Die nachstehenden Dosierungen gelten für Erwachsene, sofern nichts anderes angegeben ist; Kinderdosen sind pro Kilogramm mit der jeweiligen Höchstdosis angegeben. Vor der Gabe stets gegen die lokale Leitlinie und die Fachinformation prüfen — Konzentrationen und Zubereitungsformen unterscheiden sich zwischen den Kliniken, und die meisten schwerwiegenden Dosierungsfehler entstehen beim Verdünnen, nicht bei der Wahl der Dosis.
Kinderdosen werden auf das tatsächliche Gewicht berechnet, sofern nichts anderes angegeben ist. Bei unbekanntem Gewicht bei Kindern von 1–10 Jahren: das Gewicht als (Alter in Jahren + 4) × 2 kg schätzen, sofern verfügbar aber ein längenbasiertes Hilfsmittel verwenden.
Diese Seite ist eine Schnellübersicht, keine Behandlungsübersicht. Zur Vertiefung von zwei der häufigsten akuten Arzneimittelprobleme siehe Warfarintherapie und Opioidtherapie bei starken Schmerzen.
Herzstillstand
| Arzneimittel | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| Adrenalin | 1 mg i.v./i.o. alle 3–5 min. Bei Asystolie und PEA, sobald ein Zugang liegt, bei VF/pVT erst nach der 3. Defibrillation | 0,01 mg/kg (0,1 ml/kg der Lösung 0,1 mg/ml), max. 1 mg, alle 3–5 min |
| Amiodaron | 300 mg i.v. nach der 3. Defibrillation, weitere 150 mg nach der 5. | 5 mg/kg, max. 300 mg |
| Lidocain (Alternative) | 100 mg i.v., weitere 50 mg | 1 mg/kg |
| Magnesium | 2 g (8 mmol) i.v. bei Torsade de pointes oder Hypomagnesiämie | 25–50 mg/kg, max. 2 g |
| Calciumchlorid | 10 ml 100 mg/ml bei Hyperkaliämie, Hypokalzämie, Calciumantagonistenintoxikation | 0,2 ml/kg |
| Natriumbicarbonat | 50 mmol bei Hyperkaliämie oder Trizyklikaintoxikation | 1 mmol/kg |
Reversible Ursachen: Hypoxie, Hypovolämie, Hypo-/Hyperkaliämie und metabolische Störungen, Hypothermie, Tamponade, Toxine, Thrombose (koronar oder pulmonal), Spannungspneumothorax.
Für kein Arzneimittel ist gezeigt, dass es das neurologische Ergebnis nach einem Herzstillstand verbessert. Entscheidend sind qualitativ gute Thoraxkompressionen mit minimalen Unterbrechungen und eine frühe Defibrillation; die Arzneimittel werden gegeben, ohne die Kompressionen zu pausieren.
Anaphylaxie
Adrenalin intramuskulär in den lateralen Oberschenkel ist die Erstlinienbehandlung und muss vor allem anderen gegeben werden. Antihistaminikum und Steroid beeinflussen den akuten Verlauf nicht.
| Maßnahme | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| Adrenalin i.m. (1 mg/ml) | 0,5 mg (0,5 ml), bei Bedarf nach 5 min wiederholen | < 6 Jahre 0,15 mg · 6–12 Jahre 0,3 mg · > 12 Jahre 0,5 mg (0,01 mg/kg) |
| Adrenalin i.v. (nur beim Schock, durch erfahrenes Personal) | 0,05–0,1 mg je Gabe, verdünnt auf 0,1 mg/ml | 1 µg/kg, titriert |
| Volumen | 500–1000 ml Ringer-Acetat rasch | 20 ml/kg |
| Adrenalininhalation | 2 mg vernebelt bei Stridor | 2 mg vernebelt |
| Salbutamol | 5 mg vernebelt bei Bronchialobstruktion | 2,5 mg (< 20 kg) |
| Betamethason | 8 mg i.v. | 0,25 mg/kg, max. 8 mg |
| Clemastin | 2 mg i.v. | 0,0125–0,025 mg/kg |
flowchart TD
A[Verdacht auf Anaphylaxie: akuter Beginn mit Haut- oder Schleimhautbeteiligung plus Atembeeinträchtigung, Blutdruckabfall oder ausgeprägten Bauchsymptomen] --> B[Die Exposition beenden. Alarmieren. Adrenalin 1 mg pro ml sofort intramuskulär in den lateralen Oberschenkel]
B --> C[Den Patienten flach mit erhöhten Beinen lagern. Sauerstoff geben. Zwei großlumige Venenzugänge legen]
C --> D{Besserung innerhalb von 5 Minuten}
D -- Nein --> E[Adrenalin intramuskulär wiederholen. Ringer-Acetat 500 bis 1000 ml rasch geben]
E --> F{Fortbestehender Schock nach zwei bis drei intramuskulären Dosen}
F -- Ja --> G[Adrenalin intravenös 0,05 bis 0,1 mg je Gabe der Lösung 0,1 mg pro ml, durch erfahrenes Personal mit kontinuierlicher Überwachung. Eine Infusion erwägen]
D -- Ja --> H[Verbleibende Symptome behandeln: Adrenalininhalation bei Stridor, Salbutamol bei Bronchialobstruktion]
E --> H
G --> H
H --> I[Betamethason und Antihistaminikum geben. Diese beeinflussen den akuten Verlauf nicht, können aber Spätsymptome vermindern]
I --> J[Mindestens 4 bis 8 Stunden überwachen, länger bei schwerer Reaktion oder wiederholten Adrenalindosen]
J --> K[Adrenalin-Autoinjektor mit Demonstration, schriftlicher Notfallplan und Überweisung zur Allergieabklärung]Nach einer behandlungsbedürftigen Anaphylaxie mindestens 4–8 Stunden überwachen; biphasische Reaktionen kommen vor. Alle Patienten sollen mit einem Adrenalin-Autoinjektor und einer schriftlichen Anleitung nach Hause gehen.
Patienten unter Betablockern können schlecht auf Adrenalin ansprechen. Bei ausbleibender Wirkung Glucagon 1–5 mg i.v., gefolgt von einer Infusion.
Arrhythmien
| Arzneimittel | Erwachsene | Kinder | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Adenosin | 6 mg als rascher i.v.-Bolus, dann 12 mg, dann 12 mg | 0,1 mg/kg (max. 6 mg), dann 0,2 mg/kg (max. 12 mg) | In eine großlumige Vene mit raschem Flush geben. Den Patienten vorwarnen |
| Amiodaron | 150–300 mg i.v. über 20–60 min, dann 900 mg/24 h | 5 mg/kg über 20–60 min | Zentraler Zugang bei längerer Infusion |
| Metoprolol | 5 mg i.v., Wiederholung bis max. 15 mg | 0,1 mg/kg langsam | Bei dekompensierter Herzinsuffizienz meiden |
| Digoxin | 0,25–0,5 mg i.v., Wiederholung bis max. 1,5 mg/Tag | 15 µg/kg | Langsamer Wirkeintritt |
| Atropin | 0,5 mg i.v., Wiederholung bis max. 3 mg | 0,02 mg/kg, min. 0,1 mg, max. 0,5 mg | Bei symptomatischer Bradykardie |
| Isoprenalin | 0,02–0,15 µg/kg/min | 0,02–0,1 µg/kg/min | Überbrückung bis zur Schrittmachertherapie |
| Magnesium | 2 g i.v. über 10 min | 25–50 mg/kg | Torsade de pointes |
Bei instabiler Tachyarrhythmie: synchronisierte Elektrokardioversion vor Arzneimitteln — 100–150 J biphasisch beim Erwachsenen, 1 J/kg beim Kind (2 J/kg beim zweiten Versuch).
Vasoaktive Infusionen
| Arzneimittel | Dosisbereich | Hauptwirkung | Anwendung bei |
|---|---|---|---|
| Noradrenalin | 0,05–0,5 µg/kg/min | α₁ — Vasokonstriktion | Septischer und distributiver Schock |
| Adrenalin | 0,05–0,5 µg/kg/min | α + β | Anaphylaktischer Schock, Postreanimationsbehandlung |
| Dobutamin | 2,5–10 µg/kg/min | β₁ — Inotropie | Kardiogener Schock mit niedrigem Fluss |
| Milrinon | 0,25–0,75 µg/kg/min | Phosphodiesterasehemmung | Rechtsherzversagen, pulmonale Hypertonie |
| Vasopressin | 0,01–0,04 IE/min (nicht gewichtsbezogen) | V₁ | Ergänzung beim noradrenalinrefraktären Schock |
| Nitroglycerin | 0,25–2 µg/kg/min | Venöse Dilatation | Lungenödem, hypertensive Krise |
Noradrenalin wird über einen zentralen Zugang gegeben, wenn ein solcher vorhanden ist, darf im Schock aber nicht in Erwartung eines zentralen Zugangs verzögert werden — die periphere Gabe in eine großlumige Vene unter sorgfältiger Überwachung ist initial eine akzeptierte Alternative.
Intubation und Sedierung
| Arzneimittel | Erwachsene | Kinder | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Propofol | 1,5–2,5 mg/kg i.v. | 2–3 mg/kg | Im Schock halbieren oder vierteln |
| Ketamin | 1–2 mg/kg i.v. | 1–2 mg/kg | Erhaltene Hämodynamik; erste Wahl bei Instabilität |
| Thiopental | 3–5 mg/kg | 3–5 mg/kg | Beim Status epilepticus |
| Midazolam | 0,05–0,1 mg/kg | 0,1 mg/kg | Langsamer Wirkeintritt |
| Fentanyl | 1–3 µg/kg | 1–2 µg/kg | Dämpft die Intubationsreaktion |
| Suxamethonium | 1–1,5 mg/kg | 1–2 mg/kg | Kontraindiziert bei Hyperkaliämie, Verbrennung > 24 h, Denervierung |
| Rocuronium | 1,0–1,2 mg/kg bei RSI | 1,0 mg/kg | Antagonisierung mit Sugammadex 16 mg/kg |
Erhaltungssedierung: Propofol 1–4 mg/kg/h, Midazolam 0,03–0,2 mg/kg/h, Dexmedetomidin 0,2–1,4 µg/kg/h. Eine leichte Sedierung anstreben, RASS −2 bis 0.
Krampfanfälle und Status epilepticus
| Schritt | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| 1. Benzodiazepin | Diazepam 10 mg i.v. oder Lorazepam 4 mg i.v. oder Midazolam 10 mg bukkal | Midazolam 0,3 mg/kg bukkal/nasal (max. 10 mg) oder Diazepam 0,5 mg/kg rektal |
| 2. Wiederholung nach 5–10 min | Dieselbe Dosis einmal | Dieselbe Dosis einmal |
| 3. Zweitlinienmittel | Levetiracetam 60 mg/kg (max. 4500 mg) oder Fosphenytoin 20 mg PE/kg oder Valproat 40 mg/kg | Dieselben mg/kg-Dosen |
| 4. Refraktär | Narkose mit Propofol, Midazolaminfusion oder Thiopental | Entsprechend, auf der Kinderintensivstation |
Bei Verdacht auf übermäßigen Alkoholkonsum oder Mangelernährung Thiamin 200–500 mg i.v. vor der Glukose geben. Plasmaglukose, Natrium, Calcium und Magnesium früh kontrollieren.
Antidote und spezifische Gegenmittel
| Vergiftung | Antidot | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|---|
| Opioide | Naloxon | 0,04–0,4 mg i.v., auf die Atmung titrieren — nicht auf die Vigilanz | 0,01 mg/kg |
| Benzodiazepine | Flumazenil | 0,2 mg i.v., Wiederholung nach Wirkung, max. 1 mg | 0,01 mg/kg |
| Paracetamol | Acetylcystein | 150 mg/kg über 1 h, danach nach Schema | Dieselben mg/kg |
| Betablocker | Glucagon | 5–10 mg i.v., dann Infusion | 50 µg/kg |
| Calciumantagonisten | Calciumgluconat + hochdosiertes Insulin | 10 ml 100 mg/ml; Insulin 1 IE/kg als Bolus + Infusion mit Glukose | 0,5 ml/kg |
| Lokalanästhetika | Lipidemulsion 200 mg/ml | 1,5 ml/kg als Bolus, dann 15 ml/kg/h | Dieselben mg/kg |
| Warfarin | Prothrombinkomplexkonzentrat + Vitamin K | 20–30 IE/kg nach INR, praktisch häufig etwa 25 IE/kg, plus Phytomenadion 10 mg i.v. | 25 IE/kg |
| Dabigatran | Idarucizumab | 5 g i.v. | Nach Gewicht, fachärztliche Rücksprache |
| Faktor-Xa-Hemmer | Andexanet alfa oder PPSB | Gemäß hausinternem Standard | Fachärztliche Rücksprache |
| Heparin | Protamin | 1 mg pro 100 IE Heparin, die in der letzten Stunde gegeben wurden | Dasselbe Prinzip |
| Methanol, Ethylenglykol | Fomepizol oder Ethanol | 15 mg/kg | 15 mg/kg |
| Digoxin | Digoxin-Antikörper | Nach Serumkonzentration | Nach Gewicht |
Flumazenil ist zurückhaltend anzuwenden. Bei einer Mischintoxikation mit trizyklischen Antidepressiva oder bei Benzodiazepinabhängigkeit kann die Antagonisierung schwer behandelbare Krampfanfälle auslösen. Bei einer reinen Benzodiazepinintoxikation mit erhaltener Atmung genügt meist die Überwachung.
Naloxon wird gegen die Atemfrequenz titriert. Die Lösung 0,4 mg/ml auf 0,04 mg/ml verdünnen und einem mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten 0,04–0,1 mg je Gabe verabreichen; bei einer Intoxikation mit unbekannter Dosis werden 0,2–0,4 mg gegeben. Die Wirkdauer beträgt 30–60 Minuten und ist damit kürzer als die der meisten Opioide — mindestens zwei Stunden überwachen, länger bei Retardzubereitungen, Pflastern und Methadon. Siehe Opioidtherapie bei starken Schmerzen.
Die Dosis des Prothrombinkomplexkonzentrats bei einer Warfarinblutung richtet sich nach dem Ausgangswert: etwa 12 IE/kg bei einem INR von 1,6–1,9, etwa 20 IE/kg bei 2,0–3,0 und etwa 30 IE/kg über 3,0. Phytomenadion muss gleichzeitig gegeben werden — die Wirkung des Konzentrats ist innerhalb von 6–8 Stunden erschöpft, während das Vitamin K intravenös 4–6 Stunden bis zum Wirkungseintritt benötigt. Siehe Warfarintherapie.
Aktivkohle 50 g p.o. (Kinder 1 g/kg) innerhalb einer Stunde nach Einnahme einer potenziell toxischen Dosis, sofern der Atemweg gesichert ist. Bei unklarer oder schwerer Vergiftung stets den Giftnotruf anrufen — in Deutschland das für die eigene Einrichtung zuständige regionale Giftinformationszentrum.
Metabolische Notfälle
| Zustand | Behandlung Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| Hypoglykämie | 30–50 ml Glucose 300 mg/ml i.v. oder Glucagon 1 mg i.m. | Glucose 100 mg/ml, 2 ml/kg i.v. |
| Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen | Calciumgluconat 10 ml 100 mg/ml + Insulin 10 IE in 25 g Glukose + Salbutamol 10–20 mg vernebelt | Calcium 0,5 ml/kg · Insulin 0,1 IE/kg mit Glukose |
| Diabetische Ketoazidose | Zuerst Volumen, dann Insulin 0,1 IE/kg/h; Kalium vor dem Insulin, wenn K < 3,3 | Insulin 0,05–0,1 IE/kg/h, erst nach 1 h Volumengabe beginnen |
| Nebennierenkrise | Hydrocortison 100 mg i.v., dann 200 mg/24 h | 2 mg/kg i.v. |
| Thyreotoxische Krise | Betablockade, Thiamazol, Hydrocortison, Jod nach dem Thyreostatikum | Fachärztliche Rücksprache |
| Symptomatische Hyponatriämie | 100–150 ml Natriumchlorid 30 mg/ml über 20 min, Wiederholung möglich | 2 ml/kg, max. 100 ml |
Bei Hyponatriämie: das Natrium um höchstens 8–10 mmol/l pro Tag anheben, um ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom zu vermeiden.
flowchart TD
A[Plasmakalium 6,0 mmol pro Liter oder höher] --> B[Sofort ein EKG schreiben und Telemetrie anschließen]
B --> C{EKG-Veränderungen: hohe spitze T-Wellen, verbreiterter QRS-Komplex, verlorene P-Welle oder Bradykardie}
C -- Ja --> D[Calciumgluconat 10 ml der Lösung 100 mg pro ml i.v. über 5 Minuten. Stabilisiert das Myokard, senkt das Kalium nicht. Kann wiederholt werden]
C -- Nein --> E[Kein Calcium erforderlich. Direkt zu den kaliumsenkenden Maßnahmen übergehen]
D --> F[Insulin 10 Einheiten in 25 Gramm Glukose i.v. Die Plasmaglukose mindestens 6 Stunden lang stündlich kontrollieren]
E --> F
F --> G[Salbutamol 10 bis 20 mg im Vernebler als Ergänzung]
G --> H{Anurie, Niereninsuffizienz oder fortbestehend hohe Werte}
H -- Ja --> I[Nephrologie oder Intensivmedizin zur Dialyse kontaktieren. Das ist die einzige Maßnahme, die Kalium aus dem Körper entfernt]
H -- Nein --> J[Kaliumbinder oral. ACE-Hemmer, ARB, Aldosteronantagonisten, kaliumsparende Diuretika und NSAR absetzen]
I --> K[Das Plasmakalium nach 1, 2 und 4 Stunden kontrollieren. Die Wirkung von Insulin und Salbutamol ist vorübergehend]
J --> KInsulin und Salbutamol verschieben Kalium nach intrazellulär, entfernen es aber nicht. Das Kalium kehrt innerhalb weniger Stunden zurück, wenn die Ursache nicht behoben wird — deshalb sind Verlaufskontrollen und eine Entscheidung über die Elimination erforderlich.
Akutes Koronarsyndrom und Schlaganfall
| Arzneimittel | Dosis Erwachsene | Kommentar |
|---|---|---|
| Acetylsalicylsäure | 300–500 mg p.o., zerkaut | Bei Verdacht auf ein ACS zu geben, sobald die Diagnose erwogen wird |
| Nitroglycerin | 0,4 mg sublingual, Wiederholung möglich | Kontraindiziert bei einem systolischen Blutdruck unter 90 mmHg, beim Rechtsherzinfarkt und nach Phosphodiesterasehemmern |
| Morphin | 2,5–5 mg i.v., titriert | Bei fortbestehendem starkem Schmerz; verzögert die Resorption oraler Thrombozytenaggregationshemmer |
| Heparin oder NMH | Gemäß lokalem PCI-Protokoll | In Absprache mit dem aufnehmenden Interventionszentrum |
| P2Y12-Hemmer | Gemäß lokalem Protokoll | Die Aufsättigungsdosis wird beim NSTEMI meist erst nach der Angiografie gegeben |
| Betablocker | Metoprolol 5 mg i.v., Wiederholung bis max. 15 mg | In der Akutphase nicht bei Insuffizienzzeichen, Hypotonie oder Bradykardie |
| Thrombolyse beim Schlaganfall | Alteplase 0,9 mg/kg, max. 90 mg, davon 10 % als Bolus und der Rest über 60 min | Nur nach CT und innerhalb des Zeitfensters, durch oder in Absprache mit dem Schlaganfalldienst |
| Tenecteplase beim Schlaganfall | 0,25 mg/kg als einmaliger Bolus, max. 25 mg | Wird in mehreren Regionen anstelle von Alteplase verwendet |
Beim Schlaganfall wird vor der CT kein Thrombozytenaggregationshemmer und keine Antikoagulation gegeben. Der Blutdruck muss vor der Thrombolyse unter 185/110 mmHg und im ersten Tag danach unter 180/105 mmHg liegen.
Sepsis und schwere Infektion
Die Antibiotikawahl richtet sich nach dem hausinternen Antibiotikaleitfaden und der lokalen Resistenzlage. Die Prinzipien sind überall dieselben:
- Zuerst Kulturen abnehmen, die Abnahme darf das Antibiotikum aber nicht verzögern. Blutkulturen × 2 sowie Kulturen aus dem vermuteten Fokus.
- Breitspektrumantibiotikum intravenös innerhalb einer Stunde beim septischen Schock.
- Die volle Aufsättigungsdosis unabhängig von der Nierenfunktion geben — die Dosisreduktion betrifft die Erhaltungsdosen, nicht die erste.
- Volumen 30 ml/kg Kristalloid bei Hypotonie oder einem Laktat über 4 mmol/l, mit Neubewertung nach jeweils 500 ml.
- Noradrenalin, wenn Volumen nicht ausreicht; nicht auf einen zentralen Zugang warten.
- Hydrocortison 50 mg × 4 i.v. beim vasopressorpflichtigen septischen Schock.
- Herdsanierung — Drainage, Débridement oder Katheterentfernung — innerhalb von 6–12 Stunden.
Blutung und Trauma
| Arzneimittel | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| Tranexamsäure | 1 g i.v. über 10 min innerhalb von 3 h, danach 1 g über 8 h | 15 mg/kg, max. 1 g |
| Fibrinogenkonzentrat | 2–4 g bei einem Fibrinogen < 1,5 g/l | 50–70 mg/kg |
| Thrombozyten | Bei < 50 ×10⁹/l und laufender Blutung, < 100 bei ZNS-Blutung | Nach Gewicht |
| Terlipressin | 1–2 mg i.v. alle 4 Stunden bei Varizenblutung | Selten relevant |
Massivblutung: das lokale Massivtransfusionsprotokoll aktivieren, eine balancierte Transfusion anstreben, eine Überladung mit Kristalloiden vermeiden, den Patienten warm halten und das ionisierte Calcium korrigieren.
Asthma und COPD
| Arzneimittel | Erwachsene | Kinder |
|---|---|---|
| Salbutamol | 5 mg vernebelt, wiederholen oder kontinuierlich geben | 2,5 mg (< 20 kg), 5 mg (> 20 kg) |
| Ipratropium | 0,5 mg vernebelt alle 6 Stunden | 0,25 mg (< 12 Jahre) |
| Betamethason | 8 mg i.v. oder Prednisolon 40–60 mg p.o. | 0,25 mg/kg, max. 8 mg |
| Magnesium | 2 g i.v. über 20 min beim schweren Anfall | 40 mg/kg, max. 2 g |
| Adrenalin i.m. | 0,5 mg beim lebensbedrohlichen Anfall ohne Wirkung der Inhalation | 0,01 mg/kg |
Normwerte bei Kindern
| Alter | Atemfrequenz | Herzfrequenz | Systolischer Blutdruck |
|---|---|---|---|
| < 1 Jahr | 30–40 | 110–160 | 70–90 |
| 1–2 Jahre | 25–35 | 100–150 | 80–95 |
| 2–5 Jahre | 25–30 | 95–140 | 80–100 |
| 5–12 Jahre | 20–25 | 80–120 | 90–110 |
| > 12 Jahre | 15–20 | 60–100 | 100–120 |
Die untere Grenze eines akzeptablen systolischen Blutdrucks bei Kindern über 1 Jahr lässt sich als 70 + (2 × Alter in Jahren) mmHg abschätzen. Die Tachykardie ist der wichtigste Kompensationsmechanismus des Kindes — eine Hypotonie ist ein spätes und prognostisch ernstes Zeichen.
Häufige Fallstricke
- Die Adrenalinkonzentrationen werden verwechselt. 1 mg/ml wird intramuskulär bei Anaphylaxie verwendet, 0,1 mg/ml intravenös beim Herzstillstand. Die Verwechslung gehört zu den am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Arzneimittelereignissen in der Notfallmedizin.
- Propofol im Schock kann einen Kreislaufkollaps verursachen — die Dosis stark reduzieren oder Ketamin wählen.
- Naloxon wird auf die Atemfrequenz titriert, nicht auf die Vigilanz; eine vollständige Antagonisierung führt zu Entzug und Agitation.
- Suxamethonium bei Hyperkaliämie kann einen Herzstillstand auslösen.
- Kalium vor Insulin bei der Ketoazidose — Insulin treibt Kalium nach intrazellulär.
- Thiamin vor Glukose bei Mangelernährung und übermäßigem Alkoholkonsum.
- Flumazenil bei Mischintoxikation kann Krampfanfälle auslösen; bei reiner Benzodiazepinintoxikation mit erhaltener Atmung genügt die Überwachung.
- Insulin und Salbutamol entfernen bei Hyperkaliämie kein Kalium — ohne Verlaufskontrollen und eine Entscheidung über die Elimination kehrt der Wert zurück.
- Nitroglycerin beim Rechtsherzinfarkt oder nach einem Phosphodiesterasehemmer verursacht einen ausgeprägten Blutdruckabfall.
- Antibiotika werden in Erwartung der Kulturen verzögert beim septischen Schock. Kulturen abnehmen, aber innerhalb einer Stunde behandeln.
- Bei der Kinderdosierung: in Milliliter umrechnen und die Berechnung vor der Gabe von einer Kollegin oder einem Kollegen gegenrechnen lassen.