µ-Opioidagonist, semisynthetisches MorphinderivatBETÄUBUNGSMITTELABHÄNGIGKEITSRISIKO

Oxycodon

OxyContin · OxyNorm · Oxikodon Depot Actavis

Perorales Opioid mit hoher und vorhersehbarer Bioverfügbarkeit — etwa doppelt so hoch wie Morphin — so dass 5 mg Oxycodon peroral ungefähr 10 mg Morphin peroral entsprechen. Die Metaboliten sind überwiegend inaktiv, und im Gegensatz zu Morphin fehlt das aktive Glucuronid, das bei Niereninsuffizienz akkumuliert; daher ist Oxycodon oft die bessere Wahl bei Älteren mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Behandlung basiert auf einer kurzwirksamen Formulierung, die auf den Tagesbedarf titriert wird, wonach man auf eine Depottablette zweimal täglich mit kurzwirksamer Bedarfsmedikation wechselt.

WARNHINWEIS

Atemdepression, besonders zusammen mit Benzodiazepinen oder Gabapentinoiden. Toleranz und Abhängigkeit entwickeln sich schnell — ein Ausschleichplan soll bereits bei Behandlungsbeginn dokumentiert sein, nicht erst formuliert werden wenn der Patient bereits auf dem Präparat ist.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Akuter schwerer Schmerz, opioidnaiver Erwachsener5 mg p.o. alle 4–6 Stunden bei Bedarfentspricht ungefähr 10 mg Morphin p.o.
Intravenöse Titrierung1–3 mg i.v., alle 5 Minuten bis Wirkung wiederholeni.v.-Dosis ist ca. die Hälfte der peroralen
Stabiler TagesbedarfTagesdosis summieren und als Depottablette × 2 gebenkurzwirksam bei Bedarf, ca. 1/6 der Tagesdosis
Umstellung von MorphinMorphindosis p.o. durch 1,5–2 teilenweitere 25 % reduzieren für unvollständige Kreuztoleranz
Ältere oder eGFR < 30Ein Drittel bis die Hälfte der NormaldosisIntervall verlängern und langsam titrieren
Niereninsuffizienz

Oxycodon und seine Metaboliten akkumulieren bei eingeschränkter Nierenfunktion, aber es gibt keinen klinisch bedeutsamen aktiven Metaboliten. Bei eGFR < 30 ml/min ein Drittel bis die Hälfte der Normaldosis mit verlängertem Intervall. Gegenüber Morphin in dieser Situation bevorzugt.

Leberfunktionsstörung

Startdosis auf ein Drittel bis die Hälfte bei eingeschränkter Leberfunktion reduzieren und Dosierungsintervall verlängern. Depotformulierung bei ausgeprägter Leberinsuffizienz vermeiden.

Kinder

Ab 12 Jahren 5 mg alle 6 Stunden, dann Titrierung. Unzureichende Dokumentation unter 12 Jahren.

Fallstrick

Keine Depotformulierung bei einem opioidnaiven Patienten mit akutem Schmerz einleiten — die Dosis lässt sich nicht zurücknehmen wenn die Sedierung einsetzt, und eine Depottablette bei der Entlassung wird leicht zu einer Dauerverordnung, für die niemand die Verantwortung übernimmt, sie zu beenden. Zunächst mit kurzwirksamer Form titrieren und Enddatum sowie Ausschleichplan gleichzeitig mit dem Rezept notieren.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
60–87 % p.o.
Vd
2,6 l/kg
3–4,5 h (Depot 4,5–6 h)
PROTEINBINDUNG
45 %
METABOLISMUS
CYP3A4 zu Noroxycodon (inaktiv), CYP2D6 zu Oxymorphon (aktiv, kleiner Anteil)
AUSSCHEIDUNG
Renal als Metaboliten
WIRKUNGSEINTRITT
10–15 min i.v. · 30–60 min p.o.
WIRKUNGSDAUER
4–6 h (Depot 12 h)

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Obstipation, Übelkeit, Sedierung, Schwindel, Pruritus
1–10 %
Erbrechen, Mundtrockenheit, Harnretention, Verwirrtheit, Schwitzen, Orthostase
< 1 %
Atemdepression, Abhängigkeit und Missbrauch, Hyperalgesie bei Langzeitanwendung, Hypogonadismus, Nebenniereninsuffizienz