Medikamente in der Notfallsituation

Schnellübersicht zur Dosierung der wichtigsten Arzneimittel in Notfall- und Intensivmedizin — Erwachsene und Kinder.

Inhalt (14)

Die nachstehenden Dosierungen gelten für Erwachsene, sofern nichts anderes angegeben ist; Kinderdosen sind pro Kilogramm mit der jeweiligen Höchstdosis angegeben. Vor der Gabe stets gegen die lokale Leitlinie und die Fachinformation prüfen — Konzentrationen und Zubereitungsformen unterscheiden sich zwischen den Kliniken, und die meisten schwerwiegenden Dosierungsfehler entstehen beim Verdünnen, nicht bei der Wahl der Dosis.

Kinderdosen werden auf das tatsächliche Gewicht berechnet, sofern nichts anderes angegeben ist. Bei unbekanntem Gewicht bei Kindern von 1–10 Jahren: das Gewicht als (Alter in Jahren + 4) × 2 kg schätzen, sofern verfügbar aber ein längenbasiertes Hilfsmittel verwenden.

Diese Seite ist eine Schnellübersicht, keine Behandlungsübersicht. Zur Vertiefung von zwei der häufigsten akuten Arzneimittelprobleme siehe Warfarintherapie und Opioidtherapie bei starken Schmerzen.

Vergleich der Adrenalinampulle 1 mg pro Milliliter für die intramuskuläre Anwendung und der fertig verdünnten Lösung 0,1 mg pro Milliliter für die intravenöse Anwendung, mit zugehörigen Dosen und Spritzenvolumina
Abbildung 1. Adrenalin gibt es in zwei Konzentrationen mit völlig unterschiedlichen Anwendungsgebieten. Die unverdünnte Ampulle 1 mg/ml wird bei Anaphylaxie intramuskulär in den lateralen Oberschenkel gegeben, 0,5 mg (0,5 ml) beim Erwachsenen. Die fertig verdünnte Lösung 0,1 mg/ml wird intravenös oder intraossär gegeben: 1 mg (10 ml) beim Herzstillstand des Erwachsenen, 0,01 mg/kg (0,1 ml/kg) beim Kind und 0,05–0,1 mg titriert beim anaphylaktischen Schock. Die Verwechslung der beiden Konzentrationen gehört zu den am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Arzneimittelereignissen in der schwedischen Notfallversorgung.

Herzstillstand

Arzneimittel Erwachsene Kinder
Adrenalin 1 mg i.v./i.o. alle 3–5 min. Bei Asystolie und PEA, sobald ein Zugang liegt, bei VF/pVT erst nach der 3. Defibrillation 0,01 mg/kg (0,1 ml/kg der Lösung 0,1 mg/ml), max. 1 mg, alle 3–5 min
Amiodaron 300 mg i.v. nach der 3. Defibrillation, weitere 150 mg nach der 5. 5 mg/kg, max. 300 mg
Lidocain (Alternative) 100 mg i.v., weitere 50 mg 1 mg/kg
Magnesium 2 g (8 mmol) i.v. bei Torsade de pointes oder Hypomagnesiämie 25–50 mg/kg, max. 2 g
Calciumchlorid 10 ml 100 mg/ml bei Hyperkaliämie, Hypokalzämie, Calciumantagonistenintoxikation 0,2 ml/kg
Natriumbicarbonat 50 mmol bei Hyperkaliämie oder Trizyklikaintoxikation 1 mmol/kg

Reversible Ursachen: Hypoxie, Hypovolämie, Hypo-/Hyperkaliämie und metabolische Störungen, Hypothermie, Tamponade, Toxine, Thrombose (koronar oder pulmonal), Spannungspneumothorax.

Für kein Arzneimittel ist gezeigt, dass es das neurologische Ergebnis nach einem Herzstillstand verbessert. Entscheidend sind qualitativ gute Thoraxkompressionen mit minimalen Unterbrechungen und eine frühe Defibrillation; die Arzneimittel werden gegeben, ohne die Kompressionen zu pausieren.

Anaphylaxie

Adrenalin intramuskulär in den lateralen Oberschenkel ist die Erstlinienbehandlung und muss vor allem anderen gegeben werden. Antihistaminikum und Steroid beeinflussen den akuten Verlauf nicht.

Maßnahme Erwachsene Kinder
Adrenalin i.m. (1 mg/ml) 0,5 mg (0,5 ml), bei Bedarf nach 5 min wiederholen < 6 Jahre 0,15 mg · 6–12 Jahre 0,3 mg · > 12 Jahre 0,5 mg (0,01 mg/kg)
Adrenalin i.v. (nur beim Schock, durch erfahrenes Personal) 0,05–0,1 mg je Gabe, verdünnt auf 0,1 mg/ml 1 µg/kg, titriert
Volumen 500–1000 ml Ringer-Acetat rasch 20 ml/kg
Adrenalininhalation 2 mg vernebelt bei Stridor 2 mg vernebelt
Salbutamol 5 mg vernebelt bei Bronchialobstruktion 2,5 mg (< 20 kg)
Betamethason 8 mg i.v. 0,25 mg/kg, max. 8 mg
Clemastin 2 mg i.v. 0,0125–0,025 mg/kg
flowchart TD
  A[Verdacht auf Anaphylaxie: akuter Beginn mit Haut- oder Schleimhautbeteiligung plus Atembeeinträchtigung, Blutdruckabfall oder ausgeprägten Bauchsymptomen] --> B[Die Exposition beenden. Alarmieren. Adrenalin 1 mg pro ml sofort intramuskulär in den lateralen Oberschenkel]
  B --> C[Den Patienten flach mit erhöhten Beinen lagern. Sauerstoff geben. Zwei großlumige Venenzugänge legen]
  C --> D{Besserung innerhalb von 5 Minuten}
  D -- Nein --> E[Adrenalin intramuskulär wiederholen. Ringer-Acetat 500 bis 1000 ml rasch geben]
  E --> F{Fortbestehender Schock nach zwei bis drei intramuskulären Dosen}
  F -- Ja --> G[Adrenalin intravenös 0,05 bis 0,1 mg je Gabe der Lösung 0,1 mg pro ml, durch erfahrenes Personal mit kontinuierlicher Überwachung. Eine Infusion erwägen]
  D -- Ja --> H[Verbleibende Symptome behandeln: Adrenalininhalation bei Stridor, Salbutamol bei Bronchialobstruktion]
  E --> H
  G --> H
  H --> I[Betamethason und Antihistaminikum geben. Diese beeinflussen den akuten Verlauf nicht, können aber Spätsymptome vermindern]
  I --> J[Mindestens 4 bis 8 Stunden überwachen, länger bei schwerer Reaktion oder wiederholten Adrenalindosen]
  J --> K[Adrenalin-Autoinjektor mit Demonstration, schriftlicher Notfallplan und Überweisung zur Allergieabklärung]

Nach einer behandlungsbedürftigen Anaphylaxie mindestens 4–8 Stunden überwachen; biphasische Reaktionen kommen vor. Alle Patienten sollen mit einem Adrenalin-Autoinjektor und einer schriftlichen Anleitung nach Hause gehen.

Patienten unter Betablockern können schlecht auf Adrenalin ansprechen. Bei ausbleibender Wirkung Glucagon 1–5 mg i.v., gefolgt von einer Infusion.

Arrhythmien

Arzneimittel Erwachsene Kinder Kommentar
Adenosin 6 mg als rascher i.v.-Bolus, dann 12 mg, dann 12 mg 0,1 mg/kg (max. 6 mg), dann 0,2 mg/kg (max. 12 mg) In eine großlumige Vene mit raschem Flush geben. Den Patienten vorwarnen
Amiodaron 150–300 mg i.v. über 20–60 min, dann 900 mg/24 h 5 mg/kg über 20–60 min Zentraler Zugang bei längerer Infusion
Metoprolol 5 mg i.v., Wiederholung bis max. 15 mg 0,1 mg/kg langsam Bei dekompensierter Herzinsuffizienz meiden
Digoxin 0,25–0,5 mg i.v., Wiederholung bis max. 1,5 mg/Tag 15 µg/kg Langsamer Wirkeintritt
Atropin 0,5 mg i.v., Wiederholung bis max. 3 mg 0,02 mg/kg, min. 0,1 mg, max. 0,5 mg Bei symptomatischer Bradykardie
Isoprenalin 0,02–0,15 µg/kg/min 0,02–0,1 µg/kg/min Überbrückung bis zur Schrittmachertherapie
Magnesium 2 g i.v. über 10 min 25–50 mg/kg Torsade de pointes

Bei instabiler Tachyarrhythmie: synchronisierte Elektrokardioversion vor Arzneimitteln — 100–150 J biphasisch beim Erwachsenen, 1 J/kg beim Kind (2 J/kg beim zweiten Versuch).

Vasoaktive Infusionen

Arzneimittel Dosisbereich Hauptwirkung Anwendung bei
Noradrenalin 0,05–0,5 µg/kg/min α₁ — Vasokonstriktion Septischer und distributiver Schock
Adrenalin 0,05–0,5 µg/kg/min α + β Anaphylaktischer Schock, Postreanimationsbehandlung
Dobutamin 2,5–10 µg/kg/min β₁ — Inotropie Kardiogener Schock mit niedrigem Fluss
Milrinon 0,25–0,75 µg/kg/min Phosphodiesterasehemmung Rechtsherzversagen, pulmonale Hypertonie
Vasopressin 0,01–0,04 IE/min (nicht gewichtsbezogen) V₁ Ergänzung beim noradrenalinrefraktären Schock
Nitroglycerin 0,25–2 µg/kg/min Venöse Dilatation Lungenödem, hypertensive Krise

Noradrenalin wird über einen zentralen Zugang gegeben, wenn ein solcher vorhanden ist, darf im Schock aber nicht in Erwartung eines zentralen Zugangs verzögert werden — die periphere Gabe in eine großlumige Vene unter sorgfältiger Überwachung ist initial eine akzeptierte Alternative.

Intubation und Sedierung

Arzneimittel Erwachsene Kinder Kommentar
Propofol 1,5–2,5 mg/kg i.v. 2–3 mg/kg Im Schock halbieren oder vierteln
Ketamin 1–2 mg/kg i.v. 1–2 mg/kg Erhaltene Hämodynamik; erste Wahl bei Instabilität
Thiopental 3–5 mg/kg 3–5 mg/kg Beim Status epilepticus
Midazolam 0,05–0,1 mg/kg 0,1 mg/kg Langsamer Wirkeintritt
Fentanyl 1–3 µg/kg 1–2 µg/kg Dämpft die Intubationsreaktion
Suxamethonium 1–1,5 mg/kg 1–2 mg/kg Kontraindiziert bei Hyperkaliämie, Verbrennung > 24 h, Denervierung
Rocuronium 1,0–1,2 mg/kg bei RSI 1,0 mg/kg Antagonisierung mit Sugammadex 16 mg/kg

Erhaltungssedierung: Propofol 1–4 mg/kg/h, Midazolam 0,03–0,2 mg/kg/h, Dexmedetomidin 0,2–1,4 µg/kg/h. Eine leichte Sedierung anstreben, RASS −2 bis 0.

Krampfanfälle und Status epilepticus

Schritt Erwachsene Kinder
1. Benzodiazepin Diazepam 10 mg i.v. oder Lorazepam 4 mg i.v. oder Midazolam 10 mg bukkal Midazolam 0,3 mg/kg bukkal/nasal (max. 10 mg) oder Diazepam 0,5 mg/kg rektal
2. Wiederholung nach 5–10 min Dieselbe Dosis einmal Dieselbe Dosis einmal
3. Zweitlinienmittel Levetiracetam 60 mg/kg (max. 4500 mg) oder Fosphenytoin 20 mg PE/kg oder Valproat 40 mg/kg Dieselben mg/kg-Dosen
4. Refraktär Narkose mit Propofol, Midazolaminfusion oder Thiopental Entsprechend, auf der Kinderintensivstation

Bei Verdacht auf übermäßigen Alkoholkonsum oder Mangelernährung Thiamin 200–500 mg i.v. vor der Glukose geben. Plasmaglukose, Natrium, Calcium und Magnesium früh kontrollieren.

Antidote und spezifische Gegenmittel

Vergiftung Antidot Erwachsene Kinder
Opioide Naloxon 0,04–0,4 mg i.v., auf die Atmung titrieren — nicht auf die Vigilanz 0,01 mg/kg
Benzodiazepine Flumazenil 0,2 mg i.v., Wiederholung nach Wirkung, max. 1 mg 0,01 mg/kg
Paracetamol Acetylcystein 150 mg/kg über 1 h, danach nach Schema Dieselben mg/kg
Betablocker Glucagon 5–10 mg i.v., dann Infusion 50 µg/kg
Calciumantagonisten Calciumgluconat + hochdosiertes Insulin 10 ml 100 mg/ml; Insulin 1 IE/kg als Bolus + Infusion mit Glukose 0,5 ml/kg
Lokalanästhetika Lipidemulsion 200 mg/ml 1,5 ml/kg als Bolus, dann 15 ml/kg/h Dieselben mg/kg
Warfarin Prothrombinkomplexkonzentrat + Vitamin K 20–30 IE/kg nach INR, praktisch häufig etwa 25 IE/kg, plus Phytomenadion 10 mg i.v. 25 IE/kg
Dabigatran Idarucizumab 5 g i.v. Nach Gewicht, fachärztliche Rücksprache
Faktor-Xa-Hemmer Andexanet alfa oder PPSB Gemäß hausinternem Standard Fachärztliche Rücksprache
Heparin Protamin 1 mg pro 100 IE Heparin, die in der letzten Stunde gegeben wurden Dasselbe Prinzip
Methanol, Ethylenglykol Fomepizol oder Ethanol 15 mg/kg 15 mg/kg
Digoxin Digoxin-Antikörper Nach Serumkonzentration Nach Gewicht

Flumazenil ist zurückhaltend anzuwenden. Bei einer Mischintoxikation mit trizyklischen Antidepressiva oder bei Benzodiazepinabhängigkeit kann die Antagonisierung schwer behandelbare Krampfanfälle auslösen. Bei einer reinen Benzodiazepinintoxikation mit erhaltener Atmung genügt meist die Überwachung.

Naloxon wird gegen die Atemfrequenz titriert. Die Lösung 0,4 mg/ml auf 0,04 mg/ml verdünnen und einem mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten 0,04–0,1 mg je Gabe verabreichen; bei einer Intoxikation mit unbekannter Dosis werden 0,2–0,4 mg gegeben. Die Wirkdauer beträgt 30–60 Minuten und ist damit kürzer als die der meisten Opioide — mindestens zwei Stunden überwachen, länger bei Retardzubereitungen, Pflastern und Methadon. Siehe Opioidtherapie bei starken Schmerzen.

Die Dosis des Prothrombinkomplexkonzentrats bei einer Warfarinblutung richtet sich nach dem Ausgangswert: etwa 12 IE/kg bei einem INR von 1,6–1,9, etwa 20 IE/kg bei 2,0–3,0 und etwa 30 IE/kg über 3,0. Phytomenadion muss gleichzeitig gegeben werden — die Wirkung des Konzentrats ist innerhalb von 6–8 Stunden erschöpft, während das Vitamin K intravenös 4–6 Stunden bis zum Wirkungseintritt benötigt. Siehe Warfarintherapie.

Aktivkohle 50 g p.o. (Kinder 1 g/kg) innerhalb einer Stunde nach Einnahme einer potenziell toxischen Dosis, sofern der Atemweg gesichert ist. Bei unklarer oder schwerer Vergiftung stets den Giftnotruf anrufen — in Deutschland das für die eigene Einrichtung zuständige regionale Giftinformationszentrum.

Metabolische Notfälle

Zustand Behandlung Erwachsene Kinder
Hypoglykämie 30–50 ml Glucose 300 mg/ml i.v. oder Glucagon 1 mg i.m. Glucose 100 mg/ml, 2 ml/kg i.v.
Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen Calciumgluconat 10 ml 100 mg/ml + Insulin 10 IE in 25 g Glukose + Salbutamol 10–20 mg vernebelt Calcium 0,5 ml/kg · Insulin 0,1 IE/kg mit Glukose
Diabetische Ketoazidose Zuerst Volumen, dann Insulin 0,1 IE/kg/h; Kalium vor dem Insulin, wenn K < 3,3 Insulin 0,05–0,1 IE/kg/h, erst nach 1 h Volumengabe beginnen
Nebennierenkrise Hydrocortison 100 mg i.v., dann 200 mg/24 h 2 mg/kg i.v.
Thyreotoxische Krise Betablockade, Thiamazol, Hydrocortison, Jod nach dem Thyreostatikum Fachärztliche Rücksprache
Symptomatische Hyponatriämie 100–150 ml Natriumchlorid 30 mg/ml über 20 min, Wiederholung möglich 2 ml/kg, max. 100 ml

Bei Hyponatriämie: das Natrium um höchstens 8–10 mmol/l pro Tag anheben, um ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom zu vermeiden.

flowchart TD
  A[Plasmakalium 6,0 mmol pro Liter oder höher] --> B[Sofort ein EKG schreiben und Telemetrie anschließen]
  B --> C{EKG-Veränderungen: hohe spitze T-Wellen, verbreiterter QRS-Komplex, verlorene P-Welle oder Bradykardie}
  C -- Ja --> D[Calciumgluconat 10 ml der Lösung 100 mg pro ml i.v. über 5 Minuten. Stabilisiert das Myokard, senkt das Kalium nicht. Kann wiederholt werden]
  C -- Nein --> E[Kein Calcium erforderlich. Direkt zu den kaliumsenkenden Maßnahmen übergehen]
  D --> F[Insulin 10 Einheiten in 25 Gramm Glukose i.v. Die Plasmaglukose mindestens 6 Stunden lang stündlich kontrollieren]
  E --> F
  F --> G[Salbutamol 10 bis 20 mg im Vernebler als Ergänzung]
  G --> H{Anurie, Niereninsuffizienz oder fortbestehend hohe Werte}
  H -- Ja --> I[Nephrologie oder Intensivmedizin zur Dialyse kontaktieren. Das ist die einzige Maßnahme, die Kalium aus dem Körper entfernt]
  H -- Nein --> J[Kaliumbinder oral. ACE-Hemmer, ARB, Aldosteronantagonisten, kaliumsparende Diuretika und NSAR absetzen]
  I --> K[Das Plasmakalium nach 1, 2 und 4 Stunden kontrollieren. Die Wirkung von Insulin und Salbutamol ist vorübergehend]
  J --> K

Insulin und Salbutamol verschieben Kalium nach intrazellulär, entfernen es aber nicht. Das Kalium kehrt innerhalb weniger Stunden zurück, wenn die Ursache nicht behoben wird — deshalb sind Verlaufskontrollen und eine Entscheidung über die Elimination erforderlich.

Akutes Koronarsyndrom und Schlaganfall

Arzneimittel Dosis Erwachsene Kommentar
Acetylsalicylsäure 300–500 mg p.o., zerkaut Bei Verdacht auf ein ACS zu geben, sobald die Diagnose erwogen wird
Nitroglycerin 0,4 mg sublingual, Wiederholung möglich Kontraindiziert bei einem systolischen Blutdruck unter 90 mmHg, beim Rechtsherzinfarkt und nach Phosphodiesterasehemmern
Morphin 2,5–5 mg i.v., titriert Bei fortbestehendem starkem Schmerz; verzögert die Resorption oraler Thrombozytenaggregationshemmer
Heparin oder NMH Gemäß lokalem PCI-Protokoll In Absprache mit dem aufnehmenden Interventionszentrum
P2Y12-Hemmer Gemäß lokalem Protokoll Die Aufsättigungsdosis wird beim NSTEMI meist erst nach der Angiografie gegeben
Betablocker Metoprolol 5 mg i.v., Wiederholung bis max. 15 mg In der Akutphase nicht bei Insuffizienzzeichen, Hypotonie oder Bradykardie
Thrombolyse beim Schlaganfall Alteplase 0,9 mg/kg, max. 90 mg, davon 10 % als Bolus und der Rest über 60 min Nur nach CT und innerhalb des Zeitfensters, durch oder in Absprache mit dem Schlaganfalldienst
Tenecteplase beim Schlaganfall 0,25 mg/kg als einmaliger Bolus, max. 25 mg Wird in mehreren Regionen anstelle von Alteplase verwendet

Beim Schlaganfall wird vor der CT kein Thrombozytenaggregationshemmer und keine Antikoagulation gegeben. Der Blutdruck muss vor der Thrombolyse unter 185/110 mmHg und im ersten Tag danach unter 180/105 mmHg liegen.

Sepsis und schwere Infektion

Die Antibiotikawahl richtet sich nach dem hausinternen Antibiotikaleitfaden und der lokalen Resistenzlage. Die Prinzipien sind überall dieselben:

  • Zuerst Kulturen abnehmen, die Abnahme darf das Antibiotikum aber nicht verzögern. Blutkulturen × 2 sowie Kulturen aus dem vermuteten Fokus.
  • Breitspektrumantibiotikum intravenös innerhalb einer Stunde beim septischen Schock.
  • Die volle Aufsättigungsdosis unabhängig von der Nierenfunktion geben — die Dosisreduktion betrifft die Erhaltungsdosen, nicht die erste.
  • Volumen 30 ml/kg Kristalloid bei Hypotonie oder einem Laktat über 4 mmol/l, mit Neubewertung nach jeweils 500 ml.
  • Noradrenalin, wenn Volumen nicht ausreicht; nicht auf einen zentralen Zugang warten.
  • Hydrocortison 50 mg × 4 i.v. beim vasopressorpflichtigen septischen Schock.
  • Herdsanierung — Drainage, Débridement oder Katheterentfernung — innerhalb von 6–12 Stunden.

Blutung und Trauma

Arzneimittel Erwachsene Kinder
Tranexamsäure 1 g i.v. über 10 min innerhalb von 3 h, danach 1 g über 8 h 15 mg/kg, max. 1 g
Fibrinogenkonzentrat 2–4 g bei einem Fibrinogen < 1,5 g/l 50–70 mg/kg
Thrombozyten Bei < 50 ×10⁹/l und laufender Blutung, < 100 bei ZNS-Blutung Nach Gewicht
Terlipressin 1–2 mg i.v. alle 4 Stunden bei Varizenblutung Selten relevant

Massivblutung: das lokale Massivtransfusionsprotokoll aktivieren, eine balancierte Transfusion anstreben, eine Überladung mit Kristalloiden vermeiden, den Patienten warm halten und das ionisierte Calcium korrigieren.

Asthma und COPD

Arzneimittel Erwachsene Kinder
Salbutamol 5 mg vernebelt, wiederholen oder kontinuierlich geben 2,5 mg (< 20 kg), 5 mg (> 20 kg)
Ipratropium 0,5 mg vernebelt alle 6 Stunden 0,25 mg (< 12 Jahre)
Betamethason 8 mg i.v. oder Prednisolon 40–60 mg p.o. 0,25 mg/kg, max. 8 mg
Magnesium 2 g i.v. über 20 min beim schweren Anfall 40 mg/kg, max. 2 g
Adrenalin i.m. 0,5 mg beim lebensbedrohlichen Anfall ohne Wirkung der Inhalation 0,01 mg/kg

Normwerte bei Kindern

Alter Atemfrequenz Herzfrequenz Systolischer Blutdruck
< 1 Jahr 30–40 110–160 70–90
1–2 Jahre 25–35 100–150 80–95
2–5 Jahre 25–30 95–140 80–100
5–12 Jahre 20–25 80–120 90–110
> 12 Jahre 15–20 60–100 100–120

Die untere Grenze eines akzeptablen systolischen Blutdrucks bei Kindern über 1 Jahr lässt sich als 70 + (2 × Alter in Jahren) mmHg abschätzen. Die Tachykardie ist der wichtigste Kompensationsmechanismus des Kindes — eine Hypotonie ist ein spätes und prognostisch ernstes Zeichen.

Häufige Fallstricke

  • Die Adrenalinkonzentrationen werden verwechselt. 1 mg/ml wird intramuskulär bei Anaphylaxie verwendet, 0,1 mg/ml intravenös beim Herzstillstand. Die Verwechslung gehört zu den am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Arzneimittelereignissen in der Notfallmedizin.
  • Propofol im Schock kann einen Kreislaufkollaps verursachen — die Dosis stark reduzieren oder Ketamin wählen.
  • Naloxon wird auf die Atemfrequenz titriert, nicht auf die Vigilanz; eine vollständige Antagonisierung führt zu Entzug und Agitation.
  • Suxamethonium bei Hyperkaliämie kann einen Herzstillstand auslösen.
  • Kalium vor Insulin bei der Ketoazidose — Insulin treibt Kalium nach intrazellulär.
  • Thiamin vor Glukose bei Mangelernährung und übermäßigem Alkoholkonsum.
  • Flumazenil bei Mischintoxikation kann Krampfanfälle auslösen; bei reiner Benzodiazepinintoxikation mit erhaltener Atmung genügt die Überwachung.
  • Insulin und Salbutamol entfernen bei Hyperkaliämie kein Kalium — ohne Verlaufskontrollen und eine Entscheidung über die Elimination kehrt der Wert zurück.
  • Nitroglycerin beim Rechtsherzinfarkt oder nach einem Phosphodiesterasehemmer verursacht einen ausgeprägten Blutdruckabfall.
  • Antibiotika werden in Erwartung der Kulturen verzögert beim septischen Schock. Kulturen abnehmen, aber innerhalb einer Stunde behandeln.
  • Bei der Kinderdosierung: in Milliliter umrechnen und die Berechnung vor der Gabe von einer Kollegin oder einem Kollegen gegenrechnen lassen.

Autoren

EBM AI
Evidensbaserad AI-agent

Aktualisiert 22. August 2026