Aminopenicillin mit erweitertem gramnegativen Spektrum

Amoxicillin

Amimox · Amoxicillin Sandoz · Amoxicillin Teva

Das Aminopenicillin deckt zusätzlich zu Pneumokokken auch Haemophilus influenzae ab, und das ist der Unterschied zu Phenoxymethylpenicillin, der die Verwendung steuert. In der ambulanten Therapie ist Amoxicillin daher nicht das Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierter Otitis media, sondern bei Therapieversagen, rezidivierender Otitis, Otitis mit gleichzeitiger purulenter Konjunktivitis und als Suspensionsalternative bei Pneumonie bei Kleinkindern. Die Bioverfügbarkeit ist wesentlich besser als die von Phenoxymethylpenicillin und wird durch Nahrung nicht beeinflusst.

WARNHINWEIS

Amoxicillin nicht bei Halsschmerzen mit Verdacht auf Mononukleose geben. Nahezu alle Patienten mit EBV-Infektion entwickeln ein ausgeprägtes makulopapulöses Exanthem, das oft fälschlicherweise als lebenslange Penicillinallergie dokumentiert wird und die Antibiotikawahl des Patienten dann jahrzehntelang beeinflusst.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Akute Otitis media, Therapieversagen oder RezidivKinder 20 mg/kg × 3 p.o. für 10 Tage; Erwachsene 750 mg × 3 für 10 Tageerst in dieser Situation erste Wahl — sonst zunächst Phenoxymethylpenicillin
Otitis mit purulenter KonjunktivitisKinder 20 mg/kg × 3 p.o. für 5–10 TageSyndrom weist auf Haemophilus influenzae hin
Pneumonie bei Kindern15 mg/kg × 3 p.o. für 5 Tagegleichwertige Alternative zu Phenoxymethylpenicillin, praktisch als Suspension
Borrelia (Erythema migrans) bei Kindern unter 8 Jahren und in der SchwangerschaftKinder 15 mg/kg × 3 p.o. für 10 Tage; Erwachsene 500 mg × 3 für 10 Tageersetzt Doxycyclin in diesen Gruppen
Helicobacter-pylori-Eradikation1 g × 2 p.o. für 7–14 Tage mit PPI und Clarithromycin oder Metronidazolimmer in Kombination, nie als Einzelpräparat
Niereninsuffizienz

eGFR 10–30 ml/min: Dosierungsintervall auf × 2 verlängern. eGFR unter 10 ml/min: × 1, und höchste Dosen vermeiden. Wird durch Dialyse entfernt — Dosis nach Dialyse geben.

Leberfunktionsstörung

Keine routinemäßige Dosisanpassung. Leberwerte bei bekannter Lebererkrankung und bei Behandlung über 10 Tage kontrollieren.

Kinder

15 mg/kg × 3 bei Pneumonie, 20 mg/kg × 3 bei Otitis. Maximale Tagesdosis üblicherweise 60 mg/kg. Als Granulat für orale Suspension 50 und 100 mg/ml verfügbar, was der praktische Vorteil gegenüber Phenoxymethylpenicillin bei Kleinkindern ist.

Fallstrick

Bei unspezifischem Halsschmerz vermeiden, bevor Mononukleose ausgeschlossen ist, und nicht als Routineersatz für Phenoxymethylpenicillin bei erstmaliger Otitis oder Pneumokokkenpneumonie — das breitere Spektrum bringt keinen klinischen Vorteil, treibt aber sowohl Resistenz als auch Durchfall. Bei vermutetem betalaktaseproduzierendem Haemophilus ist Amoxicillin mit Clavulansäure erforderlich, nicht Amoxicillin allein.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 80 % oral
1–1,5 Stunden
PROTEINBINDUNG
ca. 20 %
METABOLISMUS
Marginal
AUSSCHEIDUNG
Renal, 60 % unverändert im Urin
NAHRUNGSEFFEKT
Keine klinisch relevante Wirkung
PK/PD-INDEX
T > MIC
WIRKUNGSEINTRITT
Maximale Serumkonzentration nach 1–2 Stunden

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Durchfall, Übelkeit, Exanthem
1–10 %
Erbrechen, Urtikaria, vulvovaginale Candidiasis, Kopfschmerzen
< 1 %
Anaphylaxie, Clostridioides-difficile-Kolitis, Kristallnephropathie, cholestatische Hepatitis, DRESS