Blutbild

Zusammenfassung

Das Blutbild ist eine Sammelanalyse, die Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten unter anderem anhand von Hb, Erythrozytenindizes, Leukozytenzahl und Thrombozytenzahl beschreibt; ein Differenzialblutbild muss ausdrücklich angefordert werden, wenn die Leukozytenverteilung relevant ist. Abweichungen werden durch den Vergleich mit den alters- und situationsangepassten Referenzintervallen des jeweiligen Labors sowie durch eine Gesamtbeurteilung der Symptome und aller Zellreihen erkannt. Eine Anämie wird anhand des MCV klassifiziert und vor allem mit Retikulozyten und gezielten Analysen auf Blutung, Hämolyse, Eisenmangel, Vitaminmangel, Inflammation, Nierenerkrankung oder Knochenmarkbeteiligung weiter abgeklärt. Leukozytenabweichungen werden mit dem Differenzialblutbild beurteilt, während eine unerwartete Thrombozytopenie mit einem Blutausstrich und einer erneuten Probe in einem anderen Probenröhrchen bestätigt werden muss, um eine Pseudothrombozytopenie auszuschließen. Die Behandlung richtet sich gegen die zugrunde liegende Ursache. Erythrozyten- und Thrombozytentransfusionen werden durch restriktive Grenzwerte für Hb und Thrombozytenzahl gesteuert, die mit Symptomen, Blutung, Komorbidität und geplanten Eingriffen abgewogen werden.

Analysen und Referenzintervalle des Blutbilds

Das Blutbild ist eine Sammelanalyse, die Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten beschreibt. Es kann sowohl als zusammenhängende Anforderung als auch in Form einzelner Analysen wie Hb, Leukozytenzahl, Differenzialblutbild und Thrombozytenzahl angefordert werden. Bei klinischen Fragestellungen, bei denen die Verteilung der Leukozyten relevant ist, muss Blutbild mit Differenzialblutbild ausdrücklich angefordert werden.

Enthaltene Analysen

Analyse Bezeichnung und Bedeutung Klinische Anwendung
B-Hb Hämoglobinkonzentration im Blut, angegeben in g/l Beurteilung des Hämoglobinwerts, beispielsweise bei Blutung oder vor Eingriffen
B-Hkt Erythrozytenvolumenfraktion, Hämatokrit, angegeben als Anteil oder in Prozent Spiegelt den Anteil der Erythrozyten am Blutvolumen wider. Ein erhöhter Hämatokrit kann ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel oder Hypovolämie sein
B-MCV Mittleres Zellvolumen der Erythrozyten Wird zusammen mit Hb und den übrigen Erythrozytenparametern bei der Beurteilung einer Anämie verwendet
B-Leukozyten Leukozytenkonzentration, Zahl der weißen Blutkörperchen Unter anderem Teil der Beurteilung einer Infektion und der Verlaufskontrolle hämatologischer Erkrankungen
B-Diff Differenzialblutbild der Leukozyten Zeigt die Verteilung der verschiedenen Leukozytentypen und kann die Leukozytenzahl ergänzen, beispielsweise bei rezidivierenden Infektionen, Inflammation oder Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung
B-Thrombozyten Thrombozytenkonzentration, Zahl der Blutplättchen Beurteilung der Thrombozytenzahl, unter anderem vor Eingriffen und bei Blutungsneigung

Das Blutbild umfasst keine Gerinnungsanalysen. INR und aPTT werden gesondert angefordert, beispielsweise bei Blutungsneigung, Antikoagulanzientherapie sowie Leber- oder Nierenerkrankung. Auch Blutgruppenbestimmung und Antikörpersuchtest sind gesonderte Untersuchungen. Vor bestimmten Eingriffen werden daher B-Hb und B-Thrombozyten zusammen mit INR, aPTT, Blutgruppenbestimmung und Antikörpersuchtest angefordert.

Das Differenzialblutbild ist nicht immer enthalten, wenn Hb, Leukozytenzahl und Thrombozytenzahl angefordert werden, und muss angefordert werden, wenn die Leukozytenverteilung relevant ist, beispielsweise bei rezidivierenden Infektionen oder Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung. Ergänzende Analysen wie LDH, ALT und Kreatinin sind nicht Bestandteil des Blutbilds.

Referenzintervalle bei Erwachsenen

Die folgenden Referenzintervalle stammen aus dem nordischen Referenzintervallprojekt NORIP und beruhen auf venösen EDTA-Proben von 1826 gesunden Frauen und Männern im Alter von 18 bis 90 Jahren, die an zwölf Typen automatisierter Hämatologiegeräte analysiert wurden [1]. Für die Interpretation gilt das Intervall, das mit dem jeweiligen Laborbefund mitgeteilt wird.

Analyse Frauen Männer
B-Hb 117–153 g/l 134–170 g/l
B-Erythrozyten 3,94–5,16 × 10¹²/l 4,25–5,71 × 10¹²/l
B-Hkt 0,348–0,459 0,395–0,500
B-MCV 82–98 fl 82–98 fl
MCH 27,1–33,3 pg 27,1–33,3 pg
MCHC 317–357 g/l 317–357 g/l
B-Leukozyten 3,5–8,8 × 10⁹/l 3,5–8,8 × 10⁹/l
B-Thrombozyten 165–387 × 10⁹/l 145–348 × 10⁹/l

Im selben Kollektiv stieg der Mittelwert des Hb bei Frauen mit zunehmendem Alter leicht an und sank bei Männern leicht ab. Rauchen erhöhte den Mittelwert der Leukozytenzahl um 1,1 × 10⁹/l und regelmäßiger Alkoholkonsum das MCV um 0,8 fl, die Effekte waren jedoch gering und rechtfertigten keine gesonderten Referenzintervalle [1].

Referenzintervalle bei Kindern

Hb und mehrere andere Blutbildparameter verändern sich im Kindesalter stark. Alters- und geschlechtsspezifische Referenzintervalle sind erforderlich, und die Geschlechtsunterschiede treten hauptsächlich im Zusammenhang mit der Pubertät auf [2]. Die Beurteilung muss daher anhand der altersangepassten Intervalle des jeweiligen Labors erfolgen. Referenzintervalle sind zugleich von klinischen Handlungsgrenzen wie Transfusionsgrenzen zu unterscheiden.

Indikationen für ein Blutbild

Ein Blutbild wird angefordert, wenn eine klinische Fragestellung die Beurteilung einer oder mehrerer Blutzellreihen erfordert. Die Anforderung sollte an die Fragestellung angepasst werden. In manchen Situationen genügt der Hb-Wert, während andere Hb, Leukozytenzahl, Thrombozytenzahl und Differenzialblutbild erfordern. Die Untersuchung ist außerdem Bestandteil mehrerer standardisierter Abklärungen, Kontrollen und Vorbereitungen vor Eingriffen.

Vor Operationen und invasiven Eingriffen

Hb und Thrombozytenzahl werden bestimmt, wenn eine Anämie, Thrombozytopenie oder Blutungsneigung die Anästhesie oder den Eingriff beeinflussen kann. Gerinnungsanalysen, Blutgruppenbestimmung und Antikörpersuchtest werden gesondert angefordert, abhängig von Blutungsanamnese, antithrombotischer Therapie, Leber- und Nierenerkrankung und erwartetem Blutverlust.

Vermutete oder bekannte hämatologische Erkrankung

Ein vollständiges Blutbild mit Differenzialblutbild ist gerechtfertigt, wenn mehrere Blutzellreihen beurteilt werden müssen, beispielsweise bei Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung. Bei der Verlaufskontrolle einer bekannten hämatologischen Erkrankung werden Hb, Leukozyten, Thrombozyten und Differenzialblutbild zur Beurteilung des aktuellen Stadiums sowie bei Verdacht auf Rezidiv oder Progression verwendet. In diesem Zusammenhang kann die Probenentnahme mit LDH, ALT und Kreatinin kombiniert werden. Eine Durchflusszytometrie des peripheren Blutes kann erwogen werden, wenn die klinische Fragestellung eine genauere Charakterisierung der Zellpopulationen des Blutes erfordert.

Erythrozytenparameter und Definition der Anämie

Hämoglobin und Anämie

Hämoglobin, Hb, ist die zentrale Analyse zum Nachweis einer Anämie. Eine Anämie bedeutet einen Hb unterhalb der Grenze, die für die jeweilige Patientengruppe und Situation gilt. Die Beurteilung kann daher nicht anhand eines einzigen allgemeingültigen Grenzwerts erfolgen. In der Schwangerschaft werden die folgenden Grenzen verwendet, um eine basale Anämieabklärung einzuleiten:

Zeitpunkt in der Schwangerschaft Hb, der eine Probenentnahme veranlasst
Vor der 28. Schwangerschaftswoche Hb <110 g/l
Nach der 28. Schwangerschaftswoche Hb <105 g/l

Diese Grenzen dienen dazu, Patientinnen zu identifizieren, die vor allem im Hinblick auf eine Verdünnungsanämie, einen Eisenmangel sowie einen Vitamin-B12- oder Folsäuremangel beurteilt werden müssen. Sie dürfen nicht automatisch als Transfusionsgrenzen interpretiert werden.

Der Hb-Wert muss zusammen mit Symptomen und Komorbidität bewertet werden. Müdigkeit, Schwindel, Herzklopfen, Atemnot und neu aufgetretene Brustschmerzen sprechen für eine klinisch relevante Anämie. Ältere Patienten und Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung können für eine gute Symptomkontrolle einen höheren Hb benötigen als andere Patienten. Grenzen für die Erythrozytentransfusion werden im Abschnitt über Hb und Thrombozytenzahl als Entscheidungsgrundlage für Transfusionen beschrieben.

Hämatokrit und Erythrozytenzahl

Der Hämatokrit (Hkt), die Erythrozytenvolumenfraktion, gibt den Anteil des Blutvolumens an, der aus Erythrozyten besteht. Die Erythrozytenzahl gibt die Erythrozytenkonzentration an. Zusammen mit dem Hb tragen diese Analysen dazu bei, zu beurteilen, ob ein niedriger Hb auf eine Verdünnung zurückzuführen sein kann.

Bei akutem Blutverlust kann der Hämatokrit initial normal sein. Ein normaler früher Hämatokrit schließt daher eine klinisch relevante Blutung nicht aus. Dies ist besonders wichtig bei einer Anämie, die am ersten Lebenstag entdeckt wird. Bei Neugeborenen spricht ein initial normaler Hämatokrit eher für einen akuten Blutverlust im Zusammenhang mit der Geburt, während ein veränderter Hämatokrit gewöhnlich bei einer chronischen Anämie gesehen wird, die bereits bei der Geburt bestand.

Erythrozytenindizes

MCV, MCH und MCHC beschreiben Größe und Hämoglobingehalt der Erythrozyten und dienen dazu, die weitere Anämieabklärung gezielt auszurichten.

Parameter Beschreibt Klinische Anwendung
MCV Größe der Erythrozyten Erkennt ein mikrozytäres oder makrozytäres Bild
MCH Hämoglobinmenge pro Erythrozyt Ergänzt die Beurteilung des Hämoglobingehalts der Erythrozyten
MCHC Hämoglobinkonzentration in den Erythrozyten Ergänzt die Beschreibung der Erythrozyten

Ein niedriges MCV spricht für einen Eisenmangel oder eine Thalassämie. Das MCV muss daher zusammen mit dem Serumferritin und den übrigen Erythrozytenparametern bewertet werden. Bei Verdacht auf Vitamin-B12- oder Folsäuremangel geben die Erythrozytenindizes eine Orientierung für die weitere gezielte Diagnostik, legen die Ursache aber nicht allein fest.

Mikrozytäre, normozytäre und makrozytäre Anämie

Die Anämie wird morphologisch nach der Größe der Erythrozyten klassifiziert, ausgedrückt als MCV. MCH und MCHC beschreiben den Hämoglobingehalt der Erythrozyten und tragen zur Beurteilung bei, ob die Erythrozyten hypochrom oder normochrom sind. Die Klassifikation ist ein Ausgangspunkt für die weitere Abklärung, legt die Ursache aber nicht allein fest. Das MCV ist daher zusammen mit MCH, MCHC, Hämatokrit, Erythrozytenzahl, Retikulozyten und gezielten Analysen zu beurteilen.

Morphologischer Typ Typisches Labormuster Wichtige Ursachen oder Fragestellungen der weiteren Abklärung
Mikrozytäre Anämie Niedriger Hb und niedriges MCV, häufig auch Hypochromie mit niedrigem Hämoglobingehalt der Erythrozyten Eisenmangel oder Thalassämie
Normozytäre Anämie Niedriger Hb bei normal großen Erythrozyten Verdünnung, akute Blutung, Infektion oder Inflammation, Hämolyse und Knochenmarkdepression müssen anhand der übrigen Laborwerte erwogen werden
Makrozytäre Anämie Niedriger Hb bei vergrößerten Erythrozyten Ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure muss beurteilt werden

Mikrozytäre Anämie

Bei niedrigem MCV sind die zentralen Differenzialdiagnosen Eisenmangel und Thalassämie. Das MCV allein kann diese Zustände nicht voneinander unterscheiden. Das Serumferritin wird zur Beurteilung der Eisenspeicher verwendet. Bei besonderen Fragestellungen kann der Eisenstatus durch Serumeisen, Transferrin, Transferrinsättigung und TEBK ergänzt werden.

MCH und MCHC liefern zusätzliche Informationen über den Hämoglobingehalt der Erythrozyten. Mikrozytäre und hypochrome Erythrozyten sprechen für eine unzureichende Hämoglobinisierung, doch auch dies muss zusammen mit dem Ferritin und dem übrigen klinischen Bild bewertet werden. Liegt ein niedriges MCV ohne laborchemischen Anhalt für einen Eisenmangel vor, sollte eine Thalassämie erwogen und die Abklärung entsprechend ausgerichtet werden.

Nach einer größeren geburtshilflichen Blutung kann sich das Laborbild im Zeitverlauf verändern. Zeitnah zur Blutung entnommene Proben können normozytäre und normochrome Erythrozyten sowie einen verdünnungsbedingt niedrigen Hämatokrit zeigen. Nach einigen Tagen können mikrozytäre und hypochrome Erythrozyten auftreten, wenn der Eisenmangel die Neubildung von Erythrozyten begrenzt. Ein frühes normales MCV schließt daher einen Eisenmangel nach akutem Blutverlust nicht aus.

Normozytäre Anämie

Ein normales MCV bedeutet nicht, dass die Anämie leicht oder eine weitere Abklärung unnötig ist. Bei normozytärer Anämie ist die Retikulozytenzahl besonders nützlich, um die Antwort des Knochenmarks zu beurteilen. Retikulozyten sollten daher bestimmt werden, wenn eine Anämie oder eine andere Knochenmarkerkrankung vermutet wird.

Eine deutliche Retikulozytenantwort kann nach einer Blutung und bei gesteigertem Erythrozytenumsatz beobachtet werden. Bei Verdacht auf Hämolyse wird die Beurteilung unter anderem durch Haptoglobin ergänzt.

Entspricht die Retikulozytenantwort nicht dem Ausmaß der Anämie, sollten eine unzureichende Neubildung oder eine Knochenmarkbeteiligung erwogen werden. Gleichzeitige Abweichungen der Leukozyten- oder Thrombozytenzahl erhärten den Verdacht auf eine andere hämatologische oder knochenmarkbedingte Erkrankung. CRP und BSG können bei Verdacht auf eine Infektion oder systemische Inflammation hilfreich sein.

Makrozytäre Anämie

Bei makrozytärer Anämie sollte ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure abgeklärt werden. Die gezielte Diagnostik kann Serumhomocystein, Serum-Holotranscobalamin und Serumfolsäure umfassen. Die Ergebnisse müssen zusammen mit dem Blutbild und dem klinischen Bild interpretiert werden, da das MCV allein nicht entscheidet, welcher Mangel vorliegt.

Auch bei Verdacht auf einen B12- oder Folsäuremangel ist es wichtig, alle Zellreihen zu prüfen. Eine abweichende Leukozyten- oder Thrombozytenzahl kann dafür sprechen, dass die Anämie nicht allein durch einen isolierten Nährstoffmangel erklärt ist, und rechtfertigt eine breitere Beurteilung einer möglichen Knochenmarkbeteiligung.

Retikulozyten und mechanismusbasierte Anämieabklärung

Retikulozyten sind unreife Erythrozyten und dienen der Beurteilung der Erythrozytenproduktion des Knochenmarks. Die Analyse sollte zusammen mit Hb, MCV, MCH, MCHC, Hämatokrit und Erythrozytenzahl sowie in Bezug auf den klinischen Verlauf interpretiert werden. Bei einer Anämie ist die zentrale Frage, ob das Knochenmark mit einer gesteigerten Neubildung antwortet oder ob die Produktion unzureichend ist.

Retikulozyten können zusammen mit dem Differenzialblutbild angefordert werden, wenn die Fragestellung eine Anämie oder eine andere Knochenmarkerkrankung ist. Ein einzelner Retikulozytenwert legt die Ursache jedoch nicht fest. Das Ergebnis muss beispielsweise mit Blutung, Hämolyse, Eisenmangel, Vitaminmangel, Infektion, Nierenerkrankung oder Knochenmarkdepression in Verbindung gebracht werden.

Antwort des Knochenmarks beurteilen

Retikulozytenmuster bei Anämie Interpretation Beispiele für die weitere Abklärung
Erhöhte Retikulozyten Das Knochenmark antwortet mit gesteigerter Erythrozytenproduktion. Vor allem an Blutverlust oder gesteigerten Erythrozytenabbau denken. Blutungsanamnese, Haptoglobin, LDH, Bilirubin und Differenzialblutbild.
Nicht erhöhte oder niedrige Retikulozyten Unzureichende Produktionsantwort im Verhältnis zur Anämie. An Mangelzustände, Infektion, Nierenerkrankung oder Knochenmarkdepression denken. Ferritin, Homocystein, Folsäure, Holotranscobalamin, Kreatinin, Urinprotein, Leukozytenzahl, Thrombozytenzahl und Differenzialblutbild.
Veränderung im Zeitverlauf Kann die Erholung nach Blutverlust oder nach Behandlung eines Produktionshindernisses widerspiegeln. Mit dem Zeitpunkt der Blutung, der Behandlung und früheren Blutbildern vergleichen.

Das Fehlen eines Retikulozytenanstiegs bei Anämie spricht somit dafür, dass das Knochenmark nicht ausreichend kompensiert. Sind auch Leukozyten- oder Thrombozytenzahl niedrig, erhärtet sich der Verdacht auf eine generalisierte Knochenmarkbeteiligung. Eine Knochenmarkdepression kann Neutropenie, Anämie und Thrombozytopenie verursachen, beispielsweise nach einer Konditionierungstherapie vor einer Stammzelltransplantation.

Retikulozytose bei Blutung und Hämolyse

Nach einer akuten Blutung tritt der Retikulozytenanstieg erst nach einigen Tagen auf und kann dann von einer steigenden Thrombozytenzahl begleitet sein, ein Muster, das nach geburtshilflichen Blutungen beschrieben wurde. Gleichzeitig kann ein ausgeprägter Eisenmangel die weitere Erythrozytenneubildung begrenzen.

Bei Verdacht auf Hämolyse sind die Retikulozyten zusammen mit Haptoglobin und LDH zu beurteilen. Bilirubin und Differenzialblutbild können das Bild ergänzen. Beim hämolytisch-urämischen Syndrom liegt eine hämolytische Anämie zusammen mit Thrombozytopenie und erhöhtem Kreatinin vor. Die ergänzende Diagnostik umfasst unter anderem Retikulozyten, Bilirubin, LDH und einen Blutausstrich mit der Fragestellung fragmentierte Erythrozyten (Schistozyten).

Die Sichelzellkrankheit ist ein Beispiel für eine chronische Hämolyse mit deutlicher Retikulozytose. Typischerweise finden sich Retikulozyten von 5–20 %, ein Hb von 60–100 g/l, Sichelzellen im Differenzialblutbild und ein niedriges Haptoglobin. Bei Verdacht auf Sichelzellkrankheit oder Beta-Thalassämie minor werden die Hämoglobinfraktionen analysiert.

Unzureichende Erythrozytenproduktion

Bei niedriger oder ausbleibender Retikulozytenantwort sollte die Abklärung auf Produktionshindernisse ausgerichtet werden:

  • Eisenmangel: Ferritin und bei Bedarf den übrigen Eisenstatus bestimmen.
  • B12- oder Folsäuremangel: Homocystein, Folsäure und Holotranscobalamin bestimmen und die Ergebnisse anhand der Entscheidungsgrenzen des Labors interpretieren.
  • Nierenerkrankung: Kreatinin und Urinprotein bestimmen.
  • Infektion oder Inflammation: CRP, BSG und klinisches Bild beurteilen.
  • Knochenmarkbeteiligung: alle Zellreihen prüfen und ein Differenzialblutbild anfordern.

Der Retikulozytenwert ist also als Wegweiser zu verwenden. Er entscheidet, ob die weitere Anämieabklärung in erster Linie nach Blutverlust oder Hämolyse oder nach einer unzureichenden Produktionsantwort suchen sollte.

Leukozytenzahl und Differenzialblutbild

Die Leukozytenzahl gibt die Gesamtzahl der Leukozyten im Blut an. Das Differenzialblutbild zeigt, wie sich die Leukozyten auf die verschiedenen Zellpopulationen verteilen, und wird benötigt, wenn die Gesamtzahl keine ausreichende Information liefert. Eine normale oder abweichende Leukozytenzahl darf daher nicht isoliert beurteilt werden, wenn die Fragestellung beispielsweise eine Neutropenie, Lymphopenie, hämatologische Erkrankung oder therapiebedingte Knochenmarkbeteiligung betrifft.

Ein Differenzialblutbild ist zusammen mit dem Blutbild anzufordern bei Verdacht auf:

  • Neutropenie oder Lymphopenie
  • Infektion bei einem Patienten mit Risiko einer Knochenmarkdepression
  • hämatologische Erkrankung
  • Rezidiv oder Progression einer bekannten hämatologischen Erkrankung
  • medikamentös bedingte Beeinträchtigung der Leukozyten
  • Bedarf an Therapiekontrollen, bei denen sowohl die Leukozytenzahl als auch einzelne Leukozytenpopulationen das Vorgehen bestimmen

Interpretation einer niedrigen Leukozytenzahl

Leukopenie bedeutet eine niedrige Leukozytenzahl, ihre klinische Bedeutung hängt jedoch davon ab, welche Leukozytenpopulation vermindert ist. Das Differenzialblutbild ist daher zentral. Eine Neutropenie ist besonders für das Infektionsrisiko relevant, während eine Lymphopenie beeinflussen kann, ob eine geplante Behandlung begonnen oder fortgesetzt werden kann.

Eine Neutropenie wird gewöhnlich als absolute Neutrophilenzahl unter 1,5 × 10⁹/l definiert. Gesunde Personen europäischer und asiatischer Herkunft haben im Allgemeinen Neutrophilenzahlen von 1,5–7,0 × 10⁹/l. Die klinische Bedeutung hängt vor allem vom Schweregrad ab [3]:

Absolute Neutrophilenzahl Klinische Bedeutung
1,0–1,5 × 10⁹/l Beeinträchtigt die Infektabwehr nicht, kann aber eine Abklärung der Ursache rechtfertigen
0,5–1,0 × 10⁹/l Kann das Infektionsrisiko leicht erhöhen, wenn auch andere Teile der Immunabwehr beeinträchtigt sind
0,2–0,5 × 10⁹/l Erhöhtes Infektionsrisiko bei den meisten Betroffenen
≤0,2 × 10⁹/l, Agranulozytose Risiko schwerer, lebensbedrohlicher Infektionen, auch mit opportunistischen Mikroorganismen

Die Gradeinteilung beruht auf Erfahrungen mit zytostatikainduzierter Neutropenie, und bei isolierter Neutropenie mit ansonsten normaler Immunabwehr ist das Infektionsrisiko bei gleicher Neutrophilenzahl geringer. Personen afrikanischer Herkunft haben häufig niedrigere normale Neutrophilenzahlen; in einer US-amerikanischen Bevölkerungsstudie hatten etwa 4,5 % der schwarzen Teilnehmenden eine Neutrophilenzahl unter 1,5 × 10⁹/l, assoziiert mit dem Duffy-negativen Blutgruppenphänotyp. Die Neutrophilenzahl schwankt zudem mit Tageszeit, körperlicher Aktivität, Mahlzeiten, Infektion, Inflammation und Kortikosteroidtherapie, und eine chronische Neutropenie setzt eine Neutrophilenzahl unter 1,5 × 10⁹/l über mehr als 3 Monate voraus. Vor der Festlegung des Schweregrads sind daher wiederholte Messungen erforderlich [3].

Nach einer Konditionierungstherapie vor einer Stammzelltransplantation kann eine Knochenmarkdepression gleichzeitig Folgendes verursachen:

Diese Kombination zeigt, dass mehrere Blutzellreihen betroffen sind, und spricht eher für eine generalisierte Knochenmarkbeteiligung als für eine isolierte Leukozytenabweichung. Bei diesen Patienten sind die Leukozytenwerte zusammen mit klinischen Infektionszeichen und den übrigen Bestandteilen des Blutbilds zu beurteilen. Fieber bei einem Patienten mit ausgeprägter Neutropenie erfordert eine rasche Beurteilung und Behandlung.

Leukozytose, Blasten und hämatologischer Verdacht

Eine erhöhte Leukozytenzahl muss anhand des klinischen Bildes, des Differenzialblutbilds und der übrigen Blutzellreihen bewertet werden. Bei Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung sollte die Beurteilung Hb, Leukozytenzahl, Thrombozytenzahl und Differenzialblutbild umfassen. LDH, ALT und Kreatinin können Teil der breiteren Beurteilung sein. Bei Verdacht auf Rezidiv oder Progression kann eine Durchflusszytometrie des peripheren Blutes erwogen werden.

Bei der primären Myelofibrose gehen sowohl Leukozytose als auch Blasten im peripheren Blut in etablierte prognostische Modelle ein:

Risikofaktor Grenze
Leukozytose >25 × 10⁹/l
Blasten im peripheren Blut ≥1 %

Diese Grenzen sind prognostische Faktoren bei primärer Myelofibrose und dürfen nicht auf die allgemeine Beurteilung einer Leukozytose übertragen werden. Auch Anämie, Thrombozytopenie, konstitutionelle Symptome, Alter, Transfusionsabhängigkeit und ein ungünstiger Karyotyp können in diese Modelle eingehen.

Thrombozytenzahl

Die Thrombozytenzahl gibt die Anzahl der Thrombozyten im peripheren Blut an. Ein abweichender Wert muss zusammen mit Blutungssymptomen, den übrigen Zellreihen, der medikamentösen Therapie, einer laufenden Infektion und geplanten Eingriffen beurteilt werden. Bei einer Thrombozytopenie ist es besonders wichtig, eine tatsächlich niedrige Thrombozytenzahl von einem Präanalytik- oder Analysefehler zu unterscheiden.

Thrombozytopenie

Eine Thrombozytopenie kann durch einen oder mehrere von drei Hauptmechanismen entstehen:

  1. Verminderte Produktion im Knochenmark, angeboren oder erworben.
  2. Sequestration, meist in einer vergrößerten Milz.
  3. Gesteigerte Destruktion oder gesteigerter Verbrauch von Thrombozyten.

Es ist zu beurteilen, ob die Thrombozytopenie isoliert oder mit Anämie, Neutropenie oder anderen Abweichungen kombiniert ist. Eine gleichzeitige Beeinträchtigung mehrerer Zellreihen spricht dafür, dass eine Knochenmarkerkrankung erwogen werden muss. Der periphere Blutausstrich ist ein zentraler Bestandteil der Beurteilung.

Bei akuter Leukämie ist eine Thrombozytopenie bereits bei Diagnosestellung häufig, und zirkulierende Blasten können fehlen. Ein automatisiertes Blutbild schließt eine akute Leukämie daher nicht aus, und der Verdacht erfordert eine Beurteilung von Blutausstrich und Knochenmark, gefolgt von einer immunologischen, zytogenetischen und molekularen Klassifikation.

Pseudothrombozytopenie ausschließen

Die Pseudothrombozytopenie ist ein Laborphänomen, bei dem Thrombozyten im Probenröhrchen aggregieren und dadurch eine falsch niedrige automatisierte Thrombozytenzahl ergeben. Das Phänomen wird meist durch eine antikörpervermittelte Thrombozytenagglutination in EDTA-antikoaguliertem Blut verursacht.

An eine Pseudothrombozytopenie ist zu denken, wenn eine unerwartet niedrige Thrombozytenzahl keine eindeutige klinische Erklärung hat, insbesondere wenn der Patient nicht blutet. Das Vorgehen ist:

  • Den peripheren Blutausstrich auf Thrombozytenaggregate prüfen.
  • Die Thrombozytenzahl in einem Röhrchen mit Natriumcitrat oder Heparin erneut bestimmen.
  • Alternativ eine frische Probe ohne Antikoagulans beurteilen, beispielsweise Kapillarblut.

Es ist also zu bestätigen, dass die Thrombozytopenie echt ist, bevor eine umfangreiche Abklärung oder Behandlung eingeleitet wird.

Hb und Thrombozytenzahl als Entscheidungsgrundlage für Transfusionen

Transfusionsgrenzen sind klinische Entscheidungsgrenzen und keine Referenzintervalle. Internationale Leitlinien empfehlen restriktive Strategien, da restriktive Grenzen in randomisierten Studien patientenrelevante Endpunkte im Vergleich zu liberalen Grenzen nicht verschlechtert haben. Die Entscheidung muss stets das gesamte klinische Bild, Symptome, eine laufende Blutung und Alternativen zur Transfusion berücksichtigen [4,5].

Erythrozytentransfusion

Patientengruppe Transfusion erwägen bei
Hämodynamisch stabile stationäre Erwachsene Hb <70 g/l
Herzchirurgie Hb <75 g/l kann gewählt werden
Orthopädische Chirurgie oder bekannte kardiovaskuläre Erkrankung Hb <80 g/l kann gewählt werden
Stationäre Erwachsene mit hämatologischer oder onkologischer Erkrankung Hb <70 g/l
Kritisch kranke, hämodynamisch stabile Kinder ohne Hämoglobinopathie, zyanotische Herzerkrankung oder schwere Hypoxämie Hb <70 g/l

Quelle: AABB 2023 [4]

Thrombozytentransfusion

Klinische Situation Transfusion bei Thrombozytenzahl
Hypoproliferative Thrombozytopenie ohne Blutung unter Chemotherapie oder bei allogener Stammzelltransplantation <10 × 10⁹/l
Verbrauchsthrombozytopenie bei Erwachsenen ohne größere Blutung <10 × 10⁹/l
Anlage eines zentralen Venenkatheters an komprimierbarer Stelle bei Erwachsenen <10 × 10⁹/l
Lumbalpunktion <20 × 10⁹/l
Interventionelle Radiologie bei Erwachsenen, Eingriffe mit niedrigem bzw. hohem Risiko <20 bzw. <50 × 10⁹/l
Größere nicht neuraxiale Chirurgie bei Erwachsenen <50 × 10⁹/l
Verbrauchsthrombozytopenie bei Neugeborenen ohne größere Blutung <25 × 10⁹/l

Quelle: AABB und ICTMG 2025 [5]

Eine prophylaktische Thrombozytentransfusion wird nicht empfohlen bei Erwachsenen ohne Blutung im Rahmen einer autologen Stammzelltransplantation oder bei aplastischer Anämie, nicht in der Herzchirurgie bei Patienten ohne Thrombozytopenie und ohne größere Blutung und nicht bei nicht operativ behandelter intrakranieller Blutung mit einer Thrombozytenzahl über 100 × 10⁹/l, auch wenn der Patient mit Thrombozytenaggregationshemmern behandelt wird [5]. Eine Thrombozytentransfusion wird auch bei Immunthrombozytopenie, thrombotischer Mikroangiopathie oder heparininduzierter Thrombozytopenie nicht routinemäßig empfohlen.

Auffälliges Blutbild und weitere Abklärung

Ein auffälliges Blutbild ist vor dem Hintergrund der klinischen Fragestellung und des aktuellen Zustands des Patienten zu bewerten. Es ist zu beurteilen, ob die Abweichung eine einzelne Zellreihe oder mehrere betrifft, und Hb, Leukozytenzahl, Thrombozytenzahl und Differenzialblutbild sind gemeinsam zu prüfen. Deutlich abweichende Laborwerte, einschließlich einer Anämie, rechtfertigen eine ärztliche Beurteilung. Bei auffälligen Befunden ist die Ursache weiterzuverfolgen und nach Möglichkeit zu behandeln, bevor eine geplante Abklärung oder Behandlung fortgesetzt wird.

Klinische Beurteilung

Anamnese und körperlicher Befund bestimmen, welche ergänzenden Analysen und Untersuchungen erforderlich sind. Insbesondere zu erfassen sind:

  • aktuelle Erkrankung und Krankheitsstadium
  • Zeichen eines Rezidivs oder Fortschreitens einer bekannten Erkrankung
  • Komorbidität, einschließlich Malignom, Niereninsuffizienz und Leberbeteiligung
  • Rauchen und Alkoholkonsum
  • laufende antithrombotische Therapie oder andere komplexe medikamentöse Therapie
  • Blutungsneigung
  • Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß
  • Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten oder blutiger Stuhl
  • bekannte chronisch-entzündliche Darmerkrankung, hämatologische Neoplasie oder rheumatische Erkrankung

Der körperliche Befund sollte den Allgemeinzustand sowie die Untersuchung von Herz, Lunge und Abdomen umfassen. Zu beurteilen sind auch Zeichen von Organschäden. Die Befunde entscheiden, ob die Abklärung in der Primärversorgung erfolgen kann oder in Absprache beispielsweise mit einem Hämatologen, Gastroenterologen, Pneumologen, Urologen oder einem anderen Organspezialisten ergänzt werden muss.

Ergänzende Labordiagnostik

Die Wahl der Analysen muss sich danach richten, welcher Befund erklärt werden soll.

Befund oder Fragestellung Zu erwägende ergänzende Analysen
Anämie oder Verdacht auf eine andere Knochenmarkerkrankung Retikulozyten sowie gemeinsame Prüfung von Hb, MCV, MCH, MCHC, Hämatokrit, Leukozytenzahl und Thrombozytenzahl
Vermutete Störung des Eisenhaushalts Transferrinsättigung, Serumeisen, Transferrin und TEBK
Vermutete systemische Inflammation CRP und BSG
Vermutete Leberbeteiligung ALT, AST, Bilirubin und AP
Verdacht auf gesteigerten Zellumsatz oder hämatologische Erkrankung LDH
Gleichzeitige Nierenfunktionseinschränkung Kreatinin
Vermutete monoklonale Komponente oder Amyloidose Serum- und Urinelektrophorese sowie freie Leichtketten im Serum
Vermutete hämatologische Zellpopulation im Blut Durchflusszytometrie des peripheren Blutes

Eine Durchflusszytometrie des peripheren Blutes kann erwogen werden, wenn Blutbild und Differenzialblutbild den Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung wecken, insbesondere wenn gleichzeitig klinische Zeichen eines Rezidivs oder Fortschreitens bestehen. Die weitere Abklärung muss dann gegebenenfalls zusammen mit einem Hämatologen erfolgen.

Weitere organspezifische Abklärung

Sprechen Anamnese, körperlicher Befund oder Laborbefunde für eine zugrunde liegende Organerkrankung, ist die Abklärung entsprechend auszurichten. Ergänzende Untersuchungen können nach fachärztlicher Beurteilung Gastroskopie, Koloskopie, Bronchoskopie, gezielte Bildgebung oder Biopsie umfassen. Die Wahl muss von den gesamten klinischen Befunden bestimmt werden und nicht allein von einem einzelnen abweichenden Wert im Blutbild.

Quellen

  1. Nordin G, Mårtensson A, Swolin B, et al. A multicentre study of reference intervals for haemoglobin, basic blood cell counts and erythrocyte indices in the adult population of the Nordic countries. Scand J Clin Lab Invest 2004. PMID: 15223702
  2. Bohn MK, Higgins V, Tahmasebi H, et al. Complex biological patterns of hematology parameters in childhood necessitating age- and sex-specific reference intervals for evidence-based clinical interpretation. Int J Lab Hematol 2020. PMID: 32786136
  3. Newburger PE, Dale DC. Evaluation and management of patients with isolated neutropenia. Semin Hematol 2013. PMID: 23953336
  4. Carson JL, Stanworth SJ, Guyatt G, et al. Red Blood Cell Transfusion: 2023 AABB International Guidelines. JAMA 2023. PMID: 37824153
  5. Metcalf RA, Nahirniak S, Guyatt G, et al. Platelet Transfusion: 2025 AABB and ICTMG International Clinical Practice Guidelines. JAMA 2025. PMID: 40440268

Aktualisiert 13. Oktober 2026