Pankreashormon, Glykogenolytikum und inotropes MittelMONITORING ERFORDERLICHANTIDOT

Glucagon

GlucaGen HypoKit · Glucagon Novo Nordisk · Baqsimi · Ogluo

Zwei völlig verschiedene Arzneimittel in derselben Ampulle. Bei schwerer Hypoglykämie ist 1 mg intramuskulär die Behandlung, die Angehörige geben können, wenn der Patient nicht schlucken kann und kein Venenzugang besteht — die Wirkung kommt innerhalb von zehn Minuten durch Glykogenolyse in der Leber. Bei Intoxikation mit Betablockern ist Glucagon stattdessen ein inotropes Mittel, das den blockierten Betarezeptor umgeht, und die Dosen sind dann fünf- bis zehnmal höher. Diese beiden Indikationen niemals verwechseln.

WARNHINWEIS

Glucagon wirkt nur, wenn die Leber Glykogen freisetzen kann. Bei alkoholbedingter Hypoglykämie, Hunger, Anorexie, langanhaltender Hypoglykämie oder Leberversagen bleibt die Wirkung aus — dann ist intravenöse Glukose erforderlich. Die Wirkung ist außerdem von kurzer Dauer, und der Patient muss Kohlenhydrate oral zu sich nehmen, sobald das Bewusstsein zurückkehrt, sonst tritt die Hypoglykämie erneut auf.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Schwere Hypoglykämie, Erwachsene und Kinder ≥ 25 kg1 mg i.m. oder s.c., nach 15 Minuten wiederholbar wenn Bewusstsein nicht zurückkehrtFremdgabe; immer gleichzeitig 112 rufen
Schwere Hypoglykämie, Kinder < 25 kg (unter ca. 6–8 Jahren)0,5 mg i.m. oder s.c.halbe Spritze in HypoKit
Schwere Hypoglykämie, nasale FormulierungBaqsimi 3 mg Nasenpulver in ein Nasenloch, feste Dosis unabhängig vom Alter ab 4 Jahrenkein Einatmen erforderlich und wirkt auch bei Nasenverstopfung
Betablockerintoxikation3–10 mg i.v. langsam über 3–5 Minuten, danach Infusion 3–5 mg/Stunde titriert auf hämodynamische ReaktionVergiftungsinformationszentrum kontaktieren; Übelkeit und Erbrechen sind die Regel
KalziumantagonistintoxikationGleiche Dosen wie bei Betablockerintoxikation, als Zusatz zu Kalzium, Vasopressor und Hochdosis-Insulin-Glukoseweniger gut dokumentiert als bei Betablockern
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung.

Leberfunktionsstörung

Keine formale Dosisanpassung, aber die hypoglykämische Indikation entfällt — bei Leberversagen fehlen Glykogendepots und Glukose muss stattdessen gegeben werden.

Kinder

0,5 mg i.m. oder s.c. bei Gewicht unter 25 kg, 1 mg bei 25 kg oder mehr. Baqsimi Nasenpulver 3 mg ist ab 4 Jahren zugelassen.

Fallstrick

Nicht auf Glucagon beim alkoholisierten Patienten mit Hypoglykämie verlassen — die Glykogendepots sind erschöpft und die Wirkung bleibt vollständig aus. Stattdessen intravenöse Glukose geben. Gleiches gilt bei langanhaltender Hypoglykämie durch Sulfonylharnstoff oder durch langwirksames Insulin, bei denen Glucagon bestenfalls ein kurzes und irreführendes Erwachen bewirkt.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT (I.M.)
ca. 10 Minuten
MAXIMALWIRKUNG
12–30 Minuten
WIRKUNGSDAUER
60–90 Minuten
t½ (I.V.)
3–6 Minuten
t½ (NASAL)
ca. 35 Minuten
WIRKUNGSMECHANISMUS
Glucagonrezeptor → Adenylylzyklase → cAMP
ABBAU
Enzymatisch in Leber, Niere und Plasma
AUSSCHEIDUNG
Renal (Peptidfragmente)

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen; bei nasaler Formulierung auch Nasenverstopfung und Tränenfluss
1–10 %
Bauchschmerzen, Tachykardie, Hyperglykämie, Hypokaliämie, Reaktion an der Injektionsstelle
< 1 %
Überempfindlichkeitsreaktion und Anaphylaxie, hypertensive Reaktion bei Phäochromozytom, Ileus bei Hochdosisinfusion