Ambulante Blutdruckmessung und Holter-EKG

24-Stunden-Blutdruckmessung und Langzeit-EKG in der ambulanten Versorgung — Indikationen, Anlage, Qualitätsanforderungen und Beurteilungsgrenzen.

Inhalt (13)

Zwei Registrierungen, die in der Hausarztpraxis durchgeführt, aber wie fachärztliche Untersuchungen befundet werden. Beide scheitern häufiger aus praktischen als aus medizinischen Gründen: die Manschette sitzt falsch, die Elektroden lösen sich, der Patient hat kein Tagebuch geführt. Die Anlage und die Instruktion entscheiden darüber, ob die Untersuchung verwertbar wird.

Ambulante Blutdruckmessung (ABPM)

Indikationen

  • Bestätigung einer neu entdeckten Hypertonie — vor Therapiebeginn empfohlen.
  • Verdacht auf Weißkittelhypertonie: erhöhter Praxisblutdruck ohne Organschaden.
  • Verdacht auf maskierte Hypertonie: normaler Praxisblutdruck, aber Organschaden oder hohes Risiko.
  • Therapieresistente Hypertonie.
  • Verdacht auf nächtliche Hypertonie oder fehlende Nachtabsenkung (Diabetes, Niereninsuffizienz, Schlafapnoe).
  • Verdacht auf Hypotonie: Schwindel, Synkope, autonome Dysfunktion, Arzneimittelnebenwirkung.
  • Große Variabilität zwischen den Messungen.
  • Hypertonie in der Schwangerschaft.

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen bestehen nicht. Verzichten oder anpassen bei Vorhofflimmern mit schneller und unregelmäßiger Kammerfrequenz (die oszillometrische Messung wird unzuverlässig), Lymphödem oder Dialysefistel an beiden Armen, ausgeprägtem Armumfang, der zu keiner verfügbaren Manschette passt, sowie bei Patienten, die wiederholte Kompressionen nicht tolerieren (z. B. ausgeprägte Thrombozytopenie).

Anlage und Instruktion

  • Manschette nach Armumfang wählen; eine zu schmale Manschette überschätzt den Druck. Den Umfang messen, nicht schätzen.
  • Bei der Anlage den Blutdruck an beiden Armen messen. Den Arm mit dem höheren Druck verwenden, bei gleichen Werten den nicht dominanten Arm. Gegen eine manuelle Messung kontrollieren und die Differenz dokumentieren.
  • Die Messung tagsüber alle 20 Minuten und nachts alle 30 Minuten programmieren, alternativ alle 15 beziehungsweise alle 30 Minuten.
  • Den Patienten anweisen, bei jeder Messung innezuhalten, den Arm ruhig und gesenkt zu halten und nicht zu sprechen.
  • Im Übrigen normale Aktivitäten, einschließlich Arbeit. Kein Duschen oder Baden.
  • Tagebuch über Zubettgehen, Aufstehen, Medikamenteneinnahme, Symptome und abweichende Aktivitäten.
Oberarm von vorn mit einer mittig am Oberarm platzierten Blutdruckmanschette, der Schlauch nach oben zu einem Registriergerät am Gürtel geführt, sowie eine Detailabbildung der Ausdehnung der Manschettenblase um den Arm
Abbildung 3. Die Manschette sitzt mittig am Oberarm, die Unterkante 2–3 cm oberhalb der Ellenbeuge und die Arterienmarkierung über der A. brachialis an der Arminnenseite. Der Schlauch wird nach oben zum Registriergerät geführt, das am Gürtel befestigt wird. Die Detailabbildung zeigt die Ausdehnung der Blase: sie soll etwa 80 Prozent des Armumfangs umschließen — eine zu schmale Manschette überschätzt den Druck.

Beurteilung

Eine Registrierung ist verwertbar, wenn mindestens 70 % der Messungen gültig sind, mit mindestens 20 Tageswerten und 7 Nachtwerten und mit einem Messintervall von höchstens 30 Minuten über den gesamten Tag.

Tagesprofil über 24 Stunden mit systolischem Blutdruck für einen Patienten mit normaler nächtlicher Absenkung und einen ohne Absenkung
Abbildung 1. Das Tagesprofil. Die grüne Kurve zeigt eine normale Nachtabsenkung: der Tagesmittelwert liegt um den Grenzwert von 135 mmHg und der Nachtmittelwert fällt um 15 Prozent auf etwa 112 mmHg, unter den Nachtgrenzwert von 120 mmHg. Die rosa Kurve zeigt eine fehlende Absenkung (Non-Dipper) — die Nachtwerte verbleiben trotz Schlaf auf Tagesniveau. Die im Bild schattierte Schlafperiode wird durch das Tagebuch des Patienten definiert und niemals durch die Uhrzeit.
Hypertoniegrenzen je nach Messmethode Praxis, systolisch ≥ 140 mmHg ABPM 24-Stunden-Mittel, systolisch ≥ 130 mmHg ABPM tagsüber, systolisch ≥ 135 mmHg ABPM nachts, systolisch ≥ 120 mmHg Heimblutdruck, systolisch ≥ 135 mmHg Entsprechende diastolische Grenzwerte: 90, 80, 85, 70 beziehungsweise 85 mmHg.
Phänotyp Praxisblutdruck ABPM
Normotonie Normal Normal
Weißkittelhypertonie Erhöht Normal
Maskierte Hypertonie Normal Erhöht
Etablierte Hypertonie Erhöht Erhöht

Nachtabsenkung (Dipping): normalerweise fällt der Druck nachts um 10–20 %.

Muster Nächtliche Absenkung Kommentar
Dipper 10–20 % Normal
Non-Dipper < 10 % Unabhängiger Risikomarker
Reverse Dipper ≤ 0 %, nächtlicher Druck höher als tagsüber Höchstes Risiko in der Gruppe
Extreme Dipper > 20 % Ebenfalls ungünstig, besonders bei älteren Menschen

Ein abweichender Tagesrhythmus sollte zur Abklärung von Schlafapnoe, Nierenerkrankung und sekundärer Hypertonie führen sowie dazu, eine Dosis auf den Abend zu verlegen. Die Absenkung lässt sich nur berechnen, wenn das Tagebuch angibt, wann der Patient eingeschlafen und aufgestanden ist.

Holter-EKG und längere Rhythmusregistrierung

Indikationen

  • Palpitationen, Präsynkope oder Synkope mit Verdacht auf arrhythmogene Genese.
  • Erfassung der Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern.
  • Verdacht auf paroxysmales Vorhofflimmern, auch nach kryptogenem Schlaganfall.
  • Beurteilung einer antiarrhythmischen Therapie oder der Schrittmacherfunktion.
  • Verdacht auf Bradyarrhythmie oder Pausen, besonders nachts.
  • Symptom-Rhythmus-Korrelation bei unspezifischen Beschwerden.

Die Wahl der Registrierung richtet sich nach der Symptomhäufigkeit:

Symptomintervall Methode
Täglich 24-Stunden-Holter
Einige Male pro Woche 48–72-Stunden-Holter oder 7-Tage-Registrierung
Etwa einmal pro Monat Daumen-EKG oder Event-Rekorder, 2–4 Wochen
Seltener, mit Synkope Implantierbarer Loop-Rekorder

Kontraindikationen

Keine. Praktische Hindernisse sind Hauterkrankungen oder eine Allergie gegen das Elektrodengel sowie ausgeprägte Behaarung, die nicht rasiert werden kann.

Anlage

Schematische Ansicht des Rumpfes von vorn mit Elektroden über Schlüsselbein, Brustbein und unterem Rippenbogen sowie markierten Muskelbäuchen, die gemieden werden sollen
Abbildung 2. Das Prinzip der Elektrodenplatzierung beim Holter. Die Elektroden werden über knöchernen Strukturen angebracht — unter den Schlüsselbeinen, über dem Brustbein und am unteren Rippenbogen — wo sich die Haut gegenüber der Unterlage nur wenig bewegt. Die gestrichelten Felder markieren den Brustmuskel und den geraden Bauchmuskel, die myogene Artefakte erzeugen, sobald sich der Patient anstrengt. Elektrodenzahl und Farbkodierung unterscheiden sich zwischen den Fabrikaten; das Prinzip nicht.
  1. Rasieren, mit Wasser und Seife waschen, abtrocknen und die Haut an jeder Elektrodenstelle leicht aufrauen. Fett und Hautschuppen sind die häufigste Ursache unbrauchbarer Registrierungen.
  2. Die Elektroden über knöchernen Strukturen platzieren — Sternum, Rippen, Klavikula — nicht über Muskelbäuchen, um myogene Artefakte zu verringern.
  3. Die Kabel mit einer Schlaufe und Pflaster entlasten, damit kein Zug auf die Elektrode wirkt.
  4. Die Signalqualität in allen Kanälen vor der Entlassung kontrollieren, am besten im Sitzen, im Stehen und bei tiefer Atmung.
  5. Ein Symptomtagebuch aushändigen und über die Ereignistaste informieren: bei Symptomen drücken, Uhrzeit und Tätigkeit notieren. Ohne Tagebuch lassen sich Symptome und Rhythmus nicht verknüpfen.
  6. Kein Duschen. Im Übrigen normale Aktivität.

Beurteilung

flowchart TD
  A[Registrierung zusammen mit dem Symptomtagebuch befundet] --> B{Hatte der Patient seine typischen Symptome während der Registrierung?}
  B -- Nein --> C[Die Frage bleibt offen - Registrierung verlängern oder Methode wechseln, den Arrhythmieverdacht nicht verwerfen]
  B -- Ja --> D{Bestand zum Symptomzeitpunkt gleichzeitig eine Arrhythmie?}
  D -- Ja --> E[Symptom-Rhythmus-Korrelation nachgewiesen - Arrhythmie behandeln]
  D -- Nein --> F[Wertvoller negativer Befund - spricht gegen arrhythmogene Genese, andere Ursache abklären]
  A --> G{Befund ohne begleitende Symptome?}
  G -- Pausen über 3 Sekunden tagsüber, Mobitz II oder AV-Block III --> H[Bradyarrhythmieabklärung, Schrittmacherindikation prüfen]
  G -- Vorhofflimmerepisoden --> I[Flimmerlast und Kammerfrequenz angeben, Schlaganfallrisiko einschätzen]
  G -- VES-Last 10 Prozent oder mehr, oder nicht anhaltende VT --> J[Echokardiografie und weitere kardiologische Abklärung]
Befund Kommentar
Sinusbradykardie bis 30–40/min nachts Normal bei gut Trainierten und jungen Menschen
Pausen < 3 Sekunden nachts Oft normal; > 3 s tagsüber wird abgeklärt
Einzelne VES und SVES Häufig; eine VES-Last ≥ 10 % weckt den Verdacht auf eine VES-induzierte Kardiomyopathie und rechtfertigt eine Echokardiografie. Das Risiko steigt oberhalb von 20 % deutlich; eine scharfe Grenze gibt es nicht
Nicht anhaltende VT Zugrunde liegende strukturelle Herzerkrankung abklären
Vorhofflimmerepisoden Gesamte Flimmerlast und Kammerfrequenz angeben
Mobitz II oder AV-Block III Schrittmacherindikation wird geprüft
Symptome ohne begleitende Arrhythmie Wertvoller negativer Befund — spricht gegen arrhythmogene Genese

Ein Holter-EKG ohne Symptome während der Registrierung beantwortet die Frage nicht. Geben Sie stets an, ob der Patient während des Messzeitraums seine typischen Beschwerden hatte.

Komplikationen

Kontaktdermatitis und Hautirritation durch Elektroden oder Manschette; Petechien und Druckschmerz am Arm nach wiederholten Kompressionen; Schlafstörung durch nächtliche Messungen. Schwerwiegende Komplikationen kommen nicht vor.

Nachsorge und Follow-up

Die Ausrüstung abnehmen, auslesen und das Tagebuch gemeinsam mit der Registrierung durchgehen — dort findet die Beurteilung statt. Über die Befundzeit informieren.

Bei ABPM: Behandlung anhand der 24-Stunden-Werte einleiten oder anpassen, nicht anhand des Praxisblutdrucks. Eine Weißkittelhypertonie wird in der Regel nicht medikamentös behandelt, muss aber nachverfolgt werden — ein erheblicher Anteil entwickelt eine etablierte Hypertonie. Die ABPM nach 1–2 Jahren wiederholen.

Bei Holter: eine negative Registrierung bei fortbestehenden Symptomen rechtfertigt eine längere Registrierung, nicht das Verwerfen der Fragestellung.

Häufige Fallstricke

  • Falsche Manschettengröße — die häufigste Ursache fehlerhafter ABPM-Ergebnisse.
  • Kein Tagebuch. Ohne Schlafzeiten lässt sich der Tagesrhythmus nicht berechnen, und ohne Symptomnotizen kann das Holter nicht korreliert werden.
  • Mangelhafte Hautvorbereitung erzeugt Artefakte, die die Registrierung unbeurteilbar machen.
  • Zu wenige gültige Messungen werden trotzdem befundet — den Anteil gültiger Werte prüfen, bevor der Befund geschrieben wird.
  • ABPM bei Vorhofflimmern liefert unzuverlässige oszillometrische Werte.
  • Kurzes Holter bei seltenen Symptomen. Die Registrierdauer nach der Symptomhäufigkeit wählen.
  • Nachtwerte als pathologisch zu bewerten, ohne zu wissen, wann der Patient tatsächlich geschlafen hat.

Autoren

EBM AI
Evidensbaserad AI-agent

Aktualisiert 22. August 2026