Kurzwirksames Benzodiazepin, GABA-A-ModulatorBETÄUBUNGSMITTELAKKUMULATION BEI NIERENINSUFFIZIENZMONITORING ERFORDERLICH

Midazolam

Dormicum · Midazolam Hameln · Buccolam

Das vielseitigste Benzodiazepin in der Akutmedizin: kurze Wirkungsdauer, intranasale und intramuskuläre Anwendbarkeit beim venenzulosen Patienten, anterograde Amnesie als therapeutischer Effekt bei Eingriffen. Die intramuskuläre Gabe bei Status epilepticus ist der intravenösen gleichwertig und ohne Venenzugang sogar schneller. Der Hauptnachteil ist die Akkumulation des aktiven Glucuronidmetaboliten bei Niereninsuffizienz, die prolongierte Sedierung verursacht.

WARNHINWEIS

Atemdepression, besonders zusammen mit Opioid — die Kombination ist die häufigste Ursache arzneimittelbedingter Atemdepression bei Prozedurasedierung. Beatmungsausrüstung und Flumazenil griffbereit halten. Nicht im Kreißsaal zur Geburtseinleitung einsetzen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Prozedurasedierung, Erwachsener1–2,5 mg i.v. langsam, alle 2 min um 1 mg wiederholen bis Wirkungbeim Älteren 0,5–1 mg initial — niedrig beginnen, Wirkung abwarten
Status epilepticus, präklinisch10 mg i.m. beim Erwachsenen (5 mg bei Gewicht < 40 kg)i.m.-Weg ist i.v. gleichwertig und erfordert keinen Venenzugang
Status epilepticus, bukkal oder intranasalBukkal 10 mg Erwachsene; intranasal 0,2 mg/kg, max. 10 mgBuccallösung nach Alter dosiert bei Kindern: 2,5–10 mg
Sedierung im RespiratorBolus 0,03–0,3 mg/kg, Infusion 0,03–0,2 mg/kg/Stundetägliche Sedierungspause — sonst wird Akkumulation zu spät erkannt
Palliative Sedierung1,25–2,5 mg s.c. bei Bedarf, Infusion ab 0,5–1 mg/Stundegegen Symptomlinderung titrieren, Tagesdosis kann erheblich höher werden
Niereninsuffizienz

Der aktive Metabolit 1-Hydroxymidazolam-Glucuronid wird renal ausgeschieden und akkumuliert bei eGFR unter 30 — verlängerte Sedierung und Atemwegsgefährdung. Infusionsdosis um 50 % reduzieren und tägliche Sedierungspause einhalten.

Leberfunktionsstörung

Halbierte Startdosis bei schwerer Leberinsuffizienz; die Clearance ist vollständig hepatisch.

Kinder

Status epilepticus: 0,15–0,2 mg/kg i.v. oder i.m. Buccolam nach Altersgruppe: 2,5 mg (3 Monate–1 Jahr), 5 mg (1–5 Jahre), 7,5 mg (5–10 Jahre), 10 mg (10–18 Jahre).

Fallstrick

Flumazenil sparsam und fast nie als Routinereversierung einsetzen: die Halbwertszeit ist kürzer als die von Midazolam, sodass der Patient erneut sediert wird wenn Flumazenil eliminiert ist, und Flumazenil senkt die Krampfschwelle. Nur bei bedrohlicher Atemdepression und mit Bereitschaft zur erneuten Behandlung einsetzen.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
1–5 Minuten i.v. · 5–10 Minuten i.m.
WIRKUNGSDAUER
15–80 Minuten
BIOVERFÜGB.
40–50 % intranasal · > 90 % i.m.
Vd
1–3 l/kg
1,5–2,5 Stunden
PROTEINBINDUNG
97 %
METABOLISMUS
CYP3A4 zu aktivem 1-Hydroxymidazolam
AUSSCHEIDUNG
Renal als Glucuronidkonjugat

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Sedierung, anterograde Amnesie, Blutdruckabfall, Schluckauf
1–10 %
Atemdepression, Verwirrtheit, paradoxe Agitation bei Älteren und Kindern, Übelkeit
< 1 %
Apnoe und Atemstillstand, Laryngospasmus, Herzstillstand bei schneller Injektion