Die fokussierte Sonographie am Patientenbett (Point-of-Care-Ultraschall, POCUS) ist bei der Reanimation ein diagnostisches Hilfsmittel, um reversible Ursachen des Herzstillstands rasch zu erkennen oder auszuschließen. Sie ersetzt weder die Beurteilung des Rhythmus im EKG noch die Pulskontrolle, kann aber gezielt Hinweise auf Perikardtamponade, Lungenembolie, Hypovolämie oder Pneumothorax liefern und die Unterscheidung zwischen pulsloser elektrischer Aktivität (PEA) und Pseudo-PEA ermöglichen.
Fokussierte Echokardiographie beim Herzstillstand
Bei der Reanimation umfasst die fokussierte Echokardiographie eine rasche Beurteilung der Kammerkontraktion und des Perikards durch eine erfahrene Untersucherin oder einen erfahrenen Untersucher. Die Untersuchung sollte nicht länger dauern als die ohnehin vorgesehene Unterbrechung der Thoraxkompressionen für die Rhythmusanalyse. Die ERC-Leitlinien 2021 empfehlen, die Pause auf höchstens 10 Sekunden zu begrenzen; die Untersuchung wird vorab geplant, und die Schallposition wird bereits während der laufenden Kompressionen vorbereitet.
Während laufender Thoraxkompressionen sind aussagekräftige Schallfenster schwer zu erzielen. Der subkostale (subxiphoidale) Zugang ist jedoch häufig auch in kurzen Kompressionspausen darstellbar, weil er die Kompressionen am wenigsten behindert. Das Anfertigen einer kurzen Videosequenz (Clip) erlaubt es, die Bilder nach der Pause in Ruhe auszuwerten, ohne die Kompressionspause zu verlängern.
Was die Untersuchung klären soll
| Befund | Mögliche Bedeutung | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|
| Perikarderguss mit Kompression des rechten Vorhofs oder Ventrikels | Herzbeuteltamponade | Ultraschallgesteuerte Perikardiozentese oder Notfallthorakotomie je nach Setting |
| Dilatierter rechter Ventrikel, Septumverlagerung nach links | Lungenembolie (geringe Spezifität) | Systemische Thrombolyse erwägen, ggf. eCPR |
| Kleiner, hyperkontraktiler linker Ventrikel, kollabierte Vena cava inferior | Hypovolämie, Blutung | Volumen- bzw. Blutersatz, Blutungsquelle suchen |
| Fehlende Kontraktionen bei vorhandener elektrischer Aktivität | Echte PEA, sehr schlechte Prognose | Weitere reversible Ursachen suchen |
| Organisierte Kontraktionen bei fehlendem tastbarem Puls | Pseudo-PEA (schwere Hypotonie) | Ursachenorientierte Behandlung, ggf. Vasopressoren |
| Fehlendes Pleuragleiten, Lungenpunkt | Pneumothorax (Lungensonographie) | Entlastung (Thorakostomie, Drainage) |
Rechter Ventrikel und Lungenembolie
Eine Vergrößerung des rechten Ventrikels spricht für eine Lungenembolie, ihre Spezifität ist jedoch gering, da auch andere Ursachen (z. B. chronische Rechtsherzbelastung, Lungenerkrankungen) und die Reanimationssituation selbst dazu führen können. Die Spezifität nimmt zu, wenn sich das Septum in den linken Ventrikel vorwölbt (Septal Bulging). Weitere Informationen zur Rechtsherzbelastung finden Sie im Artikel Rechtsventrikuläre Belastung, zur Lungenembolie im Artikel Akute Lungenembolie.
Herzbeuteltamponade
Mit der Sonographie am Patientenbett lässt sich eine Perikardtamponade unmittelbar erkennen. Ursachen einer Tamponade, die zum Herzstillstand führt, sind unter anderem Traumata, Myokardruptur, Eingriffe an Herz und Gefäßen, Tumoren und akute Aortendissektion Typ A mit Einblutung ins Perikard. Das Überleben ist bei einer Aortendissektion als Ursache leider sehr selten. Grundlagen zu Diagnostik und Entlastung finden Sie im Artikel Herztamponade: Erkennung und Perikardiozentese. Die Besonderheiten der Tamponade im Herzstillstand werden im Kursartikel Herzstillstand bei Herzbeuteltamponade behandelt.
Praxistipps und typische Fehler
- Die Sonographie darf die Qualität der Reanimation nicht beeinträchtigen: Kompressionspausen so kurz wie möglich halten, die Pause nie für eine ausgedehnte Untersuchung nutzen.
- Eine Person übernimmt die Untersuchung, eine andere ist für den Zeitgeber der Kompressionspause verantwortlich.
- Während der Kompressionen sind Bewegungen der Herzklappen und Kammerwand schwer zu beurteilen. Befunde sollten daher nur in der Pause bewertet werden.
- Ein Befund wird immer im klinischen Kontext interpretiert. Fehlende sichtbare Herzaktivität ist in Verbindung mit anderen Parametern (z. B. Kapnographie, Rhythmus, Dauer der Reanimation) ein Hinweis auf eine ungünstige Prognose, sollte aber nicht allein über den Abbruch der Reanimation entscheiden.
- Der Ultraschall ist bei erfahrenen Untersuchern ein Gewinn; ohne ausreichende Ausbildung überwiegt das Risiko längerer Unterbrechungen.