Natriumbicarbonat Fresenius Kabi · Addex-Natriumbicarbonat
Bei trizyklischer Antidepressivumintoxikation und anderen Natriumkanal-blockierenden Vergiftungen ist Natriumbicarbonat lebensrettend durch den doppelten Mechanismus: die Alkalose erhöht die Proteinbindung des Giftstoffs und der hohe Natriumgradient fördert die Natriumkanalerholung. Bei metabolischer Azidose ist die Indikation enger — unterhalb pH 7,10 und als Überbrückung, nie als Ersatz für Behandlung der Grundursache.
Bicarbonat treibt Kalium und ionisiertes Kalzium in die Zellen und kann lebensbedrohliche Hypokaliämie und Tetanie auslösen — besonders bei Hypokalzämie oder Digitalisbehandlung. Gibt niemals Bicarbonat im selben Zugang wie Kalziumsalze oder Katecholamine ohne Zwischenspülung.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Trizyklische Antidepressivum-Intoxikation mit QRS > 100–120 ms oder Arrhythmie | 200 ml Natriumbicarbonat 50 mg/ml (120 mmol) i.v. über 10 min, bis QRS sich verschmälert wiederholen; Ziel arterielles pH 7,45–7,55 | wichtigste Indikation — nach EKG-Bild geben, nicht nach pH |
| Schwere metabolische Azidose (pH < 7,10) | berechneter Bedarf = Basendefizit × 0,3 × Körpergewicht (mmol); Hälfte i.v. über 30–60 min geben und Blutgas neu berechnen | Grundursache parallel behandeln; kein Vorteil bei pH über 7,10 |
| Hyperkaliämie mit Azidose | 50–100 mmol (85–170 ml von 50 mg/ml) i.v. über 15–30 min | schwacher und langsamer Kaliumsenker — ersetzt nicht Insulin-Glukose oder Dialyse |
| Urinalkalisierung (Salicylat, Methotrexat, Myoglobinurie) | 100–150 mmol zugesetzt zu 1 000 ml Glukose 50 mg/ml, Infusion 150–250 ml/h; Ziel Urin-pH > 7,5 | erfordert gleichzeitige Kaliumsubstitution, sonst wird Ziel nie erreicht |
| Natriumkanal-Blockade anderer Ursache (Flecainid, Kokain, Bupivacain) | 1–2 mmol/kg i.v. als Bolus, nach QRS-Ansprechen wiederholen | Vergiftungsinformationszentrum kontaktieren |
Niereninsuffizienz ist selbst eine Indikation bei urämischer Azidose, aber die Elimination von Natrium und Wasser ist eingeschränkt — Flüssigkeitsüberladung droht.
Keine Dosisanpassung.
1–2 mmol/kg i.v. als Bolus bei Vergiftung. Azidosekorrektur: Basendefizit × 0,3 × Körpergewicht, Hälfte geben und Blutgas neu berechnen.
Bicarbonat nicht als Routinebehandlung bei diabetischer Ketoazidose und bei Laktatazidose mit erhaltener Zirkulation: der Nutzen ist nicht belegt und CO₂-Produktion durch Pufferung kann die intrazelluläre Azidose paradox verschlechtern. Die wichtigste Behandlung der metabolischen Azidose ist die Behandlung ihrer Ursache.