Uroselektiver α₁A-RezeptorblockerVOR AUGENOPERATION MELDEN

Tamsulosin

Omnic Ocas · Alna Ocas · Tamsulosin Krka · Duodart

Erstlinie bei leichten bis mäßigen Miktionsbeschwerden durch benigne Prostatahyperplasie. Relaxiert die glatte Muskulatur in Prostata, Blasenhals und Urethra und ergibt Symptomlinderung innerhalb von Tagen bis einer Woche — beeinflusst aber nicht das Prostatavolumen und bremst daher nicht den Krankheitsverlauf, was 5α-Reduktasehemmer tun. Die Uroselektivität für α₁A macht den Blutdruckeffekt geringer als bei den älteren Alphablocker, aber er ist nicht weg.

WARNHINWEIS

Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) kann eine Kataraktoperation erheblich schwieriger machen und Irisprolaps und Kapselruptur verursachen. Der Augenarzt muss über laufende oder frühere Tamsulosinbehandlung vor der Operation informiert sein — der Effekt bleibt nach dem Absetzen bestehen, daher reicht es nicht das Präparat abzusetzen ohne die Information weiterzugeben.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Benigne Prostatahyperplasie0,4 mg Retardkapsel × 1 nach derselben Mahlzeit täglichEinzige Dosis — Titrierung ist nicht aktuell
Unzureichende Wirkung nach 3 MonatenErgänzung von Dutasterid oder FinasteridKombinationstablette mit Dutasterid verfügbar
Erleichterte Passage von Harnleitersteinen0,4 mg × 1 für bis zu 4 WochenDistale Harnleitersteine, Effekt am größten bei Steinen über 5 mm
Vor Katheterentfernung bei Harnverhalt0,4 mg × 1, Start 1–3 Tage zuvorErhöht die Chance spontaner Miktion
Ältere mit Orthostase oder Sturzneigung0,4 mg × 1 zur Nacht, Blutdruck stehend nach erster DosisRisiko am größten bei allererster Dosis
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei leichter bis mäßiger Niereninsuffizienz. Erfahrung bei eGFR unter 10 ml/min ist begrenzt und Vorsicht empfohlen, aber keine festgelegte Dosisreduktion.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei leichter bis mäßiger Leberfunktionsstörung. Kontraindiziert bei schwerer Leberfunktionsstörung.

Kinder

Soll nicht bei Kindern angewendet werden — die Indikation besteht nicht und Wirkung bei neurogener Blase bei Kindern ist nicht gezeigt.

Fallstrick

Tamsulosin nicht einleiten ohne zuvor Prostata und PSA beurteilt zu haben — Symptomlinderung kann ein Prostatakarzinom einige Jahre lang maskieren. Das Präparat bei Patienten mit bereits bestehender Orthostase und Sturzneigung vermeiden, und nie einleiten ohne nach geplanter Kataraktoperation zu fragen; das soll dann dokumentiert und der Augenklinik mitgeteilt werden, statt hastig abgesetzt.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 90 % nüchtern, sinkt mit Nahrung
10–13 h (bis ca. 19 h im Steady State)
Tmax
4–6 h (Retardformulierung)
PROTEINBINDUNG
ca. 99 %, α₁-saures Glykoprotein
METABOLISMUS
CYP3A4 und CYP2D6
AUSSCHEIDUNG
Renal als Metaboliten, ca. 9 % unverändert
WIRKUNGSEINTRITT
Symptomlinderung innerhalb 1–2 Wochen
REZEPTOR
α₁A-selektiv, α₁A : α₁B ca. 10:1

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Schwindel, Ejakulationsstörung einschließlich retrograder und ausbleibender Ejakulation
1–10 %
Orthostatische Hypotonie, Kopfschmerzen, Palpitationen, Nasenverstopfung, Müdigkeit, Obstipation oder Diarrhö, Hautausschlag
< 1 %
Synkope, Angioödem, Stevens-Johnson-Syndrom, Priapismus, intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom, Vorhofflimmern