QT-Zeit und QTc im EKG: Berechnung, Normalwerte und Verlängerung
Die QT-Zeit gehört zu den Messwerten im EKG, bei denen ein kleiner Fehler große Folgen haben kann. Ein um 40 ms zu hoch gemessener Wert führt dazu, dass ein notwendiges Medikament abgesetzt wird. Ein übersehenes Intervall von 520 ms kann dagegen der Vorbote einer Torsade-de-Pointes-Tachykardie sein. Hinzu kommt, dass die QT-Zeit von der Herzfrequenz abhängt und deshalb korrigiert werden muss, wofür mehrere Formeln mit unterschiedlichen Eigenschaften existieren.
Dieser Artikel erklärt, was die QT-Zeit abbildet, wie man sie korrekt misst, welche Korrekturformeln es gibt und wann welche sinnvoll ist, welche Grenzwerte gelten, was eine Verlängerung verursacht und wie man in der Praxis vorgeht. Mit dem QTc-Rechner lässt sich die korrigierte QT-Zeit aus QT-Zeit und Herzfrequenz nach vier Formeln berechnen. Die benachbarten Abschnitte des EKGs behandeln die Artikel QRS-Komplex, ST-Strecke und T-Welle.
Was die QT-Zeit abbildet
Die QT-Zeit reicht vom Beginn des QRS-Komplexes bis zum Ende der T-Welle. Sie umfasst damit die gesamte Dauer von Depolarisation und Repolarisation der Kammern und entspricht im Wesentlichen der Dauer des Aktionspotenzials der Kammerzellen. Der größte Teil entfällt auf die ST-Strecke (Plateauphase) und die T-Welle (Phase 3).
Die Länge des Aktionspotenzials hängt von der Herzfrequenz ab: Bei schnellerem Rhythmus verkürzt sich das Aktionspotenzial, bei langsamerem verlängert es sich. Die rohe QT-Zeit ist deshalb ohne Bezug zur Herzfrequenz nicht interpretierbar. Eine QT-Zeit von 400 ms ist bei 90/min normal und bei 50/min eher kurz.

Warum eine verlängerte Repolarisation gefährlich ist
Wird die Repolarisation verlängert, können die einwärts gerichteten Ströme (Kalzium- und späte Natriumströme) wieder aktiv werden, bevor die Zelle vollständig repolarisiert ist. Es entstehen frühe Nachdepolarisationen (englisch early afterdepolarizations). Treffen sie auf ein Myokard mit unterschiedlich langer Repolarisation (Dispersion), können sie eine polymorphe Kammertachykardie auslösen, die Torsade-de-Pointes-Tachykardie. Typisch ist die pausenabhängige Auslösung: Eine Extrasystole erzeugt eine Pause, der folgende Schlag hat ein noch längeres QT, und eine weitere frühe Extrasystole auf der T-Welle startet die Tachykardie. Siehe Torsade-de-Pointes-Tachykardie.
So wird die QT-Zeit gemessen
Praktische Regeln
- Ableitung wählen: Gemessen wird in einer Ableitung mit gut erkennbarem T-Wellen-Ende, häufig II oder V5, oft auch V2 oder V3, wo das QT am längsten ist. Es gilt der Median aus mehreren Schlägen in mehreren Ableitungen. Bei Unsicherheit wird die Ableitung mit dem längsten QT gewählt.
- Beginn: Beginn des QRS-Komplexes (Q-Zacke, bei fehlender Q-Zacke der Beginn der R-Zacke).
- Ende der T-Welle: Mit der Tangentenmethode: Man legt eine Tangente an den steilsten Teil des absteigenden Schenkels der T-Welle und bestimmt den Schnittpunkt mit der isoelektrischen Linie. Das ist das Ende.
- U-Welle: Ist die U-Welle klar von der T-Welle getrennt, bleibt sie unberücksichtigt. Ist sie mit der T-Welle verschmolzen, wird entweder bis zum Minimum zwischen T- und U-Welle gemessen oder eine andere Ableitung gewählt, in der die U-Welle weniger stört.
- Papiergeschwindigkeit und Vergrößerung: Bei 25 mm/s (40 ms pro Millimeter) oder 50 mm/s und mit Vergrößerung messen; kleine Fehler summieren sich.
- Frequenz: Die RR-Strecke gehört zum vorangehenden Schlag. Auf postextrasystolische Pausen und Frequenzsprünge nicht messen.
- Vorhofflimmern: Wegen des variablen RR-Abstands über mehrere Schläge (mindestens fünf bis zehn) mitteln.
- Automatische Messung nachprüfen: Geräte messen in der Regel das globale QT (frühester Beginn bis spätestes Ende über alle Ableitungen) und liegen dadurch eher höher als eine Einzelableitungsmessung. Bei flachen, biphasischen oder von U-Wellen überlagerten T-Wellen sind automatische Werte fehleranfällig. Verlängerte oder grenzwertige Werte sollten manuell kontrolliert werden.
Als grobe Faustregel liegt die QT-Zeit bei normaler Herzfrequenz (60 bis 100/min) unter der Hälfte des vorangehenden RR-Abstands. Diese Regel ersetzt die Korrektur nicht und ist bei Tachykardie oder Bradykardie unzuverlässig.

Frequenzkorrektur: Die vier Formeln
Alle gängigen Formeln rechnen mit dem RR-Intervall in Sekunden (RR = 60 / Herzfrequenz). Die QT-Zeit wird in Millisekunden eingesetzt.
| Formel | Berechnung | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Bazett | QTc = QT / √RR | Einfach, weit verbreitet; überkorrigiert bei hoher Herzfrequenz (zu lange QTc) und unterkorrigiert bei niedriger |
| Fridericia | QTc = QT / ∛RR | Entkoppelt QTc besser von der Herzfrequenz; für Arzneimittelstudien bevorzugt |
| Framingham | QTc = QT + 154 × (1 − RR) | Lineare Korrektur; ähnlich gute Eigenschaften wie Fridericia |
| Hodges | QTc = QT + 1,75 × (HF − 60) | Lineare Korrektur, einfach im Kopf zu rechnen |
Beispiele
| QT | Herzfrequenz | Bazett | Fridericia | Framingham | Hodges |
|---|---|---|---|---|---|
| 400 ms | 90/min | 490 ms | 458 ms | 451 ms | 453 ms |
| 460 ms | 50/min | 420 ms | 433 ms | 429 ms | 443 ms |
| 440 ms | 110/min | 596 ms | 539 ms | 510 ms | 528 ms |
Das erste Beispiel zeigt das typische Problem: Bei 90/min ergibt Bazett 490 ms und damit einen scheinbar deutlich verlängerten Wert, während die übrigen Formeln den normalen Bereich um 450 ms ausweisen. Im zweiten Beispiel bei 50/min liegt Bazett dagegen niedriger als die anderen Formeln und kann eine echte Verlängerung verdecken. Beim dritten Beispiel zeigen sich die Unterschiede bei Tachykardie besonders: 596 ms nach Bazett gegenüber 510 bis 539 ms bei den anderen Formeln.
Welche Formel soll man verwenden?
- In einer Vergleichsstudie an 22 063 gesunden Personen zeigte Bazett die schlechteste Entkopplung zwischen QTc und Herzfrequenz, Fridericia die beste (Hoek et al., 2025; PMID 40829441). Eine weitere Untersuchung fand für Bazett die größte intraindividuelle Variabilität (Andršová et al., 2021; PMID 34253795).
- Bei 920 mit Antipsychotika behandelten Personen lag der Anteil mit verlängerter QTc bei maschineller Bazett-Korrektur bei 12,0 %, bei manueller Fridericia-Korrektur bei 2,2 % (Andric et al., 2022; PMID 35747226). Bazett überschätzt also die Verlängerung besonders bei Tachykardie, die unter vielen Medikamenten auftritt.
- Fridericia ist für die Beurteilung von Arzneimittelwirkungen die empfohlene Korrektur. Linear korrigierende Formeln wie Framingham sind ebenfalls geeignet.
- Viele EKG-Geräte verwenden als Voreinstellung Bazett. Prüfen Sie, welche Formel Ihr Gerät benutzt, und berechnen Sie bei auffälligen Werten und bei Frequenzen außerhalb von 60 bis 90/min das QTc mit Fridericia oder Framingham nach. Die vier Formeln lassen sich mit dem QTc-Rechner parallel berechnen. Der Rechner hat auch ein Feld für das Geschlecht, das für die Interpretation anhand der geschlechtsspezifischen Referenzwerte gedacht ist; in die Formeln selbst geht es nicht ein.
- Keine Formel ist bei stark schwankender Herzfrequenz (Vorhofflimmern, autonome Instabilität) zuverlässig. Eine individuelle Korrektur wäre überlegen, ist aber in der Praxis selten verfügbar.
Ergänzende Darstellungen: Das QT- und QTc-Intervall, QT-Dauer und korrigierte QT-Dauer und QT-Intervall, korrigiertes QT-Intervall (QTc), Long QT-Syndrom und Torsades de Pointes.
Normalwerte und Grenzwerte
Die Grenzwerte sind Konventionen. Je nach Quelle liegen sie leicht unterschiedlich, und Frauen haben im Mittel eine um etwa 10 bis 20 ms längere QTc als Männer. Die folgende Einteilung entspricht einer häufig verwendeten Praxis:
| Einordnung | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Normal | bis 450 ms | bis 460 ms |
| Grenzbereich, leicht verlängert | 451 bis 470 ms | 461 bis 480 ms |
| Deutlich verlängert | über 470 ms | über 480 ms |
| Hohes Risiko für Torsade de Pointes | 500 ms und mehr, oder Anstieg um 60 ms und mehr gegenüber dem Ausgangswert | 500 ms und mehr, oder Anstieg um 60 ms und mehr gegenüber dem Ausgangswert |
| Verkürzt | 360 ms und weniger | 360 ms und weniger |
- Risikoschwellen bei Medikamenten: Eine QTc von über 500 ms oder ein Anstieg um mehr als 60 ms gegenüber dem Ausgangswert kennzeichnet ein deutlich erhöhtes Torsade-Risiko (Drew et al., 2010; PMID 20142454). Ein Anstieg um etwa 30 ms gilt als klinisch relevant und sollte zu sorgfältiger Überwachung führen.
- Kongenitales Long-QT-Syndrom: Nach den Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaft gilt die Diagnose bei wiederholt gemessener QTc von 480 ms oder mehr oder bei einem Schwartz-Score über 3. Eine QTc ab 460 ms bei unerklärter arrhythmischer Synkope ohne sekundäre Ursache gilt ebenfalls als diagnostisch richtungweisend.
- Short-QT-Syndrom: Diagnose bei QTc von 360 ms oder weniger zusammen mit einem pathogenen Genotyp, passender Familienanamnese oder überlebter ventrikulärer Arrhythmie ohne strukturelle Herzerkrankung. Bei 320 ms und weniger sollte das Syndrom auch ohne weitere Kriterien erwogen werden. Das Syndrom ist sehr selten. Eine QT-Verkürzung kommt auch bei Hyperkalzämie, Hyperkaliämie, Hyperthermie und unter Digitalis vor.
- Kinder: Die Grenzwerte sind altersabhängig, siehe Pädiatrische und neonatale EKG-Befundung.
Ursachen einer QT-Verlängerung
Die Ursachen lassen sich in angeborene und erworbene unterteilen. Erworbene Formen sind weitaus häufiger, und oft summieren sich mehrere Faktoren.
Angeborenes Long-QT-Syndrom (LQTS)
Mutationen in Ionenkanalgenen verlängern die Repolarisation. Etwa 90 % der Fälle entfallen auf drei Formen:
| Typ | Gen und Kanal | Typische Auslöser | T-Wellen-Form |
|---|---|---|---|
| LQT1 | KCNQ1, langsamer Kaliumstrom IKs (Funktionsverlust) | Körperliche Belastung, Schwimmen, Emotionen | breitbasig |
| LQT2 | KCNH2, schneller Kaliumstrom IKr (Funktionsverlust) | Plötzliche Geräusche, emotionaler Stress, postpartale Phase, Schlaf | niedrig, gekerbt oder zweigipflig |
| LQT3 | SCN5A, Natriumkanal (Funktionszuwachs, später Natriumstrom) | Ruhe, Schlaf, Bradykardie | später Beginn, steiler Verlauf nach langer ST-Strecke |
Die Prävalenz liegt etwa bei 1 von 2000. Typisch sind Synkopen, plötzlicher Herztod in der Familie, Anfälle (oft als Epilepsie fehlgedeutet). Details enthalten die Artikel Long-QT-Syndrom, QT-Zeit-Verlängerung, Long-QT-Syndrom und Torsades-de-Pointes-Tachykardie und LQTS-Risikoscores.

Erworbene QT-Verlängerung
| Ursachengruppe | Beispiele |
|---|---|
| Antiarrhythmika | Sotalol, Dofetilid, Ibutilid, Chinidin, Procainamid, Disopyramid; Amiodaron verlängert die QT-Zeit deutlich, löst aber seltener Torsade aus |
| Antibiotika, Antimykotika, Antiinfektiva | Makrolide (Erythromycin, Clarithromycin, Azithromycin), Fluorchinolone, Fluconazol, Voriconazol, Chloroquin, Hydroxychloroquin, Pentamidin |
| Psychopharmaka | Haloperidol, Thioridazin, Quetiapin, Citalopram und Escitalopram (dosisabhängig), trizyklische Antidepressiva, Methadon |
| Antiemetika und Magen-Darm-Mittel | Ondansetron (vor allem intravenös), Domperidon, Droperidol |
| Onkologische Wirkstoffe | Arsentrioxid, Vandetanib, Nilotinib und weitere Kinasehemmer |
| Elektrolyte | Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie |
| Herzfrequenz | Bradykardie, AV-Block III. Grades, Pausen |
| Erkrankungen | Myokardischämie und Infarkt, Takotsubo, Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie, Linksherzhypertrophie, Subarachnoidalblutung und Schlaganfall, Hypothyreose, Hypothermie, Anorexia nervosa, Leberinsuffizienz (Arzneimittelakkumulation) |
Die Aufstellung enthält Beispiele und ist keine vollständige Liste. Die Einstufung des Risikos einzelner Medikamente wird laufend aktualisiert; üblich ist die Konsultation der CredibleMeds-Liste und der aktuellen Fachinformation. Eine ausführliche Darstellung enthält der Artikel Erworbenes Long-QT-Syndrom und medikamenteninduzierte Arrhythmien. Zu Elektrolyten siehe EKG-Veränderungen aufgrund einer Elektrolytstörung und Hypokaliämie. Zu den Antiarrhythmika siehe EKG-Veränderungen durch Antiarrhythmika, Betablocker und Kalziumkanalblocker und Sotalol: Initiation und QT-Monitoring.
Risikofaktoren für Torsade de Pointes
Die Wahrscheinlichkeit einer Torsade-Tachykardie steigt mit der Zahl der Risikofaktoren: weibliches Geschlecht, höheres Alter, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Bradykardie, strukturelle Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, bereits verlängerte QTc, Kombination mehrerer QT-verlängernder Medikamente, Hemmstoffe des Arzneimittelabbaus (CYP), schnelle intravenöse Gabe, Leberinsuffizienz und eine genetische Anfälligkeit. Der Tisdale-Risikoscore gewichtet solche Faktoren bei stationären Patientinnen und Patienten, siehe Tisdale-Score.
Praktisches Vorgehen bei verlängerter QT-Zeit
- Messung bestätigen. Manuell nachmessen, Formel prüfen (Fridericia oder Framingham zum Vergleich), Frequenz und Artefakte beachten.
- Kontext klären. Medikamentenliste prüfen, Elektrolyte bestimmen, Herzfrequenz und Rhythmus beurteilen, nach Synkopen und Familienanamnese fragen.
- Risikofaktoren korrigieren.
- QT-verlängernde Medikamente absetzen oder durch weniger risikoreiche ersetzen, besonders ab QTc von 500 ms oder bei Anstieg um 60 ms und mehr.
- Kalium im oberen Normbereich halten (etwa 4,5 bis 5,0 mmol/l), Magnesium und Kalzium normalisieren.
- Bradykardie korrigieren.
- Überwachen. Telemetrie bei deutlicher Verlängerung oder zusätzlichen Risikofaktoren; vor und nach Beginn eines QT-verlängernden Medikaments EKG ableiten, vor allem nach Dosiserhöhung.
- Bei Torsade de Pointes: Bei instabiler Tachykardie Defibrillation. Bei stabiler oder wiederkehrender Form Magnesiumsulfat intravenös (typischerweise 2 g), Kalium korrigieren, die auslösenden Medikamente stoppen, die Herzfrequenz erhöhen (Schrittmacher, bei erworbener Form vorübergehend Isoprenalin), siehe Torsade-de-Pointes-Tachykardie.
- Bei Verdacht auf angeborenes LQTS: Fachkardiologische Abklärung (Familienanamnese, Belastungs-EKG, genetische Untersuchung), Meidung QT-verlängernder Medikamente, Betablocker (Nadolol oder Propranolol), gegebenenfalls linkskardiale sympathische Denervierung, ICD bei überlebtem Herzstillstand oder Synkopen trotz Therapie.
- Angehörige informieren: Bei kongenitaler Form Familienscreening.
Vor jeder Verordnung eines QT-verlängernden Medikaments gehört ein Ausgangs-EKG mit QTc-Messung, die Kalium- und Magnesiumkontrolle sowie die Abwägung von Nutzen und Risiko zur Routine.

Besondere Situationen
Breiter QRS-Komplex
Bei Schenkelblock, ventrikulärer Stimulation oder ventrikulärem Rhythmus ist die QT-Zeit durch die verlängerte Depolarisation länger, ohne dass die Repolarisation gestört sein muss. Die QTc überzeichnet das Risiko. Alternativen sind das JT-Intervall (Ende des QRS-Komplexes bis Ende der T-Welle) oder QT-Korrekturen, die die QRS-Dauer berücksichtigen, etwa die Bogossian-Formel. Keine Methode ist allgemein anerkannt; man sollte den Befund in Zusammenschau mit Klinik und Risikofaktoren bewerten. Zu den Ursachen eines breiten QRS-Komplexes siehe den entsprechenden Artikel.
Vorhofflimmern
Mehrere Schläge mitteln, Schläge nach langen Pausen auslassen und die Korrektur nach Fridericia oder Framingham bevorzugen.
Sportler und Bradykardie
Bei Ruhefrequenzen unter 50/min unterkorrigiert Bazett; Fridericia ist hier zuverlässiger. Eine QTc-Verlängerung bei Sportlern ist abklärungsbedürftig und nicht als "Trainingseffekt" abzutun.
QT-Dispersion und andere Parameter
Die QT-Dispersion ist der Unterschied zwischen der längsten und der kürzesten QT-Zeit in den 12 Ableitungen. Eine erhöhte Dispersion war in Studien mit höherer Morbidität und Mortalität verbunden und wurde als Maß der regionalen Unterschiede der Repolarisation gedeutet. Wegen der schlechten Reproduzierbarkeit der Messung und der unklaren Aussagekraft im Einzelfall hat sie sich in der Routine nicht durchgesetzt. Auch der Abstand zwischen Gipfel und Ende der T-Welle ist ein Forschungsparameter. Entscheidungen im Alltag stützen sich auf QTc, Verlauf und Risikofaktoren.
Die U-Welle
Die U-Welle ist eine kleine Welle nach der T-Welle, am besten in V2 und V3 erkennbar. Ihr Ursprung ist nicht abschließend geklärt (Nachpotenziale, Repolarisation der Purkinje-Fasern und der mittleren Myokardzellen werden diskutiert). Sie ist bei Bradykardie, Jugendlichen und Sportlern stärker ausgeprägt und deutlich niedriger als die T-Welle.
| Befund | Bedeutung |
|---|---|
| Prominente U-Welle | Hypokaliämie (zusammen mit flacher T-Welle und ST-Senkung), Bradykardie, Antiarrhythmika, Digitalis, Long-QT-Syndrom (insbesondere LQT2) |
| Negative (invertierte) U-Welle | Seltener Befund; Hinweis auf ischämische Herzerkrankung (besonders linke Vorderwandarterie), Hypertonie, Linksherzbelastung |
| T-U-Verschmelzung | Erschwert die Bestimmung des T-Wellen-Endes und führt zu falsch langen QT-Werten |
Eine prominente U-Welle hat bei Hypokaliämie diagnostische Bedeutung, siehe Hypokaliämie und EKG-Veränderungen aufgrund einer Elektrolytstörung.

Häufige Fehler
- Rohe QT-Zeit statt QTc bewerten: Ohne Frequenzkorrektur sind Fehlurteile in beide Richtungen die Folge.
- Bazett blind verwenden: Bei Tachykardie wird die QTc überschätzt, bei Bradykardie unterschätzt.
- Automatischen Wert ungeprüft übernehmen: Besonders bei flacher T-Welle, U-Welle und Vorhofflimmern.
- U-Welle in die QT-Zeit einbeziehen: Das verlängert den Wert künstlich.
- Breiten QRS-Komplex nicht berücksichtigen: Die QTc überschätzt dann das Risiko.
- Nach Pausen messen: Postextrasystolische Schläge haben ein verlängertes QT.
- Elektrolyte vergessen: Kalium, Magnesium und Kalzium gehören zur Abklärung jeder QT-Verlängerung.
- Kein Ausgangs-EKG: Ohne Ausgangswert lässt sich ein Anstieg um 60 ms nicht erkennen.
- Familienanamnese und Synkopen nicht erfragen: Das kongenitale LQTS bleibt sonst unentdeckt.
Checkliste: QT-Zeit
- QT in einer Ableitung mit gut abgrenzbarem T-Wellen-Ende messen (Tangentenmethode), U-Welle ausschließen; Median aus mehreren Schlägen.
- Herzfrequenz und RR-Intervall bestimmen; Formel bewusst wählen (Fridericia oder Framingham zur Kontrolle von Bazett).
- QTc anhand geschlechtsspezifischer Grenzwerte beurteilen; 500 ms und Anstieg um 60 ms als Alarmschwellen beachten.
- Breiter QRS-Komplex oder Vorhofflimmern: Korrektur anpassen (JT-Intervall, Mittelung).
- Medikamente, Elektrolyte, Herzfrequenz und Erkrankungen prüfen.
- T-Wellen-Form beurteilen (LQTS-Typ, Alternans, Kerbung).
- Anamnese: Synkope, Palpitationen, plötzlicher Herztod in der Familie, Anfälle.
- Überwachung und Folge-EKG planen.
Zusammenfassung
- Die QT-Zeit umfasst Depolarisation und Repolarisation der Kammern und hängt von der Herzfrequenz ab; sie muss korrigiert werden.
- Die Messung erfolgt vom QRS-Beginn bis zum T-Wellen-Ende (Tangentenmethode), ohne separate U-Welle, mit Mittelung mehrerer Schläge.
- Bazett überkorrigiert bei hoher Herzfrequenz; Fridericia und Framingham sind geeigneter. Das verwendete Gerät und seine Formel sind zu kennen.
- Grenzwerte: normal bis 450 ms (Männer) und 460 ms (Frauen); ab 500 ms oder Anstieg um 60 ms und mehr hohes Risiko.
- Ursachen: angeborenes LQTS (LQT1 bis LQT3), Medikamente, Elektrolytstörungen, Bradykardie, Grunderkrankungen.
- Therapie: auslösende Faktoren beseitigen, Elektrolyte korrigieren, bei Torsade Magnesium und Frequenzanhebung, bei Kammerflimmern Defibrillation.
- Bei breitem QRS-Komplex und Vorhofflimmern ist die QTc nur eingeschränkt verwertbar.
Weiterlernen
Im Kurs Das EKG-Buch werden QT-Messung, Formeln und Risikobewertung mit Übungsaufgaben vertieft. Mit dem QTc-Rechner lassen sich die Werte direkt berechnen. Weitere Artikel dieser Reihe: QRS-Komplex, J-Punkt, ST-Strecke, T-Welle, P-Welle und PQ-Zeit. Einen Gesamtüberblick bietet der Artikel Normales EKG.