Die nachstehenden Werte sind Ausgangspunkte, keine Ziele an sich. Nahezu alle haben sich besser als einzuhaltende Bereiche bewährt denn als Zahlen, die es anzustreben gilt.
Beatmung
Beim ARDS: Tidalvolumen 4–8 ml/kg Idealgewicht, Plateaudruck ≤ 30 cmH₂O, Driving Pressure ≤ 15 cmH₂O, Bauchlage bei einem P/F-Quotienten < 20 kPa (150 mmHg) und eine zulässige permissive Hyperkapnie, solange der pH-Wert über etwa 7,20 bleibt.
Bei erhöhtem intrakraniellem Druck gelten andere Ziele: Normokapnie (PaCO₂ 4,5–5,0 kPa) und die Vermeidung einer Hypoxie, da eine Hyperkapnie den intrakraniellen Druck erhöht.
Kreislauf
| Parameter | Ziel | Kommentar |
|---|---|---|
| MAP | ≥ 65 mmHg | 80–85 mmHg bei chronischer Hypertonie oder bei Zeichen unzureichender Perfusion |
| Diurese | > 0,5 ml/kg/h | |
| Laktat | Fallend | Eine Clearance > 10 % pro 2 h ist ein sinnvolles Ziel |
| ScvO₂ | 70–80 % | Ein niedriger Wert spricht für ein unzureichendes Sauerstoffangebot |
| Kapilläre Reperfusionszeit | < 3 s | Beim septischen Schock der Laktatsteuerung gleichwertig |
| Hb, Transfusionsgrenze | 70 g/l (7,0 g/dl) | 80 g/l (8,0 g/dl) beim akuten Koronarsyndrom |
Siehe die Kreislauf- und hämodynamischen Parameter für Drücke, Flüsse und Schockprofile.
Säure-Basen-Status und Elektrolyte auf der Intensivstation
Neurologische Überwachung
| Parameter | Ziel | Kommentar |
|---|---|---|
| Intrakranieller Druck (ICP) | < 22 mmHg | Behandlungsschwelle beim Schädel-Hirn-Trauma |
| Zerebraler Perfusionsdruck (CPP) | 60–70 mmHg | CPP = MAP − ICP |
| RASS | −2 bis 0 | Leicht sediert bis wach und ruhig |
| CAM-ICU | Negativ | In jeder Schicht auf ein Delir screenen |
| BIS (unter neuromuskulärer Blockade) | 40–60 |
Eine zielgesteuerte leichte Sedierung mit täglicher Aufwachphase verkürzt die Beatmungsdauer. Siehe Verwirrtheit für das Vorgehen beim Delir auf der Intensivstation.
Nierenersatzverfahren
Absolute Indikationen: refraktäre Hyperkaliämie, refraktäre Azidose, refraktäre Hypervolämie, urämische Symptome (Perikarditis, Enzephalopathie) und bestimmte Intoxikationen. Ein früher Beginn ohne absolute Indikation hat das Überleben nachweislich nicht verbessert.
| Parameter | Richtwert |
|---|---|
| Effluentdosis, kontinuierliches Verfahren | 20–25 ml/kg/h |
| Netto-Ultrafiltration | < 1,75 ml/kg/h |
Ernährung und Prophylaxe
| Bereich | Richtwert |
|---|---|
| Energie | 25 kcal/kg/Tag, schrittweise ab Tag 3–4 erreicht |
| Eiweiß | 1,2–2,0 g/kg/Tag |
| Enterale Ernährung | Nach Möglichkeit innerhalb von 48 h beginnen |
| Thromboseprophylaxe | Niedermolekulares Heparin, sofern nicht kontraindiziert |
| Oberkörper | 30–45° |
| Ulkusprophylaxe | Bei Beatmung, Koagulopathie oder gastrointestinaler Blutung in der Anamnese |
Refeeding-Syndrom
Risiko bei Hungerzuständen, Alkoholkrankheit, Anorexie oder > 5 Tagen ohne Nahrungszufuhr. Phosphat, Kalium und Magnesium vor und täglich während des Kostaufbaus kontrollieren, Thiamin vor Beginn der Ernährung geben und die Energiezufuhr in den ersten Tagen langsam steigern. Ein fallendes Phosphat ist das früheste Zeichen.