Addex-Kaliumklorid · Kaliumklorid B. Braun · Kaleorid
Kaliummangel wird langsam korrigiert, weil das extrazelluläre Kalium nur zwei Prozent des gesamten Körperkaliumpools ausmacht — der Plasmawert sagt, wo man beginnt, nicht wie groß das Defizit ist. Die Geschwindigkeit, nicht die Tagesdosis, entscheidet über die Sicherheit: peripher 10 mmol/h, über zentralen Zugang bis zu 20 mmol/h und höchstens 40 mmol/h bei lebensbedrohlicher Hypokaliämie unter kontinuierlicher EKG-Überwachung. Hypokaliämie, die trotz adäquater Zufuhr nicht ansteigt, beruht fast immer auf gleichzeitiger Hypomagnesiämie, und dann muss zuerst Magnesium gegeben werden.
Konzentriertes Kaliumchlorid darf niemals als Bolus oder unverdünnt gegeben werden — es verursacht Asystolie innerhalb von Sekunden und ist eine der klassischen tödlichen Medikamentenverwechslungen. Das Konzentrat muss immer in einen Infusionsbeutel gemischt, gewendet und gekennzeichnet werden bevor es angeschlossen wird, und fertig gemischte Lösungen sollten verwendet werden wenn verfügbar.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Leichte Hypokaliämie (Serumkalium 3,0–3,5 mmol/l) bei funktionstüchtigem Darm | oral 40–80 mmol pro Tag auf 2–3 Dosen verteilt | perorale Retardtabletten sind erste Wahl wenn Patient schlucken kann |
| Mäßige Hypokaliämie (Serumkalium 2,5–3,0 mmol/l) | 40 mmol Kaliumchlorid in 1 000 ml Natriumchlorid 9 mg/ml i.v. über 4–6 Stunden, nach Kontrolle wiederholen | peripher höchstens 10 mmol/h und Konzentration höchstens 40 mmol/l |
| Schwere Hypokaliämie (Serumkalium < 2,5 mmol/l) oder Arrhythmie | 10–20 mmol/h über zentralen Zugang, bis zu 40 mmol/h bei lebensbedrohlicher Hypokaliämie | erfordert ZVK, kontinuierliche EKG-Überwachung und Kontrolle alle 1–2 Stunden |
| Defizitberechnung | eine Senkung des Serumkaliums um 0,3 mmol/l unter 3,5 entspricht grob 100 mmol Gesamtdefizit; Serumkalium 2,5 bedeutet oft 300–400 mmol | grobe Schätzung — nach wiederholten Messwerten steuern, nicht nach der Formel |
| Therapieresistente Hypokaliämie | Magnesiumsulfat 20–40 mmol i.v. pro Tag parallel zur Kaliumzufuhr | ohne Magnesiumkorrektur scheidet die Niere weiter Kalium aus |
Bei eGFR unter 30 ml/min Zufuhr halbieren und Serumkalium mindestens alle 4 Stunden kontrollieren; bei Oligo- oder Anurie soll Kalium in der Regel gar nicht gegeben werden ohne die Ursache zu klären. Kaliumsparende Diuretika, ACE-Hemmer, ARB und MRA sollen abgesetzt oder dosisangepasst werden bevor die Substitution begonnen wird.
Keine Dosisanpassung. Bei Leberzirrhose mit sekundärem Hyperaldosteronismus und Diuretikatherapie sind die Kaliumverluste oft groß und der Bedarf größer als berechnet.
0,5–1 mmol/kg i.v. über 1–2 Stunden, höchstens 0,5 mmol/kg/h und maximal Erwachsenendosis. Konzentration peripher höchstens 40 mmol/l; höhere Konzentration erfordert zentralen Zugang und EKG-Überwachung.
Nicht durch schnellere Infusion den Plasmawert nachjagen wenn das Kalium nicht steigt — die häufigste Ursache ist unbehandelte Hypomagnesiämie, und die Lösung ist Magnesium, nicht höhere Infusionsrate. Auch i.v.-Substitution vermeiden wenn der Patient schlucken kann: perorale Zufuhr ist ebenso wirksam, erheblich sicherer und vermeidet sowohl Venenirritation als auch das Risiko der Überkorrektur.