Plötzlicher Herzstillstand: Fall 4

Am Monitor eines Patienten wird eine ventrikuläre Tachykardie (VT) registriert, die nach kurzer Zeit von selbst endet. Danach folgen einzelne ventrikuläre Schläge, eine kurze Salve und schließlich wieder ein regelmäßiger supraventrikulärer Rhythmus. Angaben zu Alter und Vorgeschichte liegen nicht vor. Genau das macht den Fall lehrreich: Ob eine solche Episode harmlos oder ein Vorbote des Herzstillstands ist, entscheidet sich erst am Patienten und an der Abklärung. Zu Einteilung und Differenzialdiagnose siehe Ventrikuläre Tachykardie (VT).

Fragen zum Fall

  1. Wann ist eine VT nicht anhaltend, wann anhaltend, und welche Registrierungen erfüllen welche Definition?
  2. Was tun Sie am Bett in den ersten Minuten nach einer solchen Episode?
  3. Welche Befunde machen eine nicht anhaltende VT gefährlich?

Die Registrierungen

EKG 1 (Fall 4): Sinusrhythmus, der von einer ventrikulären Tachykardie mit breiten Komplexen unterbrochen wird
EKG 1. Sinusrhythmus, unterbrochen durch eine ventrikuläre Tachykardie (VT).
EKG 2 (Fall 4): die ventrikuläre Tachykardie endet ohne Intervention
EKG 2. Spontane Terminierung der VT.
EKG 3 (Fall 4): ein einzelner ventrikulärer Schlag, gefolgt von einer Salve aus drei ventrikulären Schlägen
EKG 3. Ein einzelner ventrikulärer Schlag, danach drei ventrikuläre Schläge in Folge. Drei konsekutive ventrikuläre Schläge erfüllen bereits die Mindestdefinition einer VT.
EKG 4 (Fall 4): regelmäßiger supraventrikulärer Rhythmus, jedem QRS-Komplex geht eine P-Welle voraus
EKG 4. Regelmäßiger supraventrikulärer Rhythmus. Jedem QRS-Komplex geht eine P-Welle voraus.

Auflösung

1. Nicht anhaltend oder anhaltend. Eine VT besteht aus mindestens drei aufeinanderfolgenden ventrikulären Schlägen mit einer Frequenz über 100/min. Die Dauer entscheidet über die Einteilung:

Nicht anhaltende VT Anhaltende VT
Dauer unter 30 Sekunden 30 Sekunden oder länger
Ende spontan hält an oder muss wegen hämodynamischer Instabilität früher beendet werden
Klinische Folge oft symptomarm, aber möglicher Vorbote Kreislaufkompromittierung bis zum Stillstand möglich

EKG 1 bis 3 zeigen nicht anhaltende Episoden: eine VT, die in EKG 2 ohne Intervention endet, und eine Salve aus drei Schlägen. EKG 4 zeigt den zurückgekehrten Sinusrhythmus. Eine VT, die vor Ablauf von 30 Sekunden kardiovertiert werden muss, weil der Patient instabil wird, gilt dagegen als anhaltend.

2. Am Bett. Zuerst den Patienten ansehen: Bewusstsein, Puls, Blutdruck, Beschwerden während der Episode. Dann Defibrillator-Pads bereitlegen oder aufkleben, solange unklar ist, ob die Salven wiederkommen. Ein 12-Kanal-EKG im Sinusrhythmus zeigt Ischämiezeichen, Q-Zacken, eine verlängerte QT-Zeit oder andere Hinweise auf ein Substrat. Kalium und Magnesium werden bestimmt und bei niedrigen Werten ausgeglichen. Die Medikationsliste wird auf QT-verlängernde und proarrhythmische Substanzen geprüft.

3. Gefährliche Konstellationen. Die Prognose einer nicht anhaltenden VT hängt fast vollständig vom Herzen ab, in dem sie auftritt. Bei strukturell gesundem Herzen ist sie meist gutartig. Gefährlich wird sie bei akuter Ischämie, nach Myokardinfarkt, bei reduzierter linksventrikulärer Funktion, bei Kardiomyopathien und bei Ionenkanalerkrankungen. Ebenso alarmierend sind Symptome wie Synkope, eine polymorphe Morphologie und zunehmend häufige oder längere Salven. Die Echokardiographie gehört deshalb zur Abklärung jeder neu entdeckten VT (siehe Risikofaktoren für den plötzlichen Herzstillstand).

Lernpunkte

  • VT bedeutet mindestens drei aufeinanderfolgende ventrikuläre Schläge über 100/min. Unter 30 Sekunden mit spontanem Ende ist sie nicht anhaltend.
  • Spontane Terminierung heißt nicht Entwarnung. Der nächste Lauf kann anhalten oder in Kammerflimmern übergehen.
  • Nach jeder VT-Episode gehören 12-Kanal-EKG, Elektrolyte, Medikationsprüfung und eine Echokardiographie zur Abklärung.
  • Bei struktureller Herzerkrankung oder Synkope bleibt der Patient am Monitor mit sofort verfügbarem Defibrillator.

Aktualisiert 18. Oktober 2026