Herzstillstand bei Hyperthermie und maligner Hyperthermie

Eine ausgeprägte Hyperthermie kann zu Multiorganversagen und zum Herzstillstand führen. Sie ist grundsätzlich behandelbar, wenn sie früh erkannt wird: Die zentrale Maßnahme ist die rasche und konsequente Kühlung, bei der malignen Hyperthermie zusätzlich die Gabe von Dantrolen.

Hyperthermie

Hyperthermie bezeichnet eine Körpertemperatur oberhalb des normalen Bereichs von 36,5 bis 37,6°C. Sie entsteht, wenn die Wärmeproduktion oder die Wärmeaufnahme die Fähigkeit des Körpers zur Wärmeabgabe übersteigt. Im Unterschied zum Fieber ist der Sollwert im Hypothalamus nicht verstellt, sodass Antipyretika wie Paracetamol nicht wirksam sind.

Eine Hyperthermie kann einen Zustand auslösen, der dem systemischen inflammatorischen Response-Syndrom (SIRS) ähnelt. Körpertemperaturen über 40°C sind potenziell gefährlich und können einen Herzstillstand auslösen. Die Einteilung der Hyperthermie zeigt Tabelle 1.

Schweregrad Klinisches Bild Behandlung
Leichte Hyperthermie Durst, Schwäche Kühle Umgebung, passive Kühlung, kalte orale Flüssigkeit
Hitzeerschöpfung Unwohlsein, Angst, Schwindel, Synkope Kühle Umgebung, kalte intravenöse Flüssigkeit (1 bis 2 l Kristalloid, Rate 500 ml/h), kalte Dusche, Eispackungen
Hitzschlag (>40°C) Neurologische Symptome, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Tachykardie, Hypotonie, Koma Wie oben, jedoch mit niedrigeren Temperaturen; Elektrolytersatz; meist große Flüssigkeitsmengen erforderlich

Tabelle 1. Einteilung der Hyperthermie.

Beim Hitzschlag besteht definitionsgemäß eine Körperkerntemperatur über 40°C mit zentralnervösen Funktionsstörungen. Man unterscheidet den klassischen Hitzschlag (z. B. bei Hitzewellen, bei älteren oder chronisch kranken Menschen) und den Belastungshitzschlag (z. B. bei Sport oder schwerer körperlicher Arbeit). Beim Belastungshitzschlag ist eine Abkühlungsrate über 0,1°C/min sicher und erwünscht (Lott et al., ERC 2021).

Vorgehen beim Herzstillstand durch Hyperthermie

Beim Herzstillstand infolge einer Hyperthermie werden die üblichen Maßnahmen der Reanimation nach Standardprotokoll durchgeführt, und es wird zusätzlich so rasch wie möglich gekühlt (z. B. Eiswasserimmersion, Kühlpacks, kalte Infusionen, evtl. extrakorporale Verfahren). Weitere reversible Ursachen sind zu berücksichtigen. Hyperkaliämie und Azidose, etwa bei Rhabdomyolyse, sind häufige Begleitprobleme (siehe Herzstillstand bei Elektrolytstörungen). Nach ROSC folgt die Postreanimationsbehandlung.

Maligne Hyperthermie

Eine maligne Hyperthermie (MH) kann unter zwei Bedingungen auftreten:

  • Aufgrund einer genetischen Mutation im Ryanodinrezeptor (RYR1), die bei Exposition gegenüber halogenierten Inhalationsanästhetika (und Succinylcholin) zu einer anhaltenden Muskelkontraktion führt.
  • Als idiosynkratische Reaktion auf Substanzen wie MDMA (Ecstasy) oder Amphetamine, die ein MH-ähnliches Bild mit ausgeprägter Hyperthermie auslösen können.

In beiden Fällen kommt es zu einer anhaltenden Muskelaktivierung mit ausgeprägter Wärmebildung, Azidose und nachfolgender Hyperkaliämie. Die Erkrankung ist potenziell tödlich und erfordert ein sofortiges Handeln.

Sofortmaßnahmen bei maligner Hyperthermie im Operationsbereich

  • Auslösende Substanzen sofort beenden (Inhalationsanästhetika, Succinylcholin), Narkose als totale intravenöse Anästhesie (TIVA) fortführen.
  • Hyperventilation mit 100% Sauerstoff bei hohem Frischgasfluss.
  • Dantrolen intravenös: initial 2,5 mg/kg als Bolus, bei Bedarf wiederholen (kumulative Gesamtdosis bis zu 10 mg/kg).
  • Aktive Kühlung, Behandlung von Hyperkaliämie, Azidose und Arrhythmien.
  • Engmaschiges Monitoring (Körperkerntemperatur, etCO2, Elektrolyte, Blutgase, Kreatinkinase).
  • Beim Herzstillstand: Reanimation nach Standardprotokoll mit zusätzlicher Dantrolen-Gabe und Kühlung.

Ein früher Anstieg des etCO2 bei unveränderter Beatmung, Tachykardie und Muskelrigidität sind frühe Warnzeichen (siehe Kapnographie).

Weitere Ursachen medikamenteninduzierter Hyperthermie

Auch das Serotoninsyndrom, das maligne neuroleptische Syndrom, Kokain, Amphetamine, Anticholinergika und Salicylate können zu schwerer Hyperthermie führen. Diese Zustände sind pathophysiologisch von der RYR1-assoziierten MH zu unterscheiden, werden jedoch ähnlich mit konsequenter Kühlung, Benzodiazepinen und Absetzen der auslösenden Substanz behandelt; Dantrolen hat dort einen unsicheren Stellenwert. Vgl. Herzstillstand bei Intoxikation.

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Aktualisiert 17. Oktober 2026