Hochpotentes Glukokortikoid mit langer WirkungsdauerBESONDERE ANWENDUNGSPRAXIS

Betamethason

Betapred

Die lösliche Tablette ermöglicht es, einem Kind mit Pseudokrupp oder einem Patienten mit allergischer Reaktion die volle Steroiddosis ohne Nadel zu geben, und die lange biologische Wirkungsdauer bedeutet, dass eine Einzeldosis ausreicht. Die Wirksamkeit ist etwa 25-mal die von Hydrokortison und eine mineralkortikoide Wirkung fehlt vollständig, was das Präparat bei Hirnödem und Rückenmarkskompression geeignet macht, wo Natriumretention unerwünscht ist. Die Wirkung tritt nicht sofort ein — sie braucht Stunden und ersetzt niemals Adrenalin bei Anaphylaxie.

WARNHINWEIS

Betamethason hat keinen Platz in der akuten Anaphylaxiebehandlung. Adrenalin 0,5 mg i.m. ist die Erstlinienbehandlung; das Steroid wird erst danach gegeben und beeinflusst die initialen Reaktion nicht.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Pseudokrupp bei Kindern0,25 mg/kg p.o. als Einzeldosis, praktisch 8–12 aufgelöste Tabletten (4–6 mg)in 5–10 ml Wasser auflösen, Wirkung innerhalb von 1–2 Stunden
Allergischer Zustand oder Asthma bei Erwachsenen1,5 mg (3 Tabletten) täglich für 2 Tage, dann Ausschleichen über 4–6 Tagebei schwerer Reaktion 4–8 mg als Einzeldosis; Kinder 3 mg unter 6 Jahre, 5 mg ab 6 Jahre
Hirnödem bei Tumor oder Metastase8–16 mg pro Tag p.o. oder i.v., aufgeteilt auf 2 Dosenletzte Dosis nicht nach 15 Uhr geben — Schlafstörung
Maligne Rückenmarkskompression16 mg i.v. oder p.o. sofort, dann 8 mg × 2 und Ausschleichenauf Verdacht hin behandeln, nicht auf MRT warten
Pränatale Lungenreifung12 mg i.m., nach 24 Stunden wiederholenSchwangerschaftswoche 23+0 bis 33+6, maximale Wirkung nach 24–48 Stunden
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung — die Ausscheidung ist hauptsächlich extrarenal, nur ca. 5 % werden innerhalb eines Tages im Urin gefunden.

Leberfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung. Betamethason ist die Wirksubstanz und benötigt keine Leberaktivierung, aber die Clearance kann bei ausgeprägter Leberinsuffizienz sinken.

Kinder

Pseudokrupp und obstruktive Beschwerden: 0,25 mg/kg als Einzeldosis. Akutes Asthma: 3 mg unter 10 kg, 4–5 mg über 10 kg. Allergische Reaktion: 3 mg unter 6 Jahre, 5 mg ab 6 Jahre.

Fallstrick

Betamethason bei Nebennierenrindeninsuffizienz vermeiden: Das Präparat hat keine mineralkortikoide Wirkung und bietet weder Natriumretention noch die Möglichkeit, die Substitution klinisch zu verfolgen. Auch wiederholte Kuren bei Kindern mit rezidivierender Obstruktivität nicht ohne Überprüfung der Diagnose geben — die lange Wirkungsdauer verdeckt, dass die Grundbehandlung mit Inhalationssteroid unzureichend ist.

Pharmakokinetik

MAXKONZENTRATION
innerhalb von 2 Stunden p.o.
t½ (Plasma)
ca. 5 Stunden
BIOLOGISCHE t½
mehr als 48 Stunden
WIRKUNGSDAUER
36–72 Stunden
ÄQUIVALENZ
0,6 mg = 5 mg Prednisolon = 20 mg Hydrokortison
MINERALKORTIKOIDE WIRKUNG
Fehlt
METABOLISMUS
Hepatisch, CYP3A4
AUSSCHEIDUNG
Hauptsächlich extrarenal, ca. 5 % renal

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Schlafstörungen und Erregung, gesteigerter Appetit, Hyperglykämie, Stimmungsveränderungen
1–10 %
Proximale Steroidmyopathie, Gesichtsödem, Hautatrophie, orale Candidiasis, erhöhte Infektanfälligkeit, Schluckauf
< 1 %
Steroidpsychose, Nebennierenrindensuppression bei wiederholten Kuren, gastrointestinale Blutung, aseptische Knochennekrose, Tumorlyse-Syndrom bei Lymphomen