Eine einheitliche Terminologie ist die Voraussetzung für präzise Kommunikation im Reanimationsteam und für die Interpretation von Studien und Registerdaten. Dieses Kapitel stellt die wichtigsten Begriffe der Reanimationsforschung und der klinischen Reanimationspraxis zusammen und bildet die Grundlage für die folgenden Kapitel des Kurses.
Herzstillstand, Herztod und Kreislaufkollaps
Plötzlicher Herzstillstand (engl. sudden cardiac arrest, SCA): Plötzlicher, unerwarteter Stillstand der mechanischen Herzaktion. Die Folgen sind Bewusstlosigkeit, Atemstillstand beziehungsweise Schnappatmung und fehlender tastbarer Puls. Die Ventrikel kontrahieren nicht mehr oder können keine ausreichende Perfusion mehr erzeugen. Im deutschen Sprachgebrauch werden auch die Begriffe Herz-Kreislauf-Stillstand und Kreislaufstillstand verwendet.
Plötzlicher Herztod (engl. sudden cardiac death, SCD): Tod als Folge eines plötzlichen Herzstillstands.
Kreislaufkollaps: Plötzlicher Ausfall der Gewebeperfusion aufgrund einer kardialen oder vaskulären Ursache. Der Kollaps kann sich spontan zurückbilden (z. B. bei vasovagaler Synkope) oder durch eine Behandlung beendet werden (z. B. bei Herzrhythmusstörungen). Etwa 10 Sekunden nach Sistieren der zerebralen Durchblutung tritt Bewusstlosigkeit ein.
Schnappatmung (Atemschnappen, engl. agonal breathing): Tiefe, langsame, unregelmäßige Atemzüge mit einer Frequenz von 1 bis 4/min. Schnappatmung tritt in der ersten Minute nach einem Herzstillstand häufig auf und wird von Laien oft als normale Atmung fehlgedeutet.
Schnappatmung ist ein Zeichen des Herzstillstands und keine normale Atmung. Wer eine bewusstlose Person mit Schnappatmung antrifft, beginnt sofort mit der Reanimation.
Defibrillation und Kardioversion
Defibrillation: Abgabe eines nicht synchronisierten Elektroschocks, also eines Schocks, der unabhängig von der Phase des Herzzyklus ausgelöst wird, zur Beendigung von Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie.
Kardioversion: Abgabe eines synchronisierten Elektroschocks, der auf den QRS-Komplex getriggert wird. Die Kardioversion wird bei Vorhofflimmern, ventrikulärer Tachykardie mit Puls und anderen Tachyarrhythmien mit abgrenzbarem QRS-Komplex eingesetzt.
Defibrillierbarer Rhythmus (engl. shockable rhythm): Rhythmus im Herzstillstand, der durch Defibrillation terminiert werden kann: Kammerflimmern (VF) und pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT).
Nicht defibrillierbarer Rhythmus (engl. non-shockable rhythm): Rhythmus im Herzstillstand, der nicht defibrillierbar ist, nämlich pulslose elektrische Aktivität (PEA) und Asystolie. Eine Bradykardie mit tastbarem Puls ist kein Herzstillstand und wird nach dem Bradykardie-Algorithmus behandelt. Eine ausgeprägte Bradykardie ohne Perfusion kann jedoch in eine PEA oder Asystolie übergehen.
| Rhythmus | Defibrillierbar | Mechanische Herzaktion |
|---|---|---|
| Kammerflimmern (VF) | ja | keine |
| Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT) | ja | keine oder unzureichend |
| Pulslose elektrische Aktivität (PEA) | nein | keine oder unzureichend |
| Asystolie | nein | keine |
No-Flow, Low-Flow und ROSC
No-Flow: Kreislaufstillstand ohne jegliche Perfusion, also der Zeitraum, in dem keine Reanimationsmaßnahmen durchgeführt werden.
No-Flow-Zeit: Dauer (in Minuten) vom Kreislaufstillstand bis zum Beginn der Reanimation. Während der No-Flow-Zeit findet keine zerebrale Perfusion statt, und die Hirnschädigung schreitet rasch fort.
Low-Flow: Die durch die Reanimation erzeugte Restperfusion.
Low-Flow-Zeit: Dauer (in Minuten) vom Beginn der Reanimation bis zum ROSC oder bis zum Abbruch der Reanimationsmaßnahmen. Eine effektive Reanimation erzeugt etwa 15 bis 25% des normalen Herzzeitvolumens. Dadurch werden zerebrale Schäden hinausgezögert oder abgeschwächt.
No-Flow-Zeit und Low-Flow-Zeit sind entscheidende Parameter für die Überlebenswahrscheinlichkeit. Eine No-Flow-Zeit von mehr als 6 bis 8 Minuten verläuft meist tödlich.
Basismaßnahmen der Reanimation (engl. Basic Life Support, BLS): Reanimationsmaßnahmen, die auch von Laien durchgeführt werden können. Sie umfassen Thoraxkompressionen, gegebenenfalls Beatmung sowie den Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED). Der Begriff Laienreanimation bezeichnet die Durchführung dieser Maßnahmen durch Ersthelfer vor Eintreffen des Rettungsdienstes.
Rückkehr des Spontankreislaufs (engl. Return of Spontaneous Circulation, ROSC): Wiederkehr einer mechanisch wirksamen Herzaktion mit tastbarem Puls und messbarem Blutdruck.
Perfusionsdrücke
Koronarer Perfusionsdruck (CPP): Druck, der den Blutfluss durch die Koronararterien antreibt. Der CPP entspricht der Druckdifferenz zwischen Aortenwurzel und rechtem Vorhof während der Diastole. Während der Reanimation fließt das Blut in der Dekompressionsphase durch die Koronararterien. Ein hoher Aortendruck und ein niedriger Druck im rechten Vorhof begünstigen den koronaren Blutfluss. Ein CPP von etwa 15 mmHg oder mehr gilt als notwendig, um eine spontane elektrische Aktivität der Myokardzellen und einen ROSC zu ermöglichen. Bei einem CPP unter 15 mmHg ist dies in der Regel nicht möglich.
CPP = PAorta − Prechter Vorhof
Zerebraler Perfusionsdruck (CerPP): Druck, der den zerebralen Blutfluss antreibt. Der CerPP wird durch den intrakraniellen Druck (ICP) und den mittleren arteriellen Blutdruck (MAP) bestimmt. Ein niedriger ICP und ein hoher MAP begünstigen die Hirndurchblutung.
CerPP = MAP − ICP
Typische Verwechslungen
- Herzstillstand und Herzinfarkt sind nicht synonym. Der Herzinfarkt ist eine Durchblutungsstörung des Myokards und kann zum Herzstillstand führen. Der Herzstillstand ist dagegen ein elektrisch oder mechanisch bedingter Funktionsausfall des gesamten Herzens.
- Defibrillation und Kardioversion unterscheiden sich durch die Synchronisation. Ein pulsloser Patient mit Kammerflimmern oder pulsloser VT wird defibrilliert, also nicht synchronisiert geschockt.
- Plötzlicher Herzstillstand und plötzlicher Herztod bezeichnen nicht dasselbe: Der Herzstillstand kann bei erfolgreicher Reanimation überlebt werden, der Herztod nicht.