Niere & Labor·

Kreatinin-Clearance (Cockcroft-Gault)

Skattar kreatininclearance för dosering av läkemedel vid nedsatt njurfunktion.

Aktualisiert 22. August 2026

Inhalt (7)
Kreatininclearance (Cockcroft–Gault)
Ålder
år
Kön
Vikt
S-kreatinin
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Nur Entscheidungshilfe. Ersetzt keine klinische Beurteilung. Keiner der Rechner wurde von einer namentlich genannten Ärztin oder einem Arzt geprüft und freigegeben.

Wann sie angewendet wird

  • Njurdosjustering av läkemedel, särskilt DOAK, vars produktresumé och studiernas doseringskriterier baserades på Cockcroft–Gault, inte eGFR.
  • Förutsätter stabil njurfunktion. Otillförlitlig vid akut njurskada.

Formel

CrCl (mL/min) = [(140 − ålder) × vikt (kg)] / (72 × S-kreatinin [mg/dL]), × 0,85 om kvinna.

Fallstricke und Tipps

  • Vid extrem kroppshydda kan resultatet vara missvisande. Justerad eller idealvikt används ofta vid obesitas.
  • Eftersom ekvationen togs fram mot icke-standardiserade kreatininanalyser kan den skilja sig påtagligt från eGFR beräknat med CKD-EPI.

Literatur

  1. Cockcroft DW, Gault MH. Prediction of creatinine clearance from serum creatinine. Nephron. 1976;16(1):31–41.

Klinischer Hintergrund

Die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft–Gault schätzt die renale Kreatinin-Clearance und dient in erster Linie der Dosierung renal ausgeschiedener Arzneimittel. Die Gleichung erfüllt eine spezifische Funktion, die neuere eGFR-Formeln nicht vollständig übernommen haben: Die Dosierungsempfehlungen der Fachinformationen für die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) und viele weitere Arzneimittel beruhten in den Zulassungsstudien auf Cockcroft–Gault und nicht auf CKD-EPI. Damit setzen Dosisentscheidungen für diese Präparate formal genau diese Gleichung voraus, auch wenn die Labore heute standardmäßig die eGFR nach CKD-EPI berichten [1,2].

Die Entscheidung, der das Instrument dient, ist also nicht die Diagnostik der chronischen Nierenerkrankung, sondern die konkrete Frage: Welche Dosis dieses Arzneimittels soll die Patientin oder der Patient angesichts der renalen Elimination erhalten? Ohne eine Schätzung der Kreatinin-Clearance wird die Dosisanpassung zur Vermutung, besonders im Grenzbereich der Schwellen, ab denen eine Dosisreduktion greift.

Berechnung der Kreatinin-Clearance (Cockcroft–Gault)

Die Gleichung schätzt die Kreatinin-Clearance aus Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Serumkreatinin:

CrCl=(140Alter)×Gewicht72×SKreatinin×0,85(Frau)\text{CrCl} = \frac{(140 - \text{Alter}) \times \text{Gewicht}}{72 \times S_{\text{Kreatinin}}} \times 0{,}85_{\text{(Frau)}}

Dabei wird die CrCl in mL/min, das Alter in Jahren, das Gewicht in kg und das Serumkreatinin in mg/dL angegeben. Der Faktor 0,85 wird bei Frauen angewandt und gleicht deren geringere Muskelmasse und damit geringere Kreatininproduktion aus. Zu beachten ist, dass das Serumkreatinin in mg/dL einzusetzen ist; berichtet das Labor in µmol/L, muss der Wert vor dem Einsetzen in die Formel durch 88,4 geteilt werden.

Die Ableitungskohorte bestand aus 249 Patientinnen und Patienten im Alter von 18 bis 92 Jahren, bei denen der Zusammenhang zwischen Alter und der 24-Stunden-Kreatininausscheidung pro kg Körpergewicht ermittelt wurde. Die Gleichung wurde bei 236 Personen gegen den Mittelwert zweier gemessener 24-Stunden-Kreatinin-Clearances validiert, mit einem Korrelationskoeffizienten zwischen geschätztem und gemessenem Wert von 0,83 [3]. Die 1976 publizierte Kohorte war überwiegend männlich und bestand aus Personen mit stabiler Nierenfunktion einer allgemeininternistischen Station in Halifax, Kanada.

Interpretation in der Praxis

Die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft–Gault hat keine eingebauten Interpretationsbereiche im Sinne eines Risikoscores. Das Ergebnis ist eine kontinuierliche Schätzung in mL/min, die den Dosierungsempfehlungen des jeweiligen Arzneimittels gegenüberzustellen ist. Konkrete Beispiele:

CrCl (mL/min) Typische Konsequenz für DOAK Andere Arzneimittel
≥ 50 Standarddosis für die meisten DOAK Standarddosis nach Fachinformation
30 bis 49 Dosisreduktion für Dabigatran (150 mg × 2 auf 110 mg × 2); Rivaroxaban bei Vorhofflimmern 20 mg × 1 auf 15 mg × 1 Dosisreduktion oder verlängertes Dosierungsintervall für viele Antibiotika, Analgetika, Antiepileptika
15 bis 29 Apixaban in Standarddosis kann infrage kommen (2,5 mg × 2, wenn zwei von drei Kriterien erfüllt sind); Dabigatran laut Fachinformation kontraindiziert Ausgeprägte Dosisreduktion; einzelne Arzneimittel kontraindiziert
< 15 Mehrere DOAK kontraindiziert; Apixaban kann je nach Indikation mit Vorsicht gegeben werden In der Regel kontraindiziert oder fachärztliche Rücksprache erforderlich

Die Schwellen variieren zwischen Präparaten und Indikationen. Es ist die Fachinformation und nicht die Gleichung, die die Grenzwerte festlegt. Aufgabe des Rechners ist es, den CrCl-Wert zu liefern, auf dem die Dosisentscheidung beruhen soll.

Validierung und Testgüte

Die ursprüngliche Korrelation von r = 0,83 gegenüber der gemessenen Kreatinin-Clearance [3] hat sich im Nachhinein aus mehreren Gründen als optimistisch erwiesen. Eine systematische Schwäche ist, dass Cockcroft–Gault vor der Standardisierung der Kreatininbestimmung mittels Isotopenverdünnungs-Massenspektrometrie (IDMS) entwickelt wurde, die weltweit um 2010 eingeführt wurde. Nach der Standardisierung sind die Serumkreatininwerte etwas gesunken, was die geschätzte Kreatinin-Clearance gegenüber den Verhältnissen der Ableitungskohorte systematisch überhöht [1].

In einer niederländischen retrospektiven Kohortenstudie an 455 Personen mit Diabetes und gemessener 24-Stunden-Kreatinin-Clearance als Referenz schnitt Cockcroft–Gault bei Übergewichtigen und Adipösen besser ab als MDRD und CKD-EPI. Der Bias von Cockcroft–Gault verringerte sich von −13,4 mL/min bei einem BMI unter 25 auf −3,2 mL/min bei einem BMI über 30, während der Bias von CKD-EPI in derselben Gruppe absolut auf −29,6 mL/min zunahm. Bei einer akzeptierten Streuung von 30 Prozent hatte Cockcroft–Gault bei Adipösen eine Treffsicherheit von 76,8 Prozent gegenüber 37,3 Prozent für CKD-EPI [4]. Das ist ein wichtiges Argument dafür, Cockcroft–Gault gerade für die Dosierung bei übergewichtigen Personen beizubehalten, obwohl CKD-EPI zur Klassifikation der Nierenfunktion ansonsten überlegen ist.

Auf Intensivstationen ist die Leistung schlechter. In einer multinationalen Multizenterstudie an 383 Intensivpatientinnen und -patienten mit insgesamt 1708 gemessenen Kreatinin-Clearance-Werten zeigte Cockcroft–Gault bei Personen ohne gesteigerte renale Clearance eine mäßige Korrelation (r = 0,33 bis 0,39) und eine mäßige Treffsicherheit (48 bis 58 Prozent innerhalb von 30 Prozent des gemessenen Werts). Mit dem angepassten Körpergewicht (Adjusted Body Weight) war die Leistung am besten. Bei Personen mit gesteigerter renaler Clearance (Augmented Renal Clearance, definiert als gemessene CrCl ≥ 130 mL/min/1,73 m²) war die Korrelation niedrig (r = 0,24 bis 0,28) und der Bias hoch, unabhängig von der gewählten Körpergewichtsgröße [5].

Eine retrospektive Studie zur DOAK-Dosierung bei Vorhofflimmern fand bei 8 Prozent der nach Cockcroft–Gault korrekt dosierten Personen unter Rivaroxaban und bei 3 Prozent unter Dabigatran eine Dosisdiskordanz zwischen Cockcroft–Gault und CKD-EPI. Eine auf CKD-EPI statt Cockcroft–Gault beruhende Diskordanz war für Rivaroxaban mit einem erhöhten Thromboembolierisiko assoziiert (OR 2,83, 95-Prozent-KI 1,02 bis 7,79) [2]. Das unterstreicht, dass die Dosierungskriterien der Fachinformationen nicht beliebig durch die eGFR ersetzt werden können.

Limitationen

Eine stabile Nierenfunktion ist Voraussetzung. Die Gleichung setzt ein Steady State zwischen Kreatininproduktion und -elimination voraus. Bei akuter Nierenschädigung ist das Serumkreatinin ein verzögerter Marker, der die glomeruläre Filtration von Stunden bis Tagen zuvor abbildet, und Cockcroft–Gault überhöht die tatsächliche Clearance dann systematisch. Auf der Intensivstation liegt zudem häufig eine gesteigerte renale Clearance vor, bei der die Gleichung unabhängig von der gewählten Körpergewichtsgröße schlecht abschneidet [5].

Extremer Körperbau. Bei Adipositas überhöht der Term (140 − Alter) × Gewicht die Clearance, da Fettgewebe kein Kreatinin produziert. Bei einem BMI über 30 wird häufig das angepasste Körpergewicht (Adjusted Body Weight) empfohlen, bei ausgeprägter Adipositas kann das Idealgewicht (Ideal Body Weight) erwogen werden. Bei Mangelernährung oder Sarkopenie ist das Serumkreatinin wegen der verminderten Muskelmasse niedrig, was trotz tatsächlich eingeschränkter Filtration eine irreführend hohe Clearance-Schätzung ergeben kann. Das ist bei älteren, gebrechlichen Personen besonders relevant.

Standardisierung des Kreatinin-Assays. Da die Gleichung gegen nicht standardisierte Kreatininbestimmungen abgeleitet wurde, kann sie deutlich von der mit CKD-EPI berechneten eGFR abweichen, die an IDMS-standardisierte Verfahren angepasst ist [1]. Die Abweichung ist nicht konstant, sondern hängt vom Serumkreatininspiegel ab: Bei niedrigen Kreatininwerten fällt die Überhöhung der Clearance stärker aus.

Tubuläre Sekretion. Die Kreatinin-Clearance umfasst nicht nur die glomeruläre Filtration, sondern auch die tubuläre Kreatininsekretion (20 bis 30 Prozent), weshalb sie die tatsächliche GFR systematisch um 10 bis 20 Prozent überhöht [1]. Das ist eine Eigenschaft der Kreatinin-Clearance an sich und nicht speziell von Cockcroft–Gault, erklärt aber, warum auf Cockcroft–Gault beruhende Dosierungsempfehlungen höher liegen können, als es der wahren GFR entspricht.

Der Geschlechtsfaktor. Der feste Multiplikator 0,85 für Frauen beruht auf der Annahme einer um 15 Prozent geringeren Muskelmasse. Wegen der individuellen Variation der Körperzusammensetzung kann diese Korrektur sowohl zu groß als auch zu klein sein.

Verhältnis zur berichteten eGFR

Labore berichten in der Regel standardmäßig die eGFR nach CKD-EPI und nicht die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft–Gault. Wer DOAK oder andere nierendosisangepasste Arzneimittel dosiert, muss Cockcroft–Gault daher oft gesondert berechnen. Die europäischen Fachinformationen (SmPC) der DOAK geben Dosierungskriterien auf Basis der CrCl nach Cockcroft–Gault an, und diese gelten unabhängig davon, dass die eGFR (CKD-EPI) in der klinischen Praxis das primäre Maß zur Klassifikation der chronischen Nierenerkrankung ist. Bei Unklarheit darüber, welches Verfahren einer Dosierungsempfehlung zugrunde liegt, ist die Fachinformation zu konsultieren.

Quellen

  1. Sandhu G et al. Aligning kidney function assessment in patients with cancer to global practices in internal medicine. EClinicalMedicine 2025. PMID: 40290845
  2. Bhalodia NJ et al. DOAC Dosing Discordance Using Different Estimates of Kidney Function and Outcomes. Journal of Clinical Pharmacology 2023. PMID: 37178305
  3. Cockcroft DW, Gault MH. Prediction of creatinine clearance from serum creatinine. Nephron 1976. PMID: 1244564
  4. Drion I et al. The Cockcroft-Gault: a better predictor of renal function in an overweight and obese diabetic population. Obesity Facts 2011. PMID: 22166760
  5. Cucci MD et al. Performance of different body weights in the Cockcroft-Gault equation in critically ill patients with and without augmented renal clearance: a multicenter cohort. Pharmacotherapy 2023. PMID: 36373197
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