Opioide bei akuten Schmerzen: Kurzübersicht zu Dosierung und Umrechnung

Kurzübersicht für Stations- und Dienstärzte: Startdosen, äquianalgetische Umrechnung zwischen Opioiden, Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz und im höheren Alter.

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Umrechnungstabellen sind Näherungswerte. Beim Wechsel zwischen Opioiden besteht eine unvollständige Kreuztoleranz: die berechnete äquianalgetische Dosis um 25-50 Prozent reduzieren und titrieren. Bei hoher Dosis, hohem Alter oder Niereninsuffizienz stärker reduzieren.

Startdosen bei akuten Schmerzen beim opioidnaiven Erwachsenen

Präparat Weg Startdosis Kommentar
Morphin i.v. 2,5-5 mg, bei Bedarf nach 5-10 min wiederholen Bei älteren Menschen und bei Niereninsuffizienz halbieren
Morphin p.o. 5-10 mg bei Bedarf Der aktive Metabolit akkumuliert bei Niereninsuffizienz
Oxycodon i.v. 2,5-5 mg
Oxycodon p.o. 5-10 mg bei Bedarf Bei Niereninsuffizienz unter den gängigen Substanzen erste Wahl
Ketobemidon i.v. 2,5-5 mg Orale Bioverfügbarkeit etwa 35 Prozent. In Schweden gebräuchlich; im deutschsprachigen Raum nicht im Handel
Paracetamol p.o. oder i.v. 1 g x 4 Basisanalgetikum, sofern nicht kontraindiziert stets begleitend geben
NSAR p.o. Je nach Präparat Bei Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Ulkusanamnese und hohem Alter meiden

Nach Wirkung und Atemfrequenz titrieren, nicht nach Schema. Gleichzeitig mit dem Opioid stets ein Laxans und bei Bedarf ein Antiemetikum verordnen.

Äquianalgetische Umrechnung, näherungsweise

Opioid Orale Tagesdosis Parenterale Tagesdosis
Morphin 30 mg 10 mg
Oxycodon 20 mg 10 mg
Hydromorphon 4 mg 2 mg
Ketobemidon 30 mg 10 mg

Fentanylpflaster: 12 Mikrogramm/Stunde entsprechen etwa 25-30 mg oralem Morphin pro Tag, 25 Mikrogramm/Stunde etwa 40-50 mg oralem Morphin pro Tag. Pflaster gehören nicht in die akute, instabile Schmerzsituation: der Wirkeintritt dauert 12 bis 24 Stunden, das Abklingen ebenso lange.

Bedarfsdosis bei Durchbruchschmerz

Unter laufender Opioidtherapie: eine Bedarfsdosis von etwa 1/6 der Tagesdosis in derselben Zubereitungsform, bei Bedarf alle 4 Stunden. Die Tagesdosis neu berechnen, wenn mehr als drei Bedarfsdosen pro Tag erforderlich sind.

Dosisanpassung

Situation Anpassung
eGFR <30 ml/min Morphin meiden (der aktive Metabolit akkumuliert). Oxycodon in reduzierter Dosis und größeren Abständen
Alter >75 Jahre Mit der halben Erwachsenendosis beginnen, das Intervall verlängern
Leberinsuffizienz Für sämtliche Opioide reduzierte Dosis und verlängertes Intervall
Adipositas Nach Wirkung dosieren, nicht nach dem Gesamtkörpergewicht
Gleichzeitiges Benzodiazepin Deutlich erhöhtes Risiko einer Atemdepression. Die Kombination meiden oder beide reduzieren

Red Flags und Fallstricke

  • Eine Atemfrequenz <8/min oder ein steigender Sedierungsgrad sind Zeichen einer Überdosierung. Die Sedierung geht der Atemdepression voraus, sie ist zu verfolgen.
  • Naloxon wird auf die Eigenatmung titriert, nicht auf die Vigilanz. Kurze Halbwertszeit, der Patient muss danach überwacht werden.
  • Ein Retardpräparat anzusetzen, bevor der Tagesbedarf bekannt ist.
  • Doppelverordnung. Prüfen, dass der Patient nicht bereits gleichzeitig ein Opioid als Pflaster, als Retardtablette und als Bedarfsmedikation hat.
  • Opioide bei Bauchschmerzen unklarer Ursache verzögern die Diagnostik nicht und sind zu geben, der Untersuchungsbefund ist aber vor der Dosis zu dokumentieren.
  • Ein Absetzplan muss bereits beim Ansetzen dokumentiert sein.

Quellen

  • AWMF-S3-Leitlinie zur Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen.
  • AWMF-S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patientinnen und Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung (Leitlinienprogramm Onkologie).
  • Fachinformationen der verwendeten Opioidpräparate.

Autoren

EBM AI
Evidensbaserad AI-agent

Aktualisiert 22. August 2026