Herzstillstand durch Pneumothorax

Der Spannungspneumothorax gehört zu den vier „Ts“ der reversiblen Ursachen des Herzstillstands (Tension pneumothorax, Tamponade, Toxine, Thrombose). Er ist rasch behandelbar, wird aber im Reanimationsgeschehen leicht übersehen. Wer ihn erkennt und entlastet, kann einen scheinbar aussichtslosen Herzstillstand beenden.

Pneumothorax und Spannungspneumothorax

Ein Pneumothorax bezeichnet das Vorhandensein freier Luft im Pleuraspalt. Er kann gelegentlich harmlos verlaufen und auch bei Gesunden auftreten. Ein Spannungspneumothorax entsteht, wenn die Luftmenge so groß wird, dass durch den Überdruck die V. cava superior und inferior komprimiert werden und der venöse Rückstrom zum Herzen behindert oder aufgehoben wird. Es liegt dann ein obstruktiver Schock vor. Der Druck kann das gesamte Mediastinum verlagern, was äußerlich als Verlagerung der Trachea imponiert.

Ein Spannungspneumothorax kann auch durch Überdruckbeatmung entstehen: Ein zunächst unkomplizierter Pneumothorax kann unter Beatmung zum Spannungspneumothorax werden und den Kreislaufkollaps auslösen.

Ursachen

  • Traumatische Verletzungen (stumpfe Gewalt, Stich- und Schussverletzungen, Rippenserienfrakturen)
  • Asthmaanfälle
  • Iatrogene Ereignisse (z. B. Anlage eines zentralen Venenkatheters, Pleurapunktion, Biopsien)
  • Vorbestehende Lungenerkrankungen (z. B. COPD mit Emphysem, Bullae)
  • Überdruckbeatmung bei zuvor unbemerktem Pneumothorax

Diagnostik

Die Diagnose kann klinisch durch Auskultation gestellt werden: Es findet sich ein seitendifferentes Atemgeräusch, das auf der betroffenen Seite aufgehoben ist. Die Sonographie kann den Pneumothorax nachweisen (fehlendes Lungengleiten, fehlende B-Linien, ggf. Lungenpunkt) und die Auswirkung auf die Herzfunktion zeigen (siehe Sonographie und Echokardiographie bei Herzstillstand und Reanimation).

Klinisch können folgende Zeichen vorliegen:

  • Aufgehobenes Atemgeräusch auf der betroffenen Seite (ggf. hypersonorer Klopfschall)
  • Krepitation
  • Hautemphysem
  • Hypotonie
  • Hypoxie
  • Mediastinalverlagerung, ggf. mit Trachealdeviation zur Gegenseite
  • Gestaute Halsvenen

Die Trachealdeviation ist ein Spätzeichen und fehlt häufig. Unter laufender Reanimation sind Auskultation und Palpation durch Umgebungsgeräusche und Kompressionen nur eingeschränkt verwertbar, sodass die Sonographie an Bedeutung gewinnt. Bei einem beatmeten Patienten mit plötzlich ansteigendem Beatmungsdruck, sinkender Sauerstoffsättigung und Kreislaufinstabilität sollte immer an einen Spannungspneumothorax gedacht werden.

Abgrenzung von anderen Ursachen des obstruktiven Schocks

Befund Spannungspneumothorax Herzbeuteltamponade Lungenembolie
Halsvenen gestaut gestaut gestaut
Atemgeräusch einseitig abgeschwächt oder aufgehoben seitengleich seitengleich
Sonographie fehlendes Lungengleiten, Lungenpunkt Perikarderguss, Kompression der Herzhöhlen dilatierter rechter Ventrikel

Zur Tamponade siehe Herzstillstand bei Herzbeuteltamponade.

Therapie

Die Entlastung hat Vorrang. Thoraxkompressionen sind bei Spannungspneumothorax allein nicht wirksam, solange der Überdruck im Thorax besteht, und sollten die Entlastung nicht verzögern.

  • Dekompression mit einer Venenverweilkanüle
    • Kann bereits präklinisch durchgeführt werden.
    • Es sollte eine großlumige Kanüle verwendet werden, bevorzugt mit einer Länge von mindestens 7 cm.
    • Die Kanüle wird im 4. oder 5. Interkostalraum in der vorderen Axillarlinie eingeführt, am Oberrand der Rippe, um die Interkostalgefäße zu schonen.
  • Thorakostomie
    • Dieses Vorgehen gilt wegen des geringeren Verletzungsrisikos im Vergleich zur Nadel allgemein als sicherer. Die Thorakostomie sollte unmittelbar im Anschluss an die Nadeldekompression durchgeführt werden.
    • Die Thorakostomie mit Drainage wirkt in der Regel stabilisierend.

Praxistipps

  • Eine einzelne Nadel kann zu kurz sein oder abknicken. Bleibt die Wirkung aus und besteht der klinische Verdacht fort, ist eine Thorakostomie bzw. Thoraxdrainage anzuschließen.
  • Nach erfolgreicher Entlastung ist die Beatmung mit niedrigen Atemzugvolumina und Drücken fortzusetzen, um einen erneuten Spannungspneumothorax zu vermeiden.
  • Beim traumatischen Herzstillstand wird die Entlastung häufig beidseits durchgeführt (siehe Traumatischer Herzstillstand).
  • Beim Herzstillstand bei beatmeten Patienten mit Asthma oder COPD an eine dynamische Überblähung (Air-Trapping) denken. Sie ist klinisch ähnlich und wird durch kurzzeitiges Diskonnektieren vom Beatmungsgerät behandelt.

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Aktualisiert 17. Oktober 2026