Breitspektrum-Penicillin mit Beta-Laktamase-InhibitorÖKOLOGISCHES RISIKO

Piperacillin/Tazobactam

Piperacillin/Tazobactam Fresenius Kabi · Piperacillin/Tazobactam Stragen · Tazocin

Die breiteste Option unterhalb der Carbapenemeebene: deckt grampositive Kokken, Enterobacterales, Pseudomonas aeruginosa und Anaerobier im selben Präparat ab. Daher Erstlinie bei nosokomialer Infektion, bei abdomineller Sepsis und bei febriler Neutropenie, wo man sich weder das Verpassen von Pseudomonas noch von Darmanaerobier leisten kann. Zeitabhängige Abtötung bedeutet, dass verlängerte Infusion über 3–4 Stunden eine bessere Zielerreichung bei kritisch Kranken gibt als die traditionelle 30-Minuten-Infusion.

WARNHINWEIS

Unzureichend bei ESBL-produzierenden Enterobacterales, auch wenn das Resistenzergebnis manchmal günstig aussieht — bei verifizierter ESBL in der Blutkultur soll die Behandlung auf Carbapenem gewechselt werden. Die Kombination mit Vancomycin gibt deutlich erhöhtes Risiko für akute Nierenschädigung und erfordert häufigere Kreatininkontrollen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Sepsis und septischer Schock4 g/0,5 g i.v. × 4Extradosis nach der Hälfte des Dosierungsintervalls zwischen Dosis 1 und 2
Kritisch Kranker auf ITS4 g/0,5 g i.v. × 4 als verlängerte Infusion 3–4 Stundenbesseres T > MIC als 30-Minuten-Infusion
Febrile Neutropenie4 g/0,5 g i.v. × 4Monotherapie reicht; Vancomycin nur bei Katheter- oder Hautfokus hinzufügen
Komplizierte Bauhinfektion4 g/0,5 g i.v. × 3deckt Anaerobier — Metronidazol muss nicht hinzugefügt werden
Nosokomiale Pneumonie4 g/0,5 g i.v. × 4deckt Pseudomonas; nach Kulturergebnis einengen
Niereninsuffizienz

eGFR über 40 ml/min: keine Anpassung. eGFR 20–40 ml/min: höchstens 4 g/0,5 g alle 8 Stunden. eGFR unter 20 ml/min: höchstens 4 g/0,5 g alle 12 Stunden. Bei intermittierender Hämodialyse 4 g/0,5 g × 2 mit einer Extradosis 2 g/0,25 g nach abgeschlossener Dialyse, da 30–50 % der Dosis dialysiert wird. Bei CRRT 4 g/0,5 g × 3, bei schwerer Infektion × 3–4. Ladungsdosis wird nie reduziert.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz.

Kinder

Kinder 2–12 Jahre: 100 mg/12,5 mg pro kg alle 8 Stunden bei komplizierter Bauhinfektion, 80 mg/10 mg pro kg alle 6 Stunden bei febriler Neutropenie. Höchste Einzeldosis 4 g/0,5 g.

Fallstrick

Nicht als Fortführungsbehandlung verwenden wenn die Blutkultur ESBL-produzierende E. coli oder Klebsiella zeigt — die MERINO-Studie zeigte höhere Mortalität als mit Meropenem trotz In-vitro-Empfindlichkeit. Auch nicht gewohnheitsmäßig Metronidazol hinzufügen; die Anaerobierabdeckung ist bereits vorhanden und der Zusatz bringt nur mehr Nebenwirkungen.

Pharmakokinetik

0,7–1,2 Stunden
BIOVERFÜGB.
Nur parenteral
PROTEINBINDUNG
ca. 30 % (beide Komponenten)
METABOLISMUS
Gering; Tazobactam zu inaktivem Metaboliten
AUSSCHEIDUNG
Renal, 68 % bzw. 80 % unverändert
ZNS-PENETRATION
Niedrig — ungeeignet bei Meningitis
PK/PD
Zeitabhängig, T > MIC
NATRIUMGEHALT
ca. 11 mmol pro 4 g/0,5 g

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Diarrhö, Übelkeit, Transaminasenanstieg
1–10 %
Exanthem, Thrombozytopenie, Hypokaliämie, Fieber, steigendes Kreatinin
< 1 %
Akute Nierenschädigung, Clostridioides-difficile-Kolitis, Neutropenie bei Langzeitbehandlung, Enzephalopathie