Ein stationärer Patient hat eine andere Insulinempfindlichkeit als zu Hause: weniger Nahrung, mehr Stress, häufig Kortison, häufig eine verschlechterte Nierenfunktion. Basalinsulin, Mahlzeiteninsulin und Korrekturdosis als drei getrennte Zeilen in der Medikamentenliste verordnen.
Glukoseziele auf der Normalstation
| Situation | Ziel-Plasmaglukose |
|---|---|
| Die meisten stationären Patienten | 6-10 mmol/l |
| Gebrechliche ältere Menschen, kurze Lebenserwartung, hohes Hypoglykämierisiko | 8-12 mmol/l |
| Kritisch Kranke in der Intensivmedizin | Nach hausinternem Standard |
Strenge Ziele bei stationären Patienten vermeiden. Eine Hypoglykämie auf der Normalstation ist gefährlicher als eine mäßige Hyperglykämie über einige Tage.
Prinzipien
| Insulinkomponente | Funktion | Wer sie braucht |
|---|---|---|
| Basalinsulin (mittellang oder lang wirksam) | Deckt die nüchterne Glukoseproduktion | Alle mit Typ-1-Diabetes, immer, auch nüchtern. Viele mit Typ 2 |
| Mahlzeiteninsulin (schnell wirksam) | Deckt die Kohlenhydrate der Mahlzeit | Wer isst |
| Korrekturdosis (schnell wirksam) | Korrigiert einen aktuell hohen Wert | Bei Bedarf, zusätzlich zur Mahlzeitendosis |
Bei einer Person mit Typ-1-Diabetes niemals das Basalinsulin absetzen, auch nicht vor Nüchternphasen oder Untersuchungen. Das Absetzen führt innerhalb von Stunden zur Ketoazidose.
Eine Behandlung ausschließlich mit Korrekturdosen nach dem Glukosewert ohne Basalinsulin (sogenannte Sliding Scale) führt zu einer schlechteren Kontrolle und wird als alleiniges Regime nicht empfohlen.
Häufige Situationen
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Nüchtern vor einer Untersuchung, Typ 1 | Basalinsulin beibehalten, häufig in leicht reduzierter Dosis. Mahlzeiteninsulin aussetzen. Glukose engmaschig kontrollieren |
| Nüchtern vor einer Untersuchung, Typ 2 | Metformin, SGLT2-Hemmer und Sulfonylharnstoff aussetzen. Basalinsulin häufig reduziert |
| Kortisontherapie | Verursacht eine ausgeprägte Hyperglykämie vor allem nachmittags und abends. In erster Linie das Mahlzeiteninsulin zu Mittag- und Abendessen erhöhen. Glukosemessung vor jeder Mahlzeit und zur Nacht |
| Enterale oder parenterale Ernährung | Insulinbedarf rund um die Uhr. Kontinuierliche Infusion oder wiederholte Dosen gemäß hausinternem Standard |
| Niereninsuffizienz | Der Insulinbedarf sinkt. Die Dosis senken und engmaschiger messen |
| Akute Erkrankung und Infektion | Der Insulinbedarf steigt, häufig trotz verminderter Nahrungsaufnahme |
| Insulinpumpe | Der Patient bedient die Pumpe selbst, solange das möglich ist. Bei Bewusstseinsbeeinträchtigung oder DKA: die Pumpe abnehmen und auf Infusion oder Injektionen umstellen |
Arzneimittel bei Typ-2-Diabetes im stationären Bereich
| Präparat | Stationär, akut erkrankt |
|---|---|
| Metformin | Absetzen bei akuter Niereninsuffizienz, Hypoxie, Schock, Kontrastmitteluntersuchung und vor einer Operation. Gefahr einer Laktatazidose |
| SGLT2-Hemmer | Absetzen bei akuter Erkrankung, Nüchternheit und Operation. Gefahr einer euglykämen Ketoazidose |
| Sulfonylharnstoff | Hohes Hypoglykämierisiko bei schlechter Nahrungsaufnahme. Absetzen erwägen |
| GLP-1-Rezeptoragonist | Kann Übelkeit und eine verzögerte Magenentleerung verursachen. Vor Sedierung und Endoskopie beachten |
| DPP-4-Hemmer | Geringes Hypoglykämierisiko, kann meist fortgeführt werden |
Red Flags und Fallstricke
- Das Basalinsulin bei Typ-1-Diabetes abzusetzen. Die mit Abstand gefährlichste Verordnung auf einer Normalstation.
- Keine Glukosemessung anzuordnen. Die Messzeitpunkte gleichzeitig mit dem Insulin verordnen.
- Einem Patienten, der nicht isst, Mahlzeiteninsulin zu geben. Bei unsicherer Nahrungsaufnahme nach der Mahlzeit geben.
- Die Verordnung für den Hypoglykämiefall nicht zu schreiben. Siehe eigene Kurzübersicht.
- Zu vergessen, die Dosis zu überprüfen, wenn das Kortison ausgeschlichen wird. Die Dosis muss parallel sinken, sonst folgt die Hypoglykämie.
- Entlassung ohne Plan. Dokumentieren, was geändert wurde, wer nachsorgt und wann.
Quellen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (Bundesärztekammer, KBV und AWMF).
- Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
- Fachinformationen der verwendeten Insulinpräparate.