Intoxikation: Kurzübersicht zu Antidota und initialem Vorgehen

Kurzübersicht für die Notfallmedizin: Toxidrome, Indikation für Aktivkohle, Antidota bei den häufigsten Vergiftungen und wann das Giftinformationszentrum zu kontaktieren ist.

Inhalt (34)

Grundprinzip

Den Patienten behandeln, nicht die Giftliste. Die Stabilisierung nach ABCDE, die Plasmaglukose, die Blutgasanalyse und das EKG gehen der vollständigen Identifikation der Substanz voraus. Die Behandlung der akuten Intoxikation besteht aus vier parallelen Teilen: supportive Therapie, gezieltes Antidot, verminderte Resorption und, in ausgewählten Fällen, beschleunigte Elimination. Bei vielen Vergiftungen ist eine gut durchgeführte supportive Therapie wichtiger als das Antidot [1,2].

Der Giftnotruf steht dem Gesundheitswesen rund um die Uhr zur Verfügung. In Deutschland gibt es keine bundesweit einheitliche Rufnummer: die Beratung erfolgt über die regionalen Giftinformationszentren, die jeweils für ein oder mehrere Bundesländer zuständig sind. Halten Sie die Nummer des für Ihre Einrichtung zuständigen Zentrums an einem festen, allen bekannten Ort bereit. Den Giftnotruf frühzeitig kontaktieren bei schwerer, ungewöhnlicher oder unklarer Vergiftung, bei Retardzubereitungen, Mischintoxikationen, in der Schwangerschaft, bei Kindern, bei Bedarf eines Antidots oder einer Dialyse sowie dann, wenn der klinische Verlauf vom erwarteten abweicht. Das Giftinformationszentrum ist die maßgebliche Quelle für die aktuelle Indikation, Dosierung, Probengewinnung und Behandlungsdauer. Internationale Leitlinien müssen daran angepasst werden, welche Antidota, Analysemethoden und Behandlungsprotokolle vor Ort tatsächlich verfügbar sind.

Initiales Vorgehen bei allen Intoxikationen

ABCDE

Schritt Beurteilung und Maßnahme
A Atemweg, Schutzreflexe, Erbrechen und Sekret beurteilen. Absaugen und bei Bedarf Sauerstoff geben. Intubieren bei bedrohtem Atemweg, ausgeprägtem Aspirationsrisiko oder einem Versagen, das sich mit einem Antidot nicht rasch beheben lässt
B Atemfrequenz, Sättigung, Thoraxexkursionen und Blutgasanalyse. Bei opioidbedingter Atemdepression mit der Maske beatmen, während Naloxon vorbereitet wird
C Puls, Blutdruck, periphere Perfusion, zwei intravenöse Zugänge und kontinuierliche EKG-Überwachung. Volumen bei wahrscheinlicher Hypovolämie, aber wiederholte blinde Bolusgaben beim kardiogenen toxischen Schock vermeiden
D Plasmaglukose sofort. Bewusstseinslage, Pupillen, Tonus, Klonus und Krampfanfälle beurteilen. Glukose bei Hypoglykämie und ein Benzodiazepin bei toxikologischen Krampfanfällen geben
E Temperatur, Haut, Geruch, Einstichstellen, Arzneimittelpflaster und Trauma. Kontaminierte Kleidung entfernen und die Haut bei externer Exposition waschen

Eine niedrige Glasgow Coma Scale ist für sich genommen keine absolute Intubationsindikation. Ventilation, Atemwegsschutz, erwarteten Verlauf und die Möglichkeit einer raschen Antidotwirkung beurteilen. Eine Intubation wird empfohlen bei neurologischem, respiratorischem oder hämodynamischem Versagen, das sich nicht rasch korrigieren lässt. Ist eine Intubation erforderlich, wird die Rapid Sequence Induction verwendet [1].

Bei einer Salicylatvergiftung kann eine Intubation mit unzureichendem Atemminutenvolumen die Azidämie rasch verschlimmern und den Übertritt des Salicylats in das zentrale Nervensystem verstärken. Deshalb frühzeitig mit dem Giftnotruf und der Anästhesie oder Intensivmedizin besprechen. Ist eine Intubation notwendig, müssen ein hohes Atemminutenvolumen und eine sorgfältige pH-Kontrolle angestrebt werden.

Anamnese und Informationsgewinnung

Zu fragen ist nach:

  • Substanz, Stärke, Zubereitungsform und geschätzter Menge
  • Zeitpunkt, einmaliger oder wiederholter Einnahme
  • Retardzubereitung oder Kombinationspräparat
  • gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln, Alkohol und Drogen
  • Gewicht, Alter, Schwangerschaft und Komorbidität
  • Nieren- und Leberfunktion
  • Dauermedikation und Arzneimittelabhängigkeit
  • Epilepsie oder früheren Krampfanfällen
  • Suizidabsicht
  • Verpackungen, Blistern, Fotos, Medikationsplan und den Feststellungen des Rettungsdienstes

Die angegebene Dosis ist häufig unsicher und darf niemals allein zur Entwarnung herangezogen werden. Klinische Befunde, EKG und gezielte Konzentrationsbestimmungen wiegen schwerer. Bei Verdacht auf eine schwere Vergiftung können Blut und Urin früh für eine spätere gezielte Analyse asserviert werden.

Initiale Überwachung und Labordiagnostik

Untersuchung Kommentar
Plasmaglukose Sofort und wiederholt bei beeinträchtigtem Bewusstsein, Insulin, Sulfonylharnstoff, Betablockern oder Leberversagen
Blutgasanalyse pH, pCO2, Bicarbonat, Laktat und bei Bedarf Methämoglobin sowie Carboxyhämoglobin
Elektrolyte Natrium, Kalium, Chlorid, Calcium und Magnesium. Die Anionenlücke berechnen
Kreatinin Wichtig bei Lithium, Ethylenglykol, Metformin und vor der Entscheidung über eine Dialyse
Leberwerte, INR Insbesondere bei Paracetamol, Pilzen oder anderem Verdacht auf Hepatotoxizität
CK Bei Krampfanfällen, Agitation, Hyperthermie, länger immobilisiertem Patienten oder Kompartmentsyndrom
Paracetamol Bei Verdacht auf Einnahme, intentionaler Intoxikation, unklarer Mischintoxikation oder unzuverlässiger Anamnese
Salicylat Bei Verdacht, Tinnitus, Tachypnoe, gemischter Säure-Basen-Störung oder unklarer metabolischer Azidose
Ethanol Hilft bei der Deutung der Bewusstseinsbeeinträchtigung und der osmolalen Lücke
Osmolalität Bei Verdacht auf Methanol, Ethylenglykol, Isopropanol oder einen anderen toxischen Alkohol
Schwangerschaftstest Wenn das Ergebnis Vorgehen oder Arzneimittelwahl beeinflusst
Gezielte Konzentrationsbestimmung Unter anderem Lithium, Digoxin, Valproat und Eisen, sofern die Substanz infrage kommt
EKG QRS-Breite, QTc, Rhythmus, AV-Überleitung und Veränderungen in aVR

Routinemäßige unspezifische toxikologische Urinuntersuchungen haben einen begrenzten akuten Wert. Sie können falsch positiv oder falsch negativ sein und zeigen häufig eine frühere Exposition statt der Ursache des aktuellen Zustands. Das Vorgehen soll in erster Linie auf Toxidromen, dem EKG und gezielten quantitativen Analysen beruhen [1].

Eine Paracetamolkonzentration bei unklarer intentionaler Arzneimitteleinnahme oder unzuverlässiger Anamnese bestimmen. Die Paracetamolvergiftung ist am ersten Tag oft symptomarm. In einer neueren Beobachtungsstudie hatten 0,9 Prozent der Patienten mit intentionaler Überdosis oder vermutlich vergiftungsbedingter Bewusstseinsbeeinträchtigung trotz negativer Anamnese nachweisbares Paracetamol, und 0,2 Prozent hatten eine Konzentration über 100 Mikrogramm/ml [3]. Die niedrige Trefferquote ist gegen das Risiko einer unbehandelten Lebertoxizität abzuwägen.

Das EKG als toxikologischer Vitalparameter

Das EKG ist früh zu schreiben und bei Symptomen oder Einnahme kardiotoxischer Substanzen zu wiederholen. Besonders zu beurteilen sind:

  • QRS-Breite
  • QTc
  • terminale R-Zacke in aVR
  • AV-Block
  • Bradykardie
  • ventrikuläre Extrasystolen oder ventrikuläre Tachykardie
  • Brugada-ähnliches Muster
  • neu aufgetretene ST- oder T-Wellen-Veränderungen

Ein breiter QRS-Komplex spricht für eine Natriumkanalblockade, beispielsweise durch trizyklische Antidepressiva, bestimmte Antipsychotika, Propranolol, Kokain, Flecainid oder Lokalanästhetika. Eine lange QTc erhöht das Risiko einer Torsade de pointes, insbesondere zusammen mit Bradykardie, Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie.

Toxidrome

Toxidrome helfen, wenn die Substanz unbekannt ist, doch Mischintoxikationen ergeben häufig unvollständige oder widersprüchliche Befunde. Die Pupillenweite allein ist niemals diagnostisch.

Toxidrom Pupillen Haut und Sekretion Puls und Blutdruck Weiteres Typische Agenzien
Opioid Häufig miotisch, können aber normal sein Häufig kühle Haut Bradykardie und Hypotonie können vorkommen Bradypnoe, niedriges Tidalvolumen, Bewusstseinsminderung Heroin, Fentanyl, Morphin, Oxycodon, Methadon, Buprenorphin
Sedativ-hypnotisch Wechselnd Meist normal Häufig stabil oder leicht hypoton Ataxie, Dysarthrie, Bewusstseinsminderung, Hypoventilation bei schwerer Intoxikation oder Mischintoxikation Benzodiazepine, Ethanol, GHB, Pregabalin, Barbiturate
Sympathomimetisch Mydriatisch Feucht und schwitzig Tachykardie und Hypertonie Agitation, Psychose, Krampfanfälle, Hyperthermie, Thoraxschmerz Amphetamin, Metamphetamin, Kokain, MDMA
Anticholinerg Mydriatisch Trocken, gerötet und warm Tachykardie Delir, Harnverhalt, verminderte Darmgeräusche, Nesteln Antihistaminika, trizyklische Antidepressiva, Atropin, bestimmte Antipsychotika
Cholinerg Häufig miotisch Reichliches Schwitzen und Sekretion Bradykardie, mitunter auch Tachykardie Salivation, Tränenfluss, Erbrechen, Durchfall, Bronchorrhoe, Faszikulationen und Schwäche Organophosphate, Carbamate, Nervenkampfstoffe
Serotonerg Häufig mydriatisch Feucht Tachykardie und Hypertonie Auslösbarer oder spontaner Klonus, Hyperreflexie, Agitation, Durchfall, Hyperthermie SSRI, SNRI, MAO-Hemmer, Tramadol, Lithium und Kombinationen
Membranstabilisierend Wechselnd Wechselnd Hypotonie, Tachykardie oder Arrhythmie Breiter QRS-Komplex, Krampfanfälle, Bewusstseinsbeeinträchtigung Trizyklische Antidepressiva, Flecainid, Propranolol, Kokain, Lokalanästhetika
Hypoglykämisch Wechselnd Kaltschweißig Tachykardie, mitunter normal Verwirrtheit, Fokalneurologie, Krampfanfälle, Koma Insulin, Sulfonylharnstoffe, Alkohol, bestimmte Betablocker

Serotonerge Toxizität

Klonus und Hyperreflexie, häufig an den Beinen am ausgeprägtesten, sind spezifischere Befunde als eine Tachykardie, Fieber oder Agitation allein. Die Hunter-Kriterien sind vor allem bei einer Überdosis oder einer eindeutigen serotonergen Arzneimittelinteraktion validiert und sollten bei komplex kranken Patienten mit alternativen Ursachen für Fieber und Delir zurückhaltend angewandt werden [4].

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad:

  • serotonerge Arzneimittel absetzen
  • ein Benzodiazepin gegen Agitation und Muskelaktivität geben
  • intravenös Volumen nach klinischem Bedarf geben
  • bei Hyperthermie aktiv kühlen
  • bei rasch steigender Temperatur, ausgeprägter Rigidität oder Ventilationsversagen früh intubieren, narkotisieren und muskelrelaxieren

Antipyretika helfen gegen eine toxische Hyperthermie nicht, da die Wärmeproduktion durch die Muskelaktivität verursacht wird und nicht durch ein verstelltes Temperaturzentrum. Cyproheptadin wird mitunter verwendet, kontrollierte Daten fehlen jedoch, und sein Nutzen bei lebensbedrohlicher serotonerger Toxizität ist unsicher. Eine aggressive Sedierung, Kühlung und Organunterstützung dürfen nicht in Erwartung eines Serotoninantagonisten verzögert werden [4].

Dekontamination

Aktivkohle

Aktivkohle darf nicht routinemäßig allen Patienten gegeben werden. Eine Einmaldosis ist zu erwägen, wenn im Wesentlichen alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • die Einnahme ist potenziell schwerwiegend
  • die Substanz wird von Kohle gebunden
  • es wird angenommen, dass eine klinisch relevante Menge noch im Magen-Darm-Trakt vorhanden ist
  • der Atemweg ist intakt oder gesichert
  • der Magen-Darm-Trakt ist funktionsfähig
  • die Gabe verzögert keine wichtigere Behandlung und keinen Transport

Die größte Wirkung zeigt sich, wenn die Kohle innerhalb von etwa einer Stunde gegeben wird. Eine Wirkung kann auch später bestehen, bei Retardzubereitungen, massiver Einnahme, anticholinergem Agens, Opioiden, Salicylaten oder einer anderen Situation mit verzögerter Magenentleerung. Probandenstudien zeigen auch nach späterer Gabe eine verminderte Resorption, klinische Studien haben eine Verbesserung von Sterblichkeit oder Verweildauer jedoch nicht sicher gezeigt [5,6].

Die übliche Dosis beträgt:

  • Erwachsene: 50 g
  • Kinder: 1 g/kg, üblicherweise höchstens die Erwachsenendosis

Einem Patienten mit Bewusstseinsminderung oder erwarteter rascher Verschlechterung darf ohne gesicherten Atemweg keine Aktivkohle gegeben werden. Die Aspiration von Kohle kann eine schwere Lungenschädigung verursachen. Kohle kann außerdem Erbrechen, Obstipation und in seltenen Fällen einen Darmverschluss verursachen.

Aktivkohle bindet klinisch relevant nicht:

  • Eisen
  • Lithium
  • Kalium
  • Alkohole, einschließlich Methanol und Ethylenglykol
  • starke Säuren und Laugen
  • viele Lösungsmittel

Bei ätzenden Substanzen ist Kohle ungeeignet, da sie den Schaden nicht neutralisiert und die Endoskopie erschweren kann. Sie darf bei Ileus, Darmverschluss oder Perforationsverdacht nicht gegeben werden.

Wiederholte Gaben von Aktivkohle können die Elimination bestimmter Substanzen über eine verminderte enterohepatische Zirkulation und die sogenannte Darmdialyse beschleunigen. Das kann nach lebensbedrohlicher Einnahme unter anderem von Carbamazepin, Dapson, Phenobarbital, Chinin oder Theophyllin erwogen werden, ist aber gemeinsam mit dem Giftnotruf zu entscheiden [5]. Die Evidenz für Aktivkohle in der Ersten Hilfe ist insgesamt niedrig oder sehr niedrig [7].

Magenspülung

Die Magenspülung hat einen sehr begrenzten Stellenwert und verbessert das Ergebnis gegenüber supportiver Therapie oder Aktivkohle nicht sicher. Zu den Komplikationen zählen Aspiration, Hypoxie, Laryngospasmus, Arrhythmien und Perforation. Sie ist nur bei einer kürzlich erfolgten, potenziell tödlichen Einnahme zu erwägen, bei der der erwartete Nutzen das Risiko deutlich überwiegt. Stets mit dem Giftnotruf besprechen und bei Bedarf den Atemweg sichern [5].

Erbrechen darf nicht ausgelöst werden.

Darmspülung

Eine Darmspülung mit Polyethylenglykollösung kann erwogen werden bei:

  • großen Mengen von Retardzubereitungen
  • Eisen, Lithium, Kalium oder anderen Substanzen, die nicht von Kohle gebunden werden
  • verschluckten Drogenpäckchen
  • Tablettenkonglomeraten oder Verdacht auf ein Bezoar

Für die Methode fehlen belastbare klinische Wirksamkeitsdaten, und sie darf nicht routinemäßig eingesetzt werden. Kontraindikationen sind unter anderem ein ungeschützter Atemweg, hämodynamische Instabilität, unkontrollierte Krampfanfälle, Ileus, Darmverschluss oder Perforation [5].

Antidota und gezielte Behandlung

In der Haupttabelle werden bewusst keine Dosierungen angegeben. Den Giftnotruf anrufen oder dem aktuellen lokalen Protokoll folgen. Ein falsches Antidot, ein falscher Applikationsweg oder eine falsche Überwachung können den Patienten schädigen. Bei zeitkritischen Zuständen, etwa einem opioidbedingten Atemstillstand, einem durch Trizyklika verursachten breiten QRS-Komplex oder einer schweren cholinergen Bronchorrhoe, darf die Behandlung jedoch nicht in Erwartung einer vollständigen Anamnese verzögert werden.

Vergiftung oder Zustand Antidot oder gezielte Behandlung Praktischer Kommentar
Paracetamol Acetylcystein intravenös Nach dem aktuellen schwedischen Protokoll behandeln. Das Nomogramm gilt nur, wenn seine Voraussetzungen erfüllt sind
Opioide Naloxon Auf eine ausreichende Ventilation und einen freien Atemweg titrieren, nicht notwendigerweise auf volle Vigilanz
Benzodiazepine Flumazenil, nur in ausgewählten Fällen Den Routineeinsatz meiden, insbesondere bei Mischintoxikation, Epilepsie oder langdauerndem Benzodiazepingebrauch
Trizyklische Antidepressiva und andere Natriumkanalblockaden Natriumbicarbonat Bei breitem QRS-Komplex, ventrikulärer Arrhythmie, Krampfanfällen oder Kreislaufbeeinträchtigung
Betablocker Hochdosiertes Insulin mit Glukose, Glucagon, vasoaktive Arzneimittel Propranolol kann zusätzlich Krampfanfälle und einen breiten QRS-Komplex verursachen
Calciumantagonisten Calcium intravenös, hochdosiertes Insulin mit Glukose, vasoaktive Arzneimittel Im Schock früh behandeln. Die Sonografie kann zwischen kardiogener und vasodilatatorischer Komponente unterscheiden helfen
Digoxin Digoxinspezifische Antikörperfragmente Bei lebensbedrohlicher Arrhythmie, ausgeprägter Hyperkaliämie oder anderer schwerer Toxizität
Methanol und Ethylenglykol Fomepizol, alternativ Ethanol, sowie Dialyse bei Indikation Bei schwerem Bild auf Verdacht behandeln. Nicht auf die endgültige Konzentration warten
Salicylat Natriumbicarbonat, Kalium und Dialyse bei Indikation Eine Azidämie vermeiden. Die Intubation ist riskant und erfordert ein weiterhin hohes Atemminutenvolumen
Lithium Volumen und Hämodialyse bei schwerer Intoxikation Aktivkohle bindet Lithium nicht
Eisen Deferoxamin Eisenkonzentration, Klinik, metabolische Azidose und radiologische Befunde verfolgen
Sulfonylharnstoffe Glukose und Octreotid Octreotid wirkt der wiederkehrenden Insulinfreisetzung entgegen
Insulin Glukoseinfusion Eine lang dauernde und intensive Glukosetherapie kann erforderlich sein
Organophosphat und Carbamat Atropin, mitunter ein Oxim Atropin wird gegen die Bronchorrhoe und die Ventilation titriert, nicht gegen die Pupillenweite
Isoniazid Pyridoxin Bei Krampfanfällen oder schwerer metabolischer Azidose nach vermuteter Einnahme
Valproat L-Carnitin in ausgewählten Fällen, Dialyse bei schwerer Intoxikation Ammoniak, Säure-Basen-Status und Bewusstseinslage verfolgen
Methämoglobinämie Methylenblau Wenn möglich mit CO-Oxymetrie bestätigen. Vorsicht bei G6PD-Mangel und serotonergen Arzneimitteln
Cyanid Hydroxocobalamin Bei Brandrauch mit ausgeprägter Laktatazidose, Kreislaufversagen oder Bewusstseinsbeeinträchtigung zu erwägen
Systemische Lokalanästhetikatoxizität Lipidemulsion Dem LAST-Protokoll folgen und gleichzeitig Krampfanfälle und Kreislaufversagen behandeln
Warfarin Vitamin K und Prothrombinkomplexkonzentrat Richtet sich nach Blutung, INR und klinischer Situation
Heparin Protamin Die Wirkung hängt von der Heparinart und der Zeit seit der Gabe ab
Dabigatran Idarucizumab Bei lebensbedrohlicher Blutung oder Notfalloperation gemäß lokalem Protokoll
Faktor-Xa-Hemmer Andexanet alfa oder Prothrombinkomplexkonzentrat je nach Situation Verfügbarkeit und schwedische Praxis variieren
Maligne Hyperthermie Dantrolen Von serotonerger Toxizität und malignem neuroleptischem Syndrom abgrenzen
Anticholinerges Delir Physostigmin in besonders ausgewählten Fällen Erfordert eine toxikologische Beurteilung und ein EKG. Kontraindiziert bei Verdacht auf eine Natriumkanalblockade

Paracetamol

Acetylcystein ist sehr wirksam, wenn es früh gegeben wird. Genau zu dokumentieren:

  • der Zeitpunkt, zu dem die Einnahme begann
  • ob es eine einmalige oder wiederholte Einnahme war
  • die Zubereitungsform
  • gleichzeitig eingenommene Opioide oder anticholinerge Substanzen
  • das Gewicht des Patienten
  • die Paracetamolkonzentration
  • ALAT, INR, Kreatinin, pH und Laktat bei später oder schwerer Präsentation

Das Nomogramm darf nur bei einer akuten, einmaligen Einnahme mit bekanntem Zeitpunkt und einer frühestens vier Stunden nach der Einnahme abgenommenen Konzentration verwendet werden. Es darf nicht bei unbekanntem Zeitpunkt, wiederholten supratherapeutischen Einnahmen, länger andauernder Einnahme oder bereits bestehender Leberschädigung verwendet werden. Retardzubereitungen und gleichzeitig eingenommene Opioide oder anticholinerge Substanzen können die Resorption verzögern und wiederholte Konzentrationsbestimmungen erforderlich machen [8].

Bei unbekanntem Zeitpunkt, messbarer Konzentration oder Leberbeteiligung sollte Acetylcystein häufig begonnen werden, bevor der gesamte Verlauf geklärt ist. Die Behandlung darf nicht automatisch nur deshalb beendet werden, weil ein standardisiertes Infusionsschema abgelaufen ist. Die aktuellen Abbruchkriterien umfassen den klinischen Verlauf, die Paracetamolkonzentration und die Leberwerte. Internationale Empfehlungen enthalten eigene Strategien für Hochrisikoeinnahmen; welches Dosierschema und welches Nomogramm angewendet werden, ist nach Rücksprache mit dem Giftnotruf und nach dem lokalen Protokoll zu entscheiden [9].

Opioide

Die Beatmung mit Maske und Sauerstoff ist die sofortige Behandlung. Naloxon ersetzt kein Atemwegsmanagement. Ziel ist eine regelmäßige, ausreichende Spontanatmung und eine adäquate Oxygenierung, nicht die volle Vigilanz. Eine rasche vollständige Antagonisierung kann einen akuten Entzug mit Agitation, Erbrechen, Aspiration und mitunter ausgeprägter Sympathikusaktivierung auslösen.

Die Halbwertszeit von Naloxon beträgt etwa 60 bis 120 Minuten und ist damit häufig kürzer als die Wirkung von Methadon, Retardopioiden oder großen Mengen. Eine erneute Atemdepression kann daher nach initialer Besserung auftreten. Wiederholte Dosen oder eine Infusion können erforderlich sein. Fentanyl und bestimmte andere potente synthetische Opioide können mehr Naloxon erfordern als Heroin [10].

Den Patienten nach dem Ansprechen mit kontinuierlicher Atemüberwachung beobachten. Der Bedarf wiederholter Naloxondosen, ein langwirksames Opioid, eine Mischintoxikation, eine Aspiration, ein Lungenödem oder eine fortbestehende Hypoxie sprechen für eine stationäre Aufnahme.

Benzodiazepine und Flumazenil

Eine reine Benzodiazepinvergiftung hat unter supportiver Therapie häufig einen günstigen Verlauf. Flumazenil darf nicht routinemäßig verwendet werden. Es kann Krampfanfälle, Entzug und Arrhythmien auslösen, insbesondere bei:

  • Mischintoxikation mit trizyklischen Antidepressiva oder einer anderen krampfauslösenden Substanz
  • bekannter Epilepsie
  • langdauerndem Benzodiazepingebrauch
  • unklarer Intoxikation
  • breitem QRS-Komplex oder anderen Zeichen einer Natriumkanalblockade

Eine Metaanalyse von 13 randomisierten Studien mit 994 Teilnehmern zeigte unter Flumazenil mehr Nebenwirkungen als unter Placebo, Risikoverhältnis 2,85, sowie mehr schwerwiegende Nebenwirkungen, Risikoverhältnis 3,81. Zu den schwerwiegenden Ereignissen zählten Krampfanfälle und supraventrikuläre Arrhythmien [11]. Flumazenil kann in sorgfältig ausgewählten Fällen erwogen werden, beispielsweise bei iatrogener Sedierung oder gesicherter isolierter Einnahme bei einem benzodiazepinnaiven Patienten.

Trizyklische Antidepressiva und Natriumkanalblockade

Trizyklische Antidepressiva können rasch einsetzende Krampfanfälle, Koma, Hypotonie, einen breiten QRS-Komplex und ventrikuläre Arrhythmien verursachen. Ein QRS über 100 ms ist ein wichtiger Risikomarker und begründet die sofortige Prüfung einer Natriumbicarbonatgabe [12].

Natriumbicarbonat ist die Erstlinienbehandlung bei:

  • einem QRS über etwa 100 ms
  • ventrikulärer Arrhythmie
  • einer Hypotonie, die auf die initiale Volumengabe nicht anspricht
  • Krampfanfällen mit Zeichen einer trizyklischen Toxizität
  • einer deutlichen terminalen R-Zacke in aVR

pH, Natrium, Kalium und QRS-Breite während der Behandlung verfolgen. Eine ausgeprägte Alkaliämie, Hypokaliämie, Hypokalzämie und eine Volumenüberladung sind zu vermeiden. Krampfanfälle werden mit einem Benzodiazepin behandelt. Eine refraktäre Hypotonie wird mit einem direkt wirkenden Vasopressor behandelt, üblicherweise Noradrenalin. Trizyklische Antidepressiva haben ein großes Verteilungsvolumen und eine hohe Proteinbindung und lassen sich mit einer Dialyse nicht sinnvoll eliminieren [13].

Betablocker und Calciumantagonisten

Diese Vergiftungen können Bradykardie, AV-Block, Hypotonie, kardiogenen Schock und mitunter einen vasodilatatorischen Schock verursachen. Retardzubereitungen können zu einer verzögerten Verschlechterung führen. Calciumantagonisten verursachen häufig eine Hyperglykämie, während bestimmte Betablocker eine Hypoglykämie verursachen können. Propranolol kann zusätzlich Krampfanfälle und eine Natriumkanalblockade mit breitem QRS-Komplex verursachen.

Die Behandlung ist multimodal:

  • vorsichtige Volumentherapie
  • Calcium bei Calciumantagonisten
  • hochdosiertes Insulin mit gleichzeitiger Glukosegabe und engmaschiger Kontrolle von Glukose und Kalium
  • Glucagon, vor allem bei Betablockade
  • Adrenalin oder eine andere positiv inotrope Therapie bei Myokarddepression
  • Noradrenalin bei ausgeprägter Vasodilatation
  • frühe intensivmedizinische Behandlung
  • ECMO bei refraktärem kardiogenem Schock oder Herzstillstand erwägen

Hochdosiertes Insulin verbessert die Energieverwertung und die Kontraktilität des Myokards und sollte bei Myokarddepression früh erwogen werden [14,15]. Hypoglykämie und Hypokaliämie sind zu erwartende Komplikationen, die eine strukturierte Überwachung erfordern. Kontrollierte Studien sind selten, und eine systematische Übersicht zur Calciumantagonistenvergiftung stützte sich überwiegend auf Fallberichte, eine Fallserie und eine Kohorte. Sie stützt ein multimodales Vorgehen, kann die Behandlungen aber nicht sicher in eine Rangfolge bringen [16].

Toxische Alkohole

An Methanol oder Ethylenglykol ist zu denken bei:

  • metabolischer Azidose mit hoher Anionenlücke
  • erhöhter osmolaler Lücke, insbesondere früh im Verlauf
  • Sehstörungen nach vermuteter Methanolexposition
  • akuter Nierenschädigung oder Hypokalzämie nach vermuteter Ethylenglykolexposition
  • unerklärter Bewusstseinsbeeinträchtigung
  • einer entsprechenden Expositionsanamnese

Eine normale osmolale Lücke schließt eine späte Vergiftung nicht aus. Wenn der Alkohol metabolisiert wird, kann die osmolale Lücke sinken, während Anionenlücke und Azidose zunehmen. Fomepizol oder alternativ Ethanol bei starkem klinischem Verdacht beginnen, ohne das endgültige Analyseergebnis abzuwarten.

Ethylenglykol ist dialysierbar. EXTRIP empfiehlt eine Dialyse bei schweren klinischen Befunden wie Koma, Krampfanfällen oder akuter Nierenschädigung sowie bei ausgeprägter Metabolitenlast, beispielsweise einer hohen Anionenlücke. Die intermittierende Hämodialyse ist zu bevorzugen, wenn sie verfügbar ist [17]. Die Antidotdosis muss während der Dialyse angepasst werden. Die genauen Dialysegrenzen sind mit dem Giftnotruf, der Intensivmedizin und der Nephrologie zu besprechen.

Lithium

Akute, akut-auf-chronische und chronische Lithiumvergiftungen unterscheiden sich klinisch. Neurologische Befunde können bei chronischer Intoxikation trotz einer nur mäßigen Serumkonzentration ausgeprägt sein. Zu verfolgen sind:

  • wiederholte Lithiumkonzentrationen
  • Kreatinin und Diurese
  • Natrium
  • Bewusstseinslage
  • Tremor, Ataxie, Myoklonus und Krampfanfälle
  • EKG

Bei Volumenmangel isotone Flüssigkeit geben. Aktivkohle ist wirkungslos. EXTRIP empfiehlt eine Dialyse bei schwerer Lithiumvergiftung, bei Niereninsuffizienz mit einem Lithium über 4 mmol/l sowie bei Bewusstseinsminderung, Krampfanfällen oder lebensbedrohlicher Arrhythmie unabhängig von der Konzentration. Eine Dialyse wird unter anderem bei einem Lithium über 5 mmol/l, bei erheblicher Verwirrtheit oder dann vorgeschlagen, wenn die Zeit bis zu einer Konzentration unter 1 mmol/l auf mehr als 36 Stunden geschätzt wird [18]. Die Evidenz beruht jedoch überwiegend auf Beobachtungsdaten, randomisierte Studien fehlen [19]. Die Entscheidung ist gemeinsam mit dem Giftnotruf und der Nephrologie zu treffen.

Salicylat

Klinische Befunde sind Tinnitus, Übelkeit, Tachypnoe, Fieber, Schwitzen, Agitation, Lungenödem, eine Hypoglykämie im zentralen Nervensystem sowie eine gemischte respiratorische Alkalose und metabolische Azidose. Eine einzelne frühe Salicylatkonzentration kann irreführen, insbesondere bei magensaftresistenten Präparaten oder Tablettenkonglomeraten. Wiederholte Konzentrationen bestimmen, bis ein eindeutig fallender Trend und eine klinische Besserung vorliegen.

Die Behandlung umfasst:

  • Aktivkohle in ausgewählten Fällen, auch später als eine Stunde
  • die Korrektur einer Hypovolämie
  • Glukose bei niedriger oder niedrig-normaler Glukose beim neurologisch beeinträchtigten Patienten
  • Natriumbicarbonat zur Alkalisierung von Serum und Urin
  • die Korrektur des Kaliums
  • eine frühe Diskussion über die Dialyse bei schwerer Klinik, Niereninsuffizienz, Lungenödem, ausgeprägter Azidämie oder trotz Behandlung steigender Konzentration

Digoxin

An eine schwere Digoxintoxizität ist zu denken bei Bradyarrhythmie, AV-Block, ventrikulärer Arrhythmie, gastrointestinalen Symptomen, Sehphänomenen oder Hyperkaliämie. Digoxinkonzentration, Kalium, Kreatinin und EKG bestimmen. Eine zu früh nach einer akuten Einnahme abgenommene Konzentration kann schwer interpretierbar sein, da die Verteilung noch nicht abgeschlossen ist.

Digoxinspezifische Antikörperfragmente werden bei lebensbedrohlicher Arrhythmie, Kreislaufversagen oder ausgeprägter Hyperkaliämie eingesetzt. Nach der Gabe können übliche Digoxinbestimmungen irreführend hohe Gesamtspiegel zeigen und dürfen nicht unkritisch zur weiteren Dosierung verwendet werden. Mit dem Giftnotruf besprechen.

Sulfonylharnstoffe und Insulin

Sowohl Insulin als auch Sulfonylharnstoffe können eine lang anhaltende oder verzögerte Hypoglykämie verursachen. Bei symptomatischer Hypoglykämie Glukose geben und die Plasmaglukose engmaschig verfolgen.

Bei einer Sulfonylharnstoffvergiftung können wiederholte große Glukosedosen eine weitere Insulinfreisetzung stimulieren. Nach der initialen Glukosekorrektur ist Octreotid die zentrale Behandlung, um einer wiederkehrenden Hypoglykämie entgegenzuwirken. Bei einer Insulinüberdosis ist die kontinuierliche Glukosezufuhr die Hauptbehandlung. Nach dem Ende von Glukosegabe und Octreotid ist eine weitere Überwachung erforderlich, da die Hypoglykämie wiederkehren kann [20].

Organophosphate und Carbamate

Das Personal vor einer sekundären Kontamination schützen. Kontaminierte Kleidung entfernen und die Haut waschen. Bronchorrhoe, Bronchospasmus und Atemversagen sind unmittelbar lebensbedrohlicher als der Pupillenbefund.

Atropin wird titriert gegen:

  • eine verminderte Bronchialsekretion
  • eine verbesserte Ventilation
  • eine verbesserte Oxygenierung und Kreislaufsituation

Eine Tachykardie oder eine fortbestehende Miosis sind für sich genommen kein Grund, Atropin abzusetzen, solange die Bronchorrhoe anhält. Ein Oxim, beispielsweise Obidoxim oder Pralidoxim, kann bei einer Organophosphatvergiftung erwogen werden. Die Evidenz ist unsicher. Eine Cochrane-Übersicht fand eine unzureichende Datengrundlage, um Nutzen oder Schaden zu bestimmen, teils wegen methodischer Probleme und niedriger Dosierungen in den Studien [21]. Dem aktuellen Protokoll des Giftinformationszentrums folgen.

Methämoglobinämie

An eine Methämoglobinämie ist zu denken bei einer zentralen Zyanose, die sich unter Sauerstoff nicht wie erwartet bessert, einer Sättigung um 85 Prozent trotz normalem oder hohem PaO2 sowie schokoladenbraunem Blut. Die Diagnose wird mit der CO-Oxymetrie bestätigt [22].

Methylenblau ist die Erstlinienbehandlung der symptomatischen erworbenen Methämoglobinämie. Den Patienten behandeln, nicht nur den Prozentwert. Bei Anämie, Herz- oder Lungenerkrankung und anderweitig eingeschränktem Sauerstofftransport gilt eine niedrigere Schwelle.

Methylenblau kann bei einem G6PD-Mangel unwirksam sein und eine Hämolyse verursachen. Es hemmt die Monoaminoxidase und kann bei Patienten unter serotonergen Arzneimitteln eine serotonerge Toxizität auslösen. Bei ausbleibender Wirkung sind Diagnose, fortbestehende Exposition, G6PD-Mangel und alternative Behandlungen umgehend mit dem Giftnotruf und der Intensivmedizin zu besprechen [23].

Cyanid

Die Cyanidvergiftung ist eine klinische Diagnose. Bittermandelgeruch und kirschrote Haut sind selten und dürfen für die Diagnose nicht vorausgesetzt werden. In einer systematischen Durchsicht isolierter Cyanidfälle waren Bewusstlosigkeit, Atemversagen, Hypotonie und eine ausgeprägte Laktatazidose deutlich häufiger [24].

Hydroxocobalamin ist bei entsprechender Exposition in Kombination mit Folgendem zu erwägen:

  • ausgeprägter Laktatazidose
  • Bewusstseinsbeeinträchtigung
  • Krampfanfällen
  • Hypotonie oder Herzstillstand
  • einem Brand in geschlossenem Raum mit Ruß in den Atemwegen und schwerem klinischem Bild

Hydroxocobalamin kann Haut, Urin und Plasma rot färben und mehrere Laboranalysen sowie den optischen Blutleckalarm des Dialysegeräts stören.

Systemische Lokalanästhetikatoxizität

Die systemische Lokalanästhetikatoxizität (LAST) kann mit perioraler Taubheit, Tinnitus, metallischem Geschmack, Agitation oder Krampfanfällen beginnen und in Hypotonie, breiten QRS-Komplex, ventrikuläre Arrhythmie und Herzstillstand übergehen. Die Injektion stoppen, Atemweg und Ventilation sichern, Krampfanfälle behandeln und eine Lipidemulsion gemäß lokalem LAST-Protokoll geben. Adrenalin nur in kleinen Dosen gemäß Spezialprotokoll verwenden und weitere Lokalanästhetika vermeiden.

Antikoagulanzien

Bei schwerer Blutung ist die Antikoagulation zu stoppen und die Antagonisierung parallel zur chirurgischen, endoskopischen oder interventionellen Blutungskontrolle vorzunehmen.

  • Warfarin wird bei schwerer Blutung mit Vitamin K und Prothrombinkomplexkonzentrat antagonisiert.
  • Unfraktioniertes Heparin wird mit Protamin antagonisiert.
  • Niedermolekulares Heparin wird durch Protamin nur teilweise antagonisiert.
  • Dabigatran kann mit Idarucizumab antagonisiert werden.
  • Faktor-Xa-Hemmer können in bestimmten Situationen mit Andexanet alfa oder Prothrombinkomplexkonzentrat antagonisiert werden.

Internationale Leitlinien geben für die verschiedenen antithrombotischen Arzneimittel eigene Empfehlungen [25]. Schwedische Verfügbarkeitsgrenzen und lokale Blutungsprotokolle können davon abweichen und sind zu befolgen.

Beschleunigte Elimination und Intensivmedizin

Bei Verdacht auf eine schwere Vergiftung frühzeitig über eine Dialyse sprechen bei:

  • Lithium
  • Methanol
  • Ethylenglykol
  • Salicylat
  • Valproat
  • Metformin mit schwerer Laktatazidose
  • Theophyllin
  • bestimmten anderen kleinen, wasserlöslichen Substanzen mit niedriger Proteinbindung und kleinem Verteilungsvolumen

Die Dialyseentscheidung richtet sich nicht allein nach der Konzentration. Entscheidend sind klinische Befunde, pH, Nierenfunktion, Trend, Expositionsart und die erwartete natürliche Elimination.

Die Intensivmedizin frühzeitig kontaktieren bei:

  • Atemwegs- oder Ventilationsversagen
  • Bedarf einer Antidotinfusion
  • Krampfanfällen
  • Hyperthermie
  • breitem QRS-Komplex oder schwerer Arrhythmie
  • steigendem Laktat oder metabolischer Azidose
  • Schock
  • Dialysebedarf
  • erwarteter verzögerter Toxizität nach Retardpräparaten
  • Bedarf an ECMO oder einer anderen erweiterten Kreislaufunterstützung

Body Packer und Body Stuffer

Zu unterscheiden sind:

  • Body Packer, die planmäßig viele gut verpackte Drogenpäckchen schlucken
  • Body Stuffer, die überstürzt weniger und schlechter verpackte Päckchen schlucken, um einer Entdeckung zu entgehen

Body Stuffer haben ein höheres Risiko für eine Leckage, da die Päckchen häufig schlecht versiegelt sind. Symptome einer opioid- oder sympathomimetischen Toxizität können eine Leckage oder Ruptur eines Päckchens anzeigen.

Die Computertomografie des Abdomens ohne Kontrastmittel ist die zuverlässigste bildgebende Methode bei Verdacht auf Body Packing. Eine unauffällige Abdomenübersichtsaufnahme schließt Päckchen nicht aus [26]. Kontrastmittel kann die Darstellung erschweren.

Asymptomatische Body Packer können nach fachärztlicher Beurteilung häufig mit Überwachung und Darmspülung behandelt werden. Eine notfallmäßige Operation ist erforderlich bei:

  • toxischen Zeichen, die für eine Leckage oder Ruptur sprechen
  • Darmverschluss
  • Perforation
  • Päckchen, die trotz adäquater konservativer Behandlung nicht weiterwandern

Eine endoskopische Manipulation birgt ein Rupturrisiko und darf nicht ohne multidisziplinären Plan erfolgen.

Red Flags

  • Breiter QRS-Komplex, insbesondere nach einem trizyklischen Antidepressivum, Propranolol, Flecainid, Kokain oder einem Lokalanästhetikum.
  • Lange QTc zusammen mit Bradykardie oder einer Elektrolytstörung.
  • Steigendes Laktat oder zunehmende metabolische Azidose.
  • Hohe Anionenlücke mit oder ohne hohe osmolale Lücke.
  • Hyperthermie, insbesondere zusammen mit Agitation, Klonus oder Rigidität.
  • Wiederkehrende Hypoglykämie.
  • Krampfanfälle, auch wenn sie nach einem Benzodiazepin sistieren.
  • Retardzubereitung oder große Tablettenmenge, bei denen die Symptome verzögert auftreten können.
  • Paracetamol mit unbekanntem Zeitpunkt, wiederholter Einnahme oder Leberbeteiligung.
  • Salicylat mit neurologischen Symptomen, Lungenödem oder Azidämie.
  • Lithium mit neurologischen Symptomen oder Niereninsuffizienz.
  • Brandrauch mit Bewusstseinsbeeinträchtigung und ausgeprägter Laktatazidose.
  • Verdacht auf Body Packing mit Bauchschmerz oder Toxidrom.
  • Steigender Vasopressorbedarf bei kardiotoxischer Vergiftung.
  • Schwangerschaft, kleines Kind oder gebrechlicher älterer Patient, bei denen kleinere Dosen größere Folgen haben können.
  • Suizidale Absicht, fortbestehende Suizidalität oder unzureichender sozialer Schutz.

Überwachung, Entlassung und psychiatrische Beurteilung

Eine Entlassung setzt voraus, dass:

  • die eingenommene Substanz und die Zubereitungsform hinreichend geklärt sind
  • eine angemessene Überwachungszeit vergangen ist
  • der Patient wach und orientiert ist, ohne fortbestehende psychoaktive Wirkung
  • die Vitalparameter normal sind
  • die relevanten Laborwerte normal sind oder einem unbedenklichen Trend folgen
  • das EKG normal ist, wenn eine kardiotoxische Substanz eingenommen worden sein kann
  • keine wiederkehrende Toxizität zu erwarten ist
  • ein Plan für die weitere somatische und psychiatrische Versorgung besteht

Eine pauschale Überwachungszeit passt nicht für alle Intoxikationen. Sechs symptomfreie Stunden können nach bestimmten schnell wirksamen Präparaten ausreichen, sind aber unzureichend bei Retardzubereitungen, Methadon, Sulfonylharnstoffen, Lithium, Calciumantagonisten, bestimmten Betablockern oder verzögerter Paracetamolresorption.

Nach einer absichtlichen Selbstvergiftung ist vor der Entlassung die Suizidalität zu beurteilen. Die Beurteilung soll erfolgen, wenn der Patient ausreichend nüchtern und kognitiv wiederhergestellt ist, um mitzuwirken. Eine fortbestehende schwere Suizidalität kann eine stationäre psychiatrische Behandlung und die Prüfung einer Unterbringung begründen.

Kurze Checkliste

  1. ABCDE und Plasmaglukose.
  2. Sauerstoff und Beatmung bei Bedarf.
  3. EKG sofort, bei kardiotoxischer Substanz oder Symptomen wiederholen.
  4. Blutgasanalyse mit Laktat und gezielte Laborwerte.
  5. Paracetamol bei intentionaler oder unklarer Intoxikation.
  6. Das Toxidrom identifizieren, aber bis zum begründeten Gegenteil eine Mischintoxikation annehmen.
  7. Aktivkohle nur nach Risikobewertung von Substanz, Zeit und Atemweg erwägen.
  8. Zeitkritische Antidota ohne unnötige Verzögerung geben.
  9. Den Giftnotruf bei schwerer, unklarer oder ungewöhnlicher Vergiftung früh anrufen.
  10. Überwachung, Intensivbehandlung, Dialyse und psychiatrische Beurteilung bereits während des initialen Vorgehens planen.

Quellen

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Autoren

EBM AI
Evidensbaserad AI-agent

Aktualisiert 22. August 2026