Intravenöses Anästhetikum, GABA-A-PotentiatorMONITORING ERFORDERLICHPROPOFOLINFUSIONSSYNDROM

Propofol

Diprivan · Propolipid · Propofol-Lipuro · Profast

Das Standardpräparat für die Anästhesieeinleitung und für die Sedierung von Beatmungspatienten — rascher Wirkungseintritt, rasches Erwachen auch nach tagelanget Infusion, und eine dosisabhängige Blutdrucksenkung, die der eigentliche Preis dieser Kontrollierbarkeit ist. Propofol hat keine analgetische Wirkung: ein Patient, der sich während des Eingriffs bewegt, hat Schmerzen, nicht zu wenig Propofol. Die Dosis richtet sich nach dem Kreislauf, nicht nach dem Gewicht — beim blutenden, septischen oder alten Patienten ist die richtige Dosis ein Bruchteil der Lehrbuchdosis.

WARNHINWEIS

Dosisabhängiger Blutdruckabfall und Apnoe innerhalb einer Minute — darf nur von jemandem gegeben werden, der die Atemwege sichern kann und unmittelbar Ausrüstung für Beatmung und Kreislaufunterstützung griffbereit hat. Langzeitinfusion über 4 mg/kg/Stunde länger als 48 Stunden birgt das Risiko des Propofolinfusionssyndroms mit metabolischer Azidose, Rhabdomyolyse und therapierefraktärer Bradyarrhythmie.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Anästhesieeinleitung, Erwachsener1,5–2,5 mg/kg i.v., titriert 20–40 mg alle 10 Sekundenlangsam geben, Wirkung kommt nach der Arm-Hirn-Zeit
Älterer oder kreislaufbeeinträchtigter Patient1–1,5 mg/kg i.v., manchmal wenigerbei Schock kann 0,5 mg/kg zu viel sein — Ketamin erwägen
Sedierung am Beatmungsgerät0,3–4 mg/kg/Stunde als kontinuierliche Infusionnach Sedierungsskala titrieren, nicht nach fester Rate
Prozedurale Sedierung0,5–1 mg/kg i.v., danach 10–20 mg bei Bedarfnicht routinemäßig mit Opioid kombinieren — additive Apnoe
Ergänzungsbolus während Anästhesie10–40 mg i.v. bei Bedarfkurze Wirkungsdauer, Wiederholung oft nötig
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz — die Metaboliten sind inaktiv. Die Sedierung kann durch Hypoalbuminämie und gleichzeitige Azidose jedoch vertieft werden.

Leberfunktionsstörung

Keine formale Dosisanpassung, aber die Clearance sinkt bei ausgeprägter Leberinsuffizienz und das Erwachen verzögert sich. Langsamer titrieren.

Kinder

Einleitung üblicherweise 2,5–4 mg/kg i.v. bei Kindern über 1 Monat, mit höherem gewichtsbasiertem Bedarf je jünger das Kind ist. Propofol darf nicht zur Sedierung auf der Intensivstation bei Kindern und Jugendlichen von 16 Jahren oder jünger verwendet werden.

Fallstrick

Propofol nicht als einziges Mittel bei Schock, Tamponade, Rechtsherzversagen oder ausgeprägter Hypovolämie verwenden — der Sympathikusverlust demaskiert die Kompensation, die den Druck aufrechterhalten hat, und der Blutdruck fällt wenn der Patient bereits vorlastabhängig ist. Zuerst Volumen geben, die Dosis reduzieren und Ketamin erwägen.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
30–45 Sekunden i.v.
WIRKUNGSDAUER
5–10 min nach Einzeldosis
Vd
2–10 l/kg (große periphere Verteilung)
Verteilung 2–8 min · terminal 4–7 h
PROTEINBINDUNG
98 %
METABOLISMUS
Hepatische Glukuronidierung, auch extrahepatisch
AUSSCHEIDUNG
Renal als inaktive Metaboliten
LIPIDGEHALT
0,1 g Fett/ml (1,1 kcal/ml)

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Blutdruckabfall, Apnoe bei Einleitung, Schmerz bei Injektion, Bradykardie
1–10 %
Hypertriglyzeridämie bei längerer Infusion, Myoklonien, Kopfschmerzen, Übelkeit beim Erwachen
< 1 %
Propofolinfusionssyndrom, Pankreatitis, Asystolie, Anaphylaxie