Nitroimidazol mit Aktivität gegen Anaerobier und Protozoen

Metronidazol

Flagyl · Metronidazol Braun · Metronidazol B. Braun

Goldstandard bei anaeroben Infektionen und bei Protozoenerkrankungen dank ausgezeichneter Gewebepenetration, vollständiger oraler Bioverfügbarkeit und günstiger Pharmakologie. Die Halbwertszeit von ca. 8 Stunden erlaubt Dosierung alle 8 Stunden oder als einmal täglich gegebene Hochdosis. Die wichtigste praktische Einschränkung ist die Interaktion mit Warfarin.

WARNHINWEIS

Die Kombination mit Alkohol kann eine disulfiramähnliche Reaktion mit Flush, Erbrechen, Tachykardie und Schwindel verursachen. Patienten müssen instruiert werden, während der Behandlung und 48 Stunden danach keinen Alkohol zu trinken.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Anaerobe Infektion, intravenös1,5 g i.v. Tag 1, danach 1 g × 1alternativ 500 mg i.v. × 3
Anaerobe Infektion, peroral400 mg × 3 p.o.früh wechseln — Bioverfügbarkeit ist nahezu vollständig
Clostridioides difficile400 mg × 3 p.o. für 10 TageZweitlinienpräparat; perorales Vancomycin ist Erstlinie
Clostridioides difficile, Schluckstörung500 mg i.v. × 3kombiniert mit Vancomycin über Sonde oder rektal
Hirnabszess und odontogene Infektion400 mg × 3 p.o. oder 1 g i.v. × 1gute Penetration in ZNS und Abszess
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion — gleiche Dosis bei normaler Nierenfunktion, bei CRRT und bei intermittierender Hämodialyse.

Leberfunktionsstörung

Bei schwerer Leberinsuffizienz Dosis auf ein Drittel reduzieren — hepatischer Metabolismus ist vollständig.

Kinder

7,5 mg/kg × 3 (max. 500 mg pro Dosis) für Anaerobierinfektionen. Clostridioides difficile: 10 mg/kg × 3 für 10 Tage.

Fallstrick

Unnötiges Hinzufügen von Metronidazol zu Piperacillin/Tazobactam, Meropenem oder Carbapenem vermeiden — die Anaerobierwirkung ist bereits abgedeckt und die Redundanz erhöht Nebenwirkungsrisiko und Kosten. Nicht standardmäßig zu jeder abdominalchirurgischen Prophylaxe addieren.

Pharmakokinetik

ca. 8 Stunden
BIOVERFÜGB.
> 95 % peroral
PROTEINBINDUNG
< 20 %
METABOLISMUS
Hepatisch, CYP2C9 und Oxidation
AUSSCHEIDUNG
Renal 60–80 %, fäkal 15 %
ZNS-PENETRATION
Ausgezeichnet, > 80 % der Serumkonzentration
WIRKUNGSTYP
Bakterizid, anaerob-selektiv durch Nitroreduktion
ABSZESS-PENETRATION
Ausgezeichnet, Gewebe-/Serumverhältnis > 1

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Metallgeschmack, Übelkeit, Appetitlosigkeit, dunkler Urin
1–10 %
Diarrhö, Kopfschmerzen, Schwindel, Glossitis, orale Candidiasis
< 1 %
Periphere sensorische Neuropathie, Enzephalopathie und Kleinhirnataxie, Krampfanfälle, Pankreatitis