Glukose Fresenius Kabi · Glukose Baxter Viaflo · Glukose APL
Erstlinienbehandlung bei schwerer Hypoglykämie beim Patienten, der nicht schlucken kann und bei dem ein Venenzugang besteht. Die Wirkung tritt innerhalb von Minuten ein, ist aber auch kurzlebig — der Bolus hebt die Bewusstlosigkeit auf, er beseitigt nicht die Ursache. Entscheidend für die Behandlung ist, womit die Hypoglykämie zusammenhängt: langwirksames Insulin und besonders Sulfonylharnstoff erfordern eine anschließende Infusion und stundenlange Überwachung, während eine vergessene Mahlzeit bei einem Typ-1-Diabetiker mit einem Brot bewältigt werden kann.
Konzentrierte Glukose ist stark hypertonisch und venenwandreizend — 500 mg/ml verursacht Thrombophlebitis und Gewebsnekrose bei Extravasation und sollte über einen zentralen Zugang gegeben werden. Immer prüfen, ob der Zugang funktioniert, bevor injiziert wird. Beim unterernährten oder alkoholisierten Patienten muss Thiamin vor oder gleichzeitig mit der Glukose gegeben werden; ein Glukosebolus ohne Thiamin kann eine Wernicke-Enzephalopathie auslösen.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Schwere Hypoglykämie, Erwachsener | Glukose 300 mg/ml, 30–50 ml i.v. bis der Patient erwacht (entspricht 9–15 g Glukose) | Blutglukose nach 10 Minuten kontrollieren, Kohlenhydrate oral geben sobald Patient schlucken kann |
| Schwere Hypoglykämie, Kind | Glukose 100 mg/ml, 2 ml/kg i.v. (0,2 g/kg) | konzentrierte Lösungen über peripheren Zugang bei Kleinkindern vermeiden |
| Anschließende Infusion | Glukose 50–100 mg/ml, 1000 ml über 4–6 Stunden, Geschwindigkeit nach Blutglukose gesteuert | obligatorisch nach langwirksamem Insulin oder Sulfonylharnstoff |
| Sulfonylharnstoffintoxikation | Glukoseinfusion nach Bedarf, ergänzt durch Octreotid 50–100 µg s.c. alle 6–8 Stunden | Glukosebolus stimuliert Insulinfreisetzung und kann den Verlauf verschlechtern |
| Hyperkaliämie, akut | 25 g Glukose (50 ml von 500 mg/ml) i.v. zusammen mit 10 IE schnellwirksamem Insulin | Glukose wird gegeben um Hypoglykämie zu verhüten, nicht als Behandlung |
Keine Dosisanpassung. Das Flüssigkeitsvolumen bei Anurie und Dialyseabhängigkeit beachten.
Keine Dosisanpassung. Bei Leberversagen fehlen Glykogendepots, sodass die Hypoglykämie schnell rezidiviert und eine kontinuierliche Infusion statt wiederholter Bolusgaben erfordert.
2 ml/kg Glukose 100 mg/ml i.v. als Akutdosis (0,2 g/kg), gefolgt von Erhaltungsinfusion mit Glukose 50–100 mg/ml. Neonatal gilt das klinikeigene Schema. Konzentrationen über 100 mg/ml sollen über periphere Zugänge vermieden werden.
Nicht mit einem Bolus zufriedengeben beim Patienten unter Sulfonylharnstoff oder langwirksamem Insulin — die Hypoglykämie kehrt Stunden später zurück, oft nachts, und der Patient darf nicht aus der Notaufnahme entlassen werden. Auch konzentrierte Glukose nicht in eine unsichere periphere Kanüle geben; Extravasation von 500 mg/ml verursacht Gewebeschäden, die einen chirurgischen Eingriff erfordern können.