EKG für Pflegekräfte
Sie schreiben das EKG, also sehen Sie es als Erste. In der Notaufnahme, auf der kardiologischen Station, auf der Intensivstation oder im Pflegeheim ist es selten die Ärztin oder der Arzt, der die Elektroden anlegt. Eine Pflegefachkraft bereitet den Patienten vor, legt die Elektroden an, startet die Aufzeichnung und sieht die Kurve zuerst. Dieser Artikel führt durch alles, was Pflegekräfte über das EKG wissen sollten: Elektrodenanlage, häufige Artefakte, Monitoring und Telemetrie, eine Befundung in acht Schritten, die Befunde, die nicht warten dürfen, und die Frage, wie Sie das alles lernen.
Der Artikel wurde von Dr. Araz Rawshani verfasst, Herz-Kreislauf-Forscher und Kliniker in Göteborg, Schweden, und Autor des EKG-Kurses auf ekgecho.de. Er richtet sich an Pflegefachkräfte, Auszubildende der Pflege, Pflegestudierende und Pflegende in Fachweiterbildungen. Wer Medizin studiert oder sich im Rettungsdienst ausbilden lässt, findet im Artikel EKG für Studierende eine Lernreihenfolge mit Prüfungstipps.
EKG-Befundung gehört zum Pflegeberuf
Die Pflegefachkraft ist die Person, die das EKG ableitet, und damit die erste, die die Kurve sieht. Ob Aufnahme, Station oder Heim: In diesem Moment lassen sich die Qualität der Ableitung und die erste Einschätzung nicht voneinander trennen. Das hat zwei praktische Folgen. Ein technisch schlechtes EKG ist kein neutrales Ergebnis: Es wird trotzdem befundet, von irgendjemandem, weiter hinten in der Kette. Ein falsch platziertes V1, vertauschte Armelektroden oder eine wandernde Grundlinie können Befunde erzeugen, die wie eine Erkrankung aussehen, und ebenso eine vorhandene Erkrankung verdecken. Und die Zeit zwischen Aufzeichnung und Handeln hängt fast immer davon ab, ob die Person, die das EKG geschrieben hat, erkannt hat, was nicht warten kann.
Deshalb lohnt es sich, es klar zu sagen: Pflegefachkräfte sollten EKGs einschätzen können. Nicht als Gefallen für die Ärzteschaft und nicht nur, um zu entscheiden, ob der Streifen weitergereicht wird, sondern weil die EKG-Beurteilung eine klinische Grundkompetenz ist, so wie das Erkennen eines steigenden Frühwarnscores. Ein EKG unbeurteilt liegen zu lassen ist keine Vorsicht. Es verlagert eine zeitkritische Entscheidung auf jemanden, der den Patienten noch nicht gesehen hat.
Die medizinische Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, und diese Grenze ist klar. Sie hat aber nie bedeutet, dass Pflegekräfte nicht befunden sollen. Sie bedeutet, dass Ihre Einschätzung das erste Glied der Kette ist, nicht das letzte. Je sicherer dieses Glied ist, desto kürzer wird die Zeit bis zur Behandlung.
EKG in Pflegeausbildung und Pflegealltag
Seit dem Pflegeberufegesetz ist die Pflegeausbildung generalistisch und führt zum Abschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann; daneben gibt es das primärqualifizierende Pflegestudium. Das EKG ist Teil der Ausbildung, beschränkt sich aber meist auf Elektrodenanlage, das normale EKG und einige wichtige Rhythmusstörungen. Welche Tiefe eine Schule oder Hochschule tatsächlich erreicht, hängt vom jeweiligen Curriculum und von den Praxiseinsätzen ab. Die praktische EKG-Kompetenz entsteht deshalb überwiegend nach dem Examen: in der Einarbeitung, durch innerbetriebliche Fortbildung und in Fachweiterbildungen.
Fachweiterbildungen, etwa für Intensiv- und Anästhesiepflege oder für Notfallpflege, stellen deutlich höhere Anforderungen. Dort wird erwartet, dass Sie Rhythmen selbstständig beurteilen, Ischämiezeichen und Leitungsstörungen erkennen und handeln, bevor ein Arzt am Bett ist. Wer auf einer Chest Pain Unit, einer Intermediate-Care-Station oder mit Telemetrie arbeitet, sieht in einer Woche oft mehr EKGs als viele Ärztinnen und Ärzte außerhalb der Kardiologie.
Was die EKG-Aufgabe in verschiedenen Bereichen bedeutet
| Bereich | Typische EKG-Aufgabe | Was Sie beherrschen müssen |
|---|---|---|
| Notaufnahme | EKG binnen Minuten bei Brustschmerz, Ersteinschätzung | ST-Hebungen und lebensbedrohliche Rhythmusstörungen sofort erkennen und nach dem Ersteinschätzungssystem priorisieren. |
| Chest Pain Unit und Kardiologie | Monitoring, Rhythmuskontrollen, nach PCI und Schrittmacherimplantation | Arrhythmien, AV-Blockierungen, QTc, Ischämie, Schrittmacherrhythmen und Alarmmanagement. |
| Intensivstation und IMC | Kontinuierliches Monitoring, Elektrolytstörungen | Rhythmuswechsel, Hyperkaliämie, Arzneimittelwirkungen und rasche Verschlechterung. |
| Normalstation | 12-Kanal-EKG bei neuen Beschwerden, Telemetrie bei ausgewählten Patienten | Entscheiden, was sofort ärztlich gesehen werden muss und was warten kann. |
| Langzeitpflege und ambulante Pflege | EKG im Pflegeheim, in der Hausarztpraxis, bei Hausbesuchen | Vorhofflimmern, Bradykardie, Arzneimittelnebenwirkungen und wann eingewiesen werden muss. |
Notaufnahme und Ersteinschätzung
Bei Brustschmerz soll innerhalb weniger Minuten nach Ankunft ein 12-Kanal-EKG geschrieben und beurteilt werden. In deutschen Notaufnahmen sind strukturierte Ersteinschätzungssysteme wie das Manchester-Triage-System oder der Emergency Severity Index verbreitet. Die Pflegekraft, die das EKG in der Ersteinschätzung schreibt, entscheidet oft mit, ob der Patient direkt in den Schockraum kommt oder im Wartebereich bleibt.
Chest Pain Unit, Kardiologie und Telemetrie
Hier gehört das EKG zum Alltag. Erwartet wird, dass Sie einen Rhythmusstreifen lesen, PQ-, QRS- und QT-Zeit messen, AV-Blockierungen und Schrittmacherrhythmen erkennen und entscheiden, ob ein Alarm ein echtes Ereignis oder ein Artefakt ist. Auch die Dokumentation zählt: Eine Arrhythmie, die nicht gespeichert und dokumentiert wird, existiert für die nächste Schicht nicht.
Intensivstation, Anästhesie und Aufwachraum
Die Patienten sind instabil, Veränderungen treten schnell ein. Elektrolytstörungen, Arzneimittelwirkungen, perioperative Ischämien und plötzliche Rhythmusstörungen sind häufig, und durch das kontinuierliche Monitoring ist die Pflegekraft meist die Erste, die es bemerkt.
Schnittstelle Rettungsdienst
Im Rettungsdienst schreiben Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter das 12-Kanal-EKG vor Ort, und vielerorts wird es an die Zielklinik übermittelt, damit Patienten mit ST-Hebungsinfarkt direkt ins Herzkatheterlabor gebracht werden können. Für die Pflege in der Notaufnahme heißt das: das mitgebrachte EKG ansehen, mit dem eigenen vergleichen und Veränderungen sofort melden.
Langzeitpflege und ambulante Versorgung
Im Pflegeheim und in der ambulanten Pflege ist oft kein Arzt vor Ort. Ein EKG, das wegen Schwindel, Synkope, Luftnot oder Brustschmerz geschrieben wird, muss so gut eingeschätzt werden, dass klar ist, ob der Patient dringend ärztlich versorgt werden muss. Vorhofflimmern, arzneimittelbedingte Bradykardie und Hyperkaliämie bei älteren Menschen mit Niereninsuffizienz sind typische Befunde.
Verantwortung, Delegation und Zusammenarbeit mit Ärzten
Für ärztlich delegierte Tätigkeiten gilt die bekannte Aufteilung: Die Ärztin oder der Arzt trägt die Anordnungsverantwortung, die Pflegefachkraft die Durchführungsverantwortung. Beim EKG heißt das: Sie sind dafür verantwortlich, dass die Ableitung technisch korrekt und dem richtigen Patienten zugeordnet ist, dass auffällige Befunde bemerkt werden und dass rechtzeitig die richtige Person informiert wird. Die Diagnose ist ärztliche Aufgabe, aber das hindert Sie nicht daran, eine eigene Einschätzung vorzunehmen und zu dokumentieren.
Delegation
EKGs werden oft auch von Pflegehilfskräften oder, in Praxen, von Medizinischen Fachangestellten geschrieben. Wer was übernimmt und wer das EKG ansieht, bevor der Patient allein gelassen wird, regeln Hausstandards und Dienstanweisungen. Unabhängig davon, wer ableitet: Jemand mit ausreichender Kompetenz muss die Kurve zeitnah ansehen, und die Verfahrensanweisung sollte festlegen, wer.
Einen EKG-Befund weitergeben
Eine strukturierte Übergabe nach SBAR macht es Ärztinnen und Ärzten leichter, am Telefon zu entscheiden. Sagen Sie, was Sie sehen, nicht nur, dass etwas komisch aussieht: "Brustschmerz seit 40 Minuten, ST-Hebung in II, III und aVF, Blutdruck 95/60. Bitte kommen Sie sofort." Eine klare Meldung mit einer konkreten Bitte verkürzt die Zeit bis zur Entscheidung.
- Situation: wer der Patient ist und was gerade passiert.
- Background (Hintergrund): relevante Vorerkrankungen, Medikation und frühere EKGs.
- Assessment (Einschätzung): Vitalzeichen, Beschwerden und der EKG-Befund in eigenen Worten.
- Recommendation (Empfehlung): was Sie brauchen, etwa eine sofortige ärztliche Beurteilung oder eine Anordnung.
Zeigen oder übermitteln Sie immer das EKG selbst. Die Ärztin oder der Arzt muss die Kurve sehen, und Ihre Einschätzung soll sie begleiten, nicht ersetzen.
Das EKG schreiben: Vorbereitung und Elektrodenanlage
Ein 12-Kanal-EKG wird mit zehn Elektroden abgeleitet: vier an den Extremitäten und sechs auf dem Brustkorb. Die Lage der Brustwandelektroden richtet sich nach Interkostalräumen und anatomischen Linien, nicht nach Augenmaß. Eine Verschiebung um einen Interkostalraum genügt, um die R-Progression so zu verändern, dass sie wie ein abgelaufener Vorderwandinfarkt aussieht.
| Elektrode | Position |
|---|---|
| V1 | 4. Interkostalraum, rechter Sternalrand. |
| V2 | 4. Interkostalraum, linker Sternalrand. |
| V3 | Zwischen V2 und V4. Wird deshalb nach V4 angelegt. |
| V4 | 5. Interkostalraum, Medioklavikularlinie. |
| V5 | Vordere Axillarlinie, Höhe von V4. |
| V6 | Mittlere Axillarlinie, Höhe von V4. |
| Extremitäten | Rechter Arm rot, linker Arm gelb, linkes Bein grün, rechtes Bein schwarz (Erde): das Ampelschema. Beim Ruhe-EKG an den Extremitäten, nicht am Rumpf. |
Drei Gewohnheiten machen den größten Unterschied. Suchen Sie den 4. Interkostalraum, indem Sie den Angulus sterni tasten und von dort abzählen, statt zu schätzen. Legen Sie V4 vor V3 an, damit V3 wirklich in der Mitte liegt. Und lassen Sie die Extremitätenelektroden an den Extremitäten: Am Rumpf verändern sich die Extremitätenableitungen merklich, was beim Monitoring und bei der Ergometrie akzeptabel ist, beim diagnostischen Ruhe-EKG aber nicht. Warum zwölf Ableitungen und was jede einzelne sieht, erklärt der Artikel Die EKG-Ableitungen.
Vorbereitung des Patienten
- Patienten identifizieren, Uhrzeit, Beschwerden und laufenden Brustschmerz auf dem EKG vermerken.
- Rückenlage, entspannt und warm, Arme locker. Frieren und angespannte Muskeln erzeugen Artefakte.
- Haut säubern und trocknen, bei Bedarf rasieren, frische Elektroden mit feuchtem Gel verwenden.
- Bei Frauen V4 bis V6 unterhalb der Brust anlegen, nicht auf der Brust.
- Bei Amputation, Gips oder Verband die Elektrode so nah wie möglich an der Standardposition anlegen und die Abweichung vermerken.
- Vor dem Ausdruck Papiergeschwindigkeit, Eichung (10 mm/mV) und Filter prüfen.
Woraus die EKG-Kurve besteht
Jeder Herzschlag erzeugt dasselbe wiederkehrende Muster: eine P-Welle, wenn die Vorhöfe erregt werden, einen QRS-Komplex, wenn die Kammern erregt werden, und eine T-Welle, wenn sich die Kammern elektrisch erholen. Zwischen ihnen liegen die Zeiten und Strecken, die den größten Teil der diagnostischen Information tragen.

| Messgröße | Normal | Abweichung spricht für |
|---|---|---|
| PQ-Zeit | 120–220 ms (viele Lehrbücher nennen 200 ms als Obergrenze) | Lang: AV-Block I. Grades. Kurz: Präexzitation. |
| QRS-Dauer | Unter 120 ms | Breit: Schenkelblock, ventrikulärer Ursprung, Schrittmacher, Hyperkaliämie oder Arzneimittel. |
| QTc | Bis 450 ms bei Männern und 470 ms bei Frauen | Lang: Risiko für Torsade de pointes, besonders über 500 ms. |
| ST-Strecke | Auf Höhe der Grundlinie (PQ-Strecke) | Hebung oder Senkung: Ischämie, Perikarditis, Belastung und andere Ursachen. |
Die Benennung ist streng und lohnt sich, einmal gelernt zu werden: Die erste negative Zacke vor einem positiven Ausschlag ist eine Q-Zacke, jeder positive Ausschlag eine R-Zacke und eine negative Zacke nach einer R-Zacke eine S-Zacke. Große Buchstaben bezeichnen große, kleine Buchstaben kleine Ausschläge. Deshalb kann ein Komplex qRs oder rSR′ heißen, und beides ist richtig. Alle Normalwerte und Normvarianten finden Sie im Artikel Das normale EKG.
Papiergeschwindigkeit und Herzfrequenz
EKGs werden mit 25 mm/s oder mit 50 mm/s geschrieben, und beide Geschwindigkeiten kommen im Klinikalltag vor. Derselbe Herzschlag sieht deshalb je nach Geschwindigkeit unterschiedlich aus, und wer an das eine gewöhnt ist, liest das andere leicht falsch. Die Geschwindigkeit steht auf dem Streifen: Lesen Sie sie, bevor Sie irgendetwas messen.

| Geschwindigkeit | Kleines Kästchen (1 mm) | Großes Kästchen (5 mm) | Herzfrequenz |
|---|---|---|---|
| 25 mm/s | 0,04 s (40 ms) | 0,2 s (200 ms) | 300 geteilt durch die Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken |
| 50 mm/s | 0,02 s (20 ms) | 0,1 s (100 ms) | 600 geteilt durch die Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken |
Die Kästchenmethode setzt einen regelmäßigen Rhythmus voraus. Bei unregelmäßigem Rhythmus, etwa Vorhofflimmern, zählen Sie die QRS-Komplexe in zehn Sekunden und multiplizieren mit sechs; ein Standardausdruck umfasst genau zehn Sekunden. Beachten Sie zugleich, dass ein absolut unregelmäßiger Rhythmus ohne erkennbare P-Wellen schon für sich ein meldepflichtiger Befund ist, unabhängig von der Frequenz.
Wer ein 50-mm/s-EKG liest, als wäre es mit 25 mm/s geschrieben, halbiert die berechnete Frequenz und verdoppelt alle Zeiten. Eine normale QRS-Dauer sieht dann aus wie ein Schenkelblock, eine normale Frequenz wie eine Bradykardie.
EKG-Befundung in acht Schritten
Was eine sichere von einer unsicheren Befunderin unterscheidet, ist selten die Menge an Wissen, sondern dass die Reihenfolge jedes Mal dieselbe ist. Wer mit dem anfängt, was merkwürdig aussieht, findet das Merkwürdige und übersieht den Rest.
- Rhythmus und Frequenz. Ist die Kammerfrequenz regelmäßig und zwischen 50 und 100 pro Minute? Sinusrhythmus erfordert eine positive P-Welle in Ableitung II, eine P-Welle vor jedem QRS-Komplex und eine konstante PQ-Zeit.
- P-Welle und PQ-Zeit. Die P-Welle zeigt die Vorhoferregung. Eine verlängerte PQ-Zeit spricht für einen AV-Block I. Grades, eine verkürzte für Präexzitation. Breite oder doppelgipflige P-Wellen sprechen für einen vergrößerten linken Vorhof, hohe spitze für einen vergrößerten rechten.
- QRS-Komplex. Die normale QRS-Dauer liegt unter 120 ms. Ein breiter Komplex bedeutet, dass die Kammern nicht über das normale Erregungsleitungssystem erregt werden. Beurteilen Sie außerdem Amplitude, Lagetyp, R-Progression von V1 bis V6 und pathologische Q-Zacken.
- ST-Strecke. Gemessen am J-Punkt im Verhältnis zur Grundlinie. ST-Hebungen und ST-Senkungen sind die Befunde, die am häufigsten entscheiden, wie schnell der Patient einen Arzt braucht. Ausmaß, Form und betroffene Ableitungen sind wichtig.
- T-Welle. Die T-Welle folgt normalerweise der Hauptrichtung des QRS-Komplexes. Negative T-Wellen, wo sie positiv sein sollten, sprechen für Ischämie oder Belastung. Hohe spitze T-Wellen wecken den Verdacht auf Hyperkaliämie oder eine sehr frühe Ischämie.
- QTc-Zeit und U-Welle. Die QT-Zeit wird frequenzkorrigiert. Eine verlängerte QTc-Zeit erhöht das Risiko für Torsade de pointes, besonders zusammen mit Bradykardie, Hypokaliämie und QT-verlängernden Arzneimitteln. Deutliche U-Wellen finden sich bei Hypokaliämie.
- Mit Vor-EKGs vergleichen. Ein neuer Befund bedeutet etwas völlig anderes als derselbe Befund, der seit Jahren besteht. Der Vergleich ist oft der wertvollste Schritt und der, der am häufigsten übersprungen wird.
- In den klinischen Zusammenhang stellen. Dieselbe Kurve bedeutet bei einem 25-Jährigen mit Herzrasen etwas anderes als bei einer 80-Jährigen mit Brustschmerz. Das EKG wird gegen Beschwerden, Vitalzeichen, Anamnese, Medikation und Laborwerte gelesen, nie für sich allein.
Die vollständige Methode mit Normalwerten und Differenzialdiagnosen je Schritt finden Sie unter Systematischer Ansatz zur EKG-Befundung. Als Grundlage für den Rhythmusschritt dient der Artikel Der Sinusrhythmus.
ST-Strecke und T-Welle
Kein anderer EKG-Befund verändert das Vorgehen so schnell wie eine ST-Hebung. Gemessen wird am J-Punkt, wo der QRS-Komplex in die ST-Strecke übergeht, im Verhältnis zur Grundlinie. Die Grenzwerte unterscheiden sich nach Ableitung, Geschlecht und Alter.

| Befund | Grenzwert in zwei benachbarten Ableitungen |
|---|---|
| ST-Hebung, V2–V3 | Mindestens 2 mm bei Männern ab 40 Jahren, mindestens 2,5 mm bei Männern unter 40, mindestens 1,5 mm bei Frauen. |
| ST-Hebung, übrige Ableitungen | Mindestens 1 mm. |
| ST-Senkung | Mindestens 0,5 mm, horizontal oder deszendierend. |
Die Grenzwerte stammen aus der universellen Definition des Myokardinfarkts und gelten, wenn kein Linksschenkelblock und keine linksventrikuläre Hypertrophie vorliegt. Sie unterstützen die Einschätzung, sie ersetzen sie nicht: Ein Patient mit typischen Beschwerden und einem EKG, das die Kriterien knapp verfehlt, braucht genauso dringend einen Arzt.
Ischämische ST-Senkungen sind in der Regel horizontal oder deszendierend. Aszendierende Senkungen sind deutlich weniger spezifisch für eine Ischämie und treten häufig bei hoher Herzfrequenz auf. Diese Formen auseinanderzuhalten ist eine der nützlichsten Fertigkeiten in der Notaufnahme.

Die T-Welle trägt dieselbe Information in anderer Form. Negative T-Wellen, wo sie positiv sein sollten, sprechen für Ischämie oder Belastung, hohe spitze T-Wellen wecken den Verdacht auf Hyperkaliämie oder ein sehr frühes Infarktstadium. Letzteres wird leicht übersehen, weil der Rest der Kurve normal aussehen kann. Zur Einordnung der Hebungen lesen Sie ST-Hebung bei akuter Myokardischämie und Differenzialdiagnosen und den Artikel zum STEMI.
Monitoring und Telemetrie
Monitor und Telemetrie zeigen eine oder wenige Ableitungen kontinuierlich und dienen dazu, Rhythmusstörungen und Frequenzänderungen im Verlauf zu erkennen. Für die Beurteilung einer Ischämie sind sie nicht gemacht. Wer bei einem überwachten Patienten eine Ischämie vermutet, schreibt ein 12-Kanal-EKG.
Die Ableitung nach der Fragestellung wählen
Ableitung II zeigt die P-Wellen oft am deutlichsten und eignet sich für die Beurteilung der Vorhofaktivität und der AV-Überleitung. V1 hilft, Breitkomplextachykardien und Schenkelblöcke zu unterscheiden. Welche Ableitungen wählbar sind, hängt vom Gerät ab; wichtig ist, dass die Wahl bewusst erfolgt und die Elektroden dort sitzen, wo das System sie erwartet.
Alarme: erst den Patienten ansehen
Die meisten Alarme auf einer Überwachungsstation sind technisch bedingt oder klinisch unbedeutend, und das führt zu Alarmmüdigkeit. Gefährlich wird es, wenn ein echter Alarm als weiteres Artefakt abgetan wird. Eine einfache Regel hilft: erst zum Patienten, dann auf den Monitor. Ein wacher Patient, der spricht, hat kein Kammerflimmern, egal was der Monitor zeigt. Ein Patient, der nicht reagiert, hat einen Herzstillstand, bis das Gegenteil bewiesen ist, egal was der Monitor zeigt.
- Alarmgrenzen nach Patient und Anordnung einstellen, nicht nach den Werkseinstellungen.
- Elektroden regelmäßig wechseln und sobald das Signal schlechter wird; eingetrocknetes Gel ist eine häufige Ursache von Fehlalarmen.
- Echte Rhythmusstörungen speichern und mit Uhrzeit und Zustand des Patienten dokumentieren.
- Bei neuer Rhythmusstörung, Brustschmerz oder anderer Veränderung ein 12-Kanal-EKG schreiben und mit Vor-EKGs vergleichen.
Befunde, die nicht warten dürfen
Die folgenden Befunde sollen dazu führen, dass der Patient an den Monitor kommt und sofort ein Arzt informiert wird, nicht dazu, dass der Streifen auf einen Stapel gelegt wird. Die Liste ersetzt keine Hausstandards, deckt aber die Situationen ab, in denen eine Verzögerung am meisten kostet.
| Befund | Was zu tun ist |
|---|---|
| ST-Hebung in zwei benachbarten Ableitungen | Verdacht auf ST-Hebungsinfarkt. Sofort nach Hausstandard alarmieren; die Zeit bis zur Reperfusion entscheidet über den Verlauf. Siehe ST-Hebung und Differenzialdiagnosen. |
| Linksschenkelblock und anhaltender Brustschmerz | Wie ein Verdacht auf akuten Myokardinfarkt behandeln, ob der Block neu oder bekannt ist, bis ein Arzt beurteilt hat. Siehe Sgarbossa-Kriterien. |
| Breitkomplextachykardie | Gilt als ventrikuläre Tachykardie, bis das Gegenteil bewiesen ist. Defibrillator anschließen und Hilfe rufen. Siehe Ventrikuläre Tachykardie. |
| AV-Block II. Grades Typ Mobitz 2 oder AV-Block III. Grades | Asystoliegefahr. Monitoring, sofortige ärztliche Beurteilung und Bereitschaft zur externen Stimulation. Siehe AV-Blöcke im Überblick. |
| Hohe spitze T-Wellen mit breiten Komplexen | An Hyperkaliämie denken. Kalium sofort bestimmen und ohne Verzögerung den Arzt informieren. Siehe Elektrolytstörungen im EKG. |
| Verlängerte QTc-Zeit mit ventrikulären Extrasystolen | Risiko für Torsade de pointes. QT-verlängernde Arzneimittel, Kalium und Magnesium überprüfen. Siehe Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes. |
Achten Sie auch auf Befunde, die nicht auf der Liste stehen, aber oft hinter einer Verschlechterung stecken: neu aufgetretenes Vorhofflimmern mit schneller Kammerfrequenz, ausgeprägte Bradykardie mit Schwindel oder Synkope und ST-Senkungen bei anhaltendem Brustschmerz. Keiner davon kann bis zur Visite warten. Zu den Grundlagen gehört auch das Wissen, was bei einem Herzstillstand zu tun ist: Basismaßnahmen der Reanimation.
Artefakte und Fehlerquellen
Ein nicht beurteilbares EKG ist gefährlicher als gar kein EKG, weil es trotzdem befundet wird. Fast jedes technische Problem lässt sich am Bett erkennen und beheben.
| Fehlerquelle | So sieht es aus | Maßnahme |
|---|---|---|
| Muskelzittern | Unregelmäßige, schnelle kleine Schwankungen | Wärme, bequeme Lagerung, einige Sekunden Ruhe. Der Patient sollte nicht sprechen. |
| Schlechter Hautkontakt | Wandernde Grundlinie, einzelne Ableitungen gestört | Haut reinigen und rasieren, frische Elektroden verwenden. |
| Netzbrummen | Völlig regelmäßige 50-Hz-Schwingung | Kabel, sich kreuzende Leitungen und Elektrogeräte in der Nähe überprüfen. |
| Vertauschte Armelektroden | Negative P-Welle und negativer QRS-Komplex in Ableitung I | Anlage kontrollieren und neu schreiben. |
| Falsch platzierte Brustwandelektroden | Auffällige R-Progression, unerwartete Q-Zacken | Interkostalräume neu abzählen und neu schreiben. |
Die Elektrodenvertauschung ist die tückischste Fehlerquelle, denn die Kurve sieht sauber aus und ist einfach falsch. Vertauschte Armelektroden können mit einer Dextrokardie oder einem alten Infarkt verwechselt werden. Die Regel ist einfach: Sieht Ableitung I umgekehrt aus, während die Brustwandableitungen normal sind, wird das EKG neu geschrieben, bevor jemand es befundet.
Ruhe-EKG, Telemetrie und Belastungs-EKG
Die drei häufigsten Ableitungsformen beantworten unterschiedliche Fragen und sind nicht austauschbar. Das Ruhe-EKG zeichnet zwölf Ableitungen über zehn Sekunden auf und ist als einzige der drei dafür gemacht, Ischämie, Leitungsstörungen, Hypertrophie und Zeiten zu beurteilen.
Die Telemetrie überwacht wenige Ableitungen kontinuierlich und erfasst Rhythmusstörungen und Frequenzänderungen im Verlauf. Einen Herzinfarkt kann sie nicht ausschließen. Umgekehrt kann ein Ruhe-EKG keine anfallsartige Rhythmusstörung ausschließen: Ein Normalbefund gilt nur für die Sekunden der Aufzeichnung.
Das Belastungs-EKG zeichnet das EKG unter kontrollierter Belastung auf und beurteilt Belastbarkeit, Beschwerden, Blutdruckverhalten und Ischämiezeichen. Pflegekräfte haben hier eine eigenständige Rolle bei Überwachung, Abbruchkriterien und Notfallbereitschaft. Siehe Indikationen, Kontraindikationen und Vorbereitung des Belastungs-EKGs.
Wie lernt man EKG als Pflegekraft?
Wer neu im Fach ist, lernt am schnellsten mit einer festen Reihenfolge und vielen echten Kurven. Die folgenden Schritte haben sich bewährt.
- Zuerst die Technik. Üben Sie Elektrodenanlage und Qualitätskontrolle, bis beides automatisch läuft. Ein sauberes EKG ist die Voraussetzung für jede Beurteilung.
- Dann das normale EKG. Wer die Normalkurve und ihre Varianten kennt, erkennt Abweichungen. Die Artikel Das normale EKG und Kardiale Elektrophysiologie bilden die Basis.
- Eine Systematik festlegen. Verwenden Sie bei jedem EKG dieselben acht Schritte, auch wenn der Befund auf den ersten Blick klar scheint.
- Die häufigen Rhythmusstörungen kennen. Vorhofflimmern, supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen und die Sinusbradykardie begegnen Ihnen auf fast jeder Station.
- Die Alarmbefunde automatisieren. Die Liste oben sollte so selbstverständlich sitzen, dass Sie sie auch nachts um vier abrufen können.
- Mit Fällen üben. Befunden Sie EKGs zusammen mit Beschwerden und Vitalzeichen und fragen Sie sich, wen Sie informieren würden und was Sie sagen würden.
Weitere Kapitel, die für den Pflegealltag besonders relevant sind: Rechtsschenkelblock und EKG bei linksventrikulärer Hypertrophie.
EKG-Bücher: was oft gut und was oft schlecht ist
Es gibt viele EKG-Bücher, und die meisten haben Stärken und deutliche Grenzen. Wer Lernmaterial für sich, für eine Ausbildungsgruppe oder für eine Station auswählt, sollte die drei häufigsten Schwächen erkennen.
Drei Schwächen kommen immer wieder vor. Manche Bücher sind zu einfach: Kurze Einführungen wie Dubins Rapid Interpretation of EKG's oder Thalers The Only EKG Book You'll Ever Need erleichtern den Einstieg, runden aber Kriterien und lassen Differenzialdiagnosen weg. Andere sind zu schwierig oder zu umfangreich: Referenzwerke wie Chou's Electrocardiography in Clinical Practice sind für Vertiefung und Forschung geschrieben, nicht für jemanden, der in der Notaufnahme EKG lesen lernt.
Die häufigste Schwäche ist der fehlende klinische Bezug. Das Buch zeigt, wie ein Befund aussieht, aber nicht, was er für den Patienten bedeutet: welche Diagnostik folgen sollte, welche Differenzialdiagnosen zu erwägen sind, wie das Risiko eingeschätzt wird und welche Therapie und Nachsorge gelten. Für Pflegekräfte sind das genau die Fragen, die bestimmen, was als Nächstes zu tun ist. Ein EKG-Befund ohne klinischen Bezug ist eine Kuriosität; mit Bezug wird er zu einer Entscheidung.
Was ein gutes EKG-Lehrbuch leistet
- Es erklärt aus Elektrophysiologie und Pathophysiologie, warum die Kurve so aussieht, damit Sie verstehen statt auswendig lernen.
- Es nennt die Kriterien genau und die Differenzialdiagnosen zu jedem Befund.
- Es verbindet die Befunde mit Diagnostik, Therapie und Nachsorge nach aktuellen Leitlinien.
- Es zeigt viele echte EKGs, nicht nur idealisierte Skizzen.
- Es wird aktualisiert, wenn sich die Leitlinien ändern.
Eine ausführliche Besprechung der meistgenutzten Bücher mit ihren Stärken und Schwächen finden Sie unter Auswahl des besten EKG-Buches: EKG einfach oder vollständig gemacht?
Wie unser EKG-Kurs diese Schwächen behebt
Unser Kurs Klinische EKG-Interpretation ist so aufgebaut, dass er die drei genannten Schwächen vermeidet. Er führt von den Grundlagen der Elektrokardiographie über Arrhythmien, koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt, Leitungsstörungen, Hypertrophie, Arzneimittel und Elektrolytstörungen, genetische Syndrome und das Belastungs-EKG bis zu Herzschrittmachern und zum pädiatrischen EKG.
Grundlagen und fortgeschrittene Befundung
Der Kurs beginnt bei den Grundlagen und führt bis zu den Befunden, die auch erfahrene Ärztinnen und Ärzte fordern. Er eignet sich für den Einstieg in die Pflegeausbildung ebenso wie für die Vorbereitung auf eine Fachweiterbildung oder für den Wiedereinstieg in die Kardiologie.
Klinischer Bezug im ganzen Kurs
Jedes Krankheitsbild wird vom Mechanismus bis zum Management behandelt: Elektrophysiologie und Pathophysiologie, EKG-Kriterien, Differenzialdiagnosen, Diagnostik, Risikoeinschätzung und Therapie nach aktuellen Leitlinien. Die Tiefe ist für Pflegekräfte dieselbe wie für Ärzte, denn der Patient ist derselbe.
Interaktive Simulationen
Zu unseren interaktiven Simulationen gehören AV-Block, QT-Verlängerung und Torsade de pointes, Kalium und Membranpotenzial sowie kardiopulmonale Reanimation. Sie verändern einen Parameter und sehen, wie Kurve und Physiologie reagieren. So werden Zusammenhänge verständlich, die eine statische Abbildung nicht zeigen kann.
Videovorlesungen
Videovorlesungen gibt es in zwei eigenen Kursen: einem zum normalen EKG, der jeden Abschnitt der Kurve durchgeht, und einem zu den Grundlagen der Herzanatomie und -physiologie.
Wissenstests
In unseren EKG-Tests und Wissenstests prüfen Sie Ihr Wissen im eigenen Tempo, von gemischten EKG-Fällen bis zu akuten Koronarsyndromen und Rhythmusstörungen.
Wissensdatenbank
Der Kurs ist mit den Fachartikeln der Wissensdatenbank verknüpft, sodass Sie mitten im Dienst einen Befund nachschlagen können. Als erster Einstieg eignen sich die Einführung in die Elektrokardiologie und die EKG-Interpretation und der Überblick Klinische Elektrokardiographie und EKG-Interpretation.
Noch in Ausbildung oder Studium? Lesen Sie auch EKG für Studierende. Zum Kurs geht es hier: Klinische EKG-Interpretation.
Häufige Fragen
Dürfen Pflegekräfte EKGs befunden?
Pflegekräfte sollten EKGs einschätzen können, denn die EKG-Beurteilung ist eine klinische Grundkompetenz. Sie schreiben das EKG, sehen es zuerst, und Ihre Einschätzung entscheidet oft, wie schnell der Patient Hilfe bekommt. Die medizinische Diagnose stellt der Arzt; Ihre Einschätzung ist das erste Glied der Kette. Was Sie selbstständig veranlassen dürfen, regeln Hausstandards und ärztliche Anordnungen.
Wo werden die Brustwandelektroden angelegt?
V1 im 4. Interkostalraum am rechten Sternalrand, V2 im 4. Interkostalraum am linken Sternalrand, V4 im 5. Interkostalraum in der Medioklavikularlinie, V3 zwischen V2 und V4, V5 in der vorderen und V6 in der mittleren Axillarlinie, beide auf Höhe von V4. V4 wird vor V3 angelegt.
Wie bestimmt man die Herzfrequenz im EKG?
Bei 25 mm/s teilen Sie 300 durch die Zahl der großen Kästchen zwischen zwei R-Zacken, bei 50 mm/s teilen Sie 600 durch diese Zahl. Bei unregelmäßigem Rhythmus zählen Sie die QRS-Komplexe in zehn Sekunden und multiplizieren mit sechs.
Welche Papiergeschwindigkeit wird verwendet?
Gebräuchlich sind 25 mm/s und 50 mm/s, bei einer Eichung von 10 mm/mV. Bei 50 mm/s ist alles auf dem Streifen doppelt so breit. Prüfen Sie vor jeder Messung die auf dem EKG angegebene Geschwindigkeit.
Welche EKG-Befunde erfordern sofort einen Arzt?
ST-Hebungen, die die Infarktkriterien erfüllen, Linksschenkelblock bei anhaltendem Brustschmerz, Breitkomplextachykardie, AV-Block II. Grades Typ Mobitz 2 oder AV-Block III. Grades, symptomatische Bradykardie, verlängerte QTc-Zeit mit ventrikulären Extrasystolen sowie ein Hyperkaliämiemuster mit hohen spitzen T-Wellen und breiten Komplexen. Den Patienten monitoren und sofort den Arzt informieren.
Was ist der Unterschied zwischen Telemetrie und Ruhe-EKG?
Das Ruhe-EKG zeichnet zwölf Ableitungen über zehn Sekunden auf und dient der Beurteilung von Ischämie, Leitungsstörungen, Hypertrophie und Zeiten. Die Telemetrie überwacht wenige Ableitungen kontinuierlich, um Rhythmusstörungen im Verlauf zu erkennen. Telemetrie schließt keinen Infarkt aus, und ein Ruhe-EKG schließt keine anfallsartige Rhythmusstörung aus.
Warum ist die EKG-Kurve verrauscht oder unruhig?
Die häufigsten Ursachen sind Muskelzittern, schlechter Elektrodenkontakt und Netzbrummen. Halten Sie den Patienten warm und entspannt, reinigen und rasieren Sie die Haut, verwenden Sie frische Elektroden und prüfen Sie Kabel und Geräte in der Nähe. Ist die Kurve nicht beurteilbar, schreiben Sie sie neu.
Was passiert, wenn die Armelektroden vertauscht sind?
Vertauschte Armelektroden führen zu einer negativen P-Welle und einem negativen QRS-Komplex in Ableitung I, was mit Dextrokardie oder einem alten Infarkt verwechselt werden kann. Denken Sie an eine Vertauschung, wenn Ableitung I umgekehrt aussieht, die Brustwandableitungen aber normal sind, und schreiben Sie das EKG neu.
Welches EKG-Buch eignet sich für Pflegekräfte?
Ein gutes EKG-Buch erklärt, warum die Kurve so aussieht, nennt Kriterien und Differenzialdiagnosen genau und verbindet die Befunde mit Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Viele Bücher sind zu stark vereinfacht, zu umfangreich oder ohne klinischen Bezug, und das Letzte ist das häufigste Problem.
Gibt es einen EKG-Kurs, der für Pflegekräfte geeignet ist?
Ja. Unser Kurs Klinische EKG-Interpretation behandelt das EKG von der Elektrophysiologie bis zum Management, ergänzt durch interaktive Simulationen, Videovorlesungen in eigenen Kursen, EKG-Tests und eine Wissensdatenbank mit Fachartikeln.