Definition und Pathophysiologie
Ernährungsmuster sind die Gesamtkombinationen der regelmäßig verzehrten Lebensmittel und nicht isoliert betrachtete einzelne Nährstoffe. Für die kardiometabolische Gesundheit enthalten die günstigsten Ernährungsmuster im Allgemeinen mehr minimal verarbeitete, ballaststoffreiche und bioaktive Lebensmittel, darunter Obst, nicht stärkehaltiges Gemüse, Bohnen, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen, Joghurt, Meeresfrüchte und pflanzliche Öle. Sie enthalten weniger raffinierte Getreideprodukte, Stärke, zugesetzten Zucker, Salz, Transfette, verarbeitetes Fleisch und in der Regel rotes Fleisch.
Die am besten durch Evidenz gestützten Ernährungsmuster sind mediterrane und DASH-orientierte Ernährungsweisen. Ihre Wirkungen sind multidimensional und lassen sich nicht angemessen aus Veränderungen eines einzelnen intermediären Markers wie dem Cholesterin ableiten. Die Zusammensetzung der Ernährung kann den Blutdruck, die Glukose-Insulin-Homöostase, Lipide und Apolipoproteine, die Endothelfunktion, die systemische Inflammation, die hepatische Fettsynthese, die Adipositas, Thrombose und Gerinnung, die Herzfunktion, das Sättigungsgefühl, den Appetit, das Darmmikrobiom und den metabolischen Energieverbrauch beeinflussen. Auch die Lebensmittelverarbeitung, Zusatzstoffe und Zubereitungsmethoden können beitragen.
Die kardioprotektive Wirkung resultiert daher wahrscheinlich aus dem kumulativen Einfluss zahlreicher geringgradiger Ernährungsänderungen. Mediterrane Ernährungsmuster liefern Polyphenole aus nativem Olivenöl extra, Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten; ungesättigte Fettsäuren und weitere bioaktive Verbindungen aus Nüssen sowie antioxidativ und antithrombotisch wirkende Bestandteile aus Vollkornprodukten. Diese kombinierten Effekte können Inflammation, Insulinresistenz, den Glukosestoffwechsel, Hypertonie, atherogene Dyslipidämie, die endotheliale Biologie und thrombozytenbezogene Signalwege verbessern. Das Ausgangsmaterial beschreibt außerdem mögliche antiarrhythmische Wirkungen, die mit einer Verringerung des Risikos für plötzlichen Herztod und Vorhofflimmern assoziiert sind.
Die Ernährungsqualität beeinflusst auch die Energiebilanz. Hochverarbeitete Lebensmittel können über Wirkungen auf Hunger, Belohnungssystem, Heißhunger, Glukose-Insulin-Reaktionen, Darmpeptide, hepatische Fettsynthese, Adipozytenfunktion und metabolischen Energieverbrauch eine höhere Nahrungsaufnahme ad libitum fördern. Adipositas ist daher nur ein Mechanismus, über den die Ernährung die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflusst; Ernährungsänderungen können kardiometabolische Risikofaktoren innerhalb von 6–8 Wochen auch ohne Gewichtsverlust verbessern.
Kardiovaskuläre Outcomes im Zusammenhang mit Ernährungsmustern
Kardiovaskuläre Erkrankungen und Mortalität
Die stärkste Langzeitevidenz stützt mediterrane oder DASH-orientierte Ernährungsmuster, die minimal verarbeitete Lebensmittel und gesunde Fette betonen und gleichzeitig hochverarbeitete Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, Zucker und Fleisch begrenzen.
In der Sekundärprävention zeigten randomisierte Studien bei Personen mit manifester koronarer Herzkrankheit unter mediterranen Ernährungsinterventionen weniger kardiovaskuläre Ereignisse als unter fettarmen Kontrolldiäten. In einer Studie mit Patienten nach Myokardinfarkt umfasste die mediterrane Intervention einen höheren Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Brot und einer α-Linolensäure-reichen Margarine sowie einen geringeren Verzehr von Fleisch, verarbeitetem Fleisch, Butter und Sahne. Primäre kardiovaskuläre Ereignisse traten in der mediterranen Gruppe bei 8 von 302 Teilnehmern auf, verglichen mit 33 von 303 in der Kontrollgruppe. In einer weiteren randomisierten Studie mit 1002 Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit war eine mediterrane Ernährung über 7 Jahre im Vergleich zu einer fettarmen Ernährung mit einer Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse um mehr als ein Viertel assoziiert.
In der Primärprävention berichtete eine große randomisierte Studie mit 7447 Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko über eine Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse um 30 % unter einer mediterranen Ernährung, die entweder durch Nüsse oder durch natives Olivenöl extra ergänzt wurde, verglichen mit einem fettarmen Ernährungsmuster. Die Intervention umfasste eine umfassendere Ernährungsumstellung, insbesondere eine erhöhte Aufnahme von Obst, Hülsenfrüchten und Meeresfrüchten sowie eine reduzierte Aufnahme von Fleisch, Fleischprodukten und Süßigkeiten.
Eine Umbrella-Übersicht, die Beobachtungsstudien und randomisierte Studien einschloss, berichtete Zusammenhänge zwischen einer stärkeren Adhärenz an eine mediterrane Ernährung und niedrigeren Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen, Myokardinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskuläre Mortalität und Diabetes. Eine Netzwerkmetaanalyse randomisierter Studien ergab, dass eine mediterrane Ernährungsintervention im Vergleich zu einer minimalen Ernährungsintervention mit einem um 28 % niedrigeren Risiko für den Tod jeglicher Ursache und einem um 45 % niedrigeren Risiko für den kardiovaskulären Tod assoziiert war.
Herzinsuffizienz
Eine pflanzenbetonte Ernährung mit Schwerpunkt auf Gemüse, Obst, Bohnen und Fisch war in einer Kohorte von mehr als 16.000 Teilnehmern mit einer um 41 % niedrigeren Inzidenz von Herzinsuffizienz während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8,7 Jahren assoziiert. Umgekehrt war der höchste Verzehr von verarbeitetem Fleisch, Eiern, zugesetzten Fetten und zuckergesüßten Getränken im Vergleich zum niedrigsten Verzehr mit einem um 72 % höheren Risiko für eine inzidente Herzinsuffizienz assoziiert. Diese Zusammenhänge waren bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion am stärksten ausgeprägt.
Die günstigen Wirkungen einer pflanzenbetonten Ernährung lassen sich nicht eindeutig einem einzelnen Bestandteil zuordnen, könnten jedoch mit dem hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften zusammenhängen.
Diabetes und kardiometabolisches Risiko
Eine mediterran orientierte Ernährung verbessert bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die glykämische Kontrolle, die Lipidwerte und den Blutdruck. In einer Population mit hohem kardiovaskulärem Risiko, in der etwa die Hälfte der Teilnehmer an Typ-2-Diabetes litt, war eine mit Olivenöl oder Nüssen ergänzte mediterrane Ernährung mit einer Reduktion des Risikos für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen um 28–31 % assoziiert.
Mediterrane, paläolithische, vegetarische und kohlenhydratarme Ernährungsweisen senkten in Studien jeweils die Nüchternglukose oder das HbA1c, obwohl nur wenige Studien über 1 Jahr hinausgingen. Eine Umstellung von einem überwiegend tierischen auf ein pflanzenbasiertes Ernährungsmuster kann ebenfalls das Risiko für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen senken.
Ernährungsänderungen können mehrere Risikofaktoren unabhängig von einer Gewichtsreduktion verbessern. Mediterrane Ernährungsmuster wurden mit Verbesserungen von Inflammation, Insulinresistenz, Glukosestoffwechsel, Hypertonie und atherogener Dyslipidämie in Verbindung gebracht.
Klinische Präsentation und Symptome
Ernährungsmuster verursachen kein charakteristisches klinisches Syndrom. Ihre kardiovaskulären Auswirkungen manifestieren sich im Allgemeinen über etablierte Erkrankungen und Risikofaktoren, darunter Adipositas, Hypertonie, Dyslipidämie, Typ-2-Diabetes, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und damit verbundene kardiometabolische Erkrankungen.
Das Ausgangsmaterial beschreibt kein spezifisches Symptomprofil und keine körperlichen Befunde, die allein Ernährungsmustern zuzuschreiben wären. Die klinische Beurteilung sollte sich daher auf die vorhandenen kardiovaskulären Erkrankungen und Risikofaktoren sowie auf eine strukturierte Erfassung der gewohnheitsmäßigen Nahrungsaufnahme, der Lebensmittelverarbeitung, der Energiebilanz, der Gewichtsveränderung und der Adhärenz an die Ernährung konzentrieren.
Evaluation und körperliche Untersuchung
Die Evaluation sollte das aktuelle Ernährungsmuster des Patienten und seinen Zusammenhang mit dem kardiovaskulären Risiko erfassen. Wichtige Bereiche umfassen:
Verzehr von Obst, Gemüse, Bohnen, Vollkornprodukten, Nüssen, Samen, Joghurt, Meeresfrüchten und pflanzlichen Ölen.
Aufnahme von raffinierten Getreideprodukten, Stärke, zuckergesüßten Getränken, Süßigkeiten, Backwaren, verarbeitetem Fleisch, rotem Fleisch, Salz und Transfetten.
Portionsgrößen, außer Haus eingenommene Mahlzeiten und Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel.
Gewichtsverlauf, abdominale Adipositas und Energiebilanz.
Körperliche Aktivität, sitzendes Verhalten, Schlafdauer und Fernsehkonsum.
Verfügbarkeit von Lebensmitteln, kulturelle Präferenzen, finanzielle Einschränkungen und Ernährungssicherheit.
Frühere Ernährungsinterventionen, Adhärenz und Hindernisse für eine nachhaltige Veränderung.
Vorliegen von Adipositas, Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes, koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder anderer kardiovaskulärer Komorbidität.
Die Befunde der körperlichen Untersuchung sind nicht spezifisch für die Ernährung. Die Untersuchung sollte die klinischen Folgen ernährungsbedingter Risiken erfassen, einschließlich Körpergewicht, Adipositas und relevanter Befunde bei Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie, koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz. Das Ausgangsmaterial enthält kein spezifisches Untersuchungsprotokoll für die Ernährungsberatung.
Diagnostik und Laborbefunde
Kein spezifisches EKG-, bildgebendes oder elektrophysiologisches Verfahren diagnostiziert ein ungesundes Ernährungsmuster. Die diagnostischen Untersuchungen sollten auf die zu beurteilenden kardiovaskulären Erkrankungen und Risikofaktoren ausgerichtet werden.
Die relevante Laborkontrolle kann Marker der im Ausgangsmaterial genannten Stoffwechselwege umfassen, insbesondere:
Blutfette und Apolipoproteine.
Glukose und HbA1c.
Triglyzeride.
Blutdruck, obwohl es sich hierbei um eine klinische Messgröße und nicht um einen Laborparameter handelt.
Weitere Untersuchungen zur Beurteilung einer manifesten kardiovaskulären Erkrankung oder ihrer Komplikationen.
Das Ausgangsmaterial weist darauf hin, dass sich die Ernährungsqualität innerhalb von 6–8 Wochen auch ohne Gewichtsverlust auf kardiometabolische Risikofaktoren günstig auswirken kann. Ein Überwachungsintervall für Laboruntersuchungen oder Zielwerte für einzelne Biomarker werden nicht angegeben.
Zusammensetzung der Ernährung für die kardiovaskuläre Gesundheit
Zu steigernde Lebensmittel
Die folgenden lebensmittelbezogenen Komponenten werden im Rahmen eines insgesamt gesundheitsfördernden Ernährungsmusters empfohlen. Die Verzehrziele basieren auf einer Ernährung mit 2000 kcal/Tag und sollten an den individuellen Energiebedarf angepasst werden.
| Lebensmittelgruppe | Empfohlene Aufnahme | Ungefähre Portion |
|---|---|---|
| Obst | 3 Portionen/Tag | Etwa 100 g; beispielsweise eine mittelgroße Frucht, ½ Tasse frisches/gefrorenes/konserviertes Obst, ¼ Tasse Trockenobst oder ½ Tasse 100%iger Saft |
| Gemüse und Bohnen | 3–4 Portionen/Tag | Etwa 100 g; beispielsweise 1 Tasse rohes Blattgemüse oder ½ Tasse geschnittenes oder gegartes Gemüse |
| Vollkornprodukte | 3 Portionen/Tag anstelle raffinierter Getreideprodukte | Etwa 50 g; beispielsweise eine Scheibe Vollkornbrot oder ½ Tasse gekochter Vollkornreis, Vollkornnudeln oder Vollkorngetreide |
| Nüsse | 4–5 Portionen/Woche | Etwa 28 g |
| Fisch und Schalentiere | 2 Portionen/Woche, vorzugsweise fetter Fisch | Etwa 100 g; dieses Ziel sollte nicht ausschließlich mit frittiertem oder paniertem Fisch erreicht werden |
| Milchprodukte, insbesondere Joghurt | 2–3 Portionen/Tag | Eine Tasse Milch oder Joghurt oder 1,5 oz Käse |
| Pflanzliche Öle | 2–6 Portionen/Tag | Etwa 1 Teelöffel Öl oder 1 Esslöffel pflanzlicher Brotaufstrich |
Eine praktische Methode zur Auswahl gesünderer kohlenhydratreicher Produkte besteht darin, Lebensmittel zu wählen, die pro Portion mindestens 1 g Ballaststoffe pro 10 g Gesamtkohlenhydrate liefern, entsprechend einem Kohlenhydrat-Ballaststoff-Verhältnis unter 10:1.
Zu begrenzende oder zu vermeidende Lebensmittel
| Lebensmittel oder Ernährungsfaktor | Empfohlener Ansatz |
|---|---|
| Raffinierte Getreideprodukte und Stärke | Minimieren |
| Zuckergesüßte Getränke, Süßigkeiten und Backwaren | Vermeiden oder nur in begrenztem Umfang verzehren, beispielsweise bis zu 5 Portionen/Woche |
| Verarbeitetes Fleisch | Minimieren, beispielsweise bis zu 1 Portion/Woche |
| Unverarbeitetes rotes Fleisch | Minimieren, beispielsweise 1–2 Portionen/Woche |
| Industrielle Transfette aus teilweise gehärteten Ölen | Vermeiden |
| Alkohol | Bis zu 1 Getränk/Tag gemäß der Tabelle zum Ernährungsmuster; bei Typ-2-Diabetes sollte der Konsum im Allgemeinen moderat sein |
| Zuckergesüßte Erfrischungsgetränke und Fruchtsäfte | Vermeiden |
| Salz | Aufnahme reduzieren; eine zitierte Leitlinie empfiehlt weniger als 2300 mg/Tag |
Kardioprotektive Ernährung wird am besten durch das Vorhandensein gesundheitsfördernder Lebensmittel definiert und nicht allein durch den Ausschluss sämtlicher Lebensmittel tierischen Ursprungs. Joghurt und Fisch werden als günstig eingestuft, während Geflügel, Eier, Milch und Käse im zitierten Ernährungsrahmen keine relevanten schädlichen Wirkungen zugeschrieben werden. Pflanzliche, vegetarische und vegane Ernährungsmuster können bei geeigneter Zusammenstellung kardioprotektiv sein, können jedoch weiterhin raffinierte Getreideprodukte, Stärke, zugesetzten Zucker, zuckergesüßte Getränke und Transfette enthalten.
Behandlung und Management
Grundlagen der Ernährungsstrategie
Die Ernährungstherapie ist eine Grundlage der Prävention und Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen. Der bevorzugte Ansatz ist ein lebensmittelbasiertes mediterranes oder DASH-orientiertes Ernährungsmuster, das an die lokale Verfügbarkeit von Lebensmitteln, kulturelle Traditionen, Präferenzen und medizinische Bedingungen angepasst wird.
Das Management sollte sowohl eine unzureichende Aufnahme protektiver Lebensmittel als auch eine übermäßige Aufnahme schädlicher Lebensmittel berücksichtigen. Die Intervention sollte im Allgemeinen Folgendes umfassen:
Einen höheren Verzehr von Obst, Gemüse, Bohnen, Vollkornprodukten, Nüssen, Samen, Fisch, Joghurt und pflanzlichen Ölen.
Den Ersatz raffinierter Getreideprodukte durch Vollkornprodukte.
Eine Reduktion von verarbeitetem und rotem Fleisch.
Den Verzicht auf zuckergesüßte Getränke, Fruchtsaft, industrielle Transfette und übermäßig zugesetzten Zucker.
Eine Reduktion der Salzzufuhr.
Eine Begrenzung hochverarbeiteter Lebensmittel, von Fast Food und Fertigmahlzeiten.
Eine Kontrolle der Portionsgrößen und eine angemessene Energiezufuhr.
Regelmäßige körperliche Aktivität und eine Reduktion sitzenden Verhaltens.
Ausreichenden Schlaf; in den Ernährungsempfehlungen werden 7–8 Stunden angegeben.
Eine individualisierte Verhaltensberatung mit spezifischen, messbaren, vereinbarten, realistischen und zeitlich begrenzten Zielen.
Das Ernährungsmuster sollte nachhaltig und nicht extrem sein. Mehrere geringgradige Veränderungen können für die Adhärenz praktikabler und wirksamer sein als eine starke Einschränkung weniger Nährstoffe.
Gewichtsreduktion und Adipositas
Bei der Behandlung der Adipositas bleibt eine Energierestriktion der Eckpfeiler. Im Vergleich zur gewohnten Aufnahme kann ein Kaloriendefizit von 500–750 kcal/Tag angestrebt werden. Alternativ beschreibt die zitierte Empfehlung eine Ernährung mit 1200–1500 kcal/Tag für Frauen und 1500–1800 kcal/Tag für Männer, angepasst an das Körpergewicht. Eine Lebensstilbehandlung führt typischerweise zu einer moderaten Gewichtsabnahme, häufig etwa 3–5 kg im Vergleich zur üblichen Versorgung.
Der Gewichtsverlust wird primär durch die gesamte Energieeinsparung und die Adhärenz beeinflusst, nicht durch ein einzelnes vorgeschriebenes Makronährstoffverhältnis. Lebensmittel mit niedriger Energiedichte, darunter Suppen, Obst, Gemüse und Haferflocken, können die Hungerkontrolle verbessern, indem sie das Nahrungsvolumen im Verhältnis zu den Kalorien erhöhen. Mahlzeitenersatzprodukte können zur Portionskontrolle beitragen und wurden im zitierten Material mit einem Gewichtsverlust von 7–8 % in Verbindung gebracht.
Sehr kalorienarme Diäten können bei ausgewählten, hoch motivierten Personen mit mittelschwerer bis schwerer Adipositas erwogen werden, die auf eine konservative Behandlung nicht angesprochen haben und an einer Erkrankung leiden, die sich durch einen raschen Gewichtsverlust wahrscheinlich bessert. Die zitierten Formeldiäten liefern höchstens 800 kcal/Tag, 50–80 g Protein und 100 % der empfohlenen täglichen Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen. Sie können über 3–6 Monate zu einem kurzfristigen Gewichtsverlust von 13–23 kg führen. Solche Diäten erfordern geschulte Behandler, eine medizinische Überwachung und eine intensive Unterstützung bei der Lebensstiländerung.
Ernährung, körperliche Aktivität und Verhaltenstherapie bilden in den Stadien Präadipositas und Adipositas die Grundlage der Behandlung. Eine Pharmakotherapie oder bariatrische Operation kann erwogen werden, wenn die Lebensstilintervention nicht ausreicht, abhängig von Body-Mass-Index, Komorbiditäten und Therapieansprechen.
Makronährstoffmuster
Kohlenhydratarme, fettarme, proteinreiche, mediterrane, vegetarische und intermittierend fastende Ansätze können bei reduzierter Energiezufuhr einen im Wesentlichen ähnlichen kurzfristigen Gewichtsverlust erzielen. Nach 12 Monaten nehmen die Effekte vieler Ansätze tendenziell ab, während die Vorteile der mediterranen Ernährung möglicherweise anhalten.
Kohlenhydratarme Diäten werden wie folgt beschrieben:
Kohlenhydratarm: 50–130 g/Tag.
Sehr kohlenhydratarm: 20–49 g/Tag.
Moderater Kohlenhydratgehalt: mehr als 130–225 g/Tag.
Eine kohlenhydratarme oder sehr kohlenhydratarme Ernährung kann die Appetitkontrolle unterstützen, die Triglyzeride senken und den Medikamentenbedarf bei Typ-2-Diabetes reduzieren. Ketogene Diäten können eine ärztliche oder ernährungsmedizinische Überwachung erfordern. Langzeitstudien über mehr als 2 Jahre hinaus sind selten, und eine extreme Kohlenhydratrestriktion sollte langfristig vermieden werden. Pflanzliche Substitutionen von Kohlenhydratkalorien werden gegenüber tierischen Substitutionen als vorzugswürdig angesehen.
Intermittierendes Fasten und zeitlich begrenztes Essen führen bei gleicher Gesamtenergiezufuhr zu einem Gewichtsverlust, der einer kontinuierlichen Energierestriktion entspricht. Die Evidenz belegt keine Fastenmethode als einer anderen überlegen, insbesondere nicht bei Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen.
Herzinsuffizienz
Ein pflanzenbetontes Ernährungsmuster mit Schwerpunkt auf Gemüse, Obst, Bohnen und Fisch ist mit einem niedrigeren Risiko für eine inzidente Herzinsuffizienz assoziiert. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Typ-2-Diabetes berichtet das zitierte Material, dass eine proteinreiche Ernährung mit 30 % Protein, 40 % Kohlenhydraten und 30 % Fett sowie eine standard-proteinreiche Ernährung mit 15 % Protein, 55 % Kohlenhydraten und 30 % Fett zu ähnlichen Reduktionen von Körpergewicht und Taillenumfang führten. Die proteinreiche Ernährung bewirkte stärkere Reduktionen von HbA1c, Cholesterin, Triglyzeriden und Blutdruck.
Das Ausgangsmaterial enthält über diese Beobachtungen hinaus keine umfassende herzinsuffizienzspezifische Ernährungsempfehlung.
Typ-2-Diabetes mit oder ohne kardiovaskuläre Erkrankung
Patienten mit Typ-2-Diabetes sollten ein Ernährungsmuster einhalten, das Gewichtsreduktion, glykämische Kontrolle und eine Senkung des kardiovaskulären Risikos unterstützt. Eine mediterran orientierte Ernährung verbessert die Glukosekontrolle, die Lipidwerte und den Blutdruck. Zuckergesüßte Getränke, Zucker und Fruchtsäfte sollten vermieden werden. Bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes wird eine Reduktion der Natriumzufuhr empfohlen.
Eine Reduktion der Salzzufuhr um 2,5 g/Tag war in der zitierten Metaanalyse mit einer relativen Reduktion atherosklerotischer kardiovaskulärer Ereignisse um 20 % assoziiert. Ein Salzaustausch mit geringerem Natrium- und höherem Kaliumgehalt reduzierte bei Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko Schlaganfälle, kardiovaskuläre Erkrankungen und die Gesamtmortalität.
Eine routinemäßige Supplementierung mit n-3-Fettsäuren wird durch die zitierte Evidenz für die kardiovaskuläre Sekundärprävention bei Typ-2-Diabetes nicht gestützt.
Psychische Gesundheit und kardiovaskuläre Erkrankungen
Ernährungsinterventionen können gleichzeitig kardiovaskuläre und psychische Vorteile haben, doch die Evidenz für eine Verbesserung der psychischen Gesundheit bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen ist weiterhin begrenzt. Mediterrane Ernährungsweisen wurden in der Allgemeinbevölkerung mit niedrigeren Raten von Depressionen und kognitivem Abbau in Verbindung gebracht, die krankheitsspezifische Evidenz bei kardiovaskulären Erkrankungen ist jedoch noch im Entstehen. Fasten und Kalorienrestriktion haben vorläufige Ergebnisse für Stimmung und Kognition gezeigt, ohne ausreichende Evidenz zur Empfehlung einer bestimmten Methode.
In einer kleinen Studie bei Herzinsuffizienz war die Supplementierung mit Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure mit günstigen Veränderungen kognitiv-depressiver Symptome und der sozialen Funktionsfähigkeit assoziiert; die geringe Stichprobengröße und die weichen Endpunkte erfordern eine vorsichtige Interpretation. Auf Grundlage der verfügbaren Evidenz kann keine definitive Ernährungsempfehlung für psychische Endpunkte bei kardiovaskulären Erkrankungen ausgesprochen werden.
Arzneimittel und Supplemente
Das Management von Ernährungsmustern ist nicht primär pharmakologisch. Das Ausgangsmaterial nennt jedoch in Europa zugelassene Arzneimittel, die die Lebensstilbehandlung zur Gewichtsreduktion ergänzen können:
Orlistat.
Naltrexon/Bupropion.
Hoch dosiertes Liraglutid.
Diese Substanzen können die Gewichtsreduktion und Gewichtserhaltung unterstützen, jedoch unerwünschte Wirkungen verursachen. Dosierungen werden im Ausgangsmaterial nicht angegeben.
Die zitierte Evidenz unterstützt keine Empfehlung von n-3-Fettsäure-Supplementen zur kardiovaskulären Sekundärprävention bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Supplemente werden häufig verwendet, das Ausgangsmaterial enthält jedoch keine allgemeine Empfehlung zu Supplementen oder Dosierungen.
Psychiatrische Arzneimittel erfordern bei kardiovaskulären Erkrankungen besondere Vorsicht. Viele Psychopharmaka sind mit einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod assoziiert, und Antidepressiva wurden bei Herzinsuffizienz mit einer erhöhten kardialen und Gesamtmortalität in Verbindung gebracht. Ihre Anwendung erfordert daher bei Patienten mit komplexen psychischen Erkrankungen oder Herzinsuffizienz eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Leitlinienempfehlungen
Die verfügbaren Empfehlungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Mediterrane oder DASH-orientierte Ernährungsmuster als wichtigste evidenzbasierte Ansätze für die langfristige kardiometabolische Gesundheit einsetzen.
Minimal verarbeitete Lebensmittel, Obst, Gemüse, Bohnen, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch, Joghurt und pflanzliche Öle betonen.
Hochverarbeitete Lebensmittel, raffinierte Getreideprodukte und Stärke, zugesetzten Zucker, zuckergesüßte Getränke, Salz, verarbeitetes Fleisch, rotes Fleisch und industrielle Transfette reduzieren.
Das Ernährungsmuster an kulturelle Traditionen, die Verfügbarkeit von Lebensmitteln, Präferenzen, den Energiebedarf und Komorbiditäten anpassen.
Bei Adipositas eine strukturierte Lebensstilbehandlung mit Kalorienreduktion, körperlicher Aktivität und Verhaltensmodifikation einleiten.
Wenn Lebensstilmaßnahmen keine ausreichenden Ergebnisse erzielen, eine Pharmakotherapie zur Gewichtsreduktion und gegebenenfalls eine bariatrische Operation erwägen.
Bei Typ-2-Diabetes eine mediterran orientierte Ernährung zur Verbesserung der glykämischen Kontrolle, der Lipidwerte, des Blutdrucks und des kardiovaskulären Risikos einsetzen.
Bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes eine Reduktion der Natriumzufuhr fördern.
Aufgrund der zitierten Evidenz bei Typ-2-Diabetes keine routinemäßige n-3-Supplementierung zur kardiovaskulären Sekundärprävention einsetzen.
Ketogene oder sehr kohlenhydratarme Diäten nur unter geeigneter ärztlicher oder ernährungsmedizinischer Überwachung anwenden und eine extreme Kohlenhydratrestriktion als langfristige Strategie vermeiden.
Anerkennen, dass die Evidenz für eine diätetische Behandlung psychischer Endpunkte bei kardiovaskulären Erkrankungen derzeit für eine spezifische Empfehlung nicht ausreicht.
Prognose und Nachsorge
Eine stärkere Adhärenz an mediterrane Ernährungsmuster ist mit niedrigeren Risiken für kardiovaskuläre Ereignisse, Myokardinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskuläre Mortalität und Diabetes assoziiert. In randomisierten Studien wurden sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention Vorteile beobachtet, darunter eine Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse und des kardiovaskulären Todes.
Die Nachhaltigkeit des Nutzens hängt von einer anhaltenden Adhärenz ab. Bei vielen Diäten zur Gewichtsreduktion nehmen die Effekte bis 12 Monate ab, während die Vorteile einer mediterranen Ernährung offenbar persistenter sind. Die langfristige Aufrechterhaltung wird durch flexible, kulturell relevante Beratung und die Konzentration auf die gesamte Ernährungsqualität anstelle einer extremen Einschränkung eines einzelnen Nährstoffs unterstützt.
Die Nachsorge sollte Folgendes beurteilen:
Adhärenz an die Ernährung und die tatsächlich verzehrten Lebensmittel.
Verlauf von Gewicht und Taillenumfang.
Blutdruck.
Lipide und Triglyzeride.
Glukose und HbA1c bei Diabetes oder Dysglykämie.
Kardiovaskuläre Symptome und klinischen Status.
Körperliche Aktivität, sitzendes Verhalten und Schlaf.
Praktische Hindernisse, Ernährungssicherheit und Umsetzbarkeit des Ernährungsplans.
Unerwünschte Wirkungen und Wirksamkeit bei Anwendung eines Arzneimittels zur Gewichtsreduktion oder einer sehr kalorienarmen Diät.
Das Ausgangsmaterial gibt kein festes Nachsorgeintervall vor. Die Ernährungsberatung sollte iterativ erfolgen; der Fortschritt sollte überprüft und die Verhaltensziele im Verlauf angepasst werden. Das wichtigste Erfolgskriterium ist die Verbesserung der gesamten kardiometabolischen Gesundheit und nicht allein das Gewicht.