Bronchiektasen

Zusammenfassung

Bronchiektasen sind persistierende Erweiterungen von Bronchien und Bronchiolen infolge einer strukturellen Schädigung der Bronchialwand, mit gestörtem Sekrettransport und rezidivierender Entzündung oder Infektion. Die Erkrankung sollte bei chronischem Husten, Auswurf und rezidivierenden Atemwegsinfekten vermutet werden, doch können auch unproduktiver Husten, Dyspnoe, Hämoptysen und obstruktive Symptome auftreten. Die Diagnose wird mittels HRCT des Thorax gestellt, während Spirometrie, Sputumkultur auf Bakterien und Mykobakterien sowie eine gezielte ätiologische Abklärung die Beurteilung ergänzen. Die stabile Erkrankung wird in erster Linie mit einer vom Physiotherapeuten angepassten Sekretmobilisation, körperlicher Aktivität und bei Bedarf inhalativem Natriumchlorid behandelt, während Bronchodilatatoren bei begleitendem Asthma oder deutlicher Symptomlinderung eingesetzt werden. Exazerbationen werden mit Antibiotika behandelt, die an das klinische Bild und die Kulturergebnisse angepasst sind; bei rezidivierenden Exazerbationen kann eine Langzeitprophylaxe mit Azithromycin erwogen werden, nachdem atypische Mykobakterien ausgeschlossen und Sicherheitskontrollen durchgeführt wurden.

Definition und Pathomechanismen

Definition

Bronchiektasen sind persistierende Erweiterungen von Bronchien und Bronchiolen, sekundär zu strukturellen Defekten der Bronchialwand. Es handelt sich also nicht um eine vorübergehende Bronchodilatation, etwa bei einer akuten Infektion, sondern um einen anatomischen Zustand, bei dem die Bronchialwand geschädigt oder fehlangelegt ist.

Die Schädigung kann angeboren sein, meist entstehen Bronchiektasen jedoch nach entzündlichen Prozessen, die die Bronchialwand zerstören. Das Krankheitsbild ist heterogen und kann auf ein kleineres Areal begrenzt sein oder eine größere Ausdehnung haben. Die Diagnose wird mittels HRCT des Thorax gestellt, die den Typ und die anatomische Ausdehnung der Bronchiektasen zeigt.

Bronchiektasen sind mit erheblicher Morbidität und erhöhter Mortalität verbunden. Das klinische Bild variiert je nach Ausmaß der Veränderungen und der zugrunde liegenden Erkrankung.

Strukturelle Schädigung und Sekretretention

Der zentrale Pathomechanismus ist eine persistierende Schädigung der Bronchialwand. Wenn Bronchien und Bronchiolen dilatieren, verändern sich die Anatomie der Atemwege und die Voraussetzungen für den Abtransport von Sekret. Sekret kann dann in den erweiterten Atemwegen verbleiben. Klinisch äußert sich dies häufig als chronischer Husten und Auswurf sowie rezidivierende Atemwegsinfekte. Auch unproduktiver Husten kommt vor.

Die HRCT kann neben der Bronchodilatation selbst Zeichen begleitender Veränderungen in und um die Atemwege zeigen:

  • Bronchialwandverdickung
  • Schleimpfröpfe
  • sogenanntes Tree-in-bud-Muster
  • peribronchiale Infiltrate
  • Air-Trapping

Diese Befunde beschreiben verschiedene Aspekte der strukturellen und entzündlichen Ausprägung der Erkrankung. Bronchialwandverdickung und peribronchiale Infiltrate können bei Entzündung auftreten, während Schleimpfröpfe eine Sekretretention anzeigen. Air-Trapping spricht für eine erschwerte Entleerung der Luft aus Teilen der Lunge. Im Verlauf können sich Dyspnoe und obstruktive Symptome entwickeln.

Zugrunde liegende Mechanismen

Bronchiektasen stellen ein gemeinsames anatomisches Endstadium mehrerer unterschiedlicher Krankheitsprozesse dar. Wichtige Mechanismen und Erkrankungen sind:

Mechanismus Beispiele
Destruktion nach Infektion Pertussis, Tuberkulose, atypische Mykobakterien, Mykoplasmen, Klebsiella, Staphylococcus aureus, RS-Virus, Influenza, Adenovirus und Herpes simplex
Angeborene Störung Primäre ziliäre Dyskinesie, zystische Fibrose und Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
Gestörte Immunabwehr Hypogammaglobulinämie, variables Immundefektsyndrom, HIV, Krebserkrankung und zytostatische Therapie
Immunologische Schädigung nach Transplantation Graft-versus-Host-Reaktion nach Knochenmarktransplantation und chronische Abstoßung nach Lungentransplantation
Systemische entzündliche Erkrankung Rheumatoide Arthritis, SLE, Sjögren-Syndrom und chronisch-entzündliche Darmerkrankung
Allergische und entzündliche Atemwegserkrankung Allergische bronchopulmonale Aspergillose, Asthma und COPD
Lokale Bronchusobstruktion Bronchusobstruktion und Mittellappensyndrom
Direkte Atemwegsschädigung Inhalation toxischer Gase
Wiederholte Exposition der Atemwege Aspiration und Reflux
Sonstige assoziierte Erkrankungen Yellow-Nail-Syndrom

Infektionen können nekrotisierende Schäden verursachen, die die Bronchialwand direkt zerstören. Bei angeborenen Erkrankungen können Struktur oder Funktion der Atemwege von vornherein abweichend sein. Primäre ziliäre Dyskinesie und zystische Fibrose sind Beispiele für Erkrankungen, bei denen der Sekrettransport gestört ist und sich Bronchiektasen entwickeln können.

Bei Immundefekten steigt die Anfälligkeit für rezidivierende oder schwer behandelbare Infektionen, die zu einer entzündlichen Bronchialwandschädigung beitragen können. Rheumatische und andere systemische entzündliche Erkrankungen können über eine Entzündung der Atemwege mit Bronchiektasen assoziiert sein. Die allergische bronchopulmonale Aspergillose stellt eine weitere spezielle entzündliche Ursache dar.

Eine lokale Bronchusobstruktion kann eine anatomisch begrenzte Veränderung hervorrufen, indem Ventilation und Sekrettransport distal des Hindernisses beeinträchtigt werden. Aspiration, Reflux und toxische Gase können dagegen eine wiederholte oder direkte Schädigung der Atemwege verursachen. Bei einem einzelnen Patienten können mehrere Mechanismen gleichzeitig vorliegen und gemeinsam die Ausdehnung und klinische Ausprägung der Bronchiektasen beeinflussen.

Normal verzweigter Bronchialbaum neben einem Bronchialbaum mit Bronchiektasen, jeweils mit Querschnitt.
Links ein normaler Bronchus, der sich gleichmäßig zur Peripherie hin verjüngt und eine dünne Wand mit Knorpelplatten hat. Rechts bleibende zylindrische, variköse und sakkuläre Erweiterungen mit verdickter, entzündeter Bronchialwand sowie retiniertem Sekret und Schleimpfropfen, was auch im Querschnitt sichtbar ist.

Epidemiologie

Häufigkeit und demografische Verteilung

Bronchiektasen kommen in allen Altersgruppen vor, die Epidemiologie ist jedoch heterogen und wird stark von der zugrunde liegenden Ätiologie beeinflusst. Die berichtete Prävalenz hat in den letzten Jahren in den USA zugenommen. Genaue Prävalenz- oder Inzidenzzahlen lassen sich jedoch nicht angeben, und die Häufigkeit kann nicht mit einer einzigen, für alle Patientengruppen repräsentativen Maßzahl beschrieben werden. Unterschiede in Ätiologie, Altersverteilung und geografischem Vorkommen von Infektionen tragen zu der großen Variation bei.

Allgemein gilt:

  • Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter.
  • Bronchiektasen sind bei Frauen häufiger als bei Männern.
  • Die Erkrankung wird häufig gleichzeitig mit COPD oder Asthma diagnostiziert.
  • Alter und klinisches Profil variieren je nach zugrunde liegender Erkrankung oder Infektion.

Die gleichzeitige Diagnose von Bronchiektasen und COPD oder Asthma bedeutet, dass sich die Patientengruppen epidemiologisch teilweise überschneiden. Häufigkeitsdaten aus Populationen mit obstruktiver Lungenerkrankung können sich daher von Daten aus unselektierten Bevölkerungen unterscheiden. Ob die Komorbidität selbst die zunehmende berichtete Prävalenz erklärt, geht nicht hervor, die Überschneidung muss jedoch beim Vergleich epidemiologischer Angaben berücksichtigt werden.

Ätiologiespezifische Patientengruppen

Bei zystischer Fibrose entwickeln sich klinisch relevante Bronchiektasen häufig in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Die zystische Fibrose kann jedoch auch atypisch verlaufen und erst bei Erwachsenen in ihren 30ern oder 40ern diagnostiziert werden. Bronchiektasen bei jüngeren Erwachsenen und Patienten mittleren Alters können somit in dieser ätiologischen Gruppe auftreten, auch wenn das Alter bei klinischer Manifestation variiert.

Ein weiteres charakteristisches epidemiologisches Profil zeigt sich bei Infektion mit dem Mycobacterium-avium-Komplex, MAC. MAC-assoziierte Bronchiektasen betreffen klassischerweise nichtrauchende Frauen über 50 Jahre. Dieses Profil unterscheidet sich von dem bei zystischer Fibrose und verdeutlicht, warum Alter, Geschlecht und Raucherstatus bei der Beschreibung von Bronchiektasen auf Bevölkerungsebene berücksichtigt werden müssen.

Ätiologischer Zusammenhang Typisches epidemiologisches Profil
Zystische Fibrose Klinisch relevante Bronchiektasen häufig in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter
Zystische Fibrose mit atypischem Verlauf Kann erst in den 30ern oder 40ern diagnostiziert werden
MAC-Infektion Klassischerweise nichtrauchende Frauen über 50 Jahre
Tuberkulose Bedeutendere Ursache in Regionen mit hoher Tuberkuloseprävalenz
COPD oder Asthma Bronchiektasen werden häufig gleichzeitig diagnostiziert

Geografische Unterschiede und Tuberkulose

In Regionen mit hoher Tuberkuloseprävalenz treten Bronchiektasen häufiger als Folge einer granulomatösen Infektion auf. Sie können fokal oder ausgedehnter sein, je nachdem, wie die Infektion Atemwege und Lungenparenchym betroffen hat.

Fokale Bronchiektasen können entstehen, wenn vergrößerte granulomatöse Lymphknoten einen Atemweg von außen komprimieren. Sie können sich auch bei einer intraluminalen Obstruktion entwickeln, wenn ein verkalkter Lymphknoten die Atemwegswand arrodiert, etwa bei Broncholithiasis. Bei reaktivierter Tuberkulose kann die Infektion eine Destruktion des Lungenparenchyms und damit diffuser verteilte Bronchiektasen verursachen. Die Tuberkuloselast einer Population beeinflusst somit sowohl die Häufigkeit der Erkrankung als auch die vorkommenden radiologischen Verteilungsmuster.

Über tuberkuloseassoziierte Fälle hinaus wurde eine erhöhte Inzidenz von Bronchiektasen ohne zystische Fibrose als bedeutendes Problem in Entwicklungsländern beschrieben. Der zugrunde liegende Mechanismus ist nicht geklärt. Es wurde vermutet, dass die hohe Prävalenz von Mangelernährung in einigen Regionen mit einem erhöhten Risiko für eine eingeschränkte Immunfunktion einhergehen und dadurch zur Entstehung von Bronchiektasen beitragen kann; dies ist jedoch eher ein Erklärungsansatz als ein gesicherter allgemeiner Mechanismus.

Ätiologie

Bronchiektasen sind ein gemeinsames strukturelles Endstadium mehrerer infektiöser, genetischer, immunologischer und mechanischer Erkrankungen. Die Ätiologie lässt sich oft danach vermuten, ob die Veränderungen fokal oder diffus sind, sowie nach ihrer anatomischen Verteilung. Trotz gezielter ätiologischer Abklärung werden in Zuweisungskollektiven 25–50 % der Fälle als idiopathisch klassifiziert.

Fokale Bronchiektasen

Fokale Veränderungen sprechen in erster Linie für eine lokale Atemwegsobstruktion. Die Obstruktion kann sein:

  • Endobronchial, zum Beispiel aspirierter Fremdkörper, Bronchustumor, narbige Stenose oder kongenitale Bronchusatresie.
  • Extrinsisch, zum Beispiel Kompression durch vergrößerte Lymphknoten oder eine angrenzende Tumormasse im Lungenparenchym.

Eine granulomatöse Infektion kann fokale Bronchiektasen über vergrößerte Lymphknoten verursachen, die den Bronchus komprimieren. Ein verkalkter Lymphknoten kann zudem die Bronchialwand arrodieren und einen Broncholithen mit endobronchialer Obstruktion bilden. Fokale Bronchiektasen sollten daher stets den Verdacht auf ein lokales anatomisches Hindernis wecken.

Diffuse Bronchiektasen

Diffuse oder multilobäre Bronchiektasen sprechen häufiger für eine systemische, infektiöse oder angeborene Ursache.

Ätiologische Kategorie Beispiele und klinische Bedeutung
Infektion Schwere oder rezidivierende bakterielle Infektion, Tuberkulose und nichttuberkulöse Mykobakterien
Immundefekt Hypogammaglobulinämie, HIV-Infektion und Bronchiolitis obliterans nach Lungentransplantation
Genetische oder angeborene Erkrankung Zystische Fibrose, primäre ziliäre Dyskinesie einschließlich Kartagener-Syndrom, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel und angeborener Knorpeldefekt
Immunvermittelte Erkrankung Allergische bronchopulmonale Aspergillose
Autoimmune oder entzündliche Erkrankung Rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom, systemische Sklerose und chronisch-entzündliche Darmerkrankung
Aspiration Chronisch rezidivierende Aspiration, unter anderem bei ösophagealer Motilitätsstörung
Fibrotische Lungenerkrankung Traktionsbronchiektasen bei idiopathischer Lungenfibrose oder nach Strahlentherapie
Sonstiges Yellow-Nail-Syndrom

Eine einzelne schwere Atemwegsinfektion kann eine bleibende Schädigung der Bronchialwand und einen gestörten Sekrettransport verursachen. Klassische Beispiele sind Pneumonien durch Bordetella pertussis oder Mycoplasma pneumoniae. Tuberkulose kann durch Destruktion des Lungenparenchyms ausgedehntere Veränderungen hervorrufen, insbesondere bei reaktivierter Erkrankung.

Nichttuberkulöse Mykobakterien, vor allem der Mycobacterium-avium-intracellulare-Komplex, sind mit Bronchiektasen assoziiert und zeigen häufig eine Prädilektion für die mittleren Lungenabschnitte. Pseudomonas aeruginosa kolonisiert bevorzugt bereits geschädigte Atemwege und kann anschließend zu fortgesetzter Infektion und Gewebeschädigung beitragen, der Nachweis muss jedoch nicht die ursprüngliche Ätiologie anzeigen.

Eine gestörte mukoziliäre Clearance ist zentral bei zystischer Fibrose und primärer ziliärer Dyskinesie. Auch der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel wurde mit Bronchiektasen in Verbindung gebracht, wahrscheinlich durch einen unzureichenden Schutz vor neutrophiler Elastase und anderen proteolytischen Mediatoren.

Ätiologische Hinweise aus der Verteilung

Die radiologische Verteilung kann die ätiologische Beurteilung lenken:

  • Oberlappenbetonung: zystische Fibrose; nach Strahlentherapie entsprechen die Veränderungen in der Regel dem bestrahlten Areal.
  • Mittellappenbetonung: Infektion mit nichttuberkulösen Mykobakterien oder primäre ziliäre Dyskinesie.
  • Unterlappenbetonung: rezidivierende Aspiration, Hypogammaglobulinämie mit rezidivierenden Infektionen oder fortgeschrittene fibrotische Lungenerkrankung.
  • Zentrale Bronchiektasen: allergische bronchopulmonale Aspergillose, bei der eine immunvermittelte Reaktion gegen Aspergillus die Bronchialwand schädigt.

Auch ein angeborener Knorpelmangel kann zentral betonte Veränderungen verursachen. Dazu gehören die Tracheobronchomegalie, das Mounier-Kuhn-Syndrom und das Williams-Campbell-Syndrom. Traktionsbronchiektasen unterscheiden sich ätiologisch dadurch, dass die Atemwege erweitert werden, wenn fibrotisch umgebautes Lungenparenchym an den Bronchialwänden zieht, und nicht durch eine primär infektiöse Destruktion.

Diagnostische Abklärung

Die Abklärung hat zwei Hauptziele:

  1. Bronchiektasen nachzuweisen oder auszuschließen und die Ausdehnung der Veränderungen zu erfassen.
  2. Eine eventuell zugrunde liegende Erkrankung sowie relevante mikrobiologische Befunde zu identifizieren.

Die HRCT des Thorax ist die bildgebende Untersuchung der Wahl. Die Spirometrie dient der Beurteilung der Lungenfunktionseinschränkung, während Sputumkulturen das Vorkommen von Bakterien, Mykobakterien und anderen Mikroorganismen erfassen. Eine Bronchoskopie kann erforderlich sein, wenn Sputumproben kein adäquates diagnostisches Material liefern.

HRCT des Thorax

Die HRCT des Thorax wird zur Diagnosestellung durchgeführt. Die Untersuchung zeigt Typ, anatomische Verteilung und Ausdehnung der Bronchiektasen. Die Beurteilung soll auch andere Veränderungen umfassen, die zusammen mit Bronchiektasen auftreten können.

HRCT-Befund Diagnostische Bedeutung
Bronchiektasen Bestätigt die strukturellen Bronchusveränderungen und zeigt deren Typ und Ausdehnung
Bronchialwandverdickung Zeigt Veränderungen der Bronchialwände
Schleimpfröpfe Zeigen eine Sekretretention in den Atemwegen
Tree-in-bud Assoziierter radiologischer Befund in den kleinen Atemwegen
Peribronchiale Infiltrate Zeigen infiltrative Veränderungen um die Bronchien
Air-Trapping Kann eine begleitende Beeinträchtigung der Ventilation nachweisen

Die Ausdehnung in der HRCT ist in die weitere ätiologische Abklärung einzubeziehen. Fokale und diffuse Veränderungen können unterschiedliche diagnostische Überlegungen begründen, doch kein einzelnes radiologisches Kriterium legt allein die zugrunde liegende Ursache fest.

Lungenfunktionsprüfung

Die Spirometrie wird durchgeführt, um das Ausmaß der Lungenfunktionseinschränkung zu messen und einen Ausgangswert für spätere Vergleiche zu erheben. Patienten mit Bronchiektasen entwickeln in der Regel eine obstruktive Ventilationsstörung. Die Obstruktion kann sich bei häufigen Exazerbationen und bei Progression der Bronchiektasen verschlechtern.

Die Spirometrie ergänzt die HRCT, ersetzt die Bildgebung jedoch nicht. Eine nachgewiesene Ventilationsstörung beschreibt die funktionelle Beeinträchtigung, während die HRCT die strukturellen Veränderungen bestätigt und erfasst.

Mikrobiologische Diagnostik

Sputumproben sind für beide folgenden Untersuchungen zu entnehmen:

  • allgemeine Bakterienkultur
  • Tuberkulosekultur, einschließlich Mykobakteriendiagnostik

Häufige bakterielle Befunde bei Bronchiektasen sind:

  • Haemophilus influenzae
  • Staphylococcus aureus
  • Streptococcus pneumoniae
  • Moraxella catarrhalis
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Stenotrophomonas maltophilia
  • Achromobacter spp.

Die Bedeutung der Kultur muss in Relation zum klinischen Bild und zu den radiologischen Befunden beurteilt werden. Nichttuberkulöse Mykobakterien und Aspergillus spp. können die Atemwege kolonisieren, ohne krankheitsverursachend zu sein. Ein positiver Kulturbefund bedeutet daher nicht automatisch eine aktive Infektion.

Für die Diagnose einer pulmonalen Mykobakteriose sind erforderlich:

  • mindestens zwei positive Sputumkulturen oder eine positive Kultur aus der Bronchiallavage-Flüssigkeit (BAL)
  • typische Symptome
  • typische radiologische Befunde

Alle Komponenten müssen somit zusammen bewertet werden. Eine einzelne positive Sputumkultur reicht für die Diagnose nicht aus, während eine positive Kultur aus der Bronchiallavage-Flüssigkeit mikrobiologisch ausreicht.

Wann eine Bronchoskopie erforderlich sein kann

Die Bronchoskopie kann eingesetzt werden, wenn adäquate Proben nicht auf andere Weise gewonnen werden können. Bei der Untersuchung kann das Bronchialsystem mindestens bis auf Subsegmentebene inspiziert, Sekret abgesaugt und Material für Kultur oder Zytologie entnommen werden. Die Probenentnahme kann aus Sekret und Epithelzellen erfolgen, und eine bronchoalveoläre Lavage kann eingesetzt werden, wenn sie indiziert ist.

Die Bronchoskopie ist also nicht als Routineuntersuchung für alle Patienten vorgesehen. Sie sollte vor allem erwogen werden, wenn die mikrobiologische Diagnostik aus dem Sputum unzureichend ist oder eine gezielte Probenentnahme aus den Atemwegen erforderlich ist.

Zusammenfassende diagnostische Beurteilung

Die Diagnose soll auf den HRCT-Befunden zusammen mit der Beurteilung von Lungenfunktion und Mikrobiologie beruhen. Anschließend wird die weitere Abklärung auf mögliche Grunderkrankungen ausgerichtet. Mikrobiologische Befunde, insbesondere nichttuberkulöse Mykobakterien und Aspergillus, sollen nicht isoliert interpretiert, sondern zu Symptomen und radiologischen Veränderungen in Beziehung gesetzt werden.

Differenzialdiagnosen

Bronchiektasen sollten bei chronischem Husten, Auswurf und rezidivierenden Atemwegsinfekten erwogen werden, die Symptomatik ist jedoch unspezifisch. Auch unproduktiver Husten, Hämoptysen, Dyspnoe, obstruktive Symptome, Müdigkeit und Gewichtsverlust können auftreten. Die Differenzialdiagnostik muss daher andere obstruktive Lungenerkrankungen, interstitielle Lungenerkrankungen, restriktive Erkrankungen, Lungenembolie und Herzinsuffizienz umfassen. Zugleich müssen fokale radiologische Veränderungen Anlass geben, eine lokale Atemwegsobstruktion in Betracht zu ziehen.

Wichtige Differenzialdiagnosen

Erkrankung Befunde, die für die Diagnose sprechen Untersuchungen zur Abgrenzung
Asthma Variable obstruktive Symptome und schwankende Lungenfunktion Spirometrie mit Reversibilitätstest. Bei Bedarf PEF-Protokoll, Methacholin-Provokationstest, Bluteosinophile und FeNO
COPD oder Emphysem Persistierende Atemwegsobstruktion, insbesondere bei relevanter Exposition. Ein Emphysem kann trotz relativ gut erhaltener Spirometrie vorliegen Vergleich mit früheren Spirometrien und Beurteilung der Diffusionskapazität. Die HRCT kann zur Charakterisierung struktureller Veränderungen beitragen
Bronchiolitis Beteiligung der kleinen Atemwege und obstruktive Symptome Inertgas-Auswaschtest, Impulsoszillometrie sowie CT des Thorax mit Exspirationsaufnahmen
Interstitielle Lungenerkrankung Dyspnoe und verminderte Diffusionskapazität. Die Erkrankung ist im Röntgen-Thorax nicht immer sichtbar Messung der Sauerstoffsättigung unter Belastung und HRCT des Thorax
Restriktive Ventilationsstörung Thoraxrigidität, Zwerchfellparese oder neuromuskuläre Erkrankung, zum Beispiel frühe ALS. Symptome einer Hypoventilation können auftreten Messung der statischen Lungenvolumina, Blutgasanalyse, ggf. Messung der Atemmuskelkraft und nächtliche Messung
Lungenembolie oder Lungeninfarkt Akute oder neu aufgetretene Dyspnoe, Tachykardie, Hämoptysen und pleuritischer Schmerz. Ein kleiner Pleuraerguss kann vorliegen Gezielte Abklärung auf Lungenembolie entsprechend dem klinischen Verdacht
Herzinsuffizienz Orthopnoe oder nächtliche Dyspnoe. Husten und Giemen können bei Linksherzinsuffizienz auftreten Klinische kardiale Beurteilung. Ein sehr niedriges BNP oder NT-proBNP kann bei Patienten ohne Adipositas gegen eine Herzinsuffizienz als Ursache der Dyspnoe sprechen
Lokale Atemwegsobstruktion Fokale Bronchiektasen oder lokal rezidivierende Infektionen Bronchoskopie zum Ausschluss eines Tumors oder Fremdkörpers

Radiologische und ätiologische Abgrenzungen

Die HRCT bestätigt Bronchiektasen und zeigt ihre Ausdehnung, doch das Vorliegen erweiterter Bronchien zeigt nicht immer eine primäre Bronchialerkrankung an. Traktionsbronchiektasen können durch Verziehung des Lungengewebes bei Fibrose entstehen, etwa bei idiopathischer Lungenfibrose oder Fibrose nach Strahlentherapie. In diesen Fällen muss die interstitielle oder fibrotische Lungenerkrankung als führender Prozess identifiziert werden.

Bei fokalen Bronchiektasen ist eine obstruierende Läsion aktiv auszuschließen. Ein zugrunde liegender Tumor oder ein aspirierter Fremdkörper kann zu lokaler Sekretstase, Infektionen und sekundären Bronchiektasen führen. Bei fokaler Erkrankung ist daher fast immer eine Bronchoskopie zur Beurteilung des Atemweglumens und zur Probenentnahme erforderlich.

Infektion, Kolonisation oder andere Lungenerkrankung

Mikrobiologische Befunde müssen zusammen mit Symptomen und Radiologie bewertet werden. Haemophilus influenzae, Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Moraxella catarrhalis und gramnegative Bakterien können bei Bronchiektasen nachgewiesen werden. Eine positive Sputumprobe allein belegt jedoch nicht, dass der Mikroorganismus die aktuelle klinische Verschlechterung verursacht.

Atypische Mykobakterien und Aspergillus können geschädigte Atemwege kolonisieren, ohne eine aktive Erkrankung zu verursachen. Für die Diagnose einer pulmonalen Mykobakteriose sind mindestens zwei positive Sputumkulturen oder eine positive Kultur aus der Bronchiallavage-Flüssigkeit (BAL) zusammen mit typischen Symptomen und radiologischen Befunden erforderlich. Liefern Sputumproben keine ausreichende diagnostische Grundlage, kann eine Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage erforderlich sein. Isolierte Kulturbefunde sollten also nicht automatisch mit einer Infektion gleichgesetzt werden oder als Erklärung für sämtliche Symptome dienen.

Behandlung der stabilen Erkrankung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Sekretmobilisation zu verbessern, die Symptome zu verringern und Exazerbationen vorzubeugen. Die Maßnahmen werden an Sputummenge, Infekthäufigkeit, begleitendes Asthma und die Fähigkeit des Patienten zur Durchführung der Behandlung angepasst.

Sekretmobilisation und Physiotherapie

Die Sekretmobilisation ist ein Eckpfeiler der Behandlung. Ein verbesserter Sekrettransport beugt Exazerbationen vor, verringert die Symptome und verbessert die Prognose. Alle Patienten sollten von einem Physiotherapeuten beurteilt werden, bei Bedarf mit wiederholten Terminen. Der Physiotherapeut wählt eine geeignete Technik aus und unterstützt bei der Einleitung einer Verneblertherapie.

Bei leichter Erkrankung kann Folgendes ausreichen:

  • Tägliche körperliche Aktivität.
  • Atemtraining mit BA-Tub oder PEP-Maske.

Bei ausgeprägterer Sputumproduktion oder rezidivierenden Infektionen ist häufig ergänzend eine Inhalationstherapie erforderlich.

Inhalatives Natriumchlorid und mukolytische Therapie

Isotone Natriumchloridlösung kann zur Erleichterung der Sekretmobilisation eingesetzt werden:

Behandlung Dosierung Wichtige Maßnahmen
Natriumchlorid 9 mg/ml 4 ml 3–4-mal täglich über Vernebler Einleitung und Anpassung durch den Physiotherapeuten
Hypertones Natriumchlorid 3–7 % Dosierung wird individualisiert Vorbehandlung mit Beta-2-Agonisten wegen des Risikos einer Bronchokonstriktion
Acetylcystein zur Inhalation 200 mg/ml 1–2 ml 3–4-mal täglich Mit Beta-2-Agonisten kombinieren; kann eine Bronchokonstriktion verursachen

Hypertone Natriumchloridlösung kann versucht werden, wenn isotone Lösung keine ausreichende Wirkung zeigt. Die Behandlung ist in Zusammenarbeit mit dem Physiotherapeuten einzuleiten.

Die wissenschaftliche Evidenz für inhalatives Acetylcystein ist schwach. Auch orale Mukolytika wie Acetylcystein und Bromhexin haben einen niedrigen Evidenzgrad. Dornase alfa ist bei Bronchiektasen ohne zystische Fibrose nicht indiziert.

Inhalative Arzneimittel

Bronchodilatatoren werden bei begleitendem Asthma eingesetzt oder wenn der Patient eine deutliche Symptomlinderung erfährt. Die Datenlage stützt keine routinemäßige Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden allein aufgrund von Bronchiektasen.

Makrolid-Langzeittherapie

Makrolide haben lokale immunmodulatorische Effekte in der Atemwegsschleimhaut und können Exazerbationen vorbeugen. Üblicherweise wird eingesetzt:

  • Azithromycin 500 mg dreimal pro Woche.

Vor Behandlungsbeginn ist eine Kolonisation mit atypischen Mykobakterien auszuschließen. Makrolide sind zentrale Arzneimittel in der Behandlung der Mykobakteriose, und eine Makrolid-Monotherapie bei unerkannter Mykobakterieninfektion birgt ein hohes Risiko der Resistenzentwicklung.

Vor Behandlungsbeginn und während der fortgesetzten Prophylaxe ist eine strukturierte Sicherheitskontrolle erforderlich:

Zeitpunkt Kontrolle
Vor Beginn EKG im Hinblick auf das Risiko einer QT-Verlängerung
Vor Beginn Leberwerte
Vor Langzeittherapie Audiogramm
Nach 2 Wochen Leberwerte
Danach Leberwerte alle drei Monate
Bei Hörsymptomen Erneutes Audiogramm

Der Patient ist über das Risiko einer Hörschädigung aufzuklären. Bei Patienten, deren Exazerbationen überwiegend im Winterhalbjahr auftreten, kann die Azithromycin-Therapie im Sommer pausiert werden. Patienten mit Makrolidprophylaxe oder anderer Antibiotikaprophylaxe sollten weiterhin pneumologisch betreut werden.

Ernährung, Impfung und Chirurgie

Das Gewicht ist engmaschig zu kontrollieren. Bei Mangelernährung oder sinkendem Gewicht sollte eine Ernährungsberatung hinzugezogen werden.

Die präventive Impfung umfasst:

  • Jährliche Influenzaimpfung.
  • Pneumokokkenimpfung gemäß den geltenden Empfehlungen.

Eine chirurgische Resektion kann erwogen werden, wenn die Bronchiektasen auf ein umschriebenes Areal begrenzt sind.

Akute Exazerbationen und Verlaufskontrolle

Beurteilung bei akuter Verschlechterung

Bei Verdacht auf eine Exazerbation sollte die Veränderung in Relation zu den habituellen Symptomen des Patienten und zum bisherigen Infektionsmuster beurteilt werden. Zu dokumentieren sind insbesondere:

  • veränderte Sputummenge oder Sputumfarbe
  • Fieber und andere Allgemeinsymptome
  • zunehmende Dyspnoe
  • Hämoptysen
  • Müdigkeit, Appetit und Gewichtsverlauf
  • Anzahl früherer antibiotikapflichtiger Infektionen
  • frühere Sputumkulturen und Nachweis rezidivierender Atemwegserreger
  • aktuelle Antibiotikaprophylaxe

Eine Sputumprobe für die allgemeine Kultur ist zentral für die mikrobiologische Beurteilung. Häufige Befunde bei Bronchiektasen sind Haemophilus influenzae, Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Moraxella catarrhalis sowie gramnegative Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa, Stenotrophomonas maltophilia und Achromobacter spp. Atypische Mykobakterien und Aspergillus spp. können die Atemwege kolonisieren, ohne dass dies an sich eine klinische Infektion bedeutet.

Wahl des Antibiotikums, Applikationsweg und Behandlungsdauer müssen an das klinische Bild und die Kulturergebnisse angepasst werden. Patienten mit seltenen Infektionen, definiert als weniger als zwei Infektionen pro Jahr, können häufig mit oralen Antibiotika behandelt werden und müssen nicht zwingend fortlaufend in einer pneumologischen Ambulanz betreut werden. Ein allgemeingültiges akutes Antibiotikaregime oder eine feste Behandlungsdauer lässt sich nicht angeben.

Bei rezidivierenden Exazerbationen sollte der Krankheitsverlauf neu bewertet werden. Häufige Exazerbationen sind mit einer Verschlechterung der obstruktiven Ventilationsstörung verbunden, die sich bei Bronchiektasen häufig entwickelt. Daher ist zu beurteilen, ob eine Spirometrie, eine erneute mikrobiologische Erfassung oder eine engmaschigere fachärztliche Verlaufskontrolle erforderlich ist.

Strukturierte Langzeitverlaufskontrolle

Das Kontrollintervall wird individuell festgelegt. Grundregel ist, dass Patienten, bei denen eine weitere Betreuung in einer pneumologischen Klinik als notwendig erachtet wird, mindestens einen Arzttermin pro Jahr erhalten sollen. Bei der Konsultation sollte Folgendes durchgegangen werden:

Bereich Verlaufskontrolle
Exazerbationen Anzahl antibiotikapflichtiger Infektionen seit der letzten Beurteilung
Atemwegssymptome Sputummenge, Sputumfarbe, Dyspnoe und Hämoptysen
Allgemeinzustand Gewichtsverlauf, Müdigkeit, Appetit und Fieber
Lungenfunktion Spirometrie
Mikrobiologie Allgemeine Sputumkultur vor dem Termin und jährliche Mykobakterienkultur
Bildgebung Röntgen-Thorax alle drei Jahre
Laboruntersuchungen Nur bei klinischer Indikation
Ernährung Engmaschige Gewichtskontrolle, Ernährungsberatung bei Mangelernährung oder sinkendem Gewicht

Bei schwerer Erkrankung und Verdacht auf radiologische Verschlechterung kann die HRCT des Thorax wiederholt werden. Routinemäßig wiederholte HRCT-Untersuchungen werden hingegen nicht als Standardverlaufskontrolle angegeben.

Verlaufskontrolle bei Antibiotikaprophylaxe

Patienten mit Makrolidprophylaxe oder anderer Antibiotikaprophylaxe sollten nicht aus der pneumologischen Ambulanz entlassen werden. Bei Azithromycin-Langzeittherapie werden die Leberwerte vor Behandlungsbeginn, nach zwei Wochen und danach alle drei Monate kontrolliert. Ein EKG wird vor Behandlungsbeginn wegen des Risikos einer QT-Verlängerung abgeleitet. Ein Audiogramm sollte vor einer geplanten Langzeitprophylaxe und bei Symptomen einer Hörminderung durchgeführt werden.

Versorgungsebene und bedarfsgesteuerter Kontakt

Patienten mit weniger als zwei Infektionen pro Jahr, deren Infektionen oral behandelt werden können und die keine Antibiotikaprophylaxe erhalten, können in der Primärversorgung betreut werden. Patienten mit periodischen Beschwerden, aber relativ symptomfreien Intervallen müssen nicht immer regelmäßig einbestellt werden. Es kann dann ein bedarfsgesteuerter Kontakt vereinbart werden, sodass sich der Patient in Phasen der Verschlechterung meldet.

Eine jährliche Influenzaimpfung ist anzubieten. Die Impfung gegen Pneumokokkeninfektionen erfolgt gemäß den geltenden Empfehlungen. Sinkendes Gewicht, zunehmende Exazerbationsfrequenz, verschlechterte Lungenfunktion, rezidivierende Hämoptysen oder ein Verdacht auf radiologische Verschlechterung sprechen für eine erneute oder intensivierte Beurteilung in der pneumologischen Ambulanz.

Aktualisiert 28. September 2026