EKG-Interpretation nach ROSC

Bei allen Patienten sollte nach Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs (ROSC) so früh wie möglich ein standardisiertes 12-Kanal-EKG abgeleitet werden. Es dient in erster Linie dazu, einen ST-Hebungsinfarkt (STEMI) zu erkennen, denn die Befundung entscheidet unmittelbar darüber, ob der Patient ohne Verzögerung ins Herzkatheterlabor gebracht wird. Das EKG ist damit ein zentraler Baustein der Postreanimationsbehandlung nach ROSC.

Vorgehen

Bei hämodynamisch stabilen Patienten mit ROSC und ST-Hebungen im EKG sollte eine dringliche Koronarangiographie mit der Option einer PCI erfolgen. Die ST-Hebung bei akuter transmuraler Myokardischämie und ihre Differenzialdiagnosen sind im Beitrag ST-Hebung bei akuter Myokardischämie und Differenzialdiagnosen beschrieben; die Diagnosekriterien finden sich unter ST-Hebungsinfarkt: Diagnose und EKG-Kriterien.

EKG nach ROSC Konsequenz
ST-Hebung (oder STEMI-Äquivalent) Dringliche Koronarangiographie mit Option zur PCI
Keine ST-Hebung Keine routinemäßige sofortige Angiographie; Angiographie erwägen bei hoher Wahrscheinlichkeit eines akuten Koronarverschlusses (z. B. elektrische oder hämodynamische Instabilität, rezidivierende VT/VF)
Unspezifische ST-T-Veränderungen Kein Einfluss auf das weitere Vorgehen; Verlaufskontrolle

Patienten ohne ST-Hebung

In den Studien COACT, PEARL und TOMAHAWK wurden Patienten mit ROSC ohne ST-Streckenhebung randomisiert und entweder dringlich angiographiert oder zunächst konservativ behandelt (verzögerte bzw. selektive Angiographie). Diese Studien zeigten keinen Vorteil einer dringlichen Angiographie. Bei Patienten ohne ST-Hebung wird die Indikation daher individuell gestellt. Hinweise auf einen Koronarverschluss können die Anamnese (Thoraxschmerz vor dem Kollaps), ein initial defibrillierbarer Rhythmus, eine bekannte koronare Herzkrankheit, eine hämodynamische oder elektrische Instabilität und rezidivierende Kammertachykardien oder Kammerflimmern sein.

Weitere EKG-Befunde nach ROSC

Pathologische Q-Zacken. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch einen akuten kompletten Verschluss einer epikardialen Koronararterie (STEMI) können sich pathologische Q-Zacken bereits innerhalb von 2 Stunden nach Infarktbeginn ausbilden. Das Vorliegen solcher Q-Zacken sollte den Verdacht auf eine Ischämie bzw. einen Infarkt als zugrunde liegende Ursache lenken.

Unspezifische ST-T-Veränderungen. Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind unspezifische ST-T-Veränderungen sehr häufig. Unspezifische ST-Senkungen und negative T-Wellen beeinflussen das weitere Management nicht.

Rezidivierende VT oder VF. Treten bei Patienten mit koronarem Risikoprofil nach ROSC erneut Kammertachykardien oder Kammerflimmern auf, sollte eine frühe Koronarangiographie in Erwägung gezogen werden (siehe auch Rhythmusstörungen vor und während des Herzstillstands).

Fallstricke

Aktualisiert 17. Oktober 2026