Die Basismaßnahmen der Reanimation (engl. Basic Life Support, BLS) kann jeder durchführen, auch ein Laie ohne Ausrüstung. Sie umfassen vier Dinge: den Herzstillstand rasch erkennen, den Notruf absetzen, hochwertige Thoraxkompressionen mit Beatmung durchführen und so früh wie möglich einen automatisierten externen Defibrillator (AED) einsetzen. Gemessen an der Number needed to treat (NNT) gehören diese einfachen Schritte zu den wirksamsten Behandlungen der gesamten Notfallmedizin (Tabelle 1).
BLS wurde für den außerklinischen Herzstillstand (engl. out-of-hospital cardiac arrest, OHCA) entwickelt, gilt aber in jedem Umfeld, also auch auf Station oder im Wartezimmer. Die Basismaßnahmen halten den Patienten am Leben, bis Fachpersonal mit den erweiterten Maßnahmen beginnt (siehe Erweiterte Reanimationsmaßnahmen (ALS)). Häufig reichen sie allein aus: Wird ein Kammerflimmern innerhalb weniger Minuten mit einem AED defibrilliert, kehrt der Spontankreislauf oft zurück, bevor der Rettungsdienst eintrifft.
Daten aus dem schwedischen Reanimationsregister zeigen, wie viel davon abhängt, dass möglichst viele Menschen BLS beherrschen. Die breite Schulung von Laien und Ersthelfern (Polizei, Feuerwehr, Sicherheitsdienste, betriebliche Ersthelfer) war dort ein zentraler Faktor für die steigenden Überlebensraten nach OHCA und ist möglicherweise der stärkste einzelne Hebel überhaupt.
| Maßnahme | Teil von BLS | NNT, um 1 Person zu retten | Referenz |
|---|---|---|---|
| Frühes Erkennen des Herzstillstands | Ja | 11 | Berdowski et al. |
| Laienreanimation | Ja | 15 | Hasselqvist et al. |
| Frühe Defibrillation | Ja, wenn ein AED verfügbar ist | 5 | Kitamura et al. |
| Adrenalin (Epinephrin) | Nein | 112 | Perkins et al. |
Tabelle 1. Number needed to treat (NNT) für Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation. AED = automatisierter externer Defibrillator.
Number needed to treat (NNT): Anzahl der Patienten, die behandelt werden müssen, damit ein Patient profitiert. Bei einer NNT von 10 müssen 10 Personen behandelt werden, um 1 Person zu retten. Je kleiner die NNT, desto wirksamer die Maßnahme.
Der Vergleich in Tabelle 1 ist für die Praxis aufschlussreich. Ein AED in der Hand eines Passanten rettet pro behandeltem Patienten um ein Vielfaches mehr Leben als das wichtigste Medikament der erweiterten Reanimation. Jede Minute, die vor Ort ohne Kompressionen oder ohne Defibrillation vergeht, lässt sich später durch keine erweiterte Maßnahme zurückholen.
Basismaßnahmen der Reanimation (BLS) umfassen das rasche Erkennen und Behandeln lebensbedrohlicher Zustände wie Herzstillstand, Atemstillstand, Ertrinken, Trauma und Asphyxie. Sie werden von Laien, Rettungssanitätern, Notfallsanitätern, Pflegekräften und Ärzten durchgeführt und fortgesetzt, bis die erweiterten lebensrettenden Maßnahmen (ALS) beginnen. Beim Herzstillstand bestehen sie aus hochwertigen Thoraxkompressionen, Beatmung und dem Einsatz eines AED.

Der Ablauf in drei Worten: Prüfen, Rufen, Drücken
In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Laienreanimation mit dem Merksatz Prüfen, Rufen, Drücken gelehrt. Er bringt die Reihenfolge auf den Punkt: Bewusstsein und Atmung prüfen, den Notruf 112 absetzen, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Die folgende Übersicht zeigt den vollständigen Ablauf mit den Verzweigungen.
flowchart TD
A["Eigensicherung: Ist die Situation sicher?"] --> B["Ansprechen und an den Schultern rütteln: Reaktion?"]
B -->|"Reaktion vorhanden"| B1["Weiter beobachten, Hilfe holen"]
B -->|"Keine Reaktion"| C["Atemweg freimachen: Kopf überstrecken, Kinn anheben"]
C --> D["Atmung prüfen (maximal 10 s)"]
D -->|"Normale Atmung"| D1["Stabile Seitenlage, Notruf 112, Atmung weiter überwachen"]
D -->|"Keine oder nicht normale Atmung"| E["Notruf 112 (Lautsprecher), AED holen lassen"]
E --> F["30 Thoraxkompressionen, 2 Beatmungen"]
F --> G["AED einschalten, Elektroden aufkleben, Anweisungen folgen"]
G --> H["Fortsetzen, bis der Rettungsdienst übernimmt oder der Patient normal atmet und sich bewegt"]Die einzelnen Schritte werden im Folgenden in der Reihenfolge beschrieben, in der sie am Einsatzort ablaufen.
Schritt 1: Eigensicherung
Bevor der Helfer den Patienten berührt, beurteilt er die Umgebung. Fließender Verkehr, Strom, Rauch, Gas oder Wasser gefährden Helfer und Umstehende. Ist die Lage unsicher, wird zuerst die Gefahr beseitigt oder der Patient an einen sicheren Ort gebracht. Ein verletzter Helfer kann niemandem mehr helfen.
Schritt 2: Den Herzstillstand erkennen
Nach einem Kollaps, ob auf der Straße oder im Krankenhaus, ist die erste Frage: Liegt ein Herzstillstand vor? Drei Untersuchungen beantworten sie.
| Untersuchung | Vorgehen | Wer? |
|---|---|---|
| Reaktion | Laut ansprechen, an den Schultern rütteln, fragen, ob alles in Ordnung ist | Alle Helfer |
| Atmung | Kopf überstrecken, Kinn anheben; höchstens 10 Sekunden sehen, hören und fühlen, ob der Patient normal atmet | Alle Helfer |
| Puls | A. carotis (alternativ A. femoralis) tasten, höchstens 10 Sekunden, parallel zur Atemkontrolle | Nur trainiertes Fachpersonal |
Laien verzichten auf die Pulskontrolle. Einen schwachen Puls sicher zu tasten oder auszuschließen erfordert Übung, und unter Stress irren sich auch Geübte in beide Richtungen. Für Laien gilt deshalb eine einfache Regel: Wer nicht reagiert und nicht normal atmet, hat einen Herzstillstand, bis das Gegenteil bewiesen ist. Medizinisches Fachpersonal darf zusätzlich den Puls prüfen, aber nicht länger als 10 Sekunden. Bei jedem Zweifel wird mit der Reanimation begonnen.
Die Hautfarbe hilft bei der Diagnose nicht weiter. Blässe oder Zyanose sind unspezifisch und je nach Hauttyp und Licht kaum zu beurteilen.
Für Laien genügt die Feststellung, dass der Patient nicht reagiert und nicht normal atmet, um den Notruf abzusetzen und mit der Reanimation zu beginnen.
Schnappatmung ist keine Atmung
Atemstillstand und Herzstillstand sind eng verknüpft. Hört ein Mensch auf zu atmen, folgt nach kurzer Zeit der Herzstillstand, unabhängig von der Ursache. Umgekehrt zeigen viele Patienten in den ersten Minuten nach einem primären Herzstillstand noch eine Schnappatmung (agonale Atmung). Gemeint sind langsame, unregelmäßige, oft schnarchende oder seufzende Atemzüge ohne wirksamen Gasaustausch.
Schnappatmung ist kein Lebenszeichen, sondern ein Zeichen des Herzstillstands, und wird wie ein Atemstillstand behandelt. Laien deuten sie häufig als Atmung und warten ab. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum Herzstillstände am Telefon und vor Ort zu spät erkannt werden. Leitstellen fragen deshalb gezielt danach, ob der Patient "normal" atmet.
Auch ein kurzer generalisierter Krampfanfall zu Beginn eines Herzstillstands ist häufig und darf nicht als Epilepsie fehlgedeutet werden. Wer nach dem Krampf nicht reagiert und nicht normal atmet, wird reanimiert.
Schritt 3: Notruf und AED
Ist der Herzstillstand festgestellt, folgen die nächsten Schritte möglichst gleichzeitig.
- Notruf absetzen. Außerhalb des Krankenhauses über die europaweite Notrufnummer 112, im Krankenhaus über die hausinterne Reanimationsnummer.
- Lautsprecher einschalten. Am besten ruft ein Umstehender an. Ist der Helfer allein, wählt er selbst, stellt das Telefon auf Lautsprecher und beginnt sofort mit den Kompressionen. So kann die Leitstelle die Telefonreanimation anleiten, ohne dass die Herzdruckmassage unterbrochen wird.
- AED holen lassen. Ein zweiter Umstehender wird gezielt losgeschickt ("Sie im roten Pullover, holen Sie den Defibrillator aus dem Eingang"). Ist niemand da, beginnt der Helfer mit der Reanimation und verlässt den Patienten nicht, um einen AED zu suchen, sofern dieser nicht unmittelbar greifbar ist.
- Mit der Reanimation beginnen (siehe unten).
In einigen Regionen alarmiert die Leitstelle zusätzlich registrierte freiwillige Ersthelfer per Smartphone-Ortung und schickt sie zum Patienten oder zum nächsten AED. Der Rettungsdienst findet dadurch zunehmend Patienten vor, an denen bereits ein Defibrillator angeschlossen ist.
Atemwegsverlegung als Ursache erkennen
Hat der Patient einen tastbaren Puls, atmet aber nicht, muss an eine Verlegung der Atemwege gedacht werden. Mund und Rachen werden inspiziert. Ein sichtbarer Fremdkörper wird mit den Fingern entfernt. Blindes Auswischen des Rachens unterbleibt, weil es den Fremdkörper tiefer schieben kann. Fachpersonal beatmet einen Patienten mit Puls und Atemstillstand mit etwa 10 Beatmungen pro Minute und kontrolliert den Puls regelmäßig.
Fremdkörperaspiration: Rückenschläge und Heimlich-Handgriff
Ein Bolusereignis beim Essen ist die typische Situation. Entscheidend ist die Frage, ob der Husten noch wirksam ist.
| Situation | Zeichen | Maßnahme |
|---|---|---|
| Leichte Verlegung | Patient kann sprechen, husten und atmen | Zum Husten auffordern, nicht auf den Rücken klopfen, beobachten |
| Schwere Verlegung, bei Bewusstsein | Kann nicht sprechen, Husten unwirksam oder still, Atmung fehlt oder ist pfeifend | 5 Rückenschläge, dann 5 Oberbauchkompressionen, im Wechsel |
| Bewusstlos | Patient kollabiert | Auf den Boden legen, Notruf, Reanimation mit 30:2 beginnen |
Beim Heimlich-Handgriff wird ruckartig Druck von unten auf das Zwerchfell ausgeübt. Der intrathorakale Druck steigt, Luft wird aus der Lunge gepresst und kann den Fremdkörper aus den oberen Atemwegen herausschleudern. Das Vorgehen beim wachen Erwachsenen mit schwerer Atemwegsverlegung (Abbildung 1):
- Den Patienten zum Husten auffordern, solange der Husten noch wirksam ist.
- Seitlich hinter den Patienten treten, den Oberkörper mit einer Hand am Brustkorb stützen und nach vorn beugen, sodass der Kopf tiefer liegt als der Brustkorb.
- Bis zu 5 kräftige Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter geben. Nach jedem Schlag prüfen, ob sich die Verlegung gelöst hat.
- Bleibt dies erfolglos: bis zu 5 Oberbauchkompressionen. Dazu von hinten beide Arme um den Oberbauch legen, eine Faust zwischen Nabel und Brustbeinspitze setzen, mit der anderen Hand umgreifen und ruckartig nach hinten oben ziehen.
- Rückenschläge und Oberbauchkompressionen abwechseln, bis der Fremdkörper herauskommt oder der Patient bewusstlos wird. Dann wird mit der Reanimation begonnen.
Oberbauchkompressionen können innere Verletzungen verursachen, etwa an Leber, Milz oder Magen. Wer mit diesem Handgriff behandelt wurde, sollte deshalb anschließend ärztlich untersucht werden, auch wenn es ihm gut geht.
Bei Säuglingen unter einem Jahr werden keine Oberbauchkompressionen durchgeführt. Stattdessen wechseln sich 5 Rückenschläge in Bauchlage mit 5 Thoraxkompressionen in Rückenlage ab.

Wann auf Reanimationsmaßnahmen verzichtet wird
Etwa 90 % aller Patienten mit außerklinischem Herzstillstand versterben innerhalb von 30 Tagen, die meisten in den ersten Stunden. In einem erheblichen Teil dieser Fälle wird eine Reanimation begonnen, obwohl der Patient bereits tot ist oder sicher versterben wird. Das ist gerechtfertigt, denn vor Ort sind die entscheidenden Informationen meist unbekannt: der Wille des Patienten, seine Vorerkrankungen, die No-Flow-Zeit und die Low-Flow-Zeit. Im Zweifel wird reanimiert.
Einige Befunde sprechen allerdings klar dafür, dass eine Reanimation aussichtslos ist:
- Sichere Todeszeichen (Totenstarre, Totenflecke, Fäulnis, mit dem Leben nicht vereinbare Verletzungen) schließen eine Reanimation aus.
- Unbeobachteter Herzstillstand mit kalter Haut: Ein Überleben ist sehr unwahrscheinlich. Ausnahmen sind Hypothermie und Ertrinken in kaltem Wasser, bei denen die Kälte das Gehirn schützen kann (siehe Herzstillstand bei Hypothermie).
- Ein eindeutiger, dokumentierter Patientenwille (Patientenverfügung oder dokumentierter Reanimationsverzicht, engl. do not attempt cardiopulmonary resuscitation, DNACPR) ist zu beachten, wenn er vorliegt und auf die aktuelle Situation zutrifft.
Für den Rettungsdienst gibt es zusätzlich eine validierte Abbruchregel für die Basismaßnahmen. Sind nach Reanimation durch den Rettungsdienst alle drei folgenden Kriterien erfüllt, liegt das Überleben bei nur etwa 0,5 %:
- Der Herzstillstand wurde nicht vom Rettungsdienst beobachtet.
- Es wurde präklinisch kein Schock abgegeben.
- Es kam vor dem Transport zu keiner ROSC (Wiedererlangen eines Spontankreislaufs).
Für Laien spielen diese Überlegungen kaum eine Rolle. Ihre Aufgabe ist es, ohne Zögern zu beginnen. Die mediane Eintreffzeit des Rettungsdienstes liegt in vielen Regionen der Welt bei etwa 10 Minuten und damit deutlich über dem angestrebten Zeitfenster von 4 bis 6 Minuten. Ohne Laienreanimation ist das Gehirn bei Eintreffen des Rettungsdienstes oft schon schwer geschädigt. Die Laienreanimation verschiebt diese irreversiblen Schäden nach hinten, bis die erweiterten Maßnahmen beginnen können.
Präkordialer Faustschlag
Ein kräftiger, schneller mechanischer Impuls auf das Herz kann in seltenen Fällen eine ventrikuläre Tachykardie oder ein Kammerflimmern beenden. Die Evidenz dafür ist sehr schwach, und der Erfolg ist am ehesten in den ersten Sekunden nach Beginn der Arrhythmie zu erwarten. Der präkordiale Faustschlag kommt deshalb höchstens beim beobachteten, monitorüberwachten Herzstillstand in Betracht, wenn kein Defibrillator sofort verfügbar ist. Er wird mit der Kleinfingerseite der geballten Faust kräftig auf die untere Sternumhälfte geführt.
Ist ein Defibrillator zur Hand, unterbleibt der Faustschlag. Er verzögert nur die Defibrillation und die leitliniengerechte Reanimation. In der Laienreanimation hat er keinen Platz.
Kardiopulmonale Reanimation im Rahmen von BLS
Jeder kann die Basismaßnahmen der Reanimation durchführen. Das einzige echte Fehlverhalten ist, nichts zu tun.
Die Basismaßnahmen werden von Laien ebenso durchgeführt wie von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Klinikpersonal. AED sind heute so einfach zu bedienen und so weit verbreitet, dass sie fester Bestandteil der Basismaßnahmen geworden sind. Insgesamt gibt es vier Komponenten:
| Komponente | Inhalt | Kernaussage |
|---|---|---|
| Thoraxkompressionen | Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs | Wichtigste Einzelmaßnahme, wenn nicht sofort defibrilliert werden kann |
| Atemweg | Kopf überstrecken, Kinn anheben | Voraussetzung für jede wirksame Beatmung |
| Beatmung | Atemspende Mund zu Mund oder Mund zu Nase | 2 Beatmungen nach je 30 Kompressionen, Pause unter 10 Sekunden |
| AED | Einschalten, Elektroden kleben, Anweisungen folgen | So früh wie möglich, Kompressionen bis zur Analyse fortsetzen |
Thoraxkompressionen: hart, schnell und ohne Pausen

Der Patient liegt auf dem Rücken auf einer festen Unterlage, im Bett notfalls auch auf der Matratze, wenn das Umlagern zu lange dauern würde. Der Helfer kniet seitlich neben dem Brustkorb.
| Merkmal | Zielwert beim Erwachsenen |
|---|---|
| Druckpunkt | Mitte des Brustkorbs, untere Hälfte des Sternums |
| Handhaltung | Handballen der einen Hand auf das Sternum, zweite Hand darüber, Finger verschränkt und vom Brustkorb abgehoben |
| Armhaltung | Arme gestreckt, Schultern senkrecht über dem Druckpunkt, Kraft aus dem Oberkörper und der Rückenmuskulatur |
| Frequenz | 100 bis 120 pro Minute |
| Drucktiefe | mindestens 5 cm, nicht tiefer als 6 cm |
| Entlastung | Nach jeder Kompression vollständig entlasten, ohne sich aufzustützen und ohne die Hände abzuheben |
| Druck und Entlastung | Etwa gleich lang |
| Helferwechsel | Etwa alle 2 Minuten, mit möglichst kurzer Unterbrechung |
Die gestreckten Arme sind kein Formalismus. Mit gebeugten Ellbogen arbeitet nur die Armmuskulatur, die Kompressionen werden schnell flacher, und der Helfer ermüdet früher. Wer sein Körpergewicht aus der Hüfte einsetzt, kann die geforderte Tiefe über längere Zeit halten.
Rippenfrakturen sind bei korrekter Technik häufig, besonders bei älteren Menschen. Sie sind kein Grund, flacher zu drücken. Die Folgen einer Rippenfraktur sind im Vergleich zum Herzstillstand vernachlässigbar.
Verhältnis von Kompressionen zu Beatmungen
Das Kompressions-Ventilations-Verhältnis gibt an, wie viele Kompressionen auf wie viele Beatmungen kommen.
| Situation | Verhältnis |
|---|---|
| Erwachsene | 30:2 (30 Kompressionen, danach 2 Beatmungen) |
| Erwachsene, Helfer ungeübt oder nicht bereit zu beatmen | Nur Thoraxkompressionen, ununterbrochen mit 100 bis 120/min |
| Kinder und Säuglinge, Helfer mit pädiatrischer Ausbildung (ERC) | 5 initiale Beatmungen, danach 15:2 |
| Kinder und Säuglinge, Laie nur in Erwachsenen-BLS ausgebildet (ERC) | 5 initiale Beatmungen, danach 30:2 ist akzeptabel |
| Kinder und Säuglinge nach AHA | 30:2 mit einem Helfer, 15:2 mit zwei Helfern |
Bei Kindern ist der Herzstillstand meist Folge einer Hypoxie, nicht einer primären Rhythmusstörung. Deshalb beginnt die Reanimation dort mit 5 Beatmungen, und die Beatmung hat ein größeres Gewicht als beim Erwachsenen. Die Einzelheiten stehen in den pädiatrischen Leitlinien. Für einen Laien gilt: Jede Reanimation ist besser als keine, auch mit dem Erwachsenenschema.
Kann nicht sofort defibrilliert werden, sind die Thoraxkompressionen die wichtigste Einzelmaßnahme. Hochwertige Kompressionen erzeugen ein Herzzeitvolumen von etwa 20 bis 25 % des normalen Wertes, vorausgesetzt, die Herzklappen funktionieren normal. Das ist wenig, reicht aber, um Gehirn und Herz über Minuten mit einem Minimum an Sauerstoff zu versorgen.
Wie Kompressionen einen Kreislauf erzeugen
Die Herzdruckmassage wirkt über Druckschwankungen im Thorax. Die Physiologie ist im Artikel Die Physiologie der kardiopulmonalen Reanimation ausführlich beschrieben. Kurz zusammengefasst:
- Kompressionsphase: Der Druck im gesamten Thorax steigt, also in allen Geweben und Herzhöhlen. Bei intakten Klappen wird das Blut antegrad in die Aorta und damit in die Koronar- und Hirnarterien gepresst.
- Dekompressionsphase: Der intrathorakale Druck fällt. Der niedrige Druck im rechten Vorhof erlaubt den passiven Einstrom von venösem Blut in den rechten Vorhof und den rechten Ventrikel. Das Herz füllt sich für die nächste Kompression.
Daraus folgt, warum die vollständige Entlastung so wichtig ist. Wer sich auf den Brustkorb stützt, verhindert den Druckabfall in der Dekompressionsphase, und das Herz füllt sich schlechter.
Für die Rückkehr eines Spontankreislaufs ist der koronare Fluss entscheidend. Der koronare Perfusionsdruck (CPP) muss mindestens etwa 15 mmHg erreichen, damit das Myokard wieder geordnet elektrisch aktiv werden kann. Das ist die Voraussetzung für eine mechanische Herzaktion und damit für eine ROSC. Je höher der CPP, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Kammerflimmern oder eine ventrikuläre Tachykardie erfolgreich defibrilliert wird (Ewy et al.).
Der CPP baut sich mit jeder Serie von Kompressionen erst langsam auf. Jede Unterbrechung lässt ihn sofort zusammenbrechen, und es dauert viele Kompressionen, bis er wieder das vorherige Niveau erreicht. Deshalb sind kurze Pausen so wichtig.
Reanimation nur mit Thoraxkompressionen
Die Reanimation ausschließlich mit Thoraxkompressionen (Hands-only-CPR, Compression-only-CPR) ist beim außerklinischen Herzstillstand des Erwachsenen durch Laien möglicherweise gleichwertig mit der Standardreanimation 30:2 (Jerkeman et al., Riva et al.). In den ersten Minuten nach einem plötzlichen Herzstillstand enthält das Blut noch Sauerstoff, und die Schnappatmung trägt etwas zum Gasaustausch bei.
Daraus ergibt sich eine klare Empfehlung: Wer unsicher ist oder nicht beatmen möchte, drückt ununterbrochen. Bei der Telefonreanimation leiten die Leitstellen Laien in der Regel zur alleinigen Herzdruckmassage an. Ausgebildete Helfer beatmen dagegen weiterhin, besonders bei Kindern, Ertrinken, Atemwegsverlegung und länger dauernder Reanimation, also überall dort, wo eine Hypoxie im Vordergrund steht.
Unterbrechungen auf ein Minimum beschränken
Zahl und Dauer der Unterbrechungen müssen so gering wie möglich sein. Zulässig sind Pausen nur für die Beatmung, die Rhythmusanalyse durch den AED und die Schockabgabe. Die zwei Beatmungen sollen zusammen weniger als 10 Sekunden dauern. Gelingt die Beatmung nicht, werden nach höchstens zwei Versuchen trotzdem die Kompressionen fortgesetzt.
Atemweg freimachen
Beim bewusstlosen Patienten fällt die Zunge zurück und verlegt den Rachen. Durch Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns wird der Atemweg zuverlässig geöffnet. Stößt die Beatmung auf hohen Widerstand, wird der Kopf neu positioniert, bevor der nächste Versuch erfolgt.

Fremdkörper im Atemweg
- Mundhöhle und Rachen auf sichtbare Fremdkörper und lose Zahnprothesen inspizieren. Sichtbares entfernen, nicht blind auswischen.
- An eine Fremdkörperaspiration denken, wenn der Patient vor dem Kollaps nicht mehr sprechen konnte, besonders beim Essen.
- Ist der Patient noch nicht kollabiert und zeigt Zeichen des Erstickens, wird wie im Abschnitt zur Fremdkörperaspiration beschrieben vorgegangen: Husten, Rückenschläge, Oberbauchkompressionen. Wird er bewusstlos, beginnt sofort die Reanimation. Die Thoraxkompressionen wirken dann zugleich wie ein Heimlich-Handgriff.
Beatmung
Beim außerklinischen Herzstillstand ist die Mund-zu-Mund-Beatmung das Standardverfahren. Die Mund-zu-Nase-Beatmung ist eine gute Alternative und wird gewählt, wenn der Mund nicht abgedichtet werden kann, etwa bei Verletzungen im Gesichtsbereich. Eine Beatmungsmaske oder ein Beatmungstuch verringert die Hemmschwelle, ist aber keine Voraussetzung.
Durchführung der Atemspende
- Atemweg öffnen: Kopf überstrecken, Kinn anheben.
- Die Nase mit Daumen und Zeigefinger der Hand an der Stirn verschließen.
- Normal einatmen, den Mund des Patienten mit dem eigenen Mund umschließen.
- Gleichmäßig über etwa 1 Sekunde Luft einblasen, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.
- Mund lösen, den Brustkorb sich senken lassen, zweite Atemspende geben.
- Sofort mit den nächsten 30 Kompressionen weitermachen.
Der Helfer atmet vor der Atemspende normal und nicht besonders tief ein. Zu große oder zu schnelle Atemspenden blähen den Magen auf und erhöhen das Risiko einer Regurgitation. Eine übermäßige Beatmung steigert außerdem den intrathorakalen Druck. Das vermindert den venösen Rückstrom, den koronaren Perfusionsdruck und das Herzzeitvolumen. Hyperventilation ist auch bei professionellen Teams in der erweiterten Reanimation ein häufiges Problem (Aufderheide et al.).
Frühe Defibrillation durch Ersthelfer
Für das Kammerflimmern gilt: Die Defibrillation ist die eigentliche Therapie, die Kompressionen überbrücken nur die Zeit bis dahin. Zu den Ersthelfern zählen Laien, Polizei, Feuerwehr, Sicherheitsdienste und andere vor dem Rettungsdienst eintreffende Helfer.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine Studie zu beobachteten Herzstillständen mit defibrillierbarem Rhythmus an öffentlichen Orten. Wurde der erste Schock von einem Umstehenden mit einem öffentlich zugänglichen AED abgegeben, überlebten 67 % bis zur Krankenhausentlassung. Gab erst der Rettungsdienst den ersten Schock ab, waren es 43 % (Pollack et al.). Voraussetzung ist, dass ein Defibrillator, in der Regel ein halb- oder vollautomatisches Gerät, an einem öffentlichen Ort oder in einem Einsatzfahrzeug von Polizei oder Feuerwehr bereitsteht.
So wird ein AED eingesetzt
- Einschalten. Das Gerät gibt ab diesem Moment Sprachanweisungen.
- Elektroden aufkleben, ohne die Kompressionen zu unterbrechen, wenn zwei Helfer da sind. Die Klebeelektroden kommen auf die nackte Haut: eine unterhalb des rechten Schlüsselbeins neben dem Sternum, die andere seitlich links unterhalb der Achsel. Die Abbildungen auf den Elektroden zeigen die Position.
- Analyse. Während der AED den Rhythmus analysiert, berührt niemand den Patienten.
- Schock. Ist ein Schock empfohlen, treten alle zurück. Der Helfer löst den Schock per Knopfdruck aus (halbautomatisches Gerät) oder das Gerät gibt ihn nach einer Warnung selbst ab (vollautomatisches Gerät).
- Sofort weiterdrücken. Unmittelbar nach dem Schock, oder wenn kein Schock empfohlen wird, werden die Kompressionen ohne Puls- oder Atemkontrolle fortgesetzt. Der AED meldet sich nach 2 Minuten zur nächsten Analyse.
Während das Gerät lädt, wird weiter komprimiert, soweit das Gerät dies zulässt. Ein "kein Schock empfohlen" bedeutet nicht, dass der Patient einen Kreislauf hat. Es bedeutet nur, dass derzeit kein defibrillierbarer Rhythmus vorliegt, und die Reanimation geht weiter.
Öffentlich zugängliche Defibrillatoren sind sehr sicher. Ein AED gibt nur dann einen Schock ab, wenn er einen defibrillierbaren Rhythmus erkennt. Ein Helfer kann mit dem Gerät praktisch nichts falsch machen, außer es nicht zu benutzen.
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
| Fehler | Folge | Besser |
|---|---|---|
| Zu langes Prüfen von Atmung oder Puls | Verzögerter Beginn der Kompressionen | Atmung höchstens 10 s prüfen; bei Unsicherheit mit der Reanimation beginnen |
| Schnappatmung als normale Atmung gedeutet | Herzstillstand wird nicht erkannt | Schnappatmung wie Atemstillstand behandeln |
| Krampfanfall zu Beginn als Epilepsie gedeutet | Verzögerte Reanimation | Nach dem Krampf Reaktion und Atmung prüfen |
| Zu flache oder zu langsame Kompressionen | Zu niedriger koronarer Perfusionsdruck | 5 bis 6 cm tief, 100 bis 120/min |
| Zu schnelle Kompressionen (über 120/min) | Kompressionen werden flacher, schlechtere Füllung | Takt halten, z. B. mit Metronom oder Rückmeldegerät |
| Aufstützen auf den Brustkorb | Fehlende Entlastung, verminderter venöser Rückstrom | Nach jeder Kompression vollständig entlasten |
| Lange Unterbrechungen der Kompressionen | Rascher Abfall des koronaren Perfusionsdrucks | Pausen für Beatmung unter 10 s, sonst nur für Analyse und Schock |
| Hyperventilation | Hoher intrathorakaler Druck, vermindertes Herzzeitvolumen, Magenblähung | Normale Atemspenden über 1 s, bis sich der Brustkorb hebt |
| Pulskontrolle nach dem Schock | Unnötige Pause in einer kritischen Phase | Sofort weiterdrücken, Analyse erst nach 2 Minuten |
| Spätes Anlegen des AED | Verzögerte Defibrillation | AED früh holen lassen, Elektroden kleben, während weiter komprimiert wird |
Praxistipps für den Einsatz
- Die Reanimation ist körperlich sehr anstrengend. Die Qualität der Kompressionen lässt nach, bevor der Helfer selbst Erschöpfung bemerkt. Bei mehreren Helfern wird deshalb etwa alle 2 Minuten gewechselt, am besten bei der Analyse des AED.
- Kompressionen wirken nur auf fester Unterlage. Der Patient wird dazu auf den Rücken und, wenn möglich, auf den Boden gelegt.
- Das Telefon bleibt bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes auf Lautsprecher. Die Leitstelle hilft beim Erkennen des Herzstillstands, gibt den Takt vor und motiviert zum Weitermachen.
- Die Reanimation wird fortgesetzt, bis der Rettungsdienst übernimmt, der Patient eindeutige Lebenszeichen zeigt (Erwachen, gezielte Bewegungen, normale Atmung) oder die Helfer erschöpft sind.
- Beginnt der Patient wieder normal zu atmen, wird er in die stabile Seitenlage gebracht und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes laufend überwacht. Der AED bleibt angeschlossen.
Wie es nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes weitergeht, beschreibt der Artikel Erweiterte Reanimationsmaßnahmen (ALS). Die Einordnung der Basismaßnahmen in das Gesamtkonzept zeigt Die Überlebenskette beim plötzlichen Herzstillstand. Warum die ersten Minuten mit Defibrillation so entscheidend sind, erklärt Das 3-Phasen-Modell des plötzlichen Herzstillstands.
Referenzen
Berdowski J, Beekhuis F, Zwinderman AH, Tijssen JG, Koster RW. Importance of the first link: description and recognition of an out-of-hospital cardiac arrest in an emergency call. Circulation 2009; 119:2096-2102.
Hasselqvist-Ax I, Riva G, Herlitz J, et al. Early cardiopulmonary resuscitation in out-of-hospital cardiac arrest. N Engl J Med 2015; 372:2307-2315.
Kitamura T, Kiyohara K, Sakai T, et al. Public-access defibrillation and out-of-hospital cardiac arrest in Japan. N Engl J Med 2016; 375:1649-1659.
Ewy G.A. Cardiocerebral and cardiopulmonary resuscitation - 2017 update. Acute Med Surg. 2017; 4:227-234. 29123868
Pollack R.A, Brown S.P, Rea T, et al. Impact of bystander automated external defibrillator use on survival and functional outcomes in shockable observed public cardiac arrests. Circulation. 2018; 137:2104-2113. 29483086
Aufderheide TP, Sigurdsson G, Pirrallo RG, Yannopoulos D, McKnite S, von Briesen C, Sparks CW, Conrad CJ, Provo TA, Lurie KG. Hyperventilation-induced hypotension during cardiopulmonary resuscitation. Circulation. 2004;109:1960-1965. doi: 10.1161/01.CIR.0000126594.79136.61