Definition und Pathophysiologie
Kardiale implantierbare elektronische Geräte (CIEDs) umfassen permanente Herzschrittmacher, implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) und Geräte zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT). Implantierbare Loop-Rekorder sind diagnostische Geräte und keine Systeme zur Schrittmacher- oder Defibrillationstherapie; ihre gespeicherten Daten können jedoch ebenfalls durch perioperative elektromagnetische Interferenzen (EMI) beeinflusst werden.
Das wesentliche perioperative Problem ist die Interaktion zwischen dem CIED und den während der Operation eingesetzten Geräten, insbesondere der Elektrochirurgie. EMI kann zu einer inadäquaten Wahrnehmung elektrischer Signale, zur Aktivierung frequenzadaptiver Funktionen, zu einem Zurücksetzen des Geräts, zur Hemmung der Schrittmacherstimulation, zu einer inadäquaten ICD-Therapie oder, seltener, zu einer Beschädigung des Geräts führen. Eine Fehlwahrnehmung ist bei unipolaren Elektroden wahrscheinlicher. Elektrokauterisation ist die häufigste EMI-Quelle, doch auch Radiofrequenzverfahren, Nervenstimulatoren und andere elektronische Geräte können die Gerätefunktion beeinträchtigen.
Die klinischen Konsequenzen hängen vom Gerät, von der Schrittmacherabhängigkeit des Patienten, vom Vorliegen einer CRT, von Art und Lokalisation des Eingriffs sowie vom zu erwartenden Stromweg ab. Bei einem schrittmacherabhängigen Patienten kann die Hemmung der Schrittmacherabgabe zu klinisch relevanten Pausen führen. Bei einem ICD-Patienten kann EMI als ventrikuläre Tachyarrhythmie interpretiert werden und eine inadäquate antitachykarde Therapie auslösen, sofern Detektion und Therapie nicht deaktiviert wurden. Umgekehrt kann eine asynchrone Stimulation selten zu einer Stimulation während der ventrikulären Repolarisation führen und eine ventrikuläre Tachykardie oder ein Kammerflimmern auslösen.
Die Wahrscheinlichkeit einer klinisch relevanten EMI ist im Allgemeinen gering, insbesondere bei bipolarer Elektrokauterisation in ausreichendem Abstand zum Gerät und bei monopolarer Elektrokauterisation unterhalb des Nabels. Dennoch sollte die perioperative Planung individuell entsprechend dem Patienten, dem Gerät, dem Eingriff und der zu erwartenden elektrischen Umgebung erfolgen.
Präoperative Beurteilung
Art und Funktion des Geräts bestimmen
Vor der Operation sollte Folgendes geklärt werden:
Gerätetyp: Herzschrittmacher, ICD, CRT-Schrittmacher oder CRT-D.
Hersteller und Modell.
Elektrodenkonfiguration und, sofern relevant, ob die Elektroden unipolar oder bipolar sind.
Implantationsanamnese und aktuelle Indikation.
Gerätefunktion und Batteriestatus.
Ob der Patient schrittmacherabhängig ist.
Ob das Gerät kürzlich ausgelesen wurde und ob eine Fehlfunktion festgestellt wurde.
Die Informationen sollten dem Geräteausweis, der Krankenakte, früheren Geräteauslesungen und, falls erforderlich, einer Thoraxradiografie entnommen werden. Eine Thoraxradiografie kann bei unvollständigen Unterlagen helfen, das Gerät und die Elektrodenkonfiguration zu identifizieren.
Vor einem elektiven Eingriff sollte innerhalb des empfohlenen Zeitintervalls eine vollständige Gerätekontrolle erfolgt sein. Sofern keine Fehlfunktion vorliegt, sollte ein Herzschrittmacher innerhalb der vorausgegangenen 12 Monate und ein ICD innerhalb der vorausgegangenen 6 Monate kontrolliert worden sein. Für diese Beurteilungen kann die Fernüberwachung eingesetzt werden. Eine zeitnahe Auslesung und Umprogrammierung sind bei Situationen mit höherem Risiko angezeigt, insbesondere bei schrittmacherabhängigen Patienten, Patienten mit CRT und ICD-Trägern, bei denen Eingriffe mit voraussichtlicher EMI durchgeführt werden.
Schrittmacherabhängigkeit beurteilen
Die Bestimmung der Schrittmacherabhängigkeit ist für die Planung von zentraler Bedeutung. Führt EMI zu einer Fehlwahrnehmung und Hemmung der Stimulation, kann ein Patient mit geringem oder fehlendem zuverlässigem Eigenrhythmus verlängerte Pausen entwickeln. Schrittmacherabhängige Patienten benötigen daher für den Zeitraum der erwarteten EMI einen Schutz vor einer Stimulationshemmung.
Bei der perioperativen Strategie sollte außerdem berücksichtigt werden, dass Patienten mit CRT für die hämodynamische Stabilität auf eine kontinuierliche biventrikuläre Stimulation angewiesen sein können. Bei Patienten mit Resynchronisationsgeräten wird empfohlen, die CRT während der Operation aufrechtzuerhalten, um eine bessere hämodynamische Stabilität zu gewährleisten.
Elektrische Umgebung des Eingriffs definieren
Das Operationsteam sollte klären:
Ob Elektrochirurgie oder Diathermie eingesetzt wird.
Ob eine monopolare oder bipolare Elektrokauterisation geplant ist.
Die Lage des Operationsfelds im Verhältnis zum Impulsgeber und zum Nabel.
Ob der Eingriff oberhalb oder unterhalb des Nabels erfolgt.
Ob der Eingriff das Gerät oder die Elektroden wahrscheinlich einer erheblichen EMI aussetzt.
Ob das Gerät oder seine Elektroden durch den Eingriff mechanisch beschädigt werden könnten.
Eingriffe oberhalb des Nabels, insbesondere unter Verwendung monopolarer Elektrochirurgie, sind im Hinblick auf EMI problematischer. Bei Patienten mit subkutanen ICDs erfordern thoraxchirurgische Eingriffe besondere Aufmerksamkeit, da der Operateur eine Beschädigung der subkutanen Elektrode, eine direkte Elektrokauterisation an der Elektrode oder die Platzierung von Sternumdrähten in der Nähe der Messelektroden vermeiden muss.
Perioperative Vorbereitung des Geräts
Herzschrittmacher
Bei schrittmacherabhängigen Patienten, die sich einem Eingriff mit relevantem EMI-Risiko unterziehen, sollte der Herzschrittmacher auf einen nicht wahrnehmenden oder asynchronen Modus programmiert werden. Je nach Gerät kann dies durch Umprogrammierung oder durch Auflegen eines Magneten auf den Impulsgeber erreicht werden.
Die Anwendung eines Magneten ist nicht generell zuverlässig. Bei modernen Herzschrittmachern ist die Magnetreaktion programmierbar, und das Auflegen eines Magneten führt möglicherweise nicht zu einer asynchronen Stimulation. Daher sollte die Reaktion für das jeweilige Gerät bestätigt werden. Bei kabellosen Herzschrittmachern ist besondere Vorsicht erforderlich: Da ihnen ein Hall-Sensor oder Reed-Schalter fehlt, kann ein auf den Körper aufgelegter Magnet nicht vorübergehend eine asynchrone Stimulation herbeiführen. Ein schrittmacherabhängiger Patient mit einem kabellosen Herzschrittmacher benötigt daher eine Umprogrammierung, wenn eine asynchrone Stimulation erforderlich ist.
Die frequenzadaptive Stimulation sollte, sofern angezeigt, deaktiviert werden, insbesondere wenn ein aktiver Sensor auf perioperative Bewegungen oder elektrische Signale inadäquat reagieren könnte. Bei Hochrisikoeingriffen oder wenn ausgeprägte metabolische Veränderungen zu erwarten sind, kann eine Erhöhung der Stimulationsamplitude erwogen werden.
ICDs und CRT-D-Geräte
Bei ICD-Trägern, die sich einem Eingriff mit erwarteter EMI unterziehen, sollten die Detektion ventrikulärer Arrhythmien und die antitachykarden Therapien vor dem Eingriff deaktiviert werden. Dies kann durch Umprogrammierung oder bei modernen ICDs durch Auflegen eines Magneten auf das Gerät erreicht werden.
Das Auflegen eines Magneten auf einen ICD hemmt die antitachykarde Therapie, lässt die Bradykardie-Stimulation jedoch intakt. Es stellt die ICD-Stimulation nicht auf einen asynchronen Modus um. Ein schrittmacherabhängiger ICD-Patient benötigt daher möglicherweise zusätzlich zur Deaktivierung der ventrikulären Tachyarrhythmietherapien eine separate Programmierung auf einen asynchronen Stimulationsmodus.
Wenn Therapien durch Umprogrammierung deaktiviert wurden, sind eine kontinuierliche EKG-Überwachung und der unmittelbare Zugang zu Kardioversion, Defibrillation und kardiopulmonaler Reanimation erforderlich, bis der ICD wieder aktiviert wurde. Eine Umprogrammierung kann in manchen Situationen unpraktisch sein und birgt zudem das Risiko, dass der Patient den Eingriffsbereich verlässt, bevor die Therapien wiederhergestellt wurden. Ein Magnet kann daher vorzuziehen sein, sofern er sicher positioniert werden kann und das Gerät zugänglich ist. Ist das Gerät mit einem Magneten nicht erreichbar, ist eine Umprogrammierung zwingend erforderlich.
Die ICD-Therapien sollten nach der Operation so bald wie möglich wiederhergestellt und das Gerät kontrolliert werden. Eine postoperative Auslesung ist insbesondere nach vermuteter Fehlfunktion oder Exposition gegenüber starker EMI wichtig.
CRT-Geräte
Die CRT sollte während der Operation im Allgemeinen aufrechterhalten werden, da sie die hämodynamische Stabilität verbessern kann. Handelt es sich bei dem Gerät zugleich um einen Defibrillator, müssen Detektion und Therapie von Tachyarrhythmien bei erwarteter EMI dennoch gesondert berücksichtigt werden.
Elektrochirurgie und Reduktion elektromagnetischer Interferenzen
Das EMI-Risiko kann durch Anpassung der Operationstechnik und des Stromwegs reduziert werden.
Technik der Elektrokauterisation
Wenn möglich, sollte eine bipolare Elektrokauterisation bevorzugt werden. Sie sollte eingesetzt werden:
In kurzen Intervallen, im Allgemeinen von weniger als 5 Sekunden.
Mit der niedrigsten wirksamen Energie.
Wobei das Instrument bzw. der Elektrokauter mehr als 15 cm vom Gerät entfernt gehalten wird.
Bei bipolarer Elektrokauterisation in einem Abstand von mehr als 5 cm zum CIED ist EMI selten. Ist eine monopolare Elektrokauterisation erforderlich, sollten kurze Impulse von weniger als 5 Sekunden mit der niedrigsten wirksamen Energie und einer geeigneten Platzierung der Neutralelektrode verwendet werden.
Platzierung der Neutralelektrode
Die Rückleitungselektrode bzw. Neutralelektrode sollte so positioniert werden, dass der Stromkreis nicht in der Nähe des Impulsgebers oder der Elektroden verläuft. Sie sollte so weit wie möglich vom CIED entfernt platziert werden, wobei das Operationsfeld zwischen dem Gerät und der Rückleitungselektrode liegen sollte. Die Empfehlungen des Herstellers sollten befolgt werden; üblicherweise wird die Platzierung auf der dem CIED gegenüberliegenden Seite, nahe am Operationsfeld und auf einem gut durchbluteten Muskelareal empfohlen.
Bei Eingriffen an Kopf und Hals besteht ein praktikables Beispiel in der Platzierung der Neutralelektrode auf der dem Impulsgeber gegenüberliegenden Schulter. Die genaue Position sollte so gewählt werden, dass der Stromfluss durch das Gerät und seine Elektroden minimiert wird.
Überwachung während der EMI-Exposition
Bei schrittmacherabhängigen Patienten zeigt eine alleinige EKG-Überwachung eine effektive mechanische Herzaktion möglicherweise nicht zuverlässig an. Zur Überwachung des Pulses und der hämodynamischen Folgen einer Stimulationshemmung können die Plethysmografie oder eine arterielle Blutdruckmessung eingesetzt werden. Treten während der EKG-Überwachung Pausen auf, sollte die Elektrokauterisation eingeschränkt und die Strategie für das Gerät erneut beurteilt werden.
Intraoperative Behandlung
Das Operationsteam sollte sicherstellen, dass bei deaktivierten Gerätetherapien oder bei erwarteter klinisch relevanter EMI Folgendes verfügbar ist:
Kontinuierliche EKG-Überwachung.
Eine zuverlässige Überwachung der mechanischen Pulsaktivität.
Personal, das Arrhythmien umgehend erkennen kann.
Geräte zur Defibrillation und Kardioversion.
In kardiopulmonaler Reanimation und erweiterten lebensrettenden Maßnahmen geschultes Personal.
Der Patient sollte ab dem Zeitpunkt der Deaktivierung der ICD-Therapien bis zu deren Wiederaktivierung unter diesen Vorsichtsmaßnahmen bleiben. Besondere Wachsamkeit ist erforderlich, wenn der Patient schrittmacherabhängig ist, eine CRT hat oder ein Eingriff oberhalb des Nabels unter Verwendung monopolarer Elektrochirurgie durchgeführt wird.
Bei den meisten Eingriffen ist keine Intervention am Gerät erforderlich. Die Entscheidung für einen Magneten oder eine Umprogrammierung sollte daher auf dem erwarteten EMI-Risiko und nicht allein auf dem Vorhandensein eines CIED beruhen.
Postoperative Behandlung
Der ICD sollte nach der Operation so bald wie möglich ausgelesen und die antitachykarden Therapien sollten wiederhergestellt werden. Wenn eine Umprogrammierung statt eines Magneten eingesetzt wurde, sollte die kontinuierliche Überwachung mit der Möglichkeit zur Reanimation bis zur bestätigten Reaktivierung fortgeführt werden.
Eine postoperative CIED-Auslesung wird empfohlen, wenn eine Fehlfunktion vermutet wird oder das Gerät starker EMI ausgesetzt war. Eine Kontrolle ist ebenfalls angezeigt, wenn ungeklärte Pausen, Arrhythmien, hämodynamische Instabilität oder inadäquate Therapien aufgetreten sind oder der Verdacht auf ein Zurücksetzen des Geräts oder eine Elektrodenschädigung besteht.
Bei implantierbaren Loop-Rekordern sollte vor Eingriffen mit möglicher EMI oder Operationen in Gerätenähe ein Speicherdaten-Download erwogen werden. Dadurch lässt sich das Risiko verringern, dass elektrische Artefakte als Arrhythmie gespeichert oder klinisch wichtige aufgezeichnete Informationen überschrieben werden.
Besondere Situationen
Kabellose Herzschrittmacher
Kabellose Herzschrittmacher sollten mit ähnlichen Vorsichtsmaßnahmen wie konventionelle Herzschrittmacher behandelt werden, einschließlich der Vermeidung von EMI und der Umstellung auf einen nicht wahrnehmenden Modus bei schrittmacherabhängigen Patienten. Das Auflegen eines Magneten ermöglicht keine vorübergehende asynchrone Stimulation, da diesen Geräten der für eine Magnetreaktion erforderliche Sensor fehlt.
Subkutane ICDs
Bei einem Patienten mit subkutanem ICD kann eine Operation durchgeführt werden, nachdem die antitachykarde Therapie deaktiviert oder ein Magnet aufgelegt wurde. Bei thoraxchirurgischen Eingriffen, insbesondere bei medianer Sternotomie, muss das Operationsteam den Verlauf der subkutanen Elektrode identifizieren und Folgendes vermeiden:
Mechanische Verletzung der Elektrode.
Direkte Elektrokauterisation an der Elektrode.
Platzierung von Sternumdrähten in der Nähe der Messelektroden.
Nichtkardiale Operationen bei Patienten mit CIEDs
Patienten mit CIEDs können sich bei entsprechender perioperativer Beurteilung und Gerätebehandlung nichtkardialen Operationen unterziehen. Bei Hochrisikopatienten – insbesondere bei ICD-Trägern oder schrittmacherabhängigen Patienten –, die sich Eingriffen mit hoher EMI-Wahrscheinlichkeit unterziehen, beispielsweise monopolarer Elektrochirurgie oberhalb des Nabels, sollten die Geräteauslesung und eine gegebenenfalls erforderliche Umprogrammierung unmittelbar vor der Operation erfolgen.
Geräteimplantation und für die Operationsplanung relevante Infektionsprävention
Obwohl das wichtigste perioperative Problem die Behandlung eines bereits vorhandenen Geräts ist, können Implantation oder Revision selbst Teil des chirurgischen Kontexts sein. Zur Senkung des CIED-Infektionsrisikos sollte innerhalb von 1 Stunde vor der Hautinzision eine antibiotische Prophylaxe verabreicht werden. Zur Hautantiseptik wird, sofern geeignet, Chlorhexidin-Alkohol gegenüber Povidon-Iod-Alkohol bevorzugt.
Für den venösen Zugang sollten die V. cephalica oder die V. axillaris erwogen werden. Mehrere Durchleuchtungsprojektionen können helfen, die Position der ventrikulären Elektrode zu bestätigen; für die Implantation im Koronarsinus sollten quadripolare Elektroden als erste Wahl erwogen werden. Eine Spülung der Aggregattasche mit physiologischer Kochsalzlösung vor dem Wundverschluss kann erwogen werden.
Bei Reinterventionen, einschließlich Revision der Aggregattasche oder der Elektroden, Aggregataustausch oder Systemaufrüstung, kann eine antibiotikaeluierende Hülle erwogen werden. Ein Heparin-Bridging wird nicht empfohlen, da Strategien, die die Bildung eines Taschenhämatoms begünstigen, das Infektionsrisiko erhöhen.
Die Implantation eines permanenten Herzschrittmachers sollte bei einem Patienten mit Fieber nicht durchgeführt werden. Die Implantation sollte verschoben werden, bis der Patient mindestens 24 Stunden fieberfrei ist.
Infektion und der perioperative Patient mit einem CIED
Eine CIED-Infektion kann durch Kontamination während der Implantation oder durch hämatogene Besiedlung der Elektroden im Rahmen einer Bakteriämie entstehen. Zu den relevanten patientenbezogenen Risikofaktoren gehören die Anwendung von Kortikosteroiden, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankung, eine frühere Geräteinfektion und Immunsuppression. Zu den eingriffsbezogenen Risiken zählen ein postoperatives Hämatom, eine erneute Elektrodenintervention und verlängerte Eingriffsdauer; Revisionseingriffe weisen ein zwei- bis fünffach höheres Infektionsrisiko auf als Erstimplantationen. Auch mehrere Elektroden und Gerätematerialien, die die bakterielle Adhärenz oder Biofilmbildung fördern, können beitragen.
Eine Tascheninfektion kann sich mit Zellulitis, Erythem, Schmerzen, Wundsekretion oder Erosion der darüberliegenden Haut präsentieren. Eine Infektion der Elektroden oder des Endokards führt häufiger zu systemischen Manifestationen wie Fieber und Schüttelfrost und kann gleichzeitig mit einer Tascheninfektion bestehen.
Eine antibiotische Prophylaxe vor zahnärztlichen oder anderen nichtkardialen Eingriffen ist allein zur Prävention einer CIED-assoziierten infektiösen Endokarditis nicht gerechtfertigt. Eine einzelne positive Blutkultur ohne weitere klinische Hinweise auf eine Infektion sollte für sich genommen nicht zur Entfernung des Geräts führen. Demgegenüber erfordert eine bestätigte, eine Elektrode betreffende Infektion die vollständige Entfernung des CIED-Systems.
Vorgehen bei Verdacht auf oder bestätigter Infektion
Die Diagnostik stützt sich auf die klinische Untersuchung, Blutkulturen und die Echokardiografie. Die transösophageale Echokardiografie ist zum Nachweis von Elektrodenvegetationen sensitiver und spezifischer als die transthorakale Echokardiografie. Echokardiografische Raumforderungen sind nicht immer infektiös, da sich auch sterile Thromben an den Geräteelektroden anlagern können. Bei nicht eindeutiger Echokardiografie können eine Szintigrafie mit markierten Leukozyten oder eine 18FDG-PET/CT zusätzliche Informationen liefern.
Eine gesicherte CIED-Infektion erfordert im Allgemeinen sowohl eine antimikrobielle Behandlung als auch die vollständige Explantation des infizierten Systems einschließlich Aggregat und sämtlicher Elektroden. Eine Antibiotikatherapie ohne Explantation ist mit einer siebenfach höheren 30-Tage-Mortalität verbunden als eine Behandlung mit Explantation. Die Explantation sollte daher unverzüglich und idealerweise innerhalb von 3 Tagen erfolgen.
Die Dauer der antimikrobiellen Behandlung hängt von der Infektion ab:
| Klinische Situation | Beschriebene Dauer |
|---|---|
| CIED-Infektion ohne Vegetationen durch andere Erreger als *Staphylococcus aureus* | 2 Wochen |
| Vegetationen, *Staphylococcus aureus*-Infektion oder beides | 4 Wochen |
| Septische Embolien oder eine Prothesenklappe | Bis zu 6 Wochen |
Eine Reimplantation sollte erneut geprüft und nicht als selbstverständlich angenommen werden. Kein Bestandteil des entfernten Systems sollte wiederverwendet werden, und das Ersatzgerät sollte an einer von der ursprünglichen Tasche entfernten Stelle implantiert werden. Bei fehlenden Vegetationen sollte mit der Reimplantation gewartet werden, bis die lokalen und systemischen Zeichen abgeklungen sind und die Blutkulturen nach der Explantation mindestens 72 Stunden lang negativ geblieben sind. Bei vorhandenen Vegetationen werden vor der Reimplantation mindestens 2 Wochen negative Blutkulturen empfohlen.
Bei Patienten mit hohem Risiko für einen plötzlichen Herztod kann ein tragbarer Defibrillator die Zeit bis zur Reimplantation überbrücken. Ein schrittmacherabhängiger Patient kann vorübergehend über eine über die V. jugularis interna eingeführte aktiv fixierbare Elektrode unterstützt werden, die für bis zu 4–6 Wochen an einen externen Herzschrittmacher angeschlossen wird. Bei hohem Risiko einer rezidivierenden Infektion können für ausgewählte Patienten alternativ ein kabelloser Herzschrittmacher oder ein subkutaner ICD erwogen werden.
Leitlinienbasierte praktische Empfehlungen
Die wichtigsten Empfehlungen für die perioperative Behandlung sind nachfolgend zusammengefasst.
| Empfehlung | Klasse | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Bei der CIED-Implantation eine präoperative antibiotische Prophylaxe innerhalb von 1 Stunde vor der Hautinzision durchführen | I | A |
| Für die Hautantiseptik Chlorhexidin-Alkohol anstelle von Povidon-Iod-Alkohol erwägen | IIa | B |
| Die V. cephalica oder die V. axillaris als bevorzugten venösen Zugang erwägen | IIa | B |
| Mehrere Durchleuchtungsprojektionen zur Bestätigung der Position der ventrikulären Elektrode erwägen | IIa | C |
| Quadripolare Elektroden für die Implantation im Koronarsinus erwägen | IIa | C |
| Eine Spülung der Aggregattasche mit Kochsalzlösung vor dem Wundverschluss erwägen | IIa | C |
| Bei CIED-Reinterventionen eine antibiotikaeluierende Hülle erwägen | IIb | B |
| Bei antikoagulierten Patienten, die sich einer Implantation unterziehen, kein Heparin-Bridging anwenden | III | A |
| Bei einem fiebernden Patienten keinen permanenten Herzschrittmacher implantieren; bis mindestens 24 Stunden Fieberfreiheit abwarten | III | B |
| Bei Hochrisikopatienten und Eingriffen mit erheblichem EMI-Risiko unmittelbar präoperativ eine Auslesung und Umprogrammierung durchführen | Leitliniengestützte Empfehlung | |
| Vor Eingriffen mit erwarteter EMI die Detektion und Therapien von ICD-Arrhythmien deaktivieren; je nach Situation durch Umprogrammierung oder Auflegen eines Magneten | Leitliniengestützte Empfehlung | |
| ICD-Therapien nach der Operation so bald wie möglich wiederherstellen und das Gerät kontrollieren | Leitliniengestützte Empfehlung | |
| Die CRT während der Operation aufrechterhalten, wenn die hämodynamische Stabilität von der Resynchronisation abhängen kann | Leitliniengestützte Empfehlung |
Prognose und Nachsorge
Die perioperative Prognose wird im Wesentlichen durch das Zusammenspiel der zugrunde liegenden Herzerkrankung des Patienten, der Schrittmacherabhängigkeit, der Gerätefunktion und der Wahrscheinlichkeit einer EMI bestimmt. Eine klinisch relevante EMI ist bei geeigneten Vorsichtsmaßnahmen selten, doch ihre Folgen können bei schrittmacherabhängigen Patienten und bei ICD-Trägern, deren Tachyarrhythmietherapien deaktiviert wurden, schwerwiegend sein.
Die Nachsorge sollte die Bestätigung umfassen, dass:
Das Gerät normal funktioniert.
Vorübergehende Änderungen der Programmierung rückgängig gemacht wurden.
ICD-Detektion und antitachykarde Therapien aktiviert sind.
Bei entsprechendem klinischem Verdacht keine Elektrodenverlagerung, kein Elektrodenbruch, kein Zurücksetzen und keine andere Fehlfunktion aufgetreten ist.
Die Daten des implantierbaren Loop-Rekorders erhalten oder, sofern relevant, ordnungsgemäß heruntergeladen wurden.
Die Fernüberwachung kann bei Patienten mit Schwierigkeiten beim Besuch einer Praxis den Bedarf an persönlichen Kontrollen verringern. Sie wird empfohlen, wenn ein Gerätebestandteil zurückgerufen wurde oder unter einer Sicherheitsinformation steht, damit behandlungsrelevante Ereignisse frühzeitig erkannt werden können, insbesondere bei schrittmacherabhängigen Patienten.
Zur Langzeitbehandlung sollte auch eine erneute Beurteilung der fortbestehenden Geräteindikation gehören. Bei Erreichen des Lebensendes des ICD-Aggregats sollte ein Austausch nicht automatisch erfolgen. Lebenserwartung, Lebensqualität, Komorbiditäten, das aktuelle Risiko einer tödlichen Arrhythmie, das konkurrierende Risiko eines nichtarrhythmischen Todes und eine mögliche Verbesserung der linksventrikulären Funktion sollten mit einem erfahrenen Kardiologen besprochen werden. Die gemeinsame Entscheidungsfindung sollte den Aggregataustausch, eine mögliche Deaktivierung des Geräts bei terminaler Erkrankung und die Auswirkungen zukünftiger Eingriffe berücksichtigen.
Patientenorientierte und psychosoziale Aspekte
Die Patienten sollten über Zweck und Funktion des Geräts, perioperative Vorsichtsmaßnahmen, implantationsbezogene Komplikationen, mögliche inadäquate Schocks, Auswirkungen auf das Führen von Fahrzeugen sowie die Umstände informiert werden, unter denen eine Defibrillatortherapie später deaktiviert oder das System entfernt werden könnte.
Angst und Depression betreffen einen erheblichen Anteil der ICD-Träger und sind mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Psychische Belastungen beziehen sich häufig auf die Angst vor einem Schock, selbst wenn noch kein Schock aufgetreten ist. Die Erfassung ICD-bezogener Sorgen sollte daher bereits vor dem Auftreten von Schocks beginnen und kann mithilfe strukturierter Fragebögen erfolgen.
Die Kommunikation sollte Fehlvorstellungen über die Gerätefunktion korrigieren und Bedenken hinsichtlich sexueller Aktivität, Einschränkungen beim Führen von Fahrzeugen und des Vorgehens nach einer Schocktherapie ansprechen. Patienten mit erheblicher psychischer Belastung benötigen möglicherweise eine Überweisung an Fachkräfte für psychische Gesundheit. Eine von entsprechend geschulten kardiologischen Pflegefachkräften durchgeführte kognitive Verhaltenstherapie und webbasierte Interventionen können ausgewählten Patienten ebenfalls helfen.