Elektrolytkonzentrat zur KaliumsubstitutionENGE THERAPEUTISCHE BREITEMONITORING ERFORDERLICHHOCHRISIKOARZNEIMITTEL

Kaliumchlorid

Addex-Kaliumklorid · Kaliumklorid B. Braun · Kaleorid

Kaliummangel wird langsam korrigiert, weil das extrazelluläre Kalium nur zwei Prozent des gesamten Körperkaliumpools ausmacht — der Plasmawert sagt, wo man beginnt, nicht wie groß das Defizit ist. Die Geschwindigkeit, nicht die Tagesdosis, entscheidet über die Sicherheit: peripher 10 mmol/h, über zentralen Zugang bis zu 20 mmol/h und höchstens 40 mmol/h bei lebensbedrohlicher Hypokaliämie unter kontinuierlicher EKG-Überwachung. Hypokaliämie, die trotz adäquater Zufuhr nicht ansteigt, beruht fast immer auf gleichzeitiger Hypomagnesiämie, und dann muss zuerst Magnesium gegeben werden.

WARNHINWEIS

Konzentriertes Kaliumchlorid darf niemals als Bolus oder unverdünnt gegeben werden — es verursacht Asystolie innerhalb von Sekunden und ist eine der klassischen tödlichen Medikamentenverwechslungen. Das Konzentrat muss immer in einen Infusionsbeutel gemischt, gewendet und gekennzeichnet werden bevor es angeschlossen wird, und fertig gemischte Lösungen sollten verwendet werden wenn verfügbar.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Leichte Hypokaliämie (Serumkalium 3,0–3,5 mmol/l) bei funktionstüchtigem Darmoral 40–80 mmol pro Tag auf 2–3 Dosen verteiltperorale Retardtabletten sind erste Wahl wenn Patient schlucken kann
Mäßige Hypokaliämie (Serumkalium 2,5–3,0 mmol/l)40 mmol Kaliumchlorid in 1 000 ml Natriumchlorid 9 mg/ml i.v. über 4–6 Stunden, nach Kontrolle wiederholenperipher höchstens 10 mmol/h und Konzentration höchstens 40 mmol/l
Schwere Hypokaliämie (Serumkalium < 2,5 mmol/l) oder Arrhythmie10–20 mmol/h über zentralen Zugang, bis zu 40 mmol/h bei lebensbedrohlicher Hypokaliämieerfordert ZVK, kontinuierliche EKG-Überwachung und Kontrolle alle 1–2 Stunden
Defizitberechnungeine Senkung des Serumkaliums um 0,3 mmol/l unter 3,5 entspricht grob 100 mmol Gesamtdefizit; Serumkalium 2,5 bedeutet oft 300–400 mmolgrobe Schätzung — nach wiederholten Messwerten steuern, nicht nach der Formel
Therapieresistente HypokaliämieMagnesiumsulfat 20–40 mmol i.v. pro Tag parallel zur Kaliumzufuhrohne Magnesiumkorrektur scheidet die Niere weiter Kalium aus
Niereninsuffizienz

Bei eGFR unter 30 ml/min Zufuhr halbieren und Serumkalium mindestens alle 4 Stunden kontrollieren; bei Oligo- oder Anurie soll Kalium in der Regel gar nicht gegeben werden ohne die Ursache zu klären. Kaliumsparende Diuretika, ACE-Hemmer, ARB und MRA sollen abgesetzt oder dosisangepasst werden bevor die Substitution begonnen wird.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Bei Leberzirrhose mit sekundärem Hyperaldosteronismus und Diuretikatherapie sind die Kaliumverluste oft groß und der Bedarf größer als berechnet.

Kinder

0,5–1 mmol/kg i.v. über 1–2 Stunden, höchstens 0,5 mmol/kg/h und maximal Erwachsenendosis. Konzentration peripher höchstens 40 mmol/l; höhere Konzentration erfordert zentralen Zugang und EKG-Überwachung.

Fallstrick

Nicht durch schnellere Infusion den Plasmawert nachjagen wenn das Kalium nicht steigt — die häufigste Ursache ist unbehandelte Hypomagnesiämie, und die Lösung ist Magnesium, nicht höhere Infusionsrate. Auch i.v.-Substitution vermeiden wenn der Patient schlucken kann: perorale Zufuhr ist ebenso wirksam, erheblich sicherer und vermeidet sowohl Venenirritation als auch das Risiko der Überkorrektur.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v., 1–2 Stunden oral
VERTEILUNG
98 % intrazellulär — Plasmawert spiegelt den Pool schlecht wider
INHALT
Addex-Kaliumklorid 2 mmol/ml, 20-ml-Ampulle = 40 mmol
MAX. INFUSIONSRATE PERIPHER
10 mmol/h, Konzentration höchstens 40 mmol/l
MAX. INFUSIONSRATE ZENTRAL
20 mmol/h, ausnahmsweise 40 mmol/h mit EKG-Überwachung
AUSSCHEIDUNG
Renal, aldosteronabhängige tubuläre Sekretion
NORMALWERT
3,5–4,4 mmol/l im Plasma
UMRECHNUNG
1 g Kaliumchlorid ≈ 13,4 mmol Kalium

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Schmerz und Brennen entlang der Infusionsvene, Übelkeit und Magenbeschwerden bei peroraler Zufuhr
1–10 %
Thrombophlebitis, Hyperkaliämie bei zu schneller Korrektur, Durchfall, Schleimhautulzerationen im Magen-Darm-Trakt durch Retardtabletten
< 1 %
Bradykardie, AV-Block und Asystolie bei zu schneller Infusion, Gewebsnekrose bei Extravasation von Konzentrat