Synthetisches Glukokortikoid mit mittellanger WirkungsdauerMONITORING ERFORDERLICH

Prednisolon

Prednisolon Pfizer · Prednisolon Alternova · Precortalon aquosum

Das am häufigsten verwendete perorale Glukokortikoid — 5 mg entsprechen 20 mg Hydrokortison, mit starker entzündungshemmender Wirkung und vernachlässigbarer mineralokortikoider Aktivität. Die Wirkung ist selten das Problem; was die Anwendung prägt, ist wie lange die Behandlung dauert, da sowohl die Nebenwirkungslast als auch die Hemmung der eigenen Kortisol-Achse eine Funktion von kumulativer Dosis und Zeit ist. Den Ausschleichplan bereits bei Einleitung der Behandlung festlegen.

WARNHINWEIS

Nach mehr als drei Wochen Behandlung in supraphysiologischer Dosis ist die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse gehemmt. Abruptes Absetzen oder interkurrente Erkrankung ohne Stressdosis kann eine Nebennierenrindenkrise mit Hypotonie und Hyponatriämie auslösen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
COPD-Exazerbation30–40 mg p.o. einmal täglich für 5 Tagekeine Ausschleichung bei so kurzem Kurs
Akute Asthma-Exazerbation30–40 mg p.o. einmal täglich für 5–7 Tagefrüh gegeben, Wirkung erst nach 4–6 Stunden
Riesenzellarteriitis ohne Sehbeteiligung40–60 mg p.o. täglich bis BSG und CRP normalisiertdanach Ausschleichung mit 5 mg alle 3 Wochen bis 20 mg
Riesenzellarteriitis mit SehbeteiligungMethylprednisolon 500–1 000 mg i.v. für 3 Tage, danach Prednisolon 40–60 mg p.o.auf klinischen Verdacht behandeln, Biopsie nicht abwarten
Polymyalgia rheumatica15–20 mg p.o. täglich für 3–4 Wochen, danach langsames Ausschleichenausbleibende Wirkung innerhalb von 3 Tagen spricht gegen die Diagnose
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion. Beachten, dass Natriumretention und Blutdruckanstieg bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz schlechter toleriert werden.

Leberfunktionsstörung

Prednison muss in der Leber zu Prednisolon umgewandelt werden und soll bei schwerer Leberinsuffizienz vermieden werden — direkt Prednisolon geben. Bei Zirrhose steigt der freie Anteil; Dosisreduktion erwägen.

Kinder

Asthma und Pseudokrupp: 1–2 mg/kg täglich (max. 40 mg) für 3–5 Tage. Nephrotisches Syndrom und rheumatologische Erkrankungen nach Fachprotokoll.

Fallstrick

Nicht abrupt nach mehr als drei Wochen Behandlung absetzen — ausschleichen und den Patienten über verdoppelte Dosis bei Fieber über 38 °C informieren. Auch nicht eine Kur ohne Auseinandersetzung mit der Osteoporoseprophylaxe in eine Erhaltungsbehandlung gleiten lassen: Kalzium und Vitamin D für alle, Bisphosphonat bei ≥ 7,5 mg täglich für ≥ 3 Monate beim Patienten mit Frakturrisiko.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
70–90 % oral
WIRKUNGSEINTRITT
biologische Wirkung nach 2–6 Stunden
t½ (Plasma)
2–4 Stunden
BIOLOGISCHE HWZ
12–36 Stunden
ÄQUIVALENZ
5 mg = 20 mg Hydrokortison = 4 mg Methylprednisolon = 0,6 mg Betamethason
PROTEINBINDUNG
70–90 % (Transcortin, Albumin)
METABOLISMUS
Hepatisch, CYP3A4
AUSSCHEIDUNG
Renal als Metaboliten

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Schlafstörung, gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme, Hyperglykämie, Stimmungsschwankungen, Ödeme
1–10 %
Cushingoides Aussehen, Hautatrophie und Blutergüsse, proximale Muskelschwäche, Katarakt, Hypertonie, Infektionsneigung
< 1 %
Nebennierenrindenkrise bei Absetzen, Osteoporosefraktur, aseptische Knochennekrose, Steroidpsychose, gastrointestinale Blutung in Kombination mit NSAID