Klinische Anwendung
Diese Übersicht ist eine Kurzübersicht über intravenöse blutdrucksenkende Arzneimittel beim hypertensiven Notfall. Sie fasst Wirkmechanismus, Wirkeintritt, Wirkdauer, Dosierung, Nebenwirkungen und wichtige Vorsichtsmaßnahmen zusammen.
Ein hypertensiver Notfall ist definiert durch einen stark erhöhten Blutdruck in Kombination mit einer neu aufgetretenen oder fortschreitenden akuten Endorganschädigung. Häufige Manifestationen sind die hypertensive Enzephalopathie, die intrazerebrale Blutung, das akute Koronarsyndrom, die akute Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem, das akute Aortensyndrom, die akute Nierenschädigung, die mikroangiopathische Hämolyse sowie die schwere Präeklampsie oder Eklampsie. Der Blutdruck liegt häufig bei mindestens 180/120 mmHg, ein absoluter Grenzwert definiert den Zustand jedoch nicht. Ein rascher Blutdruckanstieg kann auch bei niedrigeren Werten eine schwere Organschädigung verursachen, insbesondere in der Schwangerschaft [1,2].
Die maligne Hypertonie ist nicht vollständig gleichbedeutend mit dem hypertensiven Notfall. Der Begriff bezeichnet eine schwere Hypertonie mit fortgeschrittener hypertensiver Retinopathie, meist mit retinalen Blutungen, Exsudaten, Cotton-Wool-Herden oder Papillenödem. Eine intravenöse Therapie ist erforderlich, wenn gleichzeitig eine akute lebensbedrohliche Organschädigung vorliegt. Eine isolierte maligne Retinopathie ohne weitere akute Organschädigung kann häufig zurückhaltender mit oralen Arzneimitteln unter sorgfältiger Beobachtung behandelt werden [3,4].
Ein stark erhöhter Blutdruck ohne akute Endorganschädigung soll normalerweise nicht rasch mit intravenösen Arzneimitteln gesenkt werden. Für eine solche Behandlung ist keine Prognoseverbesserung gezeigt, und sie kann Hypotonie, akute Nierenschädigung, Myokardischämie oder zerebrale Hypoperfusion verursachen. Schmerz, Angst, Harnverhalt, Hypoxie, das Absetzen von Medikamenten und eine fehlerhafte Blutdruckmessung sind zu korrigieren, bevor die Therapie intensiviert wird [1,2].
Die Evidenz dafür, dass ein bestimmtes intravenöses Arzneimittel die Sterblichkeit oder das langfristige Funktionsniveau verbessert, ist begrenzt. Eine Cochrane-Übersicht fand eine unzureichende randomisierte Datengrundlage, um zu entscheiden, welches Präparat das beste ist. Die Wahl richtet sich daher vor allem nach der Endorganschädigung, der Pharmakologie des Arzneimittels, der Komorbidität und der Möglichkeit einer sicheren Titration [5].
Verfügbarkeit in Schweden. Mehrere in dieser Übersicht genannte Arzneimittel sind in Schweden nicht routinemäßig im Handel und können eine Sondergenehmigung erfordern, unter anderem Clevidipin, Nicardipin, Fenoldopam, Enalaprilat, Phentolamin und Natriumnitroprussid. Die Verfügbarkeit kann sich ändern. Örtliches Sortiment, Zulassungs- beziehungsweise Genehmigungsstatus, Konzentration, Verdünnungsanweisung und den hausinternen Standard vor der Verordnung prüfen. (Auch im deutschsprachigen Raum unterscheidet sich das verfügbare Sortiment; die Handelsnamen sind hier so wiedergegeben, wie sie in der schwedischen Vorlage stehen.)
Grundprinzipien der Behandlung
Der Patient ist in einer Notaufnahme, auf einer Intensivstation, einer kardiologischen Intensiveinheit oder einer anderen Einheit zu versorgen, die engmaschige Blutdruckkontrollen und eine kontinuierliche Überwachung erlaubt. Ein arterieller Katheter ist häufig sinnvoll, wenn eine sehr rasche oder genaue Steuerung erforderlich ist, beispielsweise beim akuten Aortensyndrom, bei ausgeprägter neurologischer Organschädigung oder unter Therapie mit Natriumnitroprussid.
Bei den meisten hypertensiven Notfällen wird Folgendes angestrebt:
- Den arteriellen Mitteldruck in der ersten Stunde um höchstens etwa 20 bis 25 Prozent senken.
- Danach, sofern der Patient stabil ist, den Blutdruck in den folgenden 2 bis 6 Stunden auf etwa 160/100 bis 110 mmHg senken.
- Ist die Endorganschädigung stabilisiert, kann der Blutdruck in den folgenden 24 bis 48 Stunden vorsichtig weiter gesenkt werden [3,4,6].
Dies ist ein allgemeines Prinzip, kein universelles Ziel. Eine chronische Hypertonie verschiebt die Autoregulation in Gehirn und Nieren zu höheren Drücken. Eine zu rasche Normalisierung kann deshalb eine zerebrale, koronare oder renale Ischämie verursachen. Neurologischer Status, Urinproduktion, Kreatinin, Säure-Basen-Status und Zeichen einer Myokardischämie sind während der Behandlung zu verfolgen [4,6].
Wichtige Ausnahmen
| Zustand | Übergeordnete Strategie | Häufige Erstlinienoptionen |
|---|---|---|
| Akutes Aortensyndrom | Sofortige Frequenzkontrolle und rasche Senkung des systolischen Blutdrucks auf 100 bis 120 mmHg, sofern die Organperfusion es zulässt | Zuerst Esmolol oder Labetalol, danach bei Bedarf ein Vasodilatator |
| Hypertensive Enzephalopathie | Den arteriellen Mitteldruck in den ersten Stunden um höchstens 20 bis 25 Prozent senken | Nicardipin oder Labetalol |
| Intrazerebrale Blutung | Bei einem systolischen Blutdruck von 150 bis 220 mmHg ist ein Ziel um 140 mmHg häufig sinnvoll. Ein routinemäßiges Ziel unter 140 mmHg vermeiden | Nicardipin, Clevidipin oder Labetalol |
| Akuter ischämischer Schlaganfall ohne Reperfusionstherapie | In der Regel auf eine akute Senkung verzichten, wenn der Blutdruck unter 220/120 mmHg liegt und keine andere behandlungsbedürftige Organschädigung besteht | Bei Bedarf Nicardipin oder Labetalol |
| Thrombolyse beim ischämischen Schlaganfall | Vor der Behandlung unter 185/110 mmHg, danach am ersten Tag unter 180/105 mmHg | Nicardipin, Clevidipin oder Labetalol |
| Hypertensives Lungenödem | Rasche Reduktion von Vor- und Nachlast, gleichzeitig Atemunterstützung | Nitroglycerin, mitunter Clevidipin oder Nitroprussid |
| Akutes Koronarsyndrom | Die Ischämie lindern und die Nachlast senken, ohne den diastolischen Druck zu stark zu senken | Nitroglycerin, bei geeigneter Hämodynamik auch Betablocker |
| Präeklampsie oder Eklampsie | Einen anhaltenden Blutdruck von mindestens 160/110 mmHg unverzüglich behandeln | Labetalol, Hydralazin oder orales Nifedipin |
| Phäochromozytomkrise | Alphablockade vor reiner Betablockade | Phentolamin, danach bei Bedarf Betablockade |
| Sympathomimetische Intoxikation | Zuerst Sedierung und Verminderung der zentralen Sympathikusstimulation | Benzodiazepin, danach Nitrat, Phentolamin oder ein anderer Vasodilatator |
Bei der intrazerebralen Blutung hat eine intensivere Senkung auf etwa 140 mmHg die Sterblichkeit nicht deutlich verringert, kann aber die Hämatomexpansion vermindern und eine geringe Verbesserung des funktionellen Ergebnisses bewirken. Eine Senkung unter 140 mmHg hat dagegen keinen zusätzlichen Nutzen gezeigt und hat in einigen Studien das Risiko renaler Komplikationen erhöht [7].
Beim akuten ischämischen Schlaganfall ohne Reperfusionstherapie kann eine frühe Blutdrucksenkung die Perfusion der Penumbra verschlechtern. Eine Cochrane-Übersicht fand durch eine akute Blutdrucksenkung keine generelle Verringerung von Tod oder funktioneller Abhängigkeit [8]. Nach erfolgreicher Thrombektomie sollte der systolische Blutdruck in der Regel höchstens 180 mmHg betragen, während eine aggressive Senkung unter 140 mmHg das funktionelle Ergebnis verschlechtern kann [7].
Bei der Subarachnoidalblutung ist die Datengrundlage für ein spezifisches Blutdruckziel sehr schwach. Die Behandlung ist in Absprache mit der Neurochirurgie oder der Neurointervention zu individualisieren, unter Berücksichtigung des Nachblutungsrisikos, der zerebralen Perfusion und der Frage, ob das Aneurysma versorgt ist [9].
Schnellauswahl der Arzneimittel
| Klinische Situation | Geeignete Optionen | Meiden oder mit besonderer Vorsicht anwenden |
|---|---|---|
| Neurologischer Notfall | Nicardipin, Clevidipin, Labetalol | Nitroglycerin und Nitroprussid bei erhöhtem intrakraniellem Druck |
| Akutes Aortensyndrom | Esmolol oder Labetalol, danach Nicardipin, Clevidipin oder Nitroprussid | Ein reiner Vasodilatator vor der Frequenzkontrolle |
| Lungenödem oder akutes Koronarsyndrom | Nitroglycerin | Betablocker bei akut dekompensierter Herzinsuffizienz |
| Bradykardie oder AV-Block | Nicardipin, Clevidipin | Esmolol, Labetalol, Metoprolol, Clonidin |
| Asthma oder Bronchospasmus | Nicardipin, Clevidipin | Labetalol und andere Betablocker |
| Eingeschränkte Nierenfunktion | Nicardipin, Clevidipin, Labetalol | Nitroprussid bei längerer Behandlung |
| Schwangerschaft | Labetalol, Hydralazin, orales Nifedipin | Enalaprilat, Nitroprussid, sofern sicherere Alternativen bestehen |
| Phäochromozytomkrise | Phentolamin | Reine Betablockade vor der Alphablockade |
| Kokain oder Amphetamin | Zuerst Benzodiazepin, danach Nitrat oder Phentolamin | Reine Betablockade in der Akutphase |
| Hochgradige Aortenklappenstenose | Vorsichtige individuelle Titration | Clevidipin und andere starke Vasodilatatoren können eine kritische Hypotonie verursachen |
Calciumantagonisten
Clevidipin
Clevidipin ist ein ultrakurz wirksames Dihydropyridin, das vor allem die Arteriolen dilatiert. Es senkt den systemischen Gefäßwiderstand und die Nachlast mit geringer direkter Wirkung auf die venöse Kapazität, das Reizleitungssystem und die myokardiale Kontraktilität. Die Substanz wird rasch durch Esterasen in Blut und Gewebe hydrolysiert, unabhängig von Nieren- und Leberfunktion [10].
| Eigenschaft | Clevidipin |
|---|---|
| Handelsname | Cleviprex® |
| Geeignete Situationen | Neurologischer hypertensiver Notfall, perioperative Hypertonie, Niereninsuffizienz, Bedarf an sehr rascher Titration |
| Wirkeintritt | Etwa 2 bis 4 Minuten |
| Wirkdauer nach Beendigung | Etwa 5 bis 15 Minuten |
| Anwendung | Kontinuierliche intravenöse Infusion |
| Startdosis | 1 bis 2 mg/Stunde |
| Titration | Die Dosis kann initial etwa alle 90 Sekunden verdoppelt werden. Nähert sich der Blutdruck dem Ziel, werden kleinere Dosisschritte verwendet, üblicherweise 1 bis 2 mg/Stunde alle 5 bis 10 Minuten |
| Übliche Erhaltungsdosis | 4 bis 6 mg/Stunde, häufig sind jedoch höhere Dosen erforderlich |
| Höchste untersuchte Dosis | 32 mg/Stunde. Wegen der Lipidbelastung werden normalerweise höchstens 1 000 ml Emulsion pro Tag empfohlen, was einer durchschnittlichen Dosis von 21 mg/Stunde über 24 Stunden entspricht |
| Häufige Nebenwirkungen | Kopfschmerz, Übelkeit, Hypotonie, Reflextachykardie |
| Weitere Risiken | Hypertriglyzeridämie, Vorhofflimmern, mögliche Verschlechterung einer Herzinsuffizienz |
| Kontraindikationen | Allergie gegen Soja oder Ei, ausgeprägte Störung des Lipidstoffwechsels, hochgradige Aortenklappenstenose |
| Monitoring | Blutdruck und Herzfrequenz kontinuierlich. Die übrige Zufuhr von Lipidemulsionen beachten, etwa parenterale Ernährung oder Propofol |
In VELOCITY wurden Patienten mit einem systolischen Blutdruck über 180 mmHg untersucht. Etwa 90 Prozent erreichten den individuell festgelegten Zielbereich innerhalb von 30 Minuten. In einer kleinen Subgruppe mit mittelschwerer bis schwerer Nierenfunktionseinschränkung betrug die mediane Zeit bis zum Zielwert 8,5 Minuten, ohne Hinweise auf eine systematische Übersenkung [11].
ECLIPSE umfasste Patienten mit perioperativer Hypertonie in der Herzchirurgie. Clevidipin hielt den Blutdruck besser innerhalb des vorab festgelegten Bereichs als Nitroglycerin und Nitroprussid und etwa ebenso gut wie Nicardipin. Die Studie zeigt nicht, dass Clevidipin bei allen hypertensiven Notfällen generell überlegen ist, da die Population überwiegend aus herzchirurgischen Patienten bestand [12].
Nicardipin
Nicardipin ist ein Dihydropyridin, das hauptsächlich zu einer arteriolären Dilatation führt. Die Behauptung, Nicardipin bewirke mehr Venodilatation als arterioläre Dilatation, ist falsch. Das Präparat senkt den systemischen Gefäßwiderstand und die Nachlast und wirkt gut im zerebralen und koronaren Gefäßbett.
| Eigenschaft | Nicardipin |
|---|---|
| Handelsname | Cardene® |
| Geeignete Situationen | Hypertensive Enzephalopathie, intrazerebrale Blutung, ischämischer Schlaganfall bei indizierter Senkung, akute Nierenschädigung, perioperative Hypertonie |
| Wirkeintritt | Etwa 5 bis 15 Minuten |
| Wirkdauer nach Beendigung | Meist 30 Minuten bis 4 Stunden, nach protrahierter Infusion mitunter länger |
| Anwendung | Kontinuierliche intravenöse Infusion |
| Startdosis | 5 mg/Stunde |
| Titration | Steigerung um 2,5 mg/Stunde alle 5 bis 15 Minuten |
| Maximaldosis | 15 mg/Stunde |
| Nebenwirkungen | Kopfschmerz, Flush, Übelkeit, peripheres Ödem, Hypotonie und Reflextachykardie |
| Vorsicht | Akut dekompensierte Herzinsuffizienz, hochgradige Aortenklappenstenose und bestehende Myokardischämie mit Tachykardie |
| Praktischer Nachteil | Die Wirkung klingt langsamer ab als bei Clevidipin, was nach Beendigung der Infusion eine fortbestehende Hypotonie verursachen kann |
In einem randomisierten Vergleich erreichten 91,4 Prozent der Patienten unter Nicardipin ihr vorab festgelegtes systolisches Ziel innerhalb von 30 Minuten, gegenüber 76,1 Prozent unter intermittierenden Labetalol-Boli. Der Unterschied kann teilweise darauf beruhen, dass eine kontinuierliche Infusion mit einer Bolusbehandlung verglichen wurde. Die Studie war weder auf Sterblichkeit noch auf funktionelle Endpunkte ausgelegt, und viele Teilnehmer hatten eine vermutete, nicht gesicherte Endorganschädigung [13].
ACE-Hemmer
Enalaprilat
Enalaprilat ist der aktive Metabolit von Enalapril. Die Wirkung hängt von der Reninaktivität und dem intravasalen Volumen ab und kann deshalb bei akuter Erkrankung ausgesprochen schwer vorhersehbar sein. Das Präparat hat eine lange Wirkdauer und eignet sich schlecht, wenn der Blutdruck von Minute zu Minute angepasst werden muss.
| Eigenschaft | Enalaprilat |
|---|---|
| Handelsname | Vasotec IV® |
| Anwendung | Beim hypertensiven Notfall selten begründet. Kann in ausgewählten Fällen mit hoher Reninaktivität erwogen werden, wenn kurzwirksame titrierbare Alternativen fehlen |
| Wirkeintritt | Etwa 15 Minuten |
| Maximale Wirkung | Häufig nach 1 bis 4 Stunden |
| Wirkdauer | Etwa 6 bis 12 Stunden, mitunter bis zu 24 Stunden |
| Dosis | 1,25 mg intravenös über 5 Minuten. Kann alle 6 Stunden wiederholt werden. Eine niedrigere Startdosis, beispielsweise 0,625 mg, sollte bei Hypovolämie, gleichzeitiger Diuretikatherapie oder Niereninsuffizienz erwogen werden |
| Nebenwirkungen | Lang anhaltende Hypotonie, Hyperkaliämie, Verschlechterung der Nierenfunktion und Angioödem |
| Kontraindikationen | Schwangerschaft, früheres ACE-Hemmer-induziertes Angioödem und beidseitige Nierenarterienstenose |
| Meiden | Akute Nierenschädigung, Hypovolämie, Hyperkaliämie, akuter Myokardinfarkt mit instabiler Hämodynamik und Situationen, die eine rasche Reversibilität erfordern |
Die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Systems bei maligner Hypertonie und Drucknatriurese kann den Patienten sehr empfindlich gegenüber einer ACE-Hemmung machen. Kurzwirksame, titrierbare Präparate sind daher in der Initialphase normalerweise sicherer [4,14].
Betablocker
Esmolol
Esmolol ist ein relativ beta-1-selektiver Betablocker mit sehr kurzer Halbwertszeit. Es wird durch Esterasen in den Erythrozyten metabolisiert, und die Wirkung ist im Wesentlichen unabhängig von Nieren- und Leberfunktion. Die vollständige Erholung von der Betablockade tritt in der Regel innerhalb von 20 bis 30 Minuten nach Beendigung der Infusion ein [15].
| Eigenschaft | Esmolol |
|---|---|
| Handelsname | Brevibloc® |
| Erstlinienindikation | Akutes Aortensyndrom mit Tachykardie oder hoher Kontraktilität |
| Weitere Anwendung | Perioperative Hypertonie, supraventrikuläre Tachykardie und ausgewählte Fälle akuter Myokardischämie |
| Wirkeintritt | Etwa 1 bis 2 Minuten nach der Aufsättigungsdosis |
| Wirkdauer nach Beendigung | Etwa 20 bis 30 Minuten |
| Aufsättigungsdosis | 500 Mikrogramm/kg intravenös über 1 Minute. Bei sehr fragiler Hämodynamik kann eine Infusion ohne Aufsättigungsdosis geeigneter sein |
| Startinfusion | 50 Mikrogramm/kg/Minute |
| Titration | Schrittweise steigern, häufig auf 100, 150 und 200 Mikrogramm/kg/Minute |
| Maximaldosis | Üblicherweise 200 Mikrogramm/kg/Minute zur Blutdruckkontrolle. In manchen Protokollen werden Dosen bis 300 Mikrogramm/kg/Minute verwendet |
| Nebenwirkungen | Hypotonie, Bradykardie, AV-Block, Übelkeit, Bronchospasmus und vermindertes Herzzeitvolumen |
| Kontraindikationen | Kardiogener Schock, ausgeprägte Bradykardie, höhergradiger AV-Block ohne Schrittmacher und akut dekompensierte Herzinsuffizienz |
| Vorsicht | Asthma, periphere Hypoperfusion und gleichzeitige Behandlung mit anderen negativ chronotropen Arzneimitteln |
Beim akuten Aortensyndrom ist die Frequenzkontrolle normalerweise zu etablieren, bevor ein reiner Vasodilatator ergänzt wird. Andernfalls können Reflextachykardie und eine gesteigerte linksventrikuläre Auswurfkraft die Scherkräfte in der Aortenwand erhöhen [6].
Labetalol
Labetalol blockiert Beta-1-, Beta-2- und Alpha-1-Rezeptoren. Es senkt Blutdruck und Herzfrequenz, ohne im selben Maß eine Reflextachykardie hervorzurufen wie ein reiner Vasodilatator. Die Wirkung nach einem Bolus kann mehrere Stunden anhalten, was das Präparat weniger fein steuerbar macht als Esmolol.
| Eigenschaft | Labetalol |
|---|---|
| Handelsname | Trandate® |
| Geeignete Situationen | Hypertensive Enzephalopathie, Schlaganfall, akutes Aortensyndrom, perioperative Hypertonie und schwere Hypertonie in der Schwangerschaft |
| Wirkeintritt | Etwa 2 bis 5 Minuten |
| Maximale Wirkung | Meist nach 5 bis 15 Minuten |
| Wirkdauer | Etwa 2 bis 4 Stunden |
| Bolusschema | 20 mg intravenös über 2 Minuten. Danach 20 bis 80 mg alle 10 Minuten nach Wirkung |
| Maximale kumulative Dosis | Üblicherweise 300 mg |
| Infusionsschema | 0,5 bis 2 mg/Minute |
| Nebenwirkungen | Hypotonie, Bradykardie, AV-Block, Übelkeit, Schwindel, Orthostase, Parästhesien der Kopfhaut und Bronchospasmus |
| Kontraindikationen | Schweres Asthma oder aktiver Bronchospasmus, höhergradiger AV-Block, ausgeprägte Bradykardie, kardiogener Schock und akut dekompensierte Herzinsuffizienz |
| Vorsicht | Eingeschränkte Leberfunktion und periphere Gefäßerkrankung |
Beim Phäochromozytom ist eine ausreichende Alphablockade vor einer reinen Betablockade zu etablieren. Die alphablockierende Wirkung von Labetalol ist im Vergleich zur Betablockade relativ schwach, und das Präparat darf bei einer ausgeprägten Katecholaminkrise nicht als sicherer Ersatz für eine adäquate Alphablockade betrachtet werden [16].
Bei kokain- oder amphetamininduzierter Sympathikusaktivierung sind Benzodiazepine die Erstlinientherapie. Nitrate oder Phentolamin können bei fortbestehender Hypertonie oder Koronarspasmus ergänzt werden. Eine reine Betablockade sollte in der Akutphase gemieden werden, da sie theoretisch die alpharezeptorvermittelte Vasokonstriktion verstärken kann [17].
Metoprolol
Metoprolol ist ein beta-1-selektiver Betablocker, aber kein routinemäßiges Erstlinienmittel beim hypertensiven Notfall. Die Wirkung ist länger anhaltend und weniger gut steuerbar als die von Esmolol.
| Eigenschaft | Metoprolol |
|---|---|
| Handelsname | Seloken®, Lopressor® |
| Geeignete Anwendung | Begleitende Tachykardie oder Myokardischämie, wenn eine Betablockade indiziert ist und der Bedarf an sekundenschneller Titration gering ist |
| Wirkeintritt | Etwa 5 bis 20 Minuten |
| Wirkdauer | Mehrere Stunden |
| Dosis | 2,5 bis 5 mg intravenös langsam. Kann in Abständen von etwa 5 Minuten bis zu insgesamt 15 mg wiederholt werden, je nach Indikation und lokalem Protokoll |
| Nebenwirkungen | Bradykardie, Hypotonie, AV-Block, Bronchospasmus und Verschlechterung einer Herzinsuffizienz |
| Meiden | Akutes Lungenödem, kardiogener Schock, ausgeprägte Bradykardie und höhergradiger AV-Block |
Metoprolol darf nicht allein zur Behandlung eines hohen Blutdruckwerts eingesetzt werden. Beim akuten Aortensyndrom sind Esmolol oder Labetalol in der Regel besser dokumentiert und praktisch besser steuerbar.
Dopaminagonisten
Fenoldopam
Fenoldopam ist ein peripherer Dopamin-1-Rezeptoragonist. Es bewirkt eine arterioläre Vasodilatation und steigert die renale Durchblutung, die Natriurese und die Diurese. Im Vergleich zu Nitroprussid fehlt die Cyanidproblematik. Ein gesicherter nierenprotektiver Effekt auf klinische Endpunkte ist jedoch nicht gezeigt [18].
| Eigenschaft | Fenoldopam |
|---|---|
| Handelsname | Corlopam® |
| Mögliche Anwendung | Hypertensiver Notfall, insbesondere bei begleitender Nierenfunktionseinschränkung, sofern das Präparat verfügbar ist |
| Wirkeintritt | Etwa 5 Minuten |
| Wirkdauer nach Beendigung | Etwa 30 bis 60 Minuten |
| Startdosis | 0,1 Mikrogramm/kg/Minute |
| Titration | Steigerung um 0,05 bis 0,1 Mikrogramm/kg/Minute in Abständen von mindestens 15 Minuten |
| Maximaldosis | 1,6 Mikrogramm/kg/Minute |
| Nebenwirkungen | Kopfschmerz, Flush, Tachykardie, Übelkeit und Hypokaliämie |
| Vorsicht | Glaukom oder erhöhter Augeninnendruck, Tachykardie und Myokardischämie |
| Kommentar | Kann den Augeninnendruck erhöhen. Eine Reflextachykardie kann die Anwendung bei koronarer Herzkrankheit einschränken |
Zentral wirksame Alpha-2-Agonisten
Clonidin
Clonidin vermindert den zentralen Sympathikotonus über die Stimulation von Alpha-2-Rezeptoren. Das Präparat kann den Blutdruck wirksam senken, ist aber kein routinemäßiges Erstlinienmittel beim hypertensiven Notfall. Die Wirkung ist weniger vorhersehbar als bei titrierbaren Infusionen, und die Sedierung kann die neurologische Überwachung erschweren.
| Eigenschaft | Clonidin |
|---|---|
| Handelsname | Catapresan®, Catapres® |
| Mögliche Anwendung | Ausgewählte Situationen mit Sympathikusaktivierung, Entzug oder wenn das Absetzen von Clonidin zur Hypertonie beigetragen hat |
| Anwendung | Intravenös, intramuskulär, oral oder transdermal je nach Zubereitung |
| Intravenöse Dosis | 150 Mikrogramm werden gemäß Produktinformation verdünnt und langsam über 5 bis 10 Minuten gegeben |
| Orale Dosierung | Individuell. Orales Clonidin darf nicht als rasche, wiederholte Behandlung zur Normalisierung eines asymptomatisch hohen Blutdrucks verwendet werden |
| Nebenwirkungen | Sedierung, Mundtrockenheit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Hypotonie, Bradykardie, AV-Block und Obstipation |
| Kontraindikationen | Ausgeprägte Bradykardie und relevante Reizleitungsstörung |
| Interaktionen | Alkohol und andere Sedativa verstärken die ZNS-Dämpfung. Trizyklische Antidepressiva können die blutdrucksenkende Wirkung abschwächen |
| Absetzen | Ein abruptes Absetzen kann eine Rebound-Hypertonie verursachen. Ausschleichen, sobald es die klinische Situation zulässt |
Clonidin kann bei Verdacht auf einen Schlaganfall, bei Enzephalopathie oder in anderen Situationen ungeeignet sein, in denen wiederholte Beurteilungen der Bewusstseinslage zentral sind. Bei Niereninsuffizienz kann die Elimination verlängert sein, weshalb die Dosierung zu individualisieren ist, auch wenn nicht immer eine einfache standardisierte Dosisreduktion angegeben wird.
Stickstoffmonoxid-Donatoren
Nitroglycerin
Nitroglycerin wird zu Stickstoffmonoxid umgewandelt und erhöht die Menge an zyklischem GMP in der glatten Gefäßmuskulatur. Niedrige Dosen bewirken vor allem eine Venodilatation und eine Senkung der Vorlast. Höhere Dosen bewirken zusätzlich eine arterioläre Dilatation und eine Senkung der Nachlast. Das Präparat ist besonders beim hypertensiven Lungenödem und beim akuten Koronarsyndrom nützlich [19].
| Eigenschaft | Nitroglycerin |
|---|---|
| Handelsname | Glytrin®, Nitrolingual®, Suscard® und mehrere intravenöse Zubereitungen |
| Erstlinienindikationen | Akutes Lungenödem, akutes Koronarsyndrom mit Hypertonie und perioperative Myokardischämie |
| Wirkeintritt intravenös | Etwa 1 bis 3 Minuten |
| Wirkdauer nach Beendigung | Etwa 5 bis 10 Minuten |
| Startdosis der Infusion | 5 bis 10 Mikrogramm/Minute |
| Titration | Steigerung um 5 bis 20 Mikrogramm/Minute alle 3 bis 5 Minuten nach Blutdruck, Symptomen und Nebenwirkungen |
| Üblicher Dosisbereich | 10 bis 200 Mikrogramm/Minute |
| Hochdosistherapie | Beim hypertensiven akuten Lungenödem werden in manchen Protokollen 200 bis 400 Mikrogramm/Minute oder wiederholte intravenöse Boli verwendet. Dies erfordert erfahrenes Personal, kontinuierliche Überwachung und ein lokales Protokoll |
| Nebenwirkungen | Kopfschmerz, Flush, Hypotonie, Reflextachykardie, Übelkeit und selten Methämoglobinämie |
| Toleranz | Kann sich bei kontinuierlicher oder regelmäßiger Exposition entwickeln |
| Kontraindikationen | Gleichzeitiger Phosphodiesterase-5-Hemmer, ausgeprägte Hypotonie, vorlastabhängiger Rechtsherzinfarkt und hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie |
| Neurologie | Bei erhöhtem intrakraniellem Druck oder hypertensiver Enzephalopathie nicht als Routinemittel verwenden |
Sildenafil und Vardenafil innerhalb des letzten Tages sowie Tadalafil innerhalb der letzten 48 Stunden sind üblicherweise Kontraindikationen, die Zeitgrenze ist jedoch anhand von Präparat, Dosis, Nierenfunktion und hausinternem Standard zu beurteilen.
Ein Sublingualspray oder eine Sublingualtablette kann als vorübergehende Überbrückung bei ischämischem Thoraxschmerz oder hypertensivem Lungenödem verwendet werden, wenn die intravenöse Therapie noch nicht vorbereitet ist. Eine Dosis von 0,4 mg ist jedoch pharmakokinetisch nicht gleichwertig mit einer bestimmten Menge intravenösen Nitroglycerins. Resorption, Bioverfügbarkeit und klinische Wirkung variieren, und die früher angegebene Umrechnung in zehn Minuten Infusion bei einer 75 kg schweren Person darf daher nicht zur Dosierung verwendet werden.
Hochdosierte Nitrate beim akuten hypertensiven Lungenödem können den Intubationsbedarf senken, die Datengrundlage besteht jedoch überwiegend aus kleineren und heterogenen Studien. Nitroglycerin ist mit einer geeigneten Atemunterstützung zu kombinieren, häufig mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck oder Bilevel-Beatmung [19,20].
Natriumnitroprussid
Natriumnitroprussid setzt Stickstoffmonoxid frei und dilatiert sowohl Arteriolen als auch Venen. Das Präparat senkt Vor- und Nachlast sehr rasch. Es ist potent und leicht zu titrieren, hat aber ein deutlich problematischeres Toxizitätsprofil als Nicardipin und Clevidipin [21].
| Eigenschaft | Natriumnitroprussid |
|---|---|
| Handelsname | Nipride®, Nitropress® |
| Mögliche Anwendung | Akutes Aortensyndrom nach Betablockade, schwere akute Herzinsuffizienz und andere refraktäre hypertensive Notfälle, wenn geeignetere Alternativen fehlen |
| Wirkeintritt | Sekunden bis 1 Minute |
| Wirkdauer nach Beendigung | Etwa 1 bis 10 Minuten |
| Startdosis | 0,3 bis 0,5 Mikrogramm/kg/Minute |
| Titration | In kleinen Schritten nach kontinuierlich gemessenem Blutdruck steigern |
| Üblicher Dosisbereich | 0,5 bis 3 Mikrogramm/kg/Minute |
| Maximaldosis | 10 Mikrogramm/kg/Minute, nur für höchstens 10 Minuten |
| Anwendung | Kontinuierliche Infusion mit Lichtschutz gemäß Produktinformation |
| Nebenwirkungen | Ausgeprägte Hypotonie, Übelkeit, Agitation, Schwitzen, Tachykardie und metabolische Azidose |
| Organperfusion | Kann den intrakraniellen Druck erhöhen, das Ventilations-Perfusions-Verhältnis verschlechtern und die koronare Perfusion ungünstig beeinflussen |
| Toxizität | Cyanid und Thiocyanat können akkumulieren. Die Risiken steigen mit hoher Dosis und langer Behandlungsdauer |
Cyanid wird beim Metabolismus freigesetzt und hemmt die mitochondriale oxidative Phosphorylierung. An eine Toxizität ist zu denken bei unerklärter Laktatazidose, sinkender Bewusstseinslage, Tachykardie, steigender venöser Sauerstoffsättigung oder nachlassender Blutdruckwirkung trotz Dosissteigerung. Infusionsraten über 2 Mikrogramm/kg/Minute können die Entgiftungskapazität des Körpers für Cyanid überschreiten, insbesondere bei längerer Behandlung oder eingeschränkter Leberfunktion [21].
Thiocyanat entsteht bei der Umwandlung von Cyanid und wird über die Nieren ausgeschieden. Eine Niereninsuffizienz erhöht daher vor allem das Risiko einer Thiocyanatakkumulation bei längerer Behandlung. Neurologische Symptome, Tinnitus, Verwirrtheit und Krampfanfälle können auftreten. Nitroprussid ist in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich anzuwenden.
Bei Verdacht auf eine Cyanidtoxizität ist die Infusion unverzüglich abzubrechen und die Toxikologie zu kontaktieren. Natriumthiosulfat und Hydroxocobalamin sind mögliche Antidote. Wahl und Dosierung müssen dem lokalen Vergiftungsprotokoll folgen. Eine prophylaktische begleitende Thiosulfattherapie kommt in manchen Einrichtungen vor, macht die Überwachung aber nicht entbehrlich.
Nitroprussid ist nach Möglichkeit zu meiden bei erhöhtem intrakraniellem Druck, akutem Koronarsyndrom, ausgeprägter Nieren- oder Leberfunktionseinschränkung und in der Schwangerschaft. Die hereditäre Optikusneuropathie Leber bedingt eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Cyanid und ist eine Kontraindikation.
Weitere Arzneimittel
Phentolamin
Phentolamin ist ein kurzwirksamer, nichtselektiver Alpha-Adrenozeptor-Antagonist. Es ist vor allem für katecholaminbedingte Zustände vorgesehen, nicht für die routinemäßige Behandlung der essenziellen Hypertonie.
| Eigenschaft | Phentolamin |
|---|---|
| Handelsname | Regitin®, Rogitine® |
| Erstlinienindikation | Phäochromozytom- oder Paragangliomkrise |
| Weitere Anwendung | Schwere sympathomimetische Hypertonie und Paravasat alpha-adrenerger Vasopressoren |
| Wirkeintritt | Etwa 1 bis 2 Minuten |
| Wirkdauer | Etwa 10 bis 30 Minuten |
| Bolusdosis | 5 mg intravenös. Kann etwa alle 10 Minuten nach Wirkung wiederholt werden |
| Infusion | 0,5 bis 1 mg/Minute wurden in Spezialprotokollen verwendet. Dem hausinternen Standard folgen |
| Nebenwirkungen | Hypotonie, Reflextachykardie, Arrhythmie, Kopfschmerz, Flush, Übelkeit und Angina pectoris |
| Vorsicht | Koronare Herzkrankheit, Hypovolämie und akute Herzinsuffizienz |
Bei Phäochromozytom und Paragangliom ist eine Betablockade, sofern sie wegen Tachykardie oder Arrhythmie erforderlich ist, erst nach ausreichender Alphablockade einzuführen. Eine Betablockade vor der Alphablockade kann zu einer unopponierten Alpharezeptorstimulation mit weiterer Vasokonstriktion und Blutdruckanstieg führen [16,22].
Hydralazin
Hydralazin bewirkt eine direkte arterioläre Dilatation, hat aber keine Wirkung auf die venösen Kapazitätsgefäße. Die Wirkung nach einem Bolus kann schwer vorhersehbar und relativ lang anhaltend sein. Reflextachykardie und gesteigerter myokardialer Sauerstoffverbrauch begrenzen die Anwendung außerhalb der Geburtshilfe.
| Eigenschaft | Hydralazin |
|---|---|
| Handelsname | Apresolin® |
| Wesentliche akute Indikation | Schwere Hypertonie bei Präeklampsie oder Eklampsie gemäß geburtshilflichem Protokoll |
| Wirkeintritt intravenös | Etwa 10 bis 20 Minuten |
| Wirkdauer | Etwa 2 bis 6 Stunden |
| Geburtshilfliche Dosis | 5 bis 10 mg intravenös über etwa 2 Minuten. Kann nach etwa 20 Minuten mit 5 bis 10 mg wiederholt werden |
| Übliche maximale kumulative intravenöse Dosis im akuten geburtshilflichen Protokoll | 20 mg |
| Intramuskuläre Alternative | 10 mg, mit möglicher Wiederholung gemäß geburtshilflichem Standard |
| Nebenwirkungen | Reflextachykardie, Kopfschmerz, Flush, Übelkeit, Hypotonie und Angina pectoris |
| Meiden oder mit großer Vorsicht anwenden | Akutes Koronarsyndrom, Aortendissektion, Tachykardie, akutes Lungenödem und intrakranielle Erkrankungen, bei denen eine exakte Titration erforderlich ist |
Die früher angegebenen Dosen von 10 bis 40 mg intravenös alle vier bis sechs Stunden und eine Infusion bis 25 mg/Stunde sind als allgemeine Behandlung des hypertensiven Notfalls nicht geeignet. Sie bergen das Risiko einer Kumulation und einer schwer steuerbaren Hypotonie. Außerhalb der Geburtshilfe gibt es meist besser vorhersehbare Alternativen.
Schwangerschaft und Eklampsie
Eine akute schwere Hypertonie in der Schwangerschaft ist üblicherweise definiert als ein anhaltender systolischer Blutdruck von mindestens 160 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck von mindestens 110 mmHg. Die Behandlung sollte unverzüglich, in der Regel innerhalb einer Stunde, begonnen werden, um das Risiko einer intrazerebralen Blutung und anderer maternaler Komplikationen zu senken [23,24].
Intravenöses Labetalol, intravenöses Hydralazin und orales Nifedipin sind etablierte Erstlinienoptionen. Systematische Vergleiche zeigen keine gesicherte generelle Überlegenheit eines Präparats, auch wenn orales Nifedipin in mehreren Analysen eine rasche und zuverlässige Blutdruckkontrolle bewirkt hat [23,25].
| Arzneimittel | Beispiel für ein akutes Schema |
|---|---|
| Labetalol | 20 mg intravenös, danach 40 mg nach 10 Minuten und 80 mg nach weiteren 10 Minuten, wenn der Blutdruck fortbesteht, höchstens 220 bis 300 mg je nach lokalem Protokoll |
| Hydralazin | 5 bis 10 mg intravenös, danach 5 bis 10 mg nach etwa 20 Minuten, üblicherweise höchstens 20 mg |
| Nifedipin | 10 mg oral als schnell freisetzende Zubereitung, kann nach 20 Minuten gemäß geburtshilflichem Protokoll wiederholt werden. Muss geschluckt und darf nicht sublingual gegeben werden |
Bei der Eklampsie ist Magnesiumsulfat die Erstlinientherapie, um Krampfanfälle zu durchbrechen und zu verhindern. Die Blutdrucksenkung ersetzt kein Magnesiumsulfat, und Magnesiumsulfat ersetzt keine Blutdrucktherapie. Die definitive Behandlung ist die Entbindung nach maternaler Stabilisierung [26].
ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Nitroprussid sollte wegen des Risikos einer fetalen Cyanid- und Thiocyanatexposition gemieden werden, sofern sicherere Alternativen bestehen. Labetalol ist bei Asthma, Bradykardie und Herzinsuffizienz mit Vorsicht anzuwenden. Hydralazin ist bei ausgeprägter Tachykardie ungeeignet.
Schwedische geburtshilfliche Dosierungsschemata und Arzneimittelauswahlen können etwas von internationalen Leitlinien abweichen. Stets dem lokalen geburtshilflichen Standard folgen und Geburtshilfe, Anästhesie und Neonatologie frühzeitig einbeziehen.
Praktisches Monitoring
Folgendes sollte vor und während der Behandlung dokumentiert werden:
- Korrekte Blutdruckmessung mit geeigneter Manschette, initial nach Möglichkeit an beiden Armen.
- Neurologischer Status, Bewusstseinslage und etwaige fokalneurologische Befunde.
- Herzfrequenz, Rhythmus, Sauerstoffsättigung und kontinuierliches EKG.
- Urinproduktion, Kreatinin, Elektrolyte und Säure-Basen-Status.
- Thoraxschmerz, EKG-Veränderungen und Troponin bei Verdacht auf Myokardischämie.
- Zeichen eines Lungenödems und Bedarf an nichtinvasiver oder invasiver Atemunterstützung.
- Funduskopie bei Verdacht auf maligne Hypertonie.
- Arzneimittel, Therapietreue, kürzliches Absetzen, rezeptfreie Präparate und Stimulanzien.
- Schwangerschaftstest bei Personen, die schwanger sein können.
- Klinische Zeichen einer Hypoperfusion nach jeder größeren Dosisänderung.
Ist das akute Ziel erreicht, ist ein langwirksames orales Regime zu planen. Der Zeitpunkt des Ansetzens hängt von der Endorganschädigung und der Wirkdauer des intravenösen Präparats ab. Häufig ist eine Überlappung erforderlich, bevor die Infusion beendet wird, insbesondere nach Clevidipin oder Nitroprussid. Gleichzeitig sind auslösende Faktoren abzuklären und zu behandeln, etwa mangelnde Therapietreue, das Absetzen von Clonidin oder Betablockern, Nierenerkrankungen, primärer Hyperaldosteronismus, renovaskuläre Erkrankung, Phäochromozytom, Arzneimittelinteraktionen und Sympathomimetika [4,27].
Quellen
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