Anilinderivat, nicht-opioides Analgetikum und AntipyretikumHEPATOTOXISCH BEI ÜBERDOSIERUNG

Paracetamol

Alvedon · Panodil · Paracetamol Fresenius Kabi

Basisanalgetikum bei leichtem bis mäßigem Schmerz und das einzige perorale Schmerzmittel ohne NSAID-Problematik — kein Ulkusrisiko, keine Nierenwirkung, keine Thrombozytenhemmung. Der Preis ist eine schmale Spanne zwischen therapeutischer Dosis und Lebertoxizität: 4 g pro Tag ist die Obergrenze für einen normalgewichtigen und sonst gesunden Erwachsenen, keine allgemeine Maximaldosis. Die klinische Aufgabe ist zu erkennen, wer weniger erhalten soll.

WARNHINWEIS

Überdosierung verursacht verzögerte, dosisabhängige Leberzellnekrose, die in den ersten 24 Stunden symptomarm ist. Acetylcystein soll auf Verdacht hin gegeben werden — man wartet nicht auf einen Transaminasenanstieg. Paracetamol ist die häufigste Substanz bei vorsätzlicher Vergiftung.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Schmerz und Fieber, Erwachsener ≥ 50 kg1 g alle 6 Stunden, höchstens 4 g/Tagmindestens 4 Stunden zwischen den Dosen
Erwachsener < 50 kg15 mg/kg pro Dosis, höchstens 60 mg/kg/TagObergrenze beträgt in der Praxis 2–3 g/Tag
Risikogruppe: Mangelernährung, Alkoholüberkonsum, LebererkrankungHöchstens 2 g/TagGlutathiondepletion senkt die Toxizitätsschwelle
Postoperativ oder wenn oral nicht möglich1 g i.v. über 15 min alle 6 Stundennach Gewicht dosieren unter 50 kg
Vermutete ÜberdosierungAcetylcystein nach nationalem Schemaauf Verdacht hin geben, nicht auf Laborbefunde warten
Niereninsuffizienz

eGFR < 30 ml/min: Dosierungsintervall auf mindestens 6 Stunden verlängern. Die Metaboliten akkumulieren, aber die Muttersubstanz ist nicht nephrotoxisch.

Leberfunktionsstörung

Bei Lebererkrankung, chronischem Alkoholüberkonsum oder Gilbert-Syndrom höchstens 2 g/Tag. Bei dekompensierter Zirrhose Langzeitbehandlung vermeiden.

Kinder

10–15 mg/kg alle 6 Stunden peroral, höchstens 60 mg/kg/Tag. Intravenös 15 mg/kg pro Dosis; unter 10 kg 7,5 mg/kg pro Dosis.

Fallstrick

Die Falle ist nicht die einzelne Dosis, sondern die Summe: der Patient, der auf der Station Alvedon erhält, zuhause eigenes Panodil nimmt und außerdem ein Kombinationspräparat mit Paracetamol, kann 6 g/Tag überschreiten ohne es zu wissen. Bei einem mangelernährten oder alkoholisierten Patienten reicht das für einen Leberschaden.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
60–90 % p.o.
Vd
0,9 l/kg
2–3 h (verlängert bei Leberschaden)
PROTEINBINDUNG
10–25 %
METABOLISMUS
Glukuronidierung und Sulfatierung; 5–10 % über CYP2E1 zu NAPQI
AUSSCHEIDUNG
Renal als Konjugat
WIRKUNGSEINTRITT
30–60 min p.o. · 5–10 min i.v.
WIRKUNGSDAUER
4–6 h

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
In therapeutischer Dosis wenige Beschwerden; Übelkeit und lokaler Schmerz bei intravenöser Infusion
1–10 %
Leichter Transaminasenanstieg bei regelmäßiger Maximaldosis, Hautausschlag, Hypotonie bei schneller i.v.-Infusion
< 1 %
Leberzellnekrose und Leberversagen, Agranulozytose, anaphylaktische Reaktion, toxische epidermale Nekrolyse