Ketalar · Ketanest · Ketamin Abcur
Das einzige Anästhetikum, das sowohl Bewusstlosigkeit erzeugt als auch den Kreislauf stabilisiert — die indirekte Sympathikusstimulierung macht Ketamin zur ersten Wahl bei der Einleitung beim blutenden, septischen oder anderweitig preloadabhängigen Patienten, und die Bronchodilatation macht es bei lebensbedrohlichem Asthma wertvoll. Atemstoß und Schluckreflexe sind im Wesentlichen erhalten, was eine Erklärung, aber niemals eine Garantie ist. Entscheidend in der Praxis ist es, die drei Dosisniveaus auseinanderzuhalten: Analgesie, Prozeduralsedering und Einleitung sind verschiedene Arzneimittel in derselben Ampulle.
Analgetische Dosis und Induktionsdosis unterscheiden sich um das Zehnfache — eine Verwechslung ergibt unbeabsichtigte Dissoziation, Apnoe und einen ungeschützten Atemweg. Ketamin immer dort geben, wo Beatmungsausrüstung unmittelbar zur Hand ist.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Analgesie, subdissoziativer Dosis | 0,1–0,3 mg/kg i.v. langsam über 5–10 min | schnelle Injektion verursacht Dysphorie — verdünnen und über Pumpe geben |
| Prozeduralsedierung | 1 mg/kg i.v., alternativ 4 mg/kg i.m. | i.m.-Weg wenn kein i.v.-Zugang, bei Kindern und agitiert |
| Einleitung bei RSI | 1–2 mg/kg i.v., 1 mg/kg bei ausgeprägtem Schock | beim katecholaminerschöpften Patienten kann der Druck dennoch fallen |
| Schweres Asthma oder Status asthmaticus | 0,5–1 mg/kg i.v., danach 0,5–1 mg/kg/Stunde | bronchiodilatierend, Zusatz wenn Inhalationen nicht ausreichen |
| Kontinuierliche Schmerzinfusion | 0,1–0,3 mg/kg/Stunde | opioidsparend bei schwerem oder opioidtoleranten Schmerz |
Keine etablierte Dosisanpassung. Der Metabolit Norketamin wird renal ausgeschieden und kann bei Langzeitinfusion und ausgeprägter Niereninsuffizienz akkumulieren.
Metabolisierung über CYP3A4 und CYP2B6. Dosis reduzieren und Intervalle verlängern bei ausgeprägtem Leberversagen.
Prozeduralsedierung 1–1,5 mg/kg i.v. oder 4 mg/kg i.m. Kinder erleiden seltener Emergenzreaktionen als Erwachsene; Laryngospasmus ist selten, aber das ernsteste Risiko.
Die alte Kontraindikation bei erhöhtem intrakraniellem Druck gilt nicht: Ketamin senkt nicht den zerebralen Perfusionsdruck, und beim gleichzeitigen Schock ist es vielmehr der Blutdruckabfall nach Propofol, der das Gehirn schädigt. Die verbleibende Vorsicht gilt bei unbehandelter schwerer Hypertonie, frischem Myokardinfarkt und Aortendissektion, wo die Sympathikussteigerung unerwünscht ist.