Klinischer Hintergrund
Die Webster Rating Scale für die Parkinson-Krankheit wurde 1968 veröffentlicht und war einer der frühesten Versuche, die Funktionsbeeinträchtigung bei der Parkinson-Krankheit mit einer standardisierten ordinalen Bewertung zu quantifizieren [1]. Zuvor dominierte die Stadieneinteilung nach Hoehn und Yahr, die eine grobe globale Graduierung liefert, aber keine Detailgenauigkeit auf Item-Ebene bietet. Die Webster-Skala führte eine systematische Beurteilung von zehn klinischen Domänen ein, die für die Parkinson-Krankheit zentral sind, und ermöglichte es, Patientinnen und Patienten im Zeitverlauf zu verfolgen und Behandlungsergebnisse zu vergleichen. Die Skala war lange ein Referenzstandard in klinischen Studien, wurde aber seit den 1980er Jahren weitgehend durch die UPDRS und deren Weiterentwicklung MDS-UPDRS abgelöst [2].
Berechnung der Webster Rating Scale
Die Skala umfasst zehn Items, die jeweils mit 0 bis 3 Punkten bewertet werden:
Die zehn Items sind: Bradykinese der Hände (einschließlich Handschrift), Rigor, Haltung, Armpendeln, Gang, Tremor, Gesichtsausdruck, Seborrhö, Sprache und Selbstversorgung (Essen, Ankleiden, Hygiene). Jedes Item wird klinisch bei einer strukturierten Untersuchung beurteilt. Die Gesamtpunktzahl reicht von 0 bis 30, wobei 0 das Fehlen einer Funktionsbeeinträchtigung und 30 die maximale Beeinträchtigung bedeutet.
Die Skala wurde aus Websters klinischer Erfahrung mit Parkinson-Patientinnen und -Patienten zu einer Zeit abgeleitet, als die Levodopa-Behandlung gerade eingeführt wurde [1]. Ziel war es, eine kritische Analyse der verschiedenen Dimensionen der Funktionsbeeinträchtigung zu bieten, mit besonderem Schwerpunkt auf motorischen Symptomen, aber auch unter Einbeziehung nichtmotorischer Merkmale wie Seborrhö und Gesichtsausdruck.
Interpretation in der Praxis
Die Gesamtpunktzahl wird in drei Bereiche eingeteilt:
| Bereich | Punkte | Bedeutung | Klinische Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Leicht | 0-10 | Leichte Funktionsbeeinträchtigung | Die Patientin oder der Patient bewältigt Alltagsaktivitäten in der Regel selbstständig; die medikamentöse Behandlung kann anhand des Symptomprofils optimiert werden |
| Mäßig | 11-20 | Mäßige Funktionsbeeinträchtigung | Medizinische Anpassung erforderlich; prüfen, ob rehabilitative Maßnahmen oder Hilfsmittel indiziert sind |
| Schwer | 21-30 | Schwere Funktionsbeeinträchtigung | Ausgeprägte Funktionsbeeinträchtigung; erweiterte Versorgungsplanung, Unterstützung der Angehörigen und spezialisierte Maßnahmen erwägen |
Da die Skala ein globales, aber grobes Bild liefert, sollten auch die einzelnen Items berücksichtigt werden. Eine Patientin oder ein Patient mit hoher Punktzahl allein bei Tremor und Seborrhö, aber niedriger bei Gang, Haltung und Selbstversorgung hat ein anderes klinisches Profil als jemand mit derselben Gesamtpunktzahl, bei dem Gang und Selbstversorgung dominieren. Die Skala eignet sich daher besser für eine grobe Verlaufskontrolle als für eine detaillierte Behandlungsplanung.
Validierung und Leistungsfähigkeit
Eine systematische Übersichtsarbeit zu den klinimetrischen Eigenschaften von Parkinson-Skalen identifizierte die Webster-Skala unter den frühen Skalen zur Funktionsbeeinträchtigung und stellte fest, dass sie nicht so umfassend klinimetrisch evaluiert wurde wie CURS, NUDS und UPDRS [2]. Die Übersichtsarbeit stellte große Unterschiede zwischen den Skalen darin fest, wie gut sie Symptome abbilden, die auf eine dopaminerge Behandlung ansprechen, im Gegensatz zu Symptomen, die spät im Verlauf auftreten und nicht auf die Behandlung ansprechen.
Eine vergleichende Reliabilitätsstudie, in der sechs Neurologen 48 Patientinnen und Patienten mit idiopathischer Parkinson-Krankheit beurteilten, fand für die Webster-Skala eine mäßige Interrater-Reliabilität, gemessen mit dem K-Index [3]. Dieselbe Studie fand, dass die Columbia University Rating Scale (CURS) eine etwas höhere Übereinstimmung zwischen den Beurteilern aufwies. Eine deutliche Schwäche war die inkonsistente Interrater-Reliabilität für Bradykinese, Tremor und Rigor unabhängig von der Skala, während übergeordnete Items zur Funktionsbeeinträchtigung eine mäßige bis gute Reliabilität zeigten [2].
In einer Studie mit 350 unbehandelten und ausgewählten Parkinson-Patientinnen und -Patienten wurde eine modifizierte Version der Webster-Skala zusammen mit mehreren anderen Instrumenten verwendet [4]. Die CURS zeigte eine hohe interne Konsistenz (Cronbachs ), während die Webster-Skala in ihrer modifizierten Form vor allem als eines von mehreren ergänzenden Instrumenten bewertet wurde.
Die Webster-Skala wurde auch außerhalb der rein neurologischen Beurteilung verwendet. In einer Studie mit zehn Parkinson-Patientinnen und -Patienten und alterskorrespondierenden Kontrollen korrelierte Websters Gesamtpunktzahl signifikant sowohl mit der Reaktionszeit beim Fahren im Simulator als auch mit der Lenkfähigkeit [5]. Das deutet darauf hin, dass die Skala trotz ihres Alters ein globales Funktionsniveau erfasst, das mit realen Aktivitäten zusammenhängt.
Einschränkungen
Die Webster-Skala hat mehrere Einschränkungen, weshalb sie heute von der UPDRS und der MDS-UPDRS verdrängt ist:
Unzureichende klinimetrische Evaluation. Der Skala fehlt die systematische Validierung, die moderne Skalen durchlaufen haben [2]. Ihre Eigenschaften wurden nicht in großen, prospektiven Kohorten mit modernen statistischen Methoden geprüft.
Vermischung von Funktionsbeeinträchtigung und Behinderung. Anders als die UPDRS, die die motorische Untersuchung (Teil III) strikt von den Aktivitäten des täglichen Lebens (Teil II) trennt, vermischt die Webster-Skala Untersuchungsbefunde und funktionelle Folgen innerhalb desselben Skalensystems. Das erschwert die Deutung, welche Komponente eine Veränderung der Punktzahl bewirkt.
Item für Seborrhö und Gesichtsausdruck. Seborrhö ist ein nichtmotorisches Symptom, das eher eine autonome Dysfunktion als einen dopaminergen Mangel widerspiegelt und sich schwer reproduzierbar quantifizieren lässt. Der Gesichtsausdruck überlappt mit Bradykinese und Hypomimie und kann zu einer Doppelwertung führen.
Mangelnde Responsivität. Die Skala wurde vor der modernen Levodopa-Ära entworfen und enthält Symptome wie Seborrhö und Sialorrhö (Speichelfluss), die späte, schwer behandelbare Probleme sind. Dopaminerg ansprechende Symptome wie Fingergeschicklichkeit und Gang sind zwar vertreten, aber mit einer groben Auflösung (0-3), die bei leichter bis mäßiger Erkrankung das Risiko eines Bodeneffekts birgt [2].
Keine kognitiven oder psychiatrischen Items. Die Skala deckt ausschließlich motorische und autonome Funktionen ab. Kognitive Beeinträchtigung, Depression und Psychose, die bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit zentral sind, fehlen vollständig.
Die Skala sollte nicht als einziges Instrument zur Verlaufskontrolle der Behandlung oder in klinischen Studien verwendet werden, in denen die UPDRS oder die MDS-UPDRS verfügbar sind. Sie kann jedoch als historische Referenz bei der Interpretation älterer Studien und für ein grobes Screening, bei dem eine rasche globale Beurteilung ausreicht, von Wert sein.
Quellen
- Webster DD. Critical analysis of the disability in Parkinson's disease. Mod Treat. 1968;5(2):257-282. PMID: 5655944
- Ramaker C, Marinus J, Stiggelbout AM et al. Systematic evaluation of rating scales for impairment and disability in Parkinson's disease. Mov Disord. 2002;17(5):867-876. PMID: 12360535
- Ginanneschi A, Degl'Innocenti F, Magnolfi S et al. Evaluation of Parkinson's disease: reliability of three rating scales. Neuroepidemiology. 1988;7(1):38-41. PMID: 3340268
- Baas H, Stecker K, Fischer PA. Value and appropriate use of rating scales and apparative measurements in quantification of disability in Parkinson's disease. J Neural Transm Park Dis Dement Sect. 1993;5(1):45-61. PMID: 8439392
- Madeley P, Hulley JL, Wildgust H et al. Parkinson's disease and driving ability. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1990;53(7):580-582. PMID: 2391522