist das PR-Intervall länger als 220 ms, liegt ein AV-Block ersten Grades vor, und dieser gilt als pathologischer Befund (Abbildung 4, zweites Feld).

Unter normalen Bedingungen läuft der elektrische Impuls von den Vorhöfen über den atrioventrikulären (AV-)Knoten zu den Kammern. Der elektrische Impuls kann nicht direkt vom Vorhof- auf das Kammermyokard übergehen, weil beide durch die Faserringe (Anulus fibrosus) elektrisch voneinander isoliert sind. Manche Menschen haben jedoch eine zusätzliche (auch akzessorisch genannte) Verbindung zwischen den Vorhöfen und den Kammern. Solche akzessorischen Verbindungen (Bahnen) sind embryonale Reste und können an beliebiger Stelle zwischen Vorhöfen und Kammern liegen. Akzessorische Bahnen ermöglichen es dem Vorhofimpuls, den AV-Knoten und damit die Impulsverzögerung im AV-Knoten zu umgehen. Die Kammern werden deshalb früher als erwartet erregt (depolarisiert), was sich im EKG durch ein kurzes PR-Intervall (PR-Intervall <0,12 Sekunden) zeigt. Dieser Zustand wird als Präexzitation bezeichnet (die Kammern werden vorzeitig erregt; siehe Abbildung 4, drittes Feld). Wie in Abbildung 4 dargestellt, verläuft die initiale Depolarisation der Kammern langsam, weil sich der Impuls zunächst außerhalb des His-Purkinje-Systems ausbreitet. Die langsame initiale Depolarisation erzeugt im EKG eine Deltawelle. Die Präexzitation führt zudem zu einer Verlängerung der gesamten QRS-Dauer, die dann 120 ms (0,12 s) überschreitet.

Checkliste zum PR-Intervall

  • Normales PR-Intervall: 0,12–0,22 Sekunden. Die obere Referenzgrenze liegt bei jungen Erwachsenen bei 0,20 Sekunden.

  • Ein verlängertes PR-Intervall (>0,22 s) ist vereinbar mit einem AV-Block ersten Grades.

  • Ein verkürztes PR-Intervall (<0,12 s) weist auf eine Präexzitation hin (Vorliegen einer akzessorischen Bahn). Sie ist mit einer Deltawelle verbunden.

Weitere Einzelheiten zum PR-Intervall und zur PR-Strecke finden sich in Das normale Elektrokardiogramm (EKG).

Aktualisiert 3. September 2026