Linkosamid mit proteinsyntesehemmender WirkungHOHES C.-DIFFICILE-RISIKO

Clindamycin

Dalacin · Cleocin · Clindamycin-ratiopharm

Zwei Eigenschaften rechtfertigen das Präparat: ausgezeichnete Penetration in Knochen, Gelenke und Weichteile mit fast vollständiger oraler Bioverfügbarkeit, was frühen Wechsel von intravenös auf peroral ermöglicht, sowie ausgeprägte Hemmung der bakteriellen Toxinsynthese bei streptokokken- und staphylokokken-vermittelter Schockkrankheit. Der Preis ist das höchste C.-difficile-Risiko unter allen Antibiotika.

WARNHINWEIS

Clostridioides-difficile-Kolitis kann während der Behandlung oder mehrere Wochen nach abgeschlossener Kur auftreten und fulminant verlaufen. Antibiotikum sofort absetzen bei nötiger Diarrhö und C.-difficile-Test einleiten.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Nekrotisierende Weichteilinfektion600–900 mg i.v. × 3Toxinhemmer — zusammen mit Benzylpenicillin 3 g × 4 geben
Streptokokken- oder Staphylokokken-toxischer Schock600–900 mg i.v. × 3mindestens 3 Tage oder bis hämodynamische Stabilität
Knochen- und Gelenkinfektion600 mg i.v. × 3, danach 300 mg × 3 p.o.hoher Knochenspiegel; frühzeitiger oraler Wechsel dank Bioverfügbarkeit
Weichteilinfektion bei Penicillinallergie300 mg × 3 p.o.Alternative zu Isoxazolylpenicillin
Aspirationspneumonie und Zahninfektion600 mg i.v. × 3deckt orale Anaerobier
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei jeder Nierenfunktionsstufe — 600–900 mg × 3 gilt bei normaler Nierenfunktion, bei CRRT und bei intermittierender Hämodialyse. Wird nicht durch Dialyse entfernt und erfordert keine Extradosis nach Dialyse.

Leberfunktionsstörung

Dosis bei ausgeprägtem Leberversagen reduzieren; der Metabolismus ist hepatisch und die Halbwertszeit verlängert sich. Transaminasen bei längerer Behandlung kontrollieren.

Kinder

20–40 mg/kg/Tag verteilt auf 3–4 Dosen intravenös; peroral 8–25 mg/kg/Tag. Der obere Teil des Intervalls bei Knocheninfektion und toxin-vermittelter Erkrankung.

Fallstrick

Nicht als bequemes Erstlinienpräparat bei unkomplizierter Haut- und Weichteilinfektion einsetzen — das C.-difficile-Risiko ist höher als bei nahezu allen anderen Antibiotika, und Cefazolin oder Flucloxacillin sind gleich wirksam und sicherer. Die Hauptindikation ist die toxin-vermittelte lebensbedrohliche Infektion, und dort ist es unverzichtbar.

Pharmakokinetik

2,4–3 Stunden
BIOVERFÜGB.
ca. 90 % peroral
PROTEINBINDUNG
60–95 %
METABOLISMUS
Hepatisch, CYP3A4
AUSSCHEIDUNG
Biliär und fäkal, ca. 10 % renal
GEWEBEPENETRATION
Sehr gut in Knochen und Weichteilen
ZNS-PENETRATION
Unzureichend — nie bei Meningitis
WIRKUNGSTYP
Hemmt 50S und damit Toxinsynthese

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Diarrhö, Bauchschmerzen, Übelkeit, Metallgeschmack
1–10 %
Exanthem, Transaminaseerhöhung, Erbrechen, Ösophagitis bei peroralen Kapseln
< 1 %
Pseudomembranöse Kolitis, DRESS und Stevens-Johnson-Syndrom, Agranulozytose