Dieser Fall zeigt den kompletten Verlauf eines Herzstillstands durch Kammerflimmern bei einem zuvor gesunden Mann, von der auslösenden ventrikulären Tachykardie (VT) über die Defibrillation bis zur Wiederkehr des Sinusrhythmus und einem Rezidiv. Jede Registrierung zeigt zwei Ableitungen, die gleichzeitig aufgezeichnet wurden. Hintergrundwissen: Das 3-Phasen-Modell des plötzlichen Herzstillstands.
| Geschlecht | Alter | Anamnese | Medikation |
|---|---|---|---|
| Männlich | 43 Jahre | Keine | Keine |
Fragen zum Fall
- Wodurch unterscheiden sich grobes und feines Kammerflimmern, und welche Bedeutung hat das für die Prognose?
- Was bedeutet die Asystolie unmittelbar nach dem Schock (EKG 9), und wie sollte man darauf reagieren?
- Welche Differenzialdiagnosen sind bei den neu aufgetretenen ST-Hebungen in EKG 14 zu bedenken? (Siehe EKG-Interpretation nach ROSC.)
EKG 1. Sinusrhythmus, unterbrochen durch eine schnelle ventrikuläre Tachykardie (VT).
EKG 2. VT mit Übergang in Kammerflimmern.
EKG 3. Grobes Kammerflimmern (große Amplituden).
EKG 4. Kammerflimmern.
EKG 5. Feines Kammerflimmern (niedrige Amplituden).
EKG 6. Grobes Kammerflimmern.
EKG 7. Grobes Kammerflimmern.
EKG 8. Kammerflimmern.
EKG 9. Schockabgabe (roter Pfeil) mit nachfolgender Asystolie.
EKG 10. Wiederkehr supraventrikulärer Komplexe (rote Pfeile).
EKG 11. Rezidiv von Kammerflimmern und erneuter Schock.
EKG 12. Sinusrhythmus.
EKG 13. Erneute VT.
EKG 14. Sinusrhythmus mit zuvor nicht vorhandenen ST-Hebungen.
Lernpunkte
- Die Amplitude des Kammerflimmerns nimmt mit der Dauer des Kreislaufstillstands tendenziell ab. Grobes Kammerflimmern spricht eher für einen kürzeren Stillstand, feines Kammerflimmern kann mit Asystolie verwechselt werden und sollte in mehreren Ableitungen beurteilt werden.
- Nach einer erfolgreichen Defibrillation ist eine kurze Asystolie oder ein langsamer Rhythmus vor der Wiederkehr organisierter Aktivität häufig. Die Thoraxkompressionen werden unmittelbar nach dem Schock fortgesetzt.
- Rezidive von Kammerflimmern und VT sind nach ROSC häufig und erfordern weiterhin monitorüberwachte Bereitschaft zur Defibrillation.
- ST-Hebungen nach ROSC können nach Defibrillation und Reanimation auch unspezifisch sein. Sie rechtfertigen dennoch die dringliche Abklärung einer akuten Koronarokklusion (siehe Postreanimationsbehandlung nach ROSC).