Risikoscores·

CHA₂DS₂-VASc-Score

Schlaganfallrisiko bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern, zur Steuerung der oralen Antikoagulation.

Aktualisiert 18. August 2026

Inhalt (3)
CHA₂DS₂-VASc-Score
Alter
Geschlecht
Herzinsuffizienz / linksventrikuläre Dysfunktion
Hypertonie
Schlaganfall / TIA / Thromboembolie
Gefäßerkrankung
Früherer Myokardinfarkt, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder Aortenplaque
Diabetes mellitus
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Nur Entscheidungshilfe. Ersetzt keine klinische Beurteilung. Keiner der Rechner wurde von einer namentlich genannten Ärztin oder einem Arzt geprüft und freigegeben.

Wann sie angewendet wird

  • Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern, zur Abschätzung des Risikos für ischämischen Schlaganfall und zur Entscheidungsfindung bezüglich oraler Antikoagulation.
  • Nicht validiert bei valvulärem Vorhofflimmern (mittelgradige bis schwere Mitralstenose oder mechanische Klappenprothese); diese Patienten benötigen unabhängig vom Score eine Antikoagulation.

Formel

Die Summe aus: Herzinsuffizienz (1) + Hypertonie (1) + Alter ≥75 (2) + Diabetes (1) + Schlaganfall/TIA/Thromboembolie (2) + Gefäßerkrankung (1) + Alter 65–74 (1) + weibliches Geschlecht (1). Maximal 9 Punkte.

Fallstricke und Tipps

  • Weibliches Geschlecht ist eher ein Risikomodifikator als ein unabhängiger Risikofaktor: Frauen ohne andere Risikofaktoren haben ein niedriges Risiko.
  • Das Blutungsrisiko (z.B. HAS-BLED) sollte parallel bewertet werden, aber ein hoher Blutungsscore ist ein Grund, modifizierbare Risikofaktoren anzugehen, nicht die Antikoagulation vorzuenthalten.

Literatur

  1. Lip GYH, et al. Refining clinical risk stratification for predicting stroke and thromboembolism in atrial fibrillation using a novel risk factor-based approach. Chest. 2010;137(2):263–72.
  2. Friberg L, Rosenqvist M, Lip GYH. Evaluation of risk stratification schemes for ischaemic stroke and bleeding in 182 678 patients with atrial fibrillation: the Swedish Atrial Fibrillation cohort study. Eur Heart J. 2012;33(12):1500–10.
  3. Hindricks G, et al. 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation. Eur Heart J. 2021;42(5):373–498.

Warum es den Score gibt

Der CHA₂DS₂-VASc-Score wurde entwickelt, um eine Schwäche seines Vorgängers CHADS₂ zu beheben: Zu viele Personen landeten in einer Zwischenkategorie, in der die Entscheidung über eine Antikoagulation zur Vermutung wurde. Durch die Ergänzung um Gefäßerkrankung, weibliches Geschlecht und eine feinere Altersstufung verschiebt der CHA₂DS₂-VASc-Score die Mehrzahl dieser Personen in ein eindeutig niedriges oder eindeutig erhöhtes Risiko.

Der Score ist daher nicht in erster Linie ein Instrument, um Hochrisikofälle zu finden — er ist ein Instrument, um sicher diejenigen zu erkennen, deren Risiko so niedrig ist, dass eine Antikoagulation nicht gerechtfertigt ist.

Interpretation im klinischen Alltag

Die Schwelle unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern, da das weibliche Geschlecht für sich genommen einen Punkt ergibt, ohne allein ein erhöhtes Risiko zu bedeuten. Eine Frau, die nur den Geschlechtspunkt hat, trägt dasselbe Risiko wie ein Mann mit null Punkten.

  • Mann 0 Punkte · Frau 1 Punkt — auf eine Antikoagulation kann verzichtet werden.
  • Mann 1 Punkt — nach gemeinsamer Entscheidungsfindung erwägen.
  • Mann ≥ 2 · Frau ≥ 3 — eine orale Antikoagulation wird empfohlen.

NOAK werden gegenüber Warfarin bevorzugt, sofern keine mechanische Klappenprothese oder mittel- bis hochgradige Mitralklappenstenose vorliegt.

Fallstricke

Der Score gilt für nichtvalvuläres Vorhofflimmern. Bei mechanischer Klappenprothese oder relevanter Mitralklappenstenose ist eine Antikoagulation unabhängig von der Punktzahl indiziert, und der CHA₂DS₂-VASc-Score darf nicht zur Begründung eines Verzichts herangezogen werden.

Das Risiko ist nicht statisch. Wer heute bei null Punkten liegt, überschreitet die Schwelle allein durch das Älterwerden und sollte daher jährlich neu bewertet werden.

Das Blutungsrisiko wird gesondert abgewogen — der HAS-BLED-Score soll behebbare Risikofaktoren erkennen und nicht darüber entscheiden, ob antikoaguliert wird.

Schlagwörter
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