Elektrolyt mit membranstabilisierender und kalziumantagonistischer WirkungMONITORING ERFORDERLICH

Magnesiumsulfat

Addex-Magnesium · Magnesiumsulfat B. Braun

Magnesium hemmt kompetitiv den Kalziumeinstrom und stabilisiert damit elektrisch erregbare Membranen — was die Aktionsgrundlage für drei sehr verschiedene Indikationen erklärt: Torsades-de-pointes-Arrhythmie, Status asthmaticus und Eklampsie-Prophylaxe. Die Behandlung wirkt unabhängig vom Serummagnesiumwert, und bei Torsades muss nicht erst auf den Laborbefund gewartet werden.

WARNHINWEIS

Magnesiumintoxikation entwickelt sich schleichend: Verlust des Patellarsehnenreflexes tritt zuerst auf (bei ca. 3,5–5 mmol/l), gefolgt von Atemdepression (über 5 mmol/l) und Herzstillstand (über 7,5 mmol/l). Reflexstatus und Atemfrequenz sind zuverlässigere Indikatoren als der Serumspiegel. Antidot: Calciumgluconat 10 ml 100 mg/ml i.v. sofort bei Atemdepression.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Torsades de pointes1–2 g (4–8 mmol) i.v. über 1–2 min bei Herzstillstand, sonst verdünnt über 10–15 min; nach 10–15 min wiederholbarauch bei normalem Serummagnesium geben
Rezidivierende Torsadeskontinuierliche Infusion 3–20 mg/min (0,5–3 mmol/h) bis QT normalisiertgleichzeitig Kalium korrigieren und auslösendes Arzneimittel absetzen
Schwerer Asthmaanfall ohne Ansprechen auf Inhalationen2 g (8 mmol) i.v. über 20 min als EinzeldosisZusatz zu Betaagonist und Steroid
Eklampsie und schwere Präeklampsie (Zuspan)Ladedosis 4 g (16 mmol) i.v. über 15–20 min, danach 1 g/h (4 mmol/h) für 24 h nach Geburt oder letztem Krampfbei erneutem Krampf 2 g (8 mmol) i.v.
Symptomatische Hypomagnesiämie30–40 mmol pro Tag i.v. bis Serummagnesium normalisiert, danach 10 mmol/Taghöchstens 2,5–3 mmol pro Stunde
Niereninsuffizienz

Vollständig renal ausgeschieden. Erhaltungsdosis halbieren bei eGFR unter 30 ml/min und Infusion bei Oligurie unter 25–30 ml/h vermeiden.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung.

Kinder

Torsades und Asthma: 25–50 mg/kg i.v. über 10–20 min (max. 2 g). Eklampsie-Prophylaxe folgt dem Zuspan-Schema.

Fallstrick

Magnesium nicht als Allgemeinbehandlung bei polymorpher Kammertachykardie mit normaler QT-Zeit einsetzen — dort ist Ischämie die Ursache und muss behandelt werden. Auch nicht als Reflexmittel bei jedem Hypokalzämie-Patienten geben — Magnesium senkt Kalzium vorübergehend wenn der Kalziumspiegel bereits niedrig ist.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v.
WIRKUNGSDAUER
30 Minuten bis mehrere Stunden je nach Dosis
ca. 4 Stunden
AUSSCHEIDUNG
Vollständig renal
UMRECHNUNG
1 g MgSO₄ ≈ 4 mmol Mg
THERAPEUTISCHER SPIEGEL
1,5–2,5 mmol/l bei Eklampsie-Prophylaxe
NORMALWERT
0,7–1,0 mmol/l
ANTIDOT
Calciumgluconat 10 ml 100 mg/ml i.v. bei Intoxikation

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Wärmegefühl und Flush während Infusion, Übelkeit, Müdigkeit, lokale Irritation
1–10 %
Hypotonie bei schneller Zufuhr, Muskelschwäche, Doppelbilder, Dysarthrie
< 1 %
Areflexie, Atemdepression, AV-Block, Asystolie bei schwerer Intoxikation