Naturidentisches Glukokortikoid mit MineralokortikoidwirkungMONITORING ERFORDERLICH

Hydrocortison

Solu-Cortef · Hydrocortison Takeda · Plenadren · Alkindi

Körpereigenes Kortisol in Arzneimittelform und damit erste Wahl, wenn das Ziel Substitution und nicht Immunsuppression ist. Im Unterschied zu Prednisolon, Betamethason und Dexamethason hat Hydrocortison eine klinisch bedeutsame Mineralokortikoidwirkung, was der eigentliche Punkt bei Nebennierenrindeninsuffizienz ist — die kurze Wirkdauer ermöglicht außerdem, die Tagesdosis so aufzuteilen, dass sie das physiologische Kortisoltagesrhythmus nachahmt. Die drei Dosisniveaus müssen unterschieden werden: Substitution, Stressdosis und Krise.

WARNHINWEIS

Bei Verdacht auf Addison-Krise wird Hydrocortison 100 mg i.v. sofort zusammen mit Natriumchlorid gegeben — nie auf Kortisol-Antwort oder ACTH-Probe warten. Unbehandelte Krise ist innerhalb von Stunden tödlich.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Substitution bei Nebennierenrindeninsuffizienz15–30 mg p.o. pro Tag auf 2–3 Dosen aufgeteilt, größte Dosis morgensletzte Dosis früher Nachmittag um den Schlaf nicht zu stören
Stressdosis bei interkurrenter ErkrankungTagesdosis verdoppeln oder verdreifachen für 2–3 Tagebei Fieber > 38 °C oder antibiotikabedürftiger Infektion
Stressdosis bei größerer Operation100 mg i.v. alle 8 Stunden am Operationstag, danach 50 mg alle 8 Stunden für 1–2 Tagebei mittlerer Operation reichen 25 mg i.v. alle 8 Stunden
Addison-Krise100 mg i.v. als Bolus, danach 50–100 mg alle 6–8 Stunden oder 200 mg pro Tag als Infusiongleichzeitig 1 000 ml Natriumchlorid 9 mg/ml in der ersten Stunde geben
Erbrechen oder Durchfall zu Hause100 mg i.m. mit der eigenen Notfallampulle des Patientenalle mit Nebennierenrindeninsuffizienz sollen Ampulle und Kortison-Ausweis haben
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion. Natrium, Kalium und Blutdruck besonders sorgfältig kontrollieren, da die Mineralokortikoidwirkung Flüssigkeitsretention verursachen kann.

Leberfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung. Hydrocortison ist die aktive Substanz und benötigt keine Leberaktivierung, was es gegenüber Cortison bei Leberversagen bevorzugt macht.

Kinder

Substitution 8–12 mg/m² Körperfläche pro Tag auf 3 Dosen aufgeteilt. Krise: 50 mg/m² i.v. als Bolus, oder 25 mg bei Kindern unter 3 Jahren, 50 mg bei 3–12 Jahren und 100 mg über 12 Jahren.

Fallstrick

Hydrocortison nicht verwenden, wenn das Ziel eine starke entzündungshemmende Wirkung über den gesamten Tag ist — die Wirkdauer ist zu kurz und die Mineralokortikoidwirkung verursacht unnötige Natriumretention. Auch die Substitutionsbehandlung nicht auf Prednisolon oder Betamethason umstellen, ohne zu beachten, dass die Mineralokortikoidwirkung dann entfällt und Fludrocortison hinzugefügt oder angepasst werden muss.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 95 % oral
WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v., biologische Wirkung innerhalb von 1–2 Stunden
t½ (Plasma)
1,5–2 Stunden
BIOLOGISCHE HWZ
8–12 Stunden
ÄQUIVALENZ
20 mg = 5 mg Prednisolon = 0,6 mg Betamethason
MINERALOKORTIKOIDWIRKUNG
Ausgeprägt, dosisabhängig
PROTEINBINDUNG
ca. 90 % (Kortikosteron-bindendes Globulin)
METABOLISMUS
Hepatisch, 11β-HSD und CYP3A4

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Bei Überdosierung: Gewichtszunahme, Ödeme, Hyperglykämie, Schlafstörung. Bei Unterdosierung: Müdigkeit, Übelkeit, Orthostase
1–10 %
Hypertonie, Hypokaliämie, Hautatrophie, Muskelschwäche, Infektionsneigung, Stimmungsveränderungen
< 1 %
Osteoporose bei langanhaltender Überdosierung, Steroidpsychose, gastrointestinale Blutung, aseptische Knochennekrose