Nicht-selektiver COX-Hemmer mit COX-2-Übergewicht, PhenylessigsäurederivatHÖCHSTES KARDIOVASKULÄRES RISIKO UNTER NSAIDREZEPTPFLICHTIG

Diclofenac

Voltaren · Diklofenak Orifarm · Eeze

Potentes NSAID mit guter Wirkung bei muskuloskelettalen und postoperativen Schmerzen, aber mit dem ungünstigsten kardiovaskulären Profil der Klasse — die Risikoerhöhung für Myokardinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz ähnelt der der selektiven COX-2-Hemmer und zeigt sich bereits bei Dosen unter 100 mg/Tag und bei kurzer Behandlungsdauer. Perorales Diclofenac ist rezeptpflichtig, während kutane Darreichungsformen weiterhin rezeptfrei erhältlich sind, da die systemische Exposition gering ist.

WARNHINWEIS

Kontraindiziert bei etablierter ischämischer Herzerkrankung, zerebrovaskulärer Erkrankung, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Herzinsuffizienz NYHA II–IV. Darüber hinaus gilt die gesamte NSAID-Problematik: Ulkusblutung, akutes Nierenversagen beim Dehydrierten oder RAAS-behandelten Patienten, und Kontraindikation ab Schwangerschaftswoche 20.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Akuter muskuloskelettaler Schmerz, Erwachsener50 mg × 2–3, höchstens 150 mg/Tagkürzest mögliche Behandlungsdauer
Dauertherapie bei Arthrose oder Arthritis75–100 mg/Tag aufgeteilt auf 2–3 Dosennur wenn ein anderes NSAID nicht gewirkt hat
Nierenkolik50 mg p.o. oder 75 mg i.m.wirksam, aber nicht beim anurierten oder hypovolumen Patienten
Lokaler Schmerz in oberflächlichem Gelenk oder MuskelGel 1–2 % aufgetragen 3–4-mal täglichsystemische Exposition unter 10 % — erste Wahl wenn ausreichend
Patient mit Herz-Kreislauf-ErkrankungNicht gebenNaproxen oder Ibuprofen in niedriger Dosis wählen, wenn NSAID erforderlich
Niereninsuffizienz

eGFR 30–60 ml/min: vermeiden; wenn nötig, niedrigste Dosis mit Kreatininkontrolle. eGFR < 30 ml/min: kontraindiziert.

Leberfunktionsstörung

Diclofenac verursacht häufiger Transaminaseerhöhungen als andere NSAID. ALAT innerhalb von 4–8 Wochen bei längerer Behandlung kontrollieren. Kontraindiziert bei ausgeprägter Leberinsuffizienz.

Kinder

Bei juveniler idiopathischer Arthritis ab 1 Jahr 1–3 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 2–3 Dosen. Nicht als allgemeines Analgetikum oder Antipyretikum bei Kindern eingesetzt.

Fallstrick

Diclofenac ist kein vernünftiges Erst-NSAID mehr. Wählt man dennoch ein NSAID bei einem Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung, sind Naproxen oder Ibuprofen in niedriger Dosis angezeigt — Diclofenac ist genau das Präparat, bei dem die Risikoerhöhung am größten ist, und sie zeigt sich bereits nach wenigen Behandlungstagen.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
50 % p.o. (ausgeprägter First-Pass-Effekt)
Vd
0,12–0,17 l/kg
1–2 h
PROTEINBINDUNG
> 99 %
METABOLISMUS
Hepatisch, hauptsächlich CYP2C9
AUSSCHEIDUNG
Renal ca. 65 %, biliär ca. 35 %
WIRKUNGSEINTRITT
30 min p.o. · 15–30 min i.m.
WIRKUNGSDAUER
6–8 h

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Dyspepsie, Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen
1–10 %
Transaminaseerhöhung, Schwindel, Ödeme, Blutdrucksteigerung, Hautausschlag, Kreatininanstieg
< 1 %
Myokardinfarkt und Schlaganfall, Herzinsuffizienzdekompensation, Ulkus mit Blutung oder Perforation, akutes Nierenversagen, Hepatitis, Stevens-Johnson-Syndrom