Konzentrierte Kohlenhydratlösung zur akuten HypoglykämiebehandlungVENENWANDREIZEND

Glukose (konzentriert, i.v.)

Glukose Fresenius Kabi · Glukose Baxter Viaflo · Glukose APL

Erstlinienbehandlung bei schwerer Hypoglykämie beim Patienten, der nicht schlucken kann und bei dem ein Venenzugang besteht. Die Wirkung tritt innerhalb von Minuten ein, ist aber auch kurzlebig — der Bolus hebt die Bewusstlosigkeit auf, er beseitigt nicht die Ursache. Entscheidend für die Behandlung ist, womit die Hypoglykämie zusammenhängt: langwirksames Insulin und besonders Sulfonylharnstoff erfordern eine anschließende Infusion und stundenlange Überwachung, während eine vergessene Mahlzeit bei einem Typ-1-Diabetiker mit einem Brot bewältigt werden kann.

WARNHINWEIS

Konzentrierte Glukose ist stark hypertonisch und venenwandreizend — 500 mg/ml verursacht Thrombophlebitis und Gewebsnekrose bei Extravasation und sollte über einen zentralen Zugang gegeben werden. Immer prüfen, ob der Zugang funktioniert, bevor injiziert wird. Beim unterernährten oder alkoholisierten Patienten muss Thiamin vor oder gleichzeitig mit der Glukose gegeben werden; ein Glukosebolus ohne Thiamin kann eine Wernicke-Enzephalopathie auslösen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Schwere Hypoglykämie, ErwachsenerGlukose 300 mg/ml, 30–50 ml i.v. bis der Patient erwacht (entspricht 9–15 g Glukose)Blutglukose nach 10 Minuten kontrollieren, Kohlenhydrate oral geben sobald Patient schlucken kann
Schwere Hypoglykämie, KindGlukose 100 mg/ml, 2 ml/kg i.v. (0,2 g/kg)konzentrierte Lösungen über peripheren Zugang bei Kleinkindern vermeiden
Anschließende InfusionGlukose 50–100 mg/ml, 1000 ml über 4–6 Stunden, Geschwindigkeit nach Blutglukose gesteuertobligatorisch nach langwirksamem Insulin oder Sulfonylharnstoff
SulfonylharnstoffintoxikationGlukoseinfusion nach Bedarf, ergänzt durch Octreotid 50–100 µg s.c. alle 6–8 StundenGlukosebolus stimuliert Insulinfreisetzung und kann den Verlauf verschlechtern
Hyperkaliämie, akut25 g Glukose (50 ml von 500 mg/ml) i.v. zusammen mit 10 IE schnellwirksamem InsulinGlukose wird gegeben um Hypoglykämie zu verhüten, nicht als Behandlung
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung. Das Flüssigkeitsvolumen bei Anurie und Dialyseabhängigkeit beachten.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Bei Leberversagen fehlen Glykogendepots, sodass die Hypoglykämie schnell rezidiviert und eine kontinuierliche Infusion statt wiederholter Bolusgaben erfordert.

Kinder

2 ml/kg Glukose 100 mg/ml i.v. als Akutdosis (0,2 g/kg), gefolgt von Erhaltungsinfusion mit Glukose 50–100 mg/ml. Neonatal gilt das klinikeigene Schema. Konzentrationen über 100 mg/ml sollen über periphere Zugänge vermieden werden.

Fallstrick

Nicht mit einem Bolus zufriedengeben beim Patienten unter Sulfonylharnstoff oder langwirksamem Insulin — die Hypoglykämie kehrt Stunden später zurück, oft nachts, und der Patient darf nicht aus der Notaufnahme entlassen werden. Auch konzentrierte Glukose nicht in eine unsichere periphere Kanüle geben; Extravasation von 500 mg/ml verursacht Gewebeschäden, die einen chirurgischen Eingriff erfordern können.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
1–3 Minuten i.v.
WIRKUNGSDAUER
kurz, Minuten bis etwa eine Stunde
ENERGIEGEHALT
300 mg/ml ≈ 1,2 kcal/ml
OSMOLALITÄT (300 MG/ML)
ca. 1 660 mosmol/kg
OSMOLALITÄT (500 MG/ML)
ca. 2 775 mosmol/kg
UMSATZ
Glykolyse und Glykogenspeicherung, insulinabhängig
AUSSCHEIDUNG
Renal bei überschrittenem Nierenschwellenwert
BLUTGLUKOSEANSTIEG
30 ml von 300 mg/ml erhöht die Blutglukose um ca. 3–5 mmol/l beim Erwachsenen

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Brennen entlang der Vene bei Injektion, vorübergehende Hyperglykämie
1–10 %
Thrombophlebitis, Hypokaliämie bei wiederholten Dosen, Flüssigkeitsretention, Hyponatriämie bei großen Volumina verdünnter Lösung
< 1 %
Gewebsnekrose bei Extravasation, Wernicke-Enzephalopathie bei Thiaminmangel, hyperosmolarer Zustand, Refeeding-Syndrom