GlykopeptidantibiotikumSPIEGELBESTIMMUNGENGE THERAPEUTISCHE BREITEMONITORING ERFORDERLICH

Vancomycin

Vancomycin Viatris · Vancomycin Orion · Vancomycin hameln

Standardwahl bei schwerer Infektion mit methicillinresistenten Staphylokokken, koagulasenegativen Staphylokokken auf Fremdmaterial und ampicillinresistenten Enterokokken. Die Abtötung ist langsam und das Konzentrationsintervall eng, was bedeutet dass die Behandlung von der Dosierung nach Körpergewicht und von der Spiegelsteuerung abhängt — nicht von einer festen Dosis. Orales Vancomycin wird nicht absorbiert und wird daher ausschließlich bei Clostridioides-difficile-Infektion im Darm eingesetzt.

WARNHINWEIS

Nephrotoxizität ist dosisabhängig und steigt deutlich bei gleichzeitiger Behandlung mit Piperacillin/Tazobactam oder Aminoglykosid. Kreatinin täglich bei kritisch Kranken verfolgen; Talspiegel über 20 mg/l sind der stärkste einzelne Prädiktor für akute Nierenschädigung.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Aufsättigungsdosis bei schwerer Infektion25–30 mg/kg i.v. nach aktuellem Körpergewichtniemals reduziert, auch nicht bei Anurie
Erhaltung, normale Nierenfunktion15–20 mg/kg i.v. × 3 (oder 1 g × 3)höchstens 1 g × 3 vor erster Spiegelantwort
MRSA-Sepsis und Endokarditis15–20 mg/kg i.v. × 3 mit SpiegelsteuerungZielwert im oberen Teil des Intervalls
Clostridioides difficile, peroral125 mg × 4 p.o. für 10 Tage500 mg × 4 bei fulminantem Verlauf
Infusionsgeschwindigkeithöchstens 10 mg/Minute, mindestens 60 Minuten pro Grammsteuert das Risiko für Infusionsreaktion
Niereninsuffizienz

Die Aufsättigungsdosis wird immer ungekürzt gegeben. Die Erhaltungsdosis wird durch Spiegelbestimmung gesteuert statt durch ein festes Schema — richtungsgebende Startintervalle: 15–20 mg/kg × 3 bei eGFR über 90 ml/min, × 2–3 bei eGFR 50–90 ml/min, 15 mg/kg × 1–2 bei eGFR 30–50 ml/min und 15 mg/kg alle 24–48 Stunden bei eGFR 10–30 ml/min. Bei eGFR unter 10 ml/min und bei intermittierender Hämodialyse wird die Dosis nur nach Spiegelwert gegeben, meist im Anschluss an die Dialyse; die Halbwertszeit beträgt dann 100–200 Stunden. Bei CRRT 1 g × 2 oder 15–20 mg/kg × 2 mit täglicher Spiegelbestimmung.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz.

Kinder

Kinder über 1 Monat: 10–15 mg/kg alle 6 Stunden, mit Spiegelsteuerung wie beim Erwachsenen. Neonatale Dosierung ist altersabhängig und soll aus dem neonatologischen Protokoll entnommen werden.

Fallstrick

Rötung und Juckreiz während der Infusion nicht als Penicillin- oder Vancomycinallergie deuten — das Red-Man-Syndrom ist eine direkte Histaminfreisetzung abhängig von der Infusionsgeschwindigkeit, keine IgE-vermittelte Reaktion. Die Maßnahme ist, die Geschwindigkeit auf höchstens 10 mg/Minute zu senken und Antihistamin zu geben, nicht den Patienten als allergisch zu kennzeichnen und das Präparat zu wechseln. Orales Vancomycin bei systemischer Infektion vermeiden; es wird nicht absorbiert.

Pharmakokinetik

4–6 Stunden bei normaler Nierenfunktion
BIOVERFÜGB.
Vernachlässigbar oral — absichtlich
Vd
0,4–1 l/kg
PROTEINBINDUNG
30–55 %
METABOLISMUS
Praktisch keiner
AUSSCHEIDUNG
Renal, ca. 80–90 % unverändert
PK/PD
AUC₂₄/MIC 400–600
ZIELTALWERT
15–20 mg/l

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Infusionsbedingte Rötung und Juckreiz an Rumpf und Gesicht, Phlebitis, Geschmacksveränderung
1–10 %
Ansteigendes Kreatinin, Übelkeit, Schüttelfrost, arzneimittelinduziertes Fieber, Eosinophilie
< 1 %
Akute Nierenschädigung, Ototoxizität, Neutropenie, DRESS und lineare IgA-Dermatose