Nitrofuranderivat mit ausschließlicher HarnwegswirkungeGFR-GRENZWERT

Nitrofurantoin

Furadantin · Nitrofurantoin Actavis

Erstlinienpräparat bei unkomplizierter Zystitis der Frau — das einzige Harnwegsantibiotikum mit erhaltener Wirksamkeit gegen E. coli in der Ära wachsender Resistenz. Die Selektivität für den Harnweg ist der eigentliche Grund für die erhaltene Empfindlichkeit: das Präparat ist im Gewebe unwirksam und übt daher keinen Selektionsdruck auf Darmbakterien aus. Die Einschränkung ist die eGFR-Grenze bei 45 ml/min — unterhalb ist die renale Konzentrationsmechanismus unzureichend.

WARNHINWEIS

Kontraindiziert bei eGFR unter 45 ml/min: die renale Konzentrationsmechanismus, die die Wirkung erzeugt, funktioniert nicht mehr und gleichzeitig steigt die Toxizitätsgefahr durch Akkumulation.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Akute Zystitis bei Frauen50 mg × 3 p.o. für 5 TageErstlinie neben Pivmecillinam
Akute Zystitis in der Schwangerschaft50 mg × 3 p.o. für 5 Tagein den letzten Schwangerschaftswochen vor der Geburt vermeiden
Asymptomatische Bakteriurie bei Schwangeren50 mg × 3 p.o. für 5 Tagenur bei Schwangeren behandeln, nie bei Älteren
Rezidivierende HWI, Langzeitprophylaxe50 mg zur Nachtzeitlich begrenzen und überprüfen — Lungentoxizität ist kumulativ
Zystitis bei Kindern über 1 Monat3 mg/kg und Tag verteilt auf 2–3 Dosen für 5 Tageorale Suspension 5 mg/ml erhältlich
Niereninsuffizienz

Kontraindiziert bei eGFR unter 45 ml/min gemäß Fachinformation.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz.

Kinder

3 mg/kg/Tag verteilt auf 2–3 Dosen (max. 100–150 mg/Tag) für 5 Tage. Nicht unter 1 Monat.

Fallstrick

Nitrofurantoin nicht bei Fieber, Flankenschmerz oder Allgemeinbeeinträchtigung geben — bei vermuteter Pyelonephritis fehlt die Gewebewirkung und das Präparat ist unwirksam. Nur für unkomplizierte Zystitis (Blaseninfektionen) geeignet.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 80 %, erhöht mit Nahrung
ca. 20 Minuten
PROTEINBINDUNG
60 %
METABOLISMUS
70 % hepatisch, 30 % renal
AUSSCHEIDUNG
Renal — hohe Harnkonzentration, niedrige Gewebekonzentration
URINWIRKUNG
Wirksamer Harnwegsantibiotikaspiegel bei eGFR > 45 ml/min
GEWEBESPIEGEL
Zu niedrig für systemische Wirkung
RESISTENZ
Gering trotz Jahrzehnten der Verwendung

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Übelkeit, Kopfschmerzen, brauner Urin
1–10 %
Erbrechen, Diarrhö, Exanthem, Schwindel, akute Lungenreaktion mit Husten
< 1 %
Lungenfibrose und chronische interstitielle Pneumonitis, periphere Neuropathie, Hepatotoxizität bei Langzeitanwendung